BPatG 152 08.05 BUNDESPATENTGERICHT 27 W (pat) 279/04 _______________________ (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 303 45 535.7 hat der 27. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts durch den Vorsitzenden Richter Dr. Albrecht, den Richter Dr. van Raden und die Richte-rin Prietzel-Funk am 14. November 2005 beschlossen: Die Beschwerde wird zurückgewiesen. - 2 - G r ü n d e I. Die Markenstelle für Klasse 25 des Deutschen Patent- und Markenamts hat durch Beschluss vom 20. September 2004 die Anmeldung der Wortmarke HEEL LOCK für Klasse 25: Schuhwaren, insbesondere Sportschuhe, Trekking-schuhe, Skischuhe; Klasse 28: Inline-Rollskates, Rollschuhe, Schlittschuhe gemäß § 37 Abs 1, § 8 Abs 2 Nr 1 MarkenG zurückgewiesen. Zur Begründung hat sie ausgeführt, dass die angemeldete Marke für die in Anspruch genommenen Waren jeglicher Unterscheidungskraft entbehre. Aus der bloßen Aneinanderrei-hung der schutzunfähigen Wortbestandteile „HEEL“ und „LOCK“ ergebe sich kein unterscheidungskräftiger Gesamtbegriff, da der Summe der kombinierten Be-standteile kein über die die einzelnen Bestandteile hinausgehender Begriffsinhalt zukomme. Bei der Wortfolge „HEEL LOCK“ handele es sich um eine Bezeichnung, die aufgrund ihrer konkreten Wortbildung und ihrem im Vordergrund stehenden Bedeutungsgehalt vom inländischen Verkehr ohne weiteres Nachdenken als be-schreibender Sachbegriff und nicht als kennzeichnend im markenrechtlichen Sin-ne aufgefasst werde. Das angesprochene Publikum werde die Bezeichnung ledig-lich als Hinweis auf einen Fersenverschluss der betreffenden Schuhwaren und Sportartikel der Klasse 28 ansehen, was um so mehr gelte, als die Bezeich-nung „Fersenverschluss“ bereits verwendet werde. Der dargestellte Bedeutungs-gehalt werde sich dem angesprochenen Publikum daher unmittelbar erschließen. - 3 - Das Zeichen vermöge die erforderliche betriebliche Hinweiswirkung daher nicht zu entfalten. Soweit die Anmelderin auf die Registrierung ihrer Meinung nach ver-gleichbarer Marken in anderen Ländern verweise, lasse dies keine andere Wer-tung zu. Im vorliegenden Fall seien die bestehenden Schutzhindernisse so ausge-prägt, dass die davon ausgehende Indizwirkung als widerlegt anzusehen sei. Ob daneben auch ein Freihaltebedürfnis nach § 8 Abs 2 Nr 2 MarkenG vorliege, kön-ne dahinstehen. Hiergegen wendet sich die Anmelderin mit der Beschwerde, mit der sie die Aufhe-bung des angefochtenen Beschlusses begehrt. Zur Begründung nimmt sie Bezug auf ihre bisherige Argumentation im Verfahren vor der Markenstelle, mit der sie im Wesentlichen auf die Eintragung der deutschen Marke „HEELS ANGELS“, die bri-tischen Marken „HIGH HEEL PRODUCTIONS“, „SACRED HEEL“ und „TAR HEELS“ sowie auf die Gemeinschaftsmarken „ENERGY HEEL“ und „HEEL-SOFT“ als ähnliche Begriffsbildungen verwiesen sowie die Auffassung vertreten hat, es handele sich um eine originelle Wortschöpfung, die, wenn überhaupt, nur einen in-direkt beschreibenden Anklang habe. Nach einem richterlichen Hinweis hat die Anmelderin den hilfsweise gestellten An-trag auf mündliche Verhandlung vor Anberaumung eines Termins mit Schriftsatz vom 24. Oktober 2005 zurückgenommen. II. Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg. Zutreffend hat die Mar-kenstelle ausgeführt, dass der Eintragung der angemeldeten Marke für die bean-spruchten Waren das absolute Schutzhindernis der mangelnden Unterscheidungs-kraft nach § 8 Abs 2 Nr 1 Markengesetz entgegensteht. - 4 - Nach dieser Vorschrift können Marken nicht eingetragen werden, denen für die angemeldeten Waren und Dienstleistungen jegliche Unterscheidungskraft fehlt. Unterscheidungskraft im Sinne der in Frage stehenden Vorschrift ist die einer Mar-ke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel für die von der Marke erfassten Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens gegenüber solcher anderer Unternehmen aufgefasst zu werden (BGH GRUR 2000, 502, 503 – St. Pauli Girl; GRUR 2005, 258, 259 - Roximycin). Dabei ist grundsätzlich von einem großzügigen Maßstab auszugehen, dh jede auch noch so geringe Unterscheidungskraft reicht aus, um das Schutzhindernis zu überwin-den. Die Unterscheidungskraft einer Marke ist zu bejahen, wenn ihr für die Waren oder Dienstleistungen, für die sie in Anspruch genommen wird, kein im Vorder-grund stehender beschreibender Begriffsinhalt zugeordnet werden kann und es sich auch nicht um ein Wort der deutschen oder einer bekannten Fremdsprache handelt, das vom Verkehr – etwa wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung – stets nur als solches und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden wird (stdg Rspr, BGH GRUR 2001, 1151, 1153 – marktfrisch; GRUR 2003, 1050, 1051 – City-Service; Ströbele/Hacker, Markengesetz, 7. Aufl, § 8 Rn 70 mwN). Das bedeutet, dass solche Markenanmeldungen, bei deren Wahrnehmung der an-gesprochene Verkehr in erster Linie eine Beschreibung erkennt, nicht aber einen Hinweis auf die Herkunft aus einem bestimmten Geschäftsbetrieb, nicht eingetra-gen werden können. Diese Grundsätze hat die Markenstelle zutreffend angewendet. Der Senat schließt sich den Erwägungen der Markenstelle nach nochmaliger Prüfung der Sach- und Rechtslage in vollem Umfang an und teilt ihre Auffassung, dass die angesproche-nen Verkehrskreise die angemeldete Wortfolge „HEEL LOCK“ im Zusammenhang mit den angemeldeten Waren „Schuhwaren, insbesondere Sportschuhe, Trekking-schuhe, Skischuhe“ sowie „Inline-Rollskates, Rollschuhe, Schlittschuhe“ im Sinne von „Fersenverschluss“ verstehen. Darunter ist aber eine bestimmte Ausstattung der Sportschuhe zu verstehen, nämlich solche mit einer Verschlusstechnik im Fer-senbereich der Sportschuhe, die, was die Anmelderin nicht in Abrede stellt und im - 5 - Übrigen durch Google-Recherchen belegt ist, ohne weiteres in beachtlicher Zahl auf dem Markt anzutreffen sind. Hinzu kommt, dass „heel lock“ in der Sportschuh-Fachsprache „Fersenschluss“ oder „Fersenhalt“ bedeutet, was auf eine durch die Ausformung des Sportschuhs festgesetzte Ferse im Schuh selbst hinweist. Dieser Begriff wird ausweislich der der Anmelderin zur Stellungnahme übersendeten Google–Recherche auch in der deutschsprachigen Werbung für Sportschuhe so-wie Sportschuhartikel im Sinne der Klasse 28 verwendet. Ebenso wird er in der Werbung für spezielle Ski-Bindungen verwendet, wie die Anmelderin auf einen entsprechenden Hinweis des Gerichts ebenfalls nicht in Abrede gestellt hat. Nach alledem erscheint es ausgeschlossen, dass der Verkehr in der angemeldeten Wortfolge einen betrieblichen Herkunftshinweis erkennen könnte. Entgegenste-hendes lässt sich auch dem Vorbringen der Anmelderin im Verfahren vor der Mar-kenstelle nicht entnehmen. Die von der Anmelderin vorgetragene anderweitige Eintragung von Marken mit dem Bestandteil „HEEL“ rechtfertigt keine andere Beurteilung. Auf die Beantwor-tung der Frage, ob der Eintragung eines Zeichens ein absolutes Schutzhindernis entgegensteht, hat es im Allgemeinen keinen Einfluss, dass ein ähnliches Zeichen in einem anderen Mitgliedstaat eingetragen worden ist (vgl EuGH, GRUR 2004, 674 Tz 43 f – Postkantoor). Auch von der Eintragung einer identischen Marke für identische Waren oder Dienstleistungen in einem anderen Mitgliedstaat kann al-lenfalls eine Indizwirkung ausgehen (EuGH, GRUR 2004, 428 Tz 63 – Henkel; BGH GRUR 2005, 578, 580 - LOKMAUS). Abgesehen davon, dass weder eine identische andere Marke noch sonst etwas ersichtlich ist, von dem eine Indizwir-kung ausgehen könnte, trifft es auch nicht zu, dass die von der Anmelderin zitier-ten anderweitigen Eintragungen der vorliegenden Anmeldemarke „ähnlich“ seien. Sie beinhalten zwar durchweg das Wort „HEEL(s)“. Keine von ihnen weist jedoch einen so offensichtlich beschreibenden Gehalt auf, wie dies vorliegend der Fall ist. - 6 - Nach alledem kann dahinstehen, ob für die angemeldete Marke auch ein Freihal-tebedürfnis im Sinne von § 8 Abs 2 Nr 2 MarkenG zu bejahen ist. Dr. Albrecht Dr. van Raden Prietzel-Funk Pü
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