BPatG 15208.05BUNDESPATENTGERICHT26 W (pat) 74/07_______________________(Aktenzeichen)B E S C H L U S SIn der Beschwerdesache…- 2 -betreffend die Marke 303 18 238hat der 26. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der Sitzung vom 22. Oktober 2008 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Fuchs-Wissemann, den Richter Reker und die Richterin Kopacekbeschlossen:Die Beschwerde wird zurückgewiesen.G r ü n d eIGegen die Eintragung der Marke 303 18 238Power O2für die Waren„Mineralwässer, kohlensäurehaltige Wässer und andere alkohol-freie Getränke, Fruchtgetränke und Fruchtsäfte; Biere; Weine, Schaumweine und Spirituosen“ist Widerspruch erhoben worden aus der für die Waren und Dienstleistungen„32: Biere; Mineralwässer und kohlensäurehaltige Wässer und andere al-koholfreie Getränke; Fruchtgetränke und Fruchtsäfte; Sirupe und an-dere Präparate für die Zubereitung von Getränken- 3 -33: Alkoholische Getränke (ausgenommen Biere)43: Dienstleistungen zur Verpflegung und Beherbergung von Gästen“eingetragenen prioritätsälteren Gemeinschaftsmarke 2 781 870Die Markenstelle für Klasse 32 des Deutschen Patent- und Markenamts hat den Widerspruch mit zwei Beschlüssen, von denen einer im Erinnerungsverfahren er-gangen ist, zurückgewiesen, weil trotz der Identität der beiderseitigen Waren nicht die Gefahr einer Verwechslung der Marken gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG be-stehe. Zur Begründung hat sie ausgeführt, die Widerspruchsmarke weise nur eine äußerst geringe Kennzeichnungskraft auf. Sie sei aus den für sich genommen für Getränke beschreibenden und somit schutzunfähigen Bestandteilen „power“ und „O2“ zusammengesetzt und beziehe ihre Unterscheidungskraft allein aus der be-sonderen Verbindung dieser Einzelbestandteile, bei der „O2“ an Stelle des Buch-stabens „o“ in das Wort „power“ eingefügt sei. Deshalb sei ihr Schutzbereich nach ständiger Rechtsprechung eng zu bemessen und auf ihre eintragungsbegründen-de Eigenprägung zu beschränken. Den engen Schutzbereich der Widerspruchs-marke verletze die angegriffene Marke nicht, weil in ihr die Bestandteile „power“ und „O2“ nicht in einer der Widerspruchsmarke entsprechenden Weise miteinan-der verbunden seien, sondern hintereinander aufgeführt seien. Auch die Gefahr ei-ner Verwechslung der Marken durch gedankliche Verbindung bestehe bei dieser Sachlage nicht.- 4 -Hiergegen wendet sich die Widersprechende mit der Beschwerde. Sie rügt, die Markenstelle habe sich in ihren Beschlüssen nicht ausreichend mit den von ihr zur Gefahr einer gedanklichen Verbindung der Marken vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt. In ihren bei der Markenstelle eingereichten Schriftsätzen hat sie insoweit die Ansicht vertreten, der Verkehr werde auf Grund der Tatsache, dass beide Marken die Bestandteile „power“ und „O2“ enthielten, davon ausgehen, dass die angegriffene Marke nur eine andere Schreibweise der Widerspruchsmar-ke sei. Zwischen den Marken bestehe auch die Gefahr unmittelbarer klanglicher und begrifflicher Verwechslungen. Da beide Marken erkennbar aus den Bestand-teilen „power“ und „O2“ bestünden, wiesen sie einen identischen Begriffsgehalt auf. Zudem ließen sich beide Marken übereinstimmend nur mit „power O2“ benen-nen.Die Widersprechende beantragt sinngemäß,die angefochtenen Beschlüsse der Markenstelle aufzuheben und die Löschung der angegriffenen Marke anzuordnen.Die Markeninhaberin beantragt,die Beschwerde zurückzuweisen.IIDie zulässige Beschwerde der Widersprechenden ist unbegründet. Zwischen den beiderseitigen Marken besteht keine Verwechslungsgefahr i. S. d. § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG.Die Frage der Verwechslungsgefahr im Sinne der genannten Vorschrift ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (EuGH GRUR - 5 -1998, 387, 389 – Sabèl/Puma). Zu diesen Umständen zählen insbesondere die Ähnlichkeit der Marken und die Ähnlichkeit der damit gekennzeichneten Waren, zwischen denen eine Wechselwirkung dahingehend besteht, dass ein geringerer Grad der Ähnlichkeit der Marken durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Waren ausgeglichen werden kann und umgekehrt (EuGH GRUR 1998, 922, 923 - Canon).Bevor jedoch entschieden werden kann, ob die festgestellten Ähnlichkeitsgrade der Waren und der Marken für die Bejahung einer Verwechslungsgefahr ausrei-chen, ist die Frage zu beantworten, welchen Abstand die jüngere Marke aus tat-sächlichen und rechtlichen Gründen von der älteren einzuhalten hat. Maßgeblich hierfür ist in erster Linie der Schutzumfang der älteren Marke, der keine feste Grö-ße darstellt, sondern - z. B. durch intensive Benutzung - erweitert oder - z. B. durch einen beschreibenden Aussagegehalt der Marke - vermindert sein kann. Ergibt sich im Rahmen dieser Prüfung, dass die ältere Marke wegen eines be-schreibenden Begriffsgehalts oder -anklangs eine signifikante Kennzeichnungs-schwäche aufweist, kann eine Verwechslungsgefahr aus Rechtsgründen ausge-schlossen sein, obwohl nach der Lebenserfahrung eine hochgradige Zeichenähn-lichkeit und Verwechslungsgefahr kaum zu bestreiten ist (BGH GRUR 2003, 963, 965 – AntiVir/AntiVirus).Hiervon ausgehend hat die Markenstelle die Gefahr von Verwechslungen zwi-schen den beiderseitigen Marken zu Recht verneint. Zwar sind die Waren, für die die angegriffene Marke eingetragen worden ist, mit den Waren der Klassen 32 und 33, für die die Widerspruchsmarke Schutz genießt, identisch, was grundsätz-lich einen deutlichen Markenabstand erforderlich macht. Es kann auch nicht be-stritten werden, dass die beiderseitigen Marken wegen der in ihnen jeweils enthal-tenen Bestandteile „power“ und „O2“ in tatsächlicher Hinsicht nicht unerhebliche klangliche und begriffliche Übereinstimmungen aufweisen. Dennoch besteht zwi-schen ihnen wegen der ausgeprägten Kennzeichnungsschwäche der Wider-- 6 -spruchsmarke aus Rechtsgründen keine Verwechslungsgefahr i. S. d. § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG.Die Widerspruchsmarke ist, wie bereits die Markenstelle zutreffend festgestellt hat, aus den begrifflichen Bestandteilen „power“ und „O2“ zusammengesetzt, die für Getränke beschreibend sind, da sie darauf hinweisen, dass die so bezeichneten Getränke „power“ haben, also stark sind, und/oder dem Konsumenten „power“ (m. a. W.: Kraft) geben bzw. natürliche oder zugesetzte Sauerstoffanteile enthal-ten. Auch insgesamt geht die Bezeichnung „power O2“ nicht über die Summe ihrer beschreibenden Einzelbestandteile hinaus, weil sie auch als Gesamtbegriff nur zum Ausdruck bringt, dass die mit ihr bezeichneten Getränke dem Konsumenten durch ihren Sauerstoffanteil Kraft spenden. Ihre die Eintragung als Marke rechtfer-tigende Unterscheidungskraft gewinnt die Marke deshalb allein aus der besonde-ren Art der Verbindung der beiden jeweils warenbeschreibenden Einzelbegriffe. Diese eintragungsbegründende Eigenart beschränkt zugleich ihren Schutzumfang und schließt es aus, gegen andere Marken vorzugehen, die ebenfalls die be-schreibenden Begriffe „power“ und „O2“ als solche bzw. in einer abweichenden Gestaltung enthalten (BGH GRUR 1999, 238, 239 f. – Tour de culture; a. a. O. - AntiVir/AntiVirus).Die angegriffene Marke weist die besondere Verknüpfung der beiden Begriffe „po-wer“ und „O2“ in einem Wort, die die Unterscheidungs- und Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke ausmacht, gerade nicht auf, sondern enthält die beiden Begriffe als lose Abfolge, weshalb sowohl eine unmittelbare als auch eine mittel-bare Verwechslungsgefahr durch gedankliche Verbindung aus Rechtsgründen zu verneinen ist. Auf die von der Widersprechenden in den Vordergrund ihrer Argu-mentation gestellte Frage, ob der Verkehr die Marken tatsächlich unmittelbar ver-wechselt oder sie wegen ihrer tatsächlichen Ähnlichkeit beide dem Unternehmen der Widersprechenden zuordnet, kommt es angesichts der bereits aus Rechts-gründen fehlenden Verwechslungsgefahr nicht mehr an. Der Beschwerde der Wi-dersprechenden muss der Erfolg daher versagt bleiben.- 7 -Für eine Kostenauferlegung aus Billigkeitsgründen (§ 71 Abs. 1 S. 1 MarkenG) gibt der Sachverhalt keinen Anlass.Dr. Fuchs-Wissemann Kopacek RekerKo
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