ECLI:DE:BGH:2017:140617U2STR14.17.0 BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL 2 StR 14/17 vom 14. Juni 201 7 in der Strafsache gegen 1. 2. 3. wegen Wohnungseinbruchdiebstahls u.a. - 2 - Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 14. Juni 201 7 , an der teilg enommen haben: Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. Krehl als Vorsitzender, die Richter am Bundesgerichtshof Dr. Eschelbach , Zeng , Richterin am Bundesgerichtshof Dr. Bartel , Richter am Bundesgerichtshof Dr. Grube, Bundesanwältin beim Bundesg erich tshof in der Verhandlung, Staatsanwalt bei der Verkündung als Vertreter der Bundesanwaltschaft, Rechtsanwalt als Verteidiger des Angeklagten D . , Rechtsanwalt als Verteidiger des Angeklagten N . , Rechtsanwältin als Verteidigerin des Angeklagten S . , Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäfts stelle, für Recht erkannt: - 3 - Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landg e- richts Frankfurt am Main vom 30. Juni 2016 wird verworfen. Die Staatskasse hat die Kosten des Rechtsmittels und die den Angeklagten hierdurch entstandenen notwendi gen Auslagen zu tragen. Von Rechts wegen Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten D . wegen Wohnungsein - bruchdiebstahls und versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls zu einer G e- sam t freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten bei Strafausset zung zur Bewährung verurteilt, den Angeklagten N . wegen Wohnungseinbruchdieb - stahls und versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls zu einer Gesamtfreiheit s- strafe von zwei Jahren sowie den Angeklagten S . wegen Wohnungs - einbruchdiebstahls zu einer F reiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten bei Strafaussetzung zur Bewährung. Hiergegen richtet sich die zuungunsten der Angeklagten eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft. Das Rechtsmittel hat keinen Erfolg. 1 - 4 - I. 1. a) Nach den Feststellungen des Landgerichts begaben sich die Ang e- klagten D . und N . am 7. Dezember 2015 - möglicherweise zusam - men mit unbekannten weiteren Mittätern - mit einem angemieteten Pkw Opel Adam nach N o. zu dem freistehenden Wohnhaus der Familie St . , d ie verreist war. Sie planten, dass zumindest ein Täter über den Gartenzaun auf das Grundstück gelangen und durch Aufhebeln der Eingangs - oder einer Te r- rassentür in das Haus eindringen sollte, um steh l enswerte Gegenstände we g- zunehmen. Der Angeklagte N . sollte die Tat auf einem Weg hinter dem Grundstück absichern und bei Annäherung von Passanten durch Pfeifen ein Warnsignal geben. D . stieg über den Gartenzaun auf das Grundstück und begab sich zu dem Wohnhaus. Kurz darauf näherte sich der Zeuge Sc . , der seinen Hund ausführte. Der Angeklagte N . versuchte den Eindruck ei - nes harmlosen Passanten zu erwecken, lief an dem Zeugen Sc . vorbei, drehte sich kurz danach um und lief hinter dem Zeugen her. Dann pfiff er meh r- fach, worauf D . vom Tatort floh. Dabei brach eine Holzstrebe des Latten - zauns der Grundstücksumfriedung heraus. Für den Zeugen Sc . war damit klar, dass Einbrecher am Werk waren. Er eilte nach Hause und verständigte die Polizei. Die Angeklagten D . und N . erkannten, dass die weitere Tat - ausführung sinnlos sei und verließen deshalb den Tatort (Fall II.1. der Urteil s- gründe). b) Am Morgen des 14. Dezember 2015 trafen der Angeklagte S . und seine Ehefrau mit einem Bus in F . ein. Dort trennte sich das Paar, weil der Angeklagte S . erklärte, dass er noch etwas zu erle - digen habe. Während seine Ehefrau nach K . weiterfuhr, traf sich der S . mit den Angeklagten D . und N . . Sie fuhren mit dem angemieteten Pkw Opel A dam nach O b. zu dem Reihenhaus der Zeugin O . . Dort 2 3 - 5 - hebelten sie mit einem Schraubendreher die Terrassentür auf, drangen in das Haus ein und nahmen mehrere hundert Euro Bargeld, ferner Devisen und Schmuck an sich. Dann entfernten sie sich vom Tatort . Später wurden sie von der Polizei gestellt und festgenommen, wobei der größte Teil der Beute siche r- gestellt werden konnte. An der Terrassentür des Hauses der Zeugin O . war ein Sachschaden von 1.000 Euro entstanden (Fall II.2. der Urteilsgründe). 2. Das Landgericht hat die Taten als versuchten Wohnungseinbruc h- diebstahl durch die Angeklagten N . und D . im Fall II.1. und vollende - ten Wohnungseinbruchdiebstahl gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB durch alle drei Angeklagten im Fall II.2. der Urteilsg ründe bewertet. Eine bandenmäßige Ta t- begehung (§ 244a Abs. 1 StGB) hat es nicht festgestellt. Dafür seien keine hi n- reichenden Anhaltspunkte vorhanden. Auch wenn die Benutzung desselben Fahrzeugs und eine teilweise Identität der Täter in beiden Fällen festz ustellen sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Angeklagten in wechselnden Besetzungen mit unterschiedlichen weiteren Beteiligten Zugriff auf den bei be i- den Taten verwendeten Pkw Opel Adam gehabt hätten. Der Vermieter des Fahrzeugs habe keinen de r Angeklagten als Mieter bezeichnen können. Auch die zweimalige Zusammenarbeit der Angeklagten N . und D . , in ei - nem Fall unter weiterer Mitwirkung des Angeklagten S . , sei kein hinrei - chendes Indiz für eine Bandenabrede. 4 - 6 - II. Die Revisi on ist unbegründet. 1. Der Schuldspruch ist rechtlich nicht zu beanstanden. a) Die Rügen der Staatsanwaltschaft dagegen, dass die Strafkammer keine bandenmäßige Tatbegehung feststellen konnte, greifen nicht durch. aa) Mit der Verfahrensrüge macht si e geltend, das Landgericht habe sich entgegen § 261 StPO nicht mit dem Inhalt eines in der Hauptverhandlung verl e- senen polizeilichen Berichts vom 14. Dezember 2015 auseinandergesetzt. D a- nach war bei den Angeklagten neben der Diebesbeute im Fall II.2. der U rteil s- gründe auch Einbruchswerkzeug sichergestellt worden. Die Rüge ist unbegründet. Das Landgericht war nicht dazu gedrängt, die Tatsache, dass die Angeklagten Einbruchswerkzeug mitgeführt hatten, im Z u- sammenhang mit der Frage einer bandenmäßigen Tatbe gehung zu erörtern. Die Gegenstände wurden nicht einer bestimmten Person zugeordnet und gaben auch hinsichtlich ihrer Zusammensetzung keinen aussagekräftigen Hinweis d a- rauf, dass sie bei mehr als nur einem Diebstahl eingesetzt werden und einer Mehrzahl von Personen zur gemeinsamen Begehung einer Mehrzahl von Die b- stahlstaten dienen sollte. bb) Auch sachlich - rechtlich ist die Annahme des Landgerichts, eine ba n- denmäßige Tatbegehung sei nicht festzustellen, nicht zu beanstanden. (1) Das Landgericht hat n ur feststellen können, dass sich die Angekla g- ten aus ihrer Heimatstadt kannten. Ihre konkrete Beziehung und Verbundenheit zueinander blieb offen. Ebenfalls war nicht zu klären, ob die Angeklagten b e- reits in der Vergangenheit gemeinsam Diebstahlstaten began gen hatten. Der 5 6 7 8 9 10 11 - 7 - Mitangeklagte S . kam zu der Tat im Fall II.2. der Urteilsgründe kurzfris - tig hinzu und war an dem vorangegangenen Diebstahlsversuch nicht beteiligt. Schließlich blieb offen, wer den bei den Taten benutzten Pkw Opel Adam a n- gemietet hat te. Bei dieser Sachlage ist von Rechts wegen nicht zu beansta n- den, dass das Landgericht aus den festgestellten Umständen nicht auf eine bandenmäßige Tatbegehung durch die Angeklagten geschlossen hat. (2) Das Landgericht hat nicht verkannt, dass sich da s bei den abgeurtei l- ten Taten verwendete Mietfahrzeug nach den Datenaufzeichnungen des Nav i- gationsgeräts zeitnah in Tatortnähe zu einer Serie von Wohnungseinbrüchen in M . am 6. Dezember 2015 befunden hatte. Auch dies ergab kein aus - sagekräftiges I ndiz für eine bandenmäßige Tatbegehung durch die Angekla g- ten. Die Täter jener Wohnungseinbrüche blieben unbekannt. Der Bewei s- schluss des Landgerichts, dass die Angeklagten in wechselnder Besetzung an verschiedenen Taten beteiligt und auch Dritte den angemi eteten Pkw Opel Adam benutzt haben konnten, ist möglich und weist nicht auf überspannte A n- forderungen an die Überzeugungsbildung des Tatgerichts hin, zumal keiner der Angeklagten als Mieter des Fahrzeugs identifiziert werden konnte. (3) Soweit die Besc hwerdeführerin ergänzend darauf verwiesen hat, bei n- geklagten und ein planvolles Vorgehen gezeigt, ist dies ebenfalls kein Indiz, welches von Rechts wegen einen Schluss auf eine band enmäßige Tatbeg e- hung gebietet. Der Begriff der Bande setzt den Zusammenschluss von minde s- tens drei Personen voraus, die sich mit dem Willen verbunden haben, künftig für eine gewisse Dauer mehrere selbständige, im Einzelnen noch ungewisse Straftaten des im Gesetz genannten Deliktstyps zu begehen (vgl. BGH, B e- schluss vom 22. März 2001 - GSSt 1/00, BGHSt 46, 321, 325). Bei der Tat am 7. Dezember 2015 waren zwei, bei der Tat am 14. Dezember 2015 alle drei A n- 12 13 - 8 - geklagten beteiligt. Diese Feststellung und die Vorgeh ensweise bei der Tat zwingen nicht zu der Annahme, dass sich die drei Angeklagten zur wiederholten Begehung gleichartiger Taten zusammengeschlossen hatten. Der Schluss des Landgerichts darauf, dass die Angeklagten in wechselnder Beteiligung, mö g- licherweise im Zusammenwirken mit unbekannten Dritten, die Taten begangen haben, ist jedenfalls möglich. b) Soweit das Landgericht nicht erörtert hat, ob tateinheitlich versuchte oder vollendete Sachbeschädigung vorgelegen hat, ist dies kein Rechtsfehler. Gese tzeseinheit zwischen Diebstahl, der mit einem Einbruch begangen wird, und Sachbeschädigung scheidet zugunsten der Klarstellungsfunktion von Tateinheit aus, wenn die Sachbeschädigung bei konkreter Betrachtung von dem regelmäßigen Ablauf eines Einbruchdiebst ahls oder Wohnungseinbruc h- diebstahls abweicht, von einem eigenständigen Unrechtsgehalt geprägt ist und sich nicht als typische Begleittat erweist (vgl. BGH, Urteil vom 7. August 2001 - 1 StR 470/00, NJW 2002, 150, 151). Dies wird insbesondere dann angeno m- men, wenn der Schaden durch Sachbeschädigung über denjenigen durch Diebstahl deutlich hinausgeht (vgl. BGH, Beschluss vom 21. August 2013 - 1 StR 332/13, NStZ 2014, 40). Ein solcher Fall liegt hier nicht vor. 2. Auch der Strafausspruch begegnet keinen durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Allerdings hat das Landgericht die Frage nicht erörtert, ob die Angekla g- ten bei der Begehung der abgeurteilten Taten gewerbsmäßig gehandelt haben. § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StGB tritt zwar hinter § 244 StGB zurück . Gewerb s- mäßigkeit der Tatbegehung kann aber gegebenenfalls als Strafzumessungsa s- pekt berücksichtigt werden. Das Landgericht war jedoch nach den getroffenen Feststellungen und der Ablehnung des Vorliegens einer bandenmäßigen Ta t- 14 15 16 17 - 9 - begehung nicht zur Erörterun g der Frage der Gewerbsmäßigkeit der Tatbeg e- hung als subjektivem Moment gedrängt. Von Gewerbsmäßigkeit ist auszugehen, wenn der Täter in der Absicht handelt, sich durch wiederholte Tatbegehung eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und eini gem Umfang zu verschaffen. Liegt diese Absicht vor, ist bereits die erste Tat als gewerbsmäßig begangen einzustufen, auch wenn es entgegen der ursprünglichen Absicht des Täters nicht zu weiteren Taten kommt (vgl. BGH, Urteil vom 17. Juni 2004 - 3 StR 344/0 3, BGHSt 49, 177, 181). Ob eine solche Absicht bei den Angeklagten zur Tatzeit vorhanden war, ließ sich den Feststellungen des Landgerichts aber nicht entnehmen. Es konnte die M o- tivlage der Angeklagten zur Zeit der beiden abgeurteilten Taten nicht klären. Zur Indiztatsache einer früheren gemeinsamen Begehung von Diebstahlstaten konnte es keine konkreten Feststellungen treffen. Der äußere Ablauf der abg e- urteilten Taten allein ergibt keinen sicheren Nachweis dafür, dass die Angekla g- ten jeweils entschlossen wa ren, weitere Diebstähle zu begehen, um sich eine Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen. Der 18 - 10 - Diebstahlsversuch in No . war fehlgeschlagen, der vollendete Einbruch - diebstahl in Ob . ergab nur eine begrenzte Beute. Bei d ieser Sachlage hat sich dem Landgericht die Erörterung der Gewerbsmäßigkeit der Diebstahl s- handlungen nicht aufgedrängt. RiBGH Prof. Dr. Krehl Eschelbach Zeng ist durch Urlaub an der Unterschrift gehindert . Eschelbach Bartel RiBGH Dr. Grube ist du rch Urlaub an der Unterschrift gehindert . Eschelbach
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