ECLI:DE:BGH:2018:050418U1STR67.18.0 BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL 1 StR 67/18 vom 5. April 201 8 in der Strafsache gegen wegen versuchten Totschlags - 2 - Der 1 . Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat aufgrund der Hauptverhandlung vom 4. April 2018 in der Sitzung am 5. April 201 8 , an de nen teilgenommen h a- ben: Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Dr. Raum, die Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. Graf , Prof. Dr. Radtke und die Richterinnen am Bundesgerichtshof Dr. Fischer , Dr. Hohoff , Staatsanwalt beim Bundesger ichtshof in der Verhandlung vom 4. April 2018 , Bund esanwalt beim Bundesgerichtshof bei der Verkündung am 5. April 2018 als Vertreter der Bundesanwaltschaft, Rechtsanwalt in der Verhandlung vom 4. April 2018 als Verteidiger, Rechtsan wältin in der Verhandlung vom 4. April 2018 als Vertreterin des Nebenklägers, Justiz obersekretärin in der Verhandlung vom 4. April 2018 , Justizangestellte bei der Verkündung am 5. April 2018 als Urkundsbeamt in nen der Geschäftsstelle , für Recht erkannt: - 3 - 1. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Regensburg vom 29. September 2017 mit den Feststellungen aufgehoben. 2. Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entsche i- dung, auch über die Kosten des Rec htsmittels, an eine andere als Schwurgericht zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Von Rechts wegen Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverle t- zung, begangen in der Variante des § 224 Abs. 1 Nr. 5 StG B (Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung), zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft, we l- che die Verletzung materiellen Rechts beanstandet, war das Urteil aufzuheben. I. Das Landgericht hat folgende Feststellungen und Wertungen getroffen: 1. Der Angeklagte hielt sich am frühen Morgen des 20. November 2016 gegen 5.00 Uhr in dem Bereich vor einer Di skothek auf, nachdem diese bereits geschlossen hatte. Dort kam es zunächst zu einer tätlichen Auseinanderse t- 1 2 3 - 4 - zung, an der u.a. der Angeklagte und der erheblich alkoholisierte Nebenkläger P . beteiligt waren. Nicht ausschließbar bezeichnete P . den t- lich wurde der am Boden liegende Angeklagte durch den Türsteher G . von den anderen Personen getrennt (UA S. 13). Gegen 5.20 Uhr fasste der Angeklagte den En tschluss, den Nebenkläger aufgrund des genannten Geschehens körperlich zu attackieren. Zu diesem Zweck zog er sein Hemd aus, lief auf den Nebenkläger zu und versetzte di e- sem einen heftigen Faustschlag im Bereich des rechten Auges, so dass der Nebenkläger u ngebremst zu Boden stürzte, mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlug und benommen auf dem Rücken liegen blieb. Sodann ging der A n- geklagte einen Schritt auf ihn zu und trat ihm mit einem leicht schräg seitlich ausgeführten Stampft ritt gezielt in das Ges icht, wobei er einen Turnschuh mit flexibler Sohle trug (UA S. 13). Unmittelbar nach dem Tritt packte der Türsteher G . den Angeklagten und fixierte ihn bis zum Eintreffen der Polizei. Gegenüber den eintreffenden Polizeibeamten gab der Angeklagte z unächst einen falschen Namen an, seine richtigen Personalien konnten aber anhand seines Personalausweises festg e- stellt werden. Nach einer zwischenzeitlich durchgeführten ärztlichen Unters u- chung begab er sich gegen Mittag freiwillig zur Polizei, wo er festg enommen wurde (UA S. 14 f.). Der Tritt verursachte eine teilweise Abzeichnung des Schuhprofils auf der rechten Wange und dem rechten Nasenabhang des Nebenklägers. Dieser erlitt eine Nasenbeinfraktur, ein Hämatom im Bereich des rechten Augeninne n- winkels u nd eine Platzwunde am Hinterkopf. Es bestand potentielle, aber keine konkrete Lebensgefahr (UA S. 14). 4 5 6 - 5 - Die Blutalkoholkonzentration des Angeklagten betrug zur Tatzeit max i- mal 2,69 Promille. Er war zwar in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen, jed och war seine Steuerungsfähigkeit nicht ausschließbar aufgrund der g e- nannten Alkoholisierung sowie des Konsum s von Amphetamin im Sinne des § 21 StGB erheblich vermindert (UA S. 14). 2. Das Landgericht hat das festgestellte Verhalten des Angeklagten als g efährliche Körperverletzung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB gewertet. Einen bedingten Tötungsvorsatz hat es nicht angenommen. Im Rahmen einer G e- samtwürdigung hat es sich nicht mit hinreichender Sicherheit von dem volunt a- tiven Element dieser Vorsatzform überz eugen können. Dabei hat die Kammer im Wesentlichen die Spontanität der Tatausführung aufgrund der vorangega n- genen Auseinandersetzung mit dem Nebenkläger, das Fehlen eines Tötung s- motivs, die mangelnde Absicherung bei der Tatausführung, die alkoholbedingte E nthemmung des Angeklagten sowie die nur mittlere Trittintensität berücksic h- tigt (UA S. 24 ff.). Im Rahmen der Strafzumessung hat die Strafkammer das Vorliegen e i- nes minderschweren Falles gemäß § 224 Abs. 1 Halbsatz 2 StGB abgelehnt, ohne im Rahmen der vo rgenommenen Gesamtwürdigung auf § 213 Alt. 1 StGB einzugehen, den Regelstrafrahmen aber gemäß §§ 21, 49 Abs. 1 StGB gemi l- dert (UA S. 34 ff.). II. Das Urteil weist in mehrfacher Hinsicht auch zu Ung unsten des Ang e- klagten durchgreifende sachlich - recht liche Mängel auf. 1. Insbesondere halten die Erwägungen, mit denen das Landgericht die Annahme eines bedingten Tötungsvorsatzes abgelehnt hat, rechtlicher Übe r- prüfung nicht stand. 7 8 9 10 11 - 6 - a) Die Beweiswürdigung ist Sache des Tatrichters (§ 261 StPO). Es o b- li egt allein ihm, das Ergebnis der Hauptverhandlung festzustellen und zu würd i- gen. Seine Schlussfolgerungen brauchen nicht zwingend zu sein, es genügt, dass sie möglich sind (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 7. September 2017 1 StR 329/17, NStZ - RR 2018, 21, 22 mwN). Das Revisionsgericht hat die ta t- richterliche Beweiswürdigung selbst dann hinzunehmen, wenn eine andere B e- urteilung näher gelegen hätte oder überzeugender gewesen wäre (vgl. BGH, Urteile vom 24. März 2015 5 StR 521/14, NStZ - RR 2015, 178, 179 und vom 15. De zember 2015 1 StR 236/15 Rn. 1 8). Der Beurteilung durch das Revis i- onsgericht unterliegt nur, ob dem Tatrichter Rechtsfehler unterlaufen sind. Dies ist der Fall, wenn die Beweiswürdigung widersprüchlich, unklar oder lückenhaft ist, wenn sie gegen Denkgesetze oder gesicherte Erfahrungssätze verstößt oder das Gericht überspannte Anforderungen an die Überzeugungsbildung g e- stellt hat (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteile vom 13. Juli 2016 1 StR 94/16 Rn. 9 und vom 1. Februar 2017 2 StR 78/16 Rn . 20, NStZ - RR 2017, 183 [insoweit nicht abgedruckt]; Beschluss vom 7. September 2017 1 StR 329/17, aaO). Insbesondere sind die Beweise erschöpfend zu würdigen. Dabei ist der Tatric h- ter gehalten, sich mit den von ihm festgestellten Tatsachen unter allen f ür die Entscheidung wesentlichen Gesichtspunkten auseinanderzusetzen, wenn sie geeignet sind, das Beweisergebnis zu beeinfl ussen (vgl. BGH, Urteil vom 12. Februar 2015 4 StR 420/14, NStZ - RR 2015, 148 mwN). Aus den Urteil s- gründen muss sich außerdem ergebe n, dass der Tatrichter die einzelnen B e- weisergebnisse nicht nur isoliert gewertet, sondern in eine umfassende G e- samtwürdigung eingestellt hat (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 7. Se p- tember 2017 1 StR 329/17, aaO). Bedingten Tötungsvorsatz hat, w er den Eintritt des Todes als mögliche, nicht ganz fernliegende Folge seines Handelns erkennt (Wissenselement) und billigend in Kauf nimmt oder sich um des erstrebten Zieles willen zumindest mit 12 13 - 7 - der Tatbestandsverwirklichung abfindet (Willenselement) (st. Rspr.; BGH, Urte i- le vom 22. März 2012 4 StR 558/11, BGHSt 57, 183, 186 Rn. 26 und vom 5. Dezember 2017 1 StR 416/17 Rn. 18 , NStZ 2018, 206 mwN). Beide El e- mente müssen durch tatsächliche Feststellungen belegt werden. Auf der Ebene der Beweiswürdigung be darf es einer Gesamtschau aller objektiven und su b- je k tiven Tatumstände des Einzelfalls, in die die objektive Gefährlichkeit der Tathandlung als wesentlicher Indikator, aber auch die konkrete Angriffsweise, die Persönlichkeit des Täters, sein psychischer Zu stand zum Tatzeitpunkt und seine Motive mit einzubeziehen sind (st. Rspr. ; vgl. nur BGH, Urteil vom 13. De zember 2017 2 StR 230/17 Rn. 13 , StraFo 2018, 127 ; Beschluss vom 13. August 2013 2 StR 180/13, NStZ 2014, 84 jeweils mwN). Dabei liegt die Annahme einer Billigung nahe, wenn der Täter sein Vorhaben trotz erkannter Lebensgefährlichkeit durchführt (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteile vom 23. Fe - bruar 2012 4 StR 608/11, NStZ 2012, 443, 444 und vom 13. Dezember 2017 2 StR 230/17 Rn. 13 aaO jeweils mw N). Soweit in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Rahmen der m- 4 StR 558/11, aaO, 189 Rn. 32), erschöpft sich dies in einem Hinweis auf die Bedeutung des Grundsatzes der freien richterlichen Beweiswürdigung (§ 261 StPO) bezüglich der Überzeugungsbildung vom Vorliegen eines (wenigstens) bedingten T ö- tungsvorsatzes (BGH, Urteile vom 22. März 2012 4 StR 558/11 , aaO, 191 Rn. 34 und vom 22. November 2016 1 StR 194/16 Rn. 12 mwN). Der Bu n- die Wertung der hohen und offensichtlichen Lebensgefährlichkeit von Gewal t- handlungen als ein gewichtiges, auf Tötungsvorsatz hinweisendes Beweisa n- zeichen nicht in Frage gestellt oder relativiert w erden solle ( BGH, Urteil e vom 14 - 8 - 22. März 2012 4 StR 558/11 , aaO und vom 5. Dezember 2017 1 StR 416/17 Rn. 19 jeweils mwN). b) Diesen Anforderungen werden die landge richtlichen Ausführungen nicht gerecht. Die Strafkammer ist für die Beurteilung des bedingten Tötung s- vorsatzes zwar im Ausgangspunkt zutreffend von der gebotenen Gesamtschau aller objektiven und subjektiven Umstände der Tat und des Täters ausgega n- gen und h at in diesem Rahmen aus der objektiv hochgradigen Gefährlichkeit insbesondere des Stampf t rittes gegen den Kopf des am Boden liegenden N e- benklägers den Schluss auf das Vorliegen des Wissenselements des (bedin g- ten) Tötungsvorsatzes gezogen. Die Erwägungen, m it denen die Kammer das Vorliegen des Willenselements des Tötungsvorsatzes abgelehnt hat, begegnen jedoch auch unter Berücksichtigung des eingeschränkten revisionsrechtlichen Prüfungsmaßstabs durchgreifenden Bedenken. aa) Die Ausführungen des Landgerich ts lassen bereits besorgen, dass (UA S. 24) eine den indiziellen Wert des objektiven Gefährlichkeitsgrades der vom Angeklagten ausgeführten Verletzungshandlungen relativierende Wirkung e- chung des Bundesgerichtshofs nicht zukommt. So führt das Tatgericht gerade dass der Angeklagte die Gefahr de r Tötung nicht erkannt oder zumindest d a- rauf vertraut habe, ein als möglich erkannter Erfolg werde nicht eintreten (UA S. 24). bb) Die den (möglichen) Tötungsvorsatz des Angeklagten betreffende tatrichterliche Beweiswürdigung hält zudem unabhängig von dem aufgezeigten nicht rechtsfehlerfreien Maßstab rechtlicher Prüfung nicht stand. 15 16 17 - 9 - (1) Soweit das Landgericht von einem spontanen und unüberlegten Handeln des Angeklagten ausgeht, entspricht dies nicht den sonstigen Urteil s- feststellungen. Dem hier fragl ichen Tatgeschehen war zwar eine tätliche Ause i- nandersetzung vorausgegangen, die jedoch durch das Eingreifen Dritter bee n- det worden war. Der Angeklagte hat erst nach einer jedenfalls mehrminütigen Zäsur, ohne erkennbaren äußeren Anlass eine erneute Konfron tation mit dem Nebenkläger gesucht und sich dafür vorbereitet, indem er vor dem Angriff sein Hemd auszog. Damit ist die Spontanität der Tat selbst unter Berücksichtigung der Alkoholisierung des allerdings alkoholgewöhnten Angeklagten nicht ausreichend belegt. (2) Des Weiteren sind die Ausführungen des Landgerichts zur Intensität des vom Angeklagten geführten Trittes lückenhaft. Zwar ist es im Ausgang s- punkt zutreffend, angesichts der verhältnismäßig geringen Verletzungen des Nebenklägers die Möglichke it in Betracht zu ziehen, dass der Angeklagte den Tritt bewusst nicht mit einer Intensität ausgeführt haben könnte, die eine tödl i- che Wirkung haben konnte (BGH , Urteil vom 18. September 1986 4 StR 458/86, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vorsatz, bedingter 5; Besc hluss vom 18. Mai 2011 1 StR 179/11, StV 2012, 89, 90). Auch sind die Überlegungen, aufgrund derer das Landgericht zu dem Ergebnis gelangt, der Angeklagte habe nicht mit voller Wucht zugetreten, nicht zu beanstanden; es stützt sich insofern auf die nachv ollziehbaren Ausführungen des Sachverständigen und geht nicht von e i- ner reinen ex - post - Betrachtung aus. Maßgebliche Bedeutung würde einer ei n- geschränkten Trittintensität jedoch nur zukommen, wenn diese bewusst von dem Angeklagten gewählt worden wäre (vgl. BGH , Urteil vom 18. September 1986 4 StR 458/86, aaO). Erfolgten die Tritte dagegen aus anderen Gründen nicht mit voller Wucht, etwa weil der Angeklagte dazu alkoholbedingt nicht mehr in der Lage war oder nicht richtig traf, hätte dies keine negative Ind izwirkung für das Vorliegen eines bedingten Tötungsvorsatzes. Hierzu verhält sich das Urteil 18 19 - 10 - jedoch nicht. An dieser Stelle wäre auch eine Auseinandersetzung mit der Fr a- ge erforderlich gewesen, ob der Angeklagte angesichts der bei ihm festgestel l- ten erhebl ich verminderten Steuerungsfähigkeit überhaupt zu einer bewussten Dosierung des Trittes in der Lage war. (3) Bedenken bestehen darüber hinaus insoweit, als das Landgericht in dem Umstand, dass es in der vorangegangenen Auseinandersetzung mit B e- leidigung l- len vermochte, ein Indiz gegen die Annahme eines bedingten Tötungsvorsatzes gesehen hat. Mit bedingtem Tötungsvorsatz handelnde Täter haben kein T ö- tungsmotiv, sondern gehen einem anderen Han dlungsantrieb nach. Allerdings kann sich aus der Art des jeweiligen Handlungsantriebs ein Rückschluss auf die Stärke des vom Täter empfundenen Tatanreizes und damit auch auf seine Bereitschaft zur Inkaufnahme schwerster Folgen ergeben (BGH , Urteile vom 30. November 2005 5 StR 344/05, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vorsatz, bedin g- ter 61; vom 23. Februar 2012 4 StR 608/11, aaO, 445 und vom 13. Dezember 2017 2 StR 230/17 Rn. 14 , StraFo 2018, 127 ; Beschluss vom 24. August 1990 3 StR 311/90, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vorsatz, bedingter 22). Das festgestellte Motiv der Revanche allein lässt noch nicht den Schluss zu, dass es dem Angeklagten deshalb an der Bereitschaft gefehlt hat, auch schwerste Tatfolgen in Kauf zu nehmen. Anders als das Landgericht meint, implizier t di e- ses Handlungsziel das Überleben des Opfers nicht zwingend (vgl. auch BGH , Urteil vom 16. April 2008 2 StR 95/08 Rn. 5). Insoweit wäre es erforderlich gewesen, näher auf die Persönlichkeit des Angeklagten, sein Verhältnis zur Anwendung körperlicher G ewalt und seine Fähigkeit zur Kontrolle aggressiver Impulse einzugehen. Wie das Landgericht an anderer Stelle zutreffend festg e- stellt hat, war es dem Angeklagten aufgrund seiner Vorstrafen bewusst, dass er unter Alkoholeinfluss zu Aggressivität neigt. Er w urde in der Vergangenheit b e- reits mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten verurteilt, wobei insbesondere 20 - 11 - der letzten Verurteilung ein sehr ähnlich gelagertes Tatgeschehen zugrunde lag; auch in diesem Fall brachte der Angeklagte den Geschädigten, den er er st an diesem Abend kennengelernt hatte, mit zwei Faustschlägen zu Boden und trat anschließend zweimal in Richtung des Kopfes (UA S. 6 ff., 9 ff.). Mangel n- de Impulskontrolle, wie sie bei dem Angeklagten schon mehrfach zutage getr e- ten ist, kann dazu führen, dass es bereits bei geringsten Anlässen zu massiven Gewalthandlungen kommt, bei denen dem Täter die Konsequenzen seines Handelns gleichgültig sind und deshalb selbst tödliche Folgen in Kauf geno m- men werden (BGH , Urteile vom 16. April 2008 2 StR 95/ 08 Rn. 9; vom 23. Februar 2012 4 StR 608/11, aaO und vom 1 3. Dezember 2017 2 StR 230/17 aaO Rn. 18). (4) Keine tragfähige Grundlage hat in diesem Zusammenhang auch die Annahme, der Angeklagte habe dem Nebenkläger nur vergleichbare Verletzu n- gen beibringen wollen, wie er selbst im Rahmen der vorangegangenen Ause i- nandersetzung erlitten hatte. Bereits das Niederstrecken des Nebenklägers, welcher danach benommen auf dem Rücken liegenblieb, ging deutlich über das hinaus, was dem Angeklagten widerfahren war; jed enfalls überstieg der nac h- folgende Stampftritt bei weitem die dem Angeklagten zuvor zugefügte, nicht näher festgestellte, Gewaltanwendung und die daraus resultierende Körperve r- letzung. (5) Als widersprüchlich erweist sich zudem, dass das Landgericht das Fehlen eines Fluchtplans als Indiz gegen den bedingten Vorsatz gewertet hat. Diese Überlegung würde in gleicher Weise gegen den Vorsatz in Bezug auf die gefährliche Körperverletzung sprechen. Diesen hat die Strafkammer jedoch bejaht, ohne auf die fehlende Absicherung und evtl. Fluchtmöglichkeit einzug e- hen. Ferner hat sie an anderer Stelle zutreffend ausgeführt, dass es dem A n- 21 22 - 12 - geklagten, da er unter Bewährung stand, darum gehen musste, jegliche stra f- rechtlichen Konsequenzen zu vermeiden. (6) Schließlich w äre es angezeigt gewesen, im Rahmen der vorgeno m- menen Gesamtwürdigung nicht isoliert auf den Stampftritt abzustellen, sondern das gesamte Vorgehen des Angeklagten einschließlich des vorangegangenen, massiven Faustschlags in den Blick nehmen. c) Die aufg ezeigten Mängel führen zur Aufhebung des Urteils mit den entsprechenden Feststellungen. Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Tatgericht bei Einhaltung der gebotenen Erörterungspflichten zur Feststellung eines bedingten Tötungsvorsatzes gelangt wäre. Um dem neuen Tatgericht eine umfassende Neubewertung der Tatumstände zu ermöglichen, waren n e- ben den Feststellungen zur inneren Tatseite auch die Feststellungen zum ä u- ßeren Tatgeschehen aufzuheben. 2. Die Aufhebung des Schuldspruchs bedingt ohne Weiter es den We g- fall des Strafausspruchs, der ferner einen Rechtsfehler zum Nachteil des Ang e- klagten enthält, da § 213 Alt. 1 StGB nicht erörtert wurde. Insoweit wirkt die R e- vision der Staatsanwaltschaft zu Gunsten des Angeklagten (§ 301 StPO). a) Das Landge richt hat es unterlassen, sich ausdrücklich mit den V o- raussetzungen des Provokationstatbestandes der ersten Alternative des § 213 StGB auseinanderzusetzen. Hierzu bestand nach den tatsächlichen Gegebe n- heiten des festgestellten Vorgehens des Nebenklägers ge gen den Angeklagten (UA S. 13) Anlass (vgl. Fischer, StGB, 65. Aufl., § 213 Rn. 2 ff.). Rechtlich war die Erörterung des § 213 Alt. 1 StGB angezeigt, weil sein Vorliegen auch im Rahmen des § 224 StGB die Annahme eines minder schweren Falles regelm ä- ßig nahe legt, sofern nicht erschwerende Gründe im Einzelfall entgegenstehen (vgl. BGH, Urteil vom 17. März 2011 5 StR 4/11, StraFo 2012, 24 f.; B e- 23 24 25 26 - 13 - schlüsse vom 9. August 1988 4 StR 221/88, BGHR StGB § 223a Abs. 1 Strafzumessung 2; vom 27. März 2012 5 StR 103 /12, NStZ - RR 2012, 277 und vom 19. Juni 2012 3 StR 206/12, NStZ - RR 2012, 308; ferner Fischer, aaO, § 224 Rn. 34 mwN). Dies erscheint vorliegend zumindest nicht von vorn e- herein ausgeschlossen, zumal die Kammer weitere Milderungsgründe für die Zumessung de r Strafe als bestimmend angesehen hat, namentlich das G e- ständnis und die Entschuldigung des Angeklagten. b) Danach kann sich die Nichterörterung des § 213 Alt. 1 StGB hier auf die Strafrahmenwahl ausgewirkt haben. Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Landgericht, wenn es die Voraussetzungen des § 213 Alt. 1 StGB geprüft und bejaht hätte entweder ohne Heranziehung des vertypten Mild e- rungsgrundes nach § 21 StGB zur Annahme eines minder schweren Falles g e- langt und eine weitere Strafrahmensenkung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB vo r- genommen hätte oder zumindest bei kumulativer Berücksichtigung aller Mild e- rungsgründe den Strafrahmen des § 224 Abs. 1 Halbsatz 2 StGB angewendet und daraus eine mildere Strafe verhängt hätte, wenn es das Vorliegen der V o- raussetzu ngen des § 213 Alt. 1 StGB und die erheblich verminderte Steu e- rungsfähigkeit bei der allgemeinen Strafzumessung zu Gunsten des Angekla g- ten bewertet hätte. In gleicher Weise gilt dies, sofern der neu berufene Tatrichter einen T ö- tungsvorsatz bejahen würd e. 27 28 - 14 - 3. Die Sache bedarf daher insgesamt neuer Verhandlung und Entsche i- dung. Raum Graf Radtke Fischer Hohoff 29
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