ECLI:DE:BGH:2019:220119B1STR489.18.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 1 StR 489/18 vom 22. Januar 201 9 in der Strafsache gegen wegen Betruges - 2 - Der 1. Strafsena t des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerde- führers und des Generalbundesanwalts zu 1 . a - c und 2. auf dessen Antrag am 22. Januar 2019 gemäß § 206a, § 349 Abs. 2 und 4 , § 354 Abs. 1 analog StPO beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts München I vom 17. Mai 2018 a) a ufgehoben , s oweit der Angeklagte wegen Betrug e s zum Nach teil der Geschädigten P. und R. W. hinsicht- lich der Zahlung vom 7. Dezember 2009, wegen Betruges in drei Fällen zum Nachteil der Geschädigten M. hin- sichtlich der Zahlunge n vom 25. Mai 2008, 30. November 2009 und 12. Januar 2011, weg en Betruges in vier Fällen zum Nachteil der Geschädigten K. und A. B . hi nsichtlich der Zahlungen vom 1. Februar 2010, 1 . März 2010, 29. Juni 2010 und 7. Februar 2011, wegen Betruges zum Nachteil des Geschädigten H. F. h insichtlich der Zahlung vom 20. Juni 2011, wegen Betruges in drei Fällen zum Nachteil der Geschädigten D. hinsichtlich der Zahlungen vom 27. Februar 2009, 1. Dezember 2009 und 30. August 2010 sowie wegen Betruges in vier Fällen zum Nachteil der Ge schädigt en U. verurteilt wurde; d as Verfah ren wird bezüglich dieser Taten eingestellt. D ie Staatskasse trägt in- - 3 - soweit die Kosten des Verfahrens und die dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen, b) im Schuldspruch dahin abgeändert, dass der An geklagte des Betruges in 27 Fällen schuldig ist, c) im Ausspruch über die Einziehung dahin abgeändert, dass die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 1.134.919,51 Euro angeordnet wird, d) im Strafausspruch aufgehoben. Insoweit wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die verbleibenden Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. 2. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird als unbe- gründet verworfen. Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betruges in 43 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt und die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 1.590.780,51 Euro an- geordnet. D a g egen richtet sich die auf die Verletzung formellen Rechts und die ausgeführte Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Sein Rechtsmittel führt zur Aufhebung des Urteils, soweit er wegen Betruges in 16 Fällen verurteilt worden ist , und insoweit zur Einstellung des Verfahrens wegen Verjährung ( Ziffer 1.a der Beschlussformel). Die Summe des hinsichtlich dieser Taten er- langte n Wert es von Taterträgen ist bei der getroffenen Einziehungsentschei- dung in Abzug zu bringen und der Strafausspruch insgesamt aufzuheben. Im 1 - 4 - Übrigen bleibt das Rechtsmittel au s den Gründen der Antragsschrift des Gene- ralbundesanwalts ohne Erfolg (§ 349 Abs. 2 StPO ) . 1. Nach den Feststellungen des Landgerichts bot der als Anlage - und Vermögensberater tätige Angeklagte Personen aus seinem Familien - und Bekanntenkreis im Zeitraum Oktober 2007 bis zum 13 . Oktober 2014 an, Gel- der für sie verzinslich anzulegen und zu verwalten. Nach Abschluss entspre- chender Verträge über ließen die Geschä digten dem Angeklagten die Vertrags- summe zum Zweck einer gewinnbringenden Anlage, der die Gelder j e doch, oh- ne sie zu investieren, im Wesentlichen für sich verbrauchte. 2. Die in Ziffer 1.a der Beschlussformel mit dem Anlagedatum der jewei- ligen Anleger konkretisierten 16 Betrugstaten (§ 263 StGB) sind verjährt. Da die Verjährung bereits vor de r Verkü ndung des angefochtenen Urteils eingetreten war, hebt der Senat das Urteil insoweit auf (§ 349 Abs. 4 StPO) und stellt das die genannten Taten betreffende Verfahren gemäß § 206a StPO ein. Die Taten waren jeweils mit vollständiger Zahlung des Anlagebetrag es durch die Geschädigten an den Angekla gten beendet. Nach Ablauf der 5jährigen Verjährungsfrist des § 78 Abs. 3 Nr. 4, Abs. 4 StGB waren diese Taten, ohne dass eine verjährungsunterbrechende Maßnahme vorgenommen worden war, verjährt. Das Vorliegen einer Tatserie hat die Staatsanwaltschaft nicht vor März 2016 erkannt. Der Generalbundesanwalt hat hierzu in seiner Stellungnahme zutreffend ausgeführt: München I mit Verfügung vom 25. März 2015 die verantwortliche Vernehmung des A ngeklagten angeordnet hat (Bl. 39 SA Bd. I), bezog sich diese Anordnung ledig- lich auf die zu diesem Zeitpunkt durch die Strafanzeige des Ge- schädigten P. W. bekannt gewordenen Tatvorwürfe zum Nachteil der Geschädigten W. und Z. (Bl. 3 ff S A Bd. I). Auch 2 3 4 - 5 - die Gewährung von Akteneinsicht an den Vertei diger des Angeklag- ten mit Verfügung vom 31. August 201 5 (Bl. 61 SA Bd. I) sowie die später zurückgenommene Anklage der Staat sanwaltschaft München I vom 22. Oktober 2015 (Bl. 70 ff SA Bd. I) er fassten in- haltlich nur die o.g. Tatvorwürfe. Die Betrugstaten zum Nachteil des Geschädigten Ra. F. wurden mit dessen Strafanzeige vom 16. März 2016 (Bl. 199 SA Bd. I) und anschließender förmlicher Einleitung eines Ermittlungs- verfahrens und Verbind ung zum führenden Verfahren am 7. April 2016 (Bl. 203 SA Bd. I) Gegenstand des Ermittlungsverfahrens. Die Tatvorwürfe zum Nachteil der übrigen Geschädigten wurden frühes- tens mit deren Vernehmungen nach dem 12. April 2016 (vgl. SA sta nd des Verfahrens, förmlich erfasst wurden die Geschädigten als Verfahrensbeteiligte mit Verfügung vom 27. Mai 2016 (Bl. 204 SA Bd. I). Hinsichtlich aller von der An- klage umfassten Taten wurde die Verjährung durch den Erlass des Haftbefehls gegen den Ange kla gten durch das Amtsgericht Ermittlungsrichter in München am 14. Juli 2016 unterbrochen (Bl. 214 ff SA B d . I). Zu diesen Tatvorwürfen wurde dem Angeklag- ten erstmals in seiner haftrichterlichen Vorführung am 1. September 2016 rechtliches Gehör gewährt ( Bl. 238 ff SA Bd. I). Mithin sind mit Ausnahme der Taten zum Nachteil der Ge schädig- ten W. und Z. sämtliche Taten verjährt, die vor dem 15. Juli 2011 beendet waren. Hinsichtlich der Geschädigten W. und Z. sind die Taten verjährt, die vor d em 26. März 2010 been- det waren. - 6 - Das Verfahrenshinder nis hat zur F olge, dass der Angeklagte ledig- lich in 27 Fällen wegen Betruges verurteilt ist. Der Schuldspruch ist daher entsprechend abzuändern. Die für die ausgeschiedenen Fäl- le verhängten Einzelstrafen 3. Der Wegfall der wegen der verjährten Betrugstaten verhängten Einzel- strafen hat die Aufhebung des Gesamtstrafausspruchs zur Folge. Aber auch die übrigen Einzelfreiheitsstrafen haben keinen Bestand, weil das Landgericht bei der Strafbemessun g Rückzahlungen (Tilgungs - bzw. vermeintliche Dividenden- zahlungen sowie Schadenswiedergutmachungsleistungen) des Angeklagten als wesentlich en Strafzumessungsumstand unbe rüc ksichtigt gelassen hat . Im Rahmen der rechtlichen Würdigung hat es zwar zutreffend a usgeführt, dass solche Zahlungen nicht auf Tatbestandsebene, sondern erst bei der Straf - zumessung zu berücksichtigen seien (UA S. 26). Bei der Abwägung der Straf- zumessungsgesichtspunkte werden jedoch die bei der Sachverhaltsdarstellung im Einzelnen dargest ellten Rückzahlungen des Ange klagten nicht erwähnt; vielmehr wird lediglich auf den tatbestandlichen Schaden bei der Staffelung der Einzelstrafen nach Schadenshöhe abgestellt (UA S. 27/28). Die getroffenen Feststellungen können jedoch bestehen bleiben, w eil sie von dem Rechtsfehler nicht betroffen sind (§ 353 Abs. 2 StPO) . 4. Entsprechend den Ausführungen und Berechnungen des Generalbun- desanwalts ist die Anordnung der Einziehung des Wertes von Taterträgen auf die nicht verjährten Taten zu beschränken , m ithin auf einen Betrag in Höhe von 5 6 7 - 7 - 1.134.919,51 Euro festzusetzen. Eine darüber hinausgehende Einziehungsent- scheidung hinsichtlich der aus den verjährten Taten erlangten Anlagebeträge könnte nur auf Grundlage des § 76a Abs. 2 Satz 1 StGB im selbständigen Ein- ziehungsverfahren (§§ 435 ff. StPO) erfolgen. Ri n BGH Dr. Fischer erkrankt und deshalb an der Unter schrifts - leistung gehindert. Raum Bellay Raum Hohoff Leplow
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