BUNDESPATENTGERICHT 17 W (pat) 12/04 _______________________ (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache betreffend die Patentanmeldung P 40 42 738.2-53 … hat der 17. Senat des Bundespatentgericht am 24. September 2004 unter Mitwir-kung des Vorsitzenden Richters Dipl.-Phys. Dr. Fritsch sowie der Richter Dr. Schmitt, Dipl.-Ing. Prasch und Dipl.-Ing. Schuster BPatG 152 10.99 - 2 - beschlossen: Auf die Beschwerde der Anmelderin wird der Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse G 06 F des Deutschen Patent- und Markenamts vom 6. Oktober 2003 aufgehoben. Die Sache wird unter Zugrundelegung der am 27. November 2003 ein-gereichten S 4 bis 12 der Beschreibung und im übrigen der am 13. Juni 2002 eingereichten Unterlagen zur weiteren Prü-fung an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückverwie-sen. G r ü n d e : I. Die vorliegende Patentanmeldung mit der Bezeichnung „Verfahren und Vorrich-tung zur Cachespeichersteuerung“ ist aus der Anmeldung P 40 39 891.9-53 (Stammanmeldung) abgeteilt worden. Im Verfahren der Stammanmeldung hatte die Prüfungsstelle ua beanstandet, dass vier verschiedene Aufgaben in der Be-schreibung genannt seien, und dies als unstatthaft angesehen. Die Anmelderin hatte daraufhin zunächst die Einreichung einer Beschreibung mit einer neu ge-fassten Aufgabe in Aussicht gestellt und dann zusammen mit der Teilungserklä-rung eine zulässige Aufgabenstellung formuliert. Im Verfahren der Teilanmeldung hat sie am 13. Juni 2002 komplette Unterlagen eingereicht mit einer Beschreibung, in der wiederum die vier verschiedenen Aufga-ben aufgeführt waren. Daraufhin hat die Prüfungsstelle durch Beschluss vom 6. Oktober 2003 die Teilanmeldung zurückgewiesen mit der Begründung, die An-melderin habe wissentlich den in der Stammanmeldung gerügten Mangel in der Teilanmeldung nicht behoben. - 3 - Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt und gleichzeitig am 27. November 2003 überarbeitete Beschreibungsseiten 4 bis 12 eingereicht. Sie beantragt, nach Aufhebung des angefochtenen Beschlusses ein Patent mit den vorliegenden Unterlagen zu erteilen, hilfsweise die Sache an die Prüfungsstelle zur Fortsetzung des Prüfungs-verfahren zurückzuverweisen. Ferner regt sie an, die Beschwerdegebühr aus Billigkeitsgründen zurückzuzahlen; die Einlegung der Beschwerde sei notwendig geworden, weil die Prüfungsstelle das rechtliche Gehör verletzt und so einen Verfahrensfehler begangen habe. II. Die Beschwerde führt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Zu-rückverweisung der Sache an das Deutsche Patent- und Markenamt gemäß § 79 Abs 3 Satz 1 Nr 1 PatG. Die von der Anmelderin mit der Beschwerdeschrift eingereichten, überarbeiteten Beschreibungsseiten 4 bis 12 beseitigen den Mangel, mit dem die Prüfungsstelle die Zurückweisung der Anmeldung begründet hat. In der Beschreibung ist nun-mehr nur eine Aufgabenstellung genannt, ein Cachespeicher-Steuerverfahren und eine Vorrichtung zur Cachespeichersteuerung zu schaffen, mit dem der Schreib-prozess selbst dann beschleunigt werden kann, wenn ein zu schreibender Daten-satz zum Zeitpunkt des Schreibens der Daten von einer Datenverarbeitungseinheit nicht im Cachespeicher gespeichert ist, indem der Schreibprozess beendet wird, sobald die Daten in den Cachespeicher gespeichert worden sind. - 4 - Insoweit ist der Beschwerde stattzugeben. Bezüglich des Hauptantrags ist sie zu-rückzuweisen. Die Prüfungsstelle hat die Anmeldung in einem Stadium des Prü-fungsverfahrens zurückgewiesen, in dem davon auszugehen ist, dass sie noch keine abschließende Entscheidung über die Patentfähigkeit der Anmeldung getrof-fen hat. Die angeregte Rückzahlung der Beschwerdegebühr kommt nicht in Betracht. Da-für fehlt die Rechtsgrundlage. Die Gebührenrückzahlung nach § 80 Abs 3 PatG kann nur angeordnet werden, wenn sie der Billigkeit entspricht, die Einbehaltung der Gebühr unbillig wäre (vgl zB Schulte, PatG, 6. Aufl, § 80 Rdn 66 f, § 73 Rdn 142 f). Das ist hier nicht der Fall. Die von der Prüfungsstelle im vorliegenden Fall gewählte Verfahrensweise liegt im Rahmen pflichtgemäßen Verwaltungsermes-sens. Die Teilanmeldung, ohne den Mangel der mehrfachen Aufgabenstellung zu rügen, nach über einem Jahr zurückzuweisen, verletzt hier nicht den Anspruch auf rechtliches Gehör und stellt damit keinen schwerwiegenden, die Gebührenrück-zahlung rechtfertigenden Verfahrensverstoß dar. Der Senat macht sich insoweit die Rechtsprechung des 20. Senats des Bundespatentgerichts in dem Beschluss „Akustisches Oberflächenwellenfilter“ (BlPMZ 2001, 59) zu eigen. Danach ist die im Stammverfahren bereits erfolgte Prüfung – soweit sie den Gegenstand der Ausscheidungsanmeldung betraf – als Prüfung in dem abgetrennten Verfahren an-zusehen. Der im Stammverfahren ergangene Prüfungsbescheid ist auch im Hin-blick auf die Ausscheidungsanmeldung beachtlich, das rechtliche Gehör ist also gewährt, der gerügte Verfahrensfehler liegt nicht vor. Insoweit unterscheiden sich in verfahrensrechtlicher Hinsicht entgegen der Annahme der Anmelderin Aus-scheidungs- und Teilungsanmeldung nicht; auch hier braucht ein bereits in der Stammanmeldung gerügter Mangel nicht erneut aufgegriffen und dem Anmelder eine Äußerungsmöglichkeit gegeben werden. Die Teilanmeldung stellt eine Fort-setzung des bereits anhängigen Erteilungsverfahrens dar (Busse, PatG, 6. Aufl, § 39 Rdn 24); so gelten - wie bei der Ausscheidungsanmeldung - Verwaltungsakte des Patentamts, die in der Stammanmeldung ergangen sind, auch in der Teilan-meldung und bedürfen keiner Wiederholung (Schulte, aaO, § 39 Rdn 59). Soweit - 5 - die Anmelderin mit Bezug auf Schulte, aaO Rdn 42 ausführt, etwaige Mängel der eingereichten Unterlagen seien in dem Verfahren der Teilanmeldung, das rechtlich selbständig gegenüber dem Verfahren der Stammanmeldung sei, zu rügen und es sei zur Einreichung von angepassten Unterlagen aufzufordern, hat sie im Grunde recht, verkennt aber das Besondere des vorliegenden Falles mit der bereits in der Stammanmeldung erfolgten Rüge der Mehrfachaufgabenstellung. Ebenfalls fehl geht der Hinweis der Anmelderin auf den Beschluss des 16. Senats des Bundes-patentgerichts vom 13. November 1969 „Prüfungsantrag“ (Mitt 1971,137). Der dor-tige Sachverhalt ist mit dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar. Infolge der Ände-rung des Patentgesetzes im Jahre 1967 - System der verschobenen Prüfung - ging es dort bei einer Übergangsanmeldung um ein durch den - neu eingeführ-ten – Prüfungsantrag (erstmals) eingeleitetes Prüfungsverfahren, sodass die Prü-fungsstelle zu einer erneuten Prüfungsbeanstandung mit Gewährung rechtlichen Gehörs verpflichtet war, und nicht lediglich um die Fortsetzung des vor der Geset-zesänderung bereits begonnenen Prüfungsverfahrens, das als prozessual über-holt angesehen worden ist. Dr. Fritsch Dr. Schmitt Prasch Schuster Ko
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