BPatG 154 6.70 BUNDESPATENTGERICHT 19 W (pat) 62/02 _______________ (Aktenzeichen) Verkündet am 2. März 2005 … B E S C H L U S S In der Beschwerdesache betreffend die Patentanmeldung P 43 45 529.8-26 … hat der 19. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 2. März 2005 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dipl.-Phys. Dr. Kellerer und der Richter Schmöger, Dipl.-Ing. Groß und Dr.-Ing. Scholz beschlossen: Die Beschwerde wird zurückgewiesen. - - 2G r ü n d e I Das Deutsche Patent- und Markenamt - Prüfungsstelle für Klasse G05G - hat die am 8. Dezember 2000 eingegangene, aus der Stammanmeldung P 43 16 641.5-26 abgeteilte Anmeldung P 43 45 529.8-26 durch Formalbeschluss vom 29. August 2002 zurückgewiesen, und zur Begründung auf den Bescheid vom 13. Februar 2002, in dem die Prüfungsstelle mitgeteilt hatte, dass eine wirksame Teilung wegen unzulässiger Erweiterung des Anmeldegegenstands nicht vorliegt hingewiesen. Gegen diesen Beschluss richtet sich die Beschwerde der Anmelderin. Die Anmelderin hat ankündungsgemäß an der mündlichen Verhandlung nicht teil-genommen. Dem Beschwerdeverfahren legt die Anmelderin die Teilungsanmel-dung P 43 45 529.8-26 in der ursprünglich eingereichten Fassung zugrunde. Der Patentanspruch 1 der Teilungsanmeldung lautet unter Hinzufügung der Glie-derungsbuchstaben a) bis f): „a) Betätigungseinrichtung an einem Gerät zum mechanischen Betätigen eines von der Betätigungsstelle entfernt liegenden Stellgliedes (8), b) wobei die Betätigungseinrichtung ein in mindestens einem Führungsele-ment (10) verschiebbar geführtes und mit dem Stellglied (8) gekoppeltes Zwischenglied (4) aufweist, c) auf das eine Betätigungskraft ausübbar ist und d) an dem ein Federstab (14) mit seinem einen Ende (15) angekoppelt ist, e) der mit seinem anderen Ende (17) am Gerät abgestützt ist und f) auf den zumindest während der Verstelldauer der Betätigungskraft eine Spannkraft ausgeübt ist“ - - 3 Der Patentanspruch 1 der Stammanmeldung lautet unter Hinzufügung der Gliede-rungsbuchstaben a) bis f2): „a) Betätigungseinrichtung an einem Gerät zum mechanischen Betätigen eines von der Betätigungsstelle entfernt liegenden Stellgliedes, b) welche Einrichtung ein in mindestens einem Führungselement (10) ver-schiebbar geführtes und b1) sich quer zu beiden Seiten des Führungselementes (10) erstreckendes, mit dem Stellglied (8) gekoppeltes Zwischenglied (4) aufweist, c) auf das c1) in seinen sich auf der einen Seite des Führungselementes (10) erstreckenden Bereich eine Betätigungskraft ausübbar ist und d) an dem d1) in seinem sich auf der anderen Seite des Führungselementes erstreckenden Bereich ein Federstab (14) mit seinem einen Ende (15) angekoppelt ist, e) der sich mit seinem anderen Ende (17) e1) zu dem auf der einen Seite des Führungselementes (10) liegenden Bereich des Zwischengliedes (4) erstreckt und am Gerät abgestützt ist f) auf welchen Federstab (14) f1) im Bereich zwischen seinen beiden Enden (15 und 17) zumindest während der Verstelldauer der Betätigungskraft eine f2) in gleicher Richtung wie diese wirkende Spannkraft ausgeübt ist“ Es soll die Aufgabe gelöst werden, eine Betätigungseinrichtung zum mechani-schen Betätigen eines örtlich von der Einwirkstelle auf die Betätigungseinrichtung - - 4entfernt angeordneten Stellgliedes zu schaffen, mit der ein störungsfreies Betäti-gen des Stellgliedes möglich ist (Stamm- und Teilungsanmeldung S 1 Abs 3). Der Vorsitzende hat aus den Akten festgestellt, dass die Anmelderin den Antrag gestellt hat, den angefochtenen Beschluss aufzuheben und das Patent mit den Anmeldeunterlagen zu erteilen. Wegen weiterer Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen. II Die zulässige Beschwerde konnte keinen Erfolg haben, weil der Gegenstand des Patentanspruchs 1 der Teilungsanmeldung in den ursprünglichen Unterlagen der Stammanmeldung nicht offenbart war. 1. Zur Teilung In der Stammanmeldung P 43 16 641.5-26 wurde der Erteilungsbeschluss am 2. November 2000 erlassen und am 8. November 2000 im Abholfach niedergelegt; eine Beschwerde gegen den Erteilungsbeschluss wurde nicht eingelegt. Der Er-teilungsbeschluss ist daher nicht vor dem Tagesablauf des 8. Dezember 2000 rechtskräftig geworden. Da die Teilungserklärung noch am 8. Dezember 2000 ein-gegangen ist, einem Zeitpunkt an dem der Erteilungsbeschluss noch nicht rechts-kräftig war, wurde die Anmeldung (und nicht das Patent) geteilt. Gemäß neuerer Rechtsprechung (BGH – Sammelhefter BlPMZ 2003 S 66) setzt die wirksame Teilung eines Patents – wie hier - nicht voraus, dass durch die Teilungserklärung ein gegenständlich bestimmter Teil des Patents definiert wird, der von diesem ab-getrennt wird. Damit ist die Teilung wirksam. - - 52. Zur Offenbarung Der Patentanspruch 1 der Teilungsanmeldung umfasst gegenüber dem Patentan-spruch 1 der Stammanmeldung die Merkmale b1), c1), d1), e1), f1) und f2) nicht mehr. Durch das Weglassen des Merkmals b1) – Zwischenglied (4) erstreckt sich quer zu beiden Seiten des Führungselementes (10) - im Patentanspruch 1 der Tei-lungsanmeldung gegenüber dem Patentanspruch 1 der Stammanmeldung ist ein Zwischenglied umfasst, dessen Gestalt nicht definiert, d.h. beliebig ist und an dem ein Federstab mit seinem einen Ende an beliebiger Stelle angekoppelt ist. Eine Betätigungseinrichtung mit einem solchen Zwischenglied ist in der Stamm-anmeldung nicht beschrieben und kann vom Fachmann – hier einem Fachhoch-schul-Maschinenbauingenieur – auch nicht entnommen werden. Für den Fachmann mag sich zwar die in der Stamm- und Teilungsanmeldung an-gegebene Aufgabe, eine Betätigungseinrichtung zum mechanischen Betätigen ei-nes örtlich von der Einwirkstelle auf die Betätigungseinrichtung entfernt angeord-neten Stellgliedes zu schaffen, mit der ein störungsfreies Betätigen des Stellglie-des möglich ist, in der Praxis von selbst stellen, weil eine störungsfreie Betätigung die Grundvoraussetzung für jedes mechanisch zu betätigende Teil ist. Jedoch gibt die Stammanmeldung dem Fachmann keinen Hinweis, wie bei einem beliebig gestalteten Zwischenglied erreicht werden kann, dass es störungsfrei be-tätigbar ist, d.h. ein Verklemmen beim Betätigen vermieden wird. Denn durch das weitere Weglassen der Merkmale c1), d1) e1), f1) und f2) im Pa-tentanspruch 1 der Teilungsanmeldung gegenüber dem Patentanspruch 1 der Stammanmeldung wird der Fachmann im Unklaren gelassen, wo an einem belie-big gestalteten Zwischenglied die Betätigungskraft und wo an einem mit einem be-liebig gestalteten Zwischenglied zusammenwirkenden Federstab die Spannkraft - - 6ausübbar sein sollen, um ein Verklemmen zu vermeiden. Auch die Gesamtoffen-barung der Stammanmeldung lässt ihn solches nicht entnehmen, da sie sich nur mit einer Betätigungseinrichtung befasst, bei der das Zwischenglied konkret aus-gestaltet und der Federstab in vorgegebener Weise an das Zwischenglied ange-koppelt ist. Man überschätzte das Fachwissen und die Fähigkeiten des Fachmanns, traute man ihm in Kenntnis der in den ursprünglichen Unterlagen der Stammanmeldung beschriebenen Betätigungseinrichtung mit einem konkret gestalteten Zwischen-glied zu, zu erkennen, dass auch ein Betätigungseinrichtung mit einem beliebig gestalteten Zwischenglied, wie es der Patentanspruch 1 der Teilungsanmeldung vorsieht, zur Erfindung gehörte (vgl. BGH – Drehmomentübertragungseinrichtung BlPMZ 2002 S 111). Somit ist die Betätigungseinrichtung gemäß dem Patentanspruch 1 der Teilungs-anmeldung in den ursprünglichen Unterlagen der Stammanmeldung nicht offen-bart; der Gegenstand der Teilungsanmeldung ist gegenüber der ursprünglichen Offenbarung unzulässig erweitert. Der Patentanspruch 1 ist daher nicht gewährbar. 3. Mit dem Anspruch 1 sind auch die auf diesen rückbezogenen Ansprüche 2 bis 9 nicht gewährbar. Dr. Kellerer Schmöger Dipl.-Ing. Groß Dr.-Ing. Scholz Pr
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