BPatG 15208.05BUNDESPATENTGERICHT35 W (pat) 426/08_______________(Aktenzeichen)Verkündet am16. April 2009…B E S C H L U S SIn der Beschwerdesache…- 2 -betreffend das Gebrauchsmuster 203 04 145hier: Löschungsantraghat der 35. Senat (Gebrauchsmuster-Beschwerdesenat) des Bundespatentge-richts auf die mündliche Verhandlung vom 16. April 2009 durch den Vorsitzenden Richter Müllner sowie die Richter Dr.-Ing. Kaminski und Dr.-Ing. Scholzbeschlossen:Die Beschwerde des Antragsgegners wird zurückgewiesen.Die Kosten des Beschwerdeverfahrens trägt der Antragsgegner.G r ü n d eIDas Gebrauchsmuster mit dem Titel „Scharnierelement, insbesondere eines Mo-torhaubenscharniers“ ist am 14. März 2003 beim Deutschen Patent- und Marken-amt angemeldet und am 3. Juli 2003 eingetragen worden. Auf den Löschungsan-trag vom 31. Juli 2006, eingegangen am 3. August 2006, wurde das Gebrauchs-muster von der Gebrauchsmusterabteilung I des Deutschen Patent- und Marken-amts mit Beschluss vom 28. Februar 2008 gelöscht. Gegen diesen Beschluss rich-tet sich die Beschwerde des Gebrauchsmusterinhabers.Er hat in der mündlichen Verhandlung zusätzlich zu den Ansprüchen 1 bis 3 nach Hauptantrag vom 27. Februar 2008 jeweils Ansprüche 1 und 2 nach Hilfsantrag 1 und 2 eingereicht.- 3 -Der Gebrauchsmusterinhaber ist der Ansicht, dass keine der Entgegenhaltungen eine Gummihülse mit gummielastischen Eigenschaften zeigt, wie sie für die Gum-mihülse nach Anspruch 1 des Hauptantrags, zumindest aber für die Gummihülse nach Anspruch 1 des Hilfsantrags 1 vorauszusetzen ist. Der in der DE 31 12 613 A1 genannte Hartgummi weise derartige Eigenschaften nicht auf, sei allenfalls als stahlelastisch aber nicht als gummielastisch anzusehen.Der Anspruch 1 nach Hilfsantrag 2 beanspruche ein Scharnier, das wegen der Seite mit abgeflachtem Durchmesser besonders kompakt und platzsparend sei.Der Beschwerdeführer beantragt,den angefochtenen Beschluss aufzuheben und den Löschungsan-trag im Umfang der Schutzansprüche vom 27. Februar 2008, hilfs-weise im Umfang der Hilfsanträge 1 und 2, übergeben in der mündlichen Verhandlung vom 16. April 2009 zurückzuweisen.Der Beschwerdegegner stellt den Antrag,die Beschwerde zurückzuweisen.Der Beschwerdegegner hat auf einen mündlichen Vortrag zur Sache verzichtet und auf die schriftliche Stellungnahme verwiesen.Wegen weiterer Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.II.Die zulässige Beschwerde ist nicht begründet.- 4 -1. Gegenstand des Gebrauchsmusters, AufgabeDas Gebrauchsmuster betrifft ein Motorhaubenscharnierelement für ein Kraftfahr-zeug. Die Gebrauchsmusterschrift führt dazu aus, dass derartige Scharniere einer ständigen Schwingungsmassen-Beanspruchung aufgrund der einseitigen Anbrin-gung und des vergleichsweise langen Hebelarms ihres freien, hochklappbaren Be-reichs unterliegen.Aufgabe der Erfindung sei es deshalb, den damit unvermeidbaren Gelenkver-schleiß, der schließlich auch zu einem schwingungsbedingten Klappergeräusch führen kann, zu vermeiden. (S. 1, Abs. 2).Nach Anspruch 1 vom 27. Februar 2008 (mit einer eingefügten Gliederung) des Gebrauchsmusters besteht die Lösung dieses Problems in einem„Motorhaubenscharnierelement für ein Kraftfahrzeuga) mit einer flächigen Befestigungslasche zur Halterung des Scharniers an der Motorhaube undb) einem davon an einer Seite rechtwinklig hochgebogenem Bü-gel mit zwei endseitigen Abschnitten, die in Verlaufsrichtung der Befestigungslasche rechtwinklig abgebogen sind undc) in diesem abgebogenem Abschnitt jeweils eine Bohrung auf-weisen, die parallel zum schwenkseitigen Bereich der Befesti-gungslasche aufeinander ausgerichtet sind,d) in denen ein Scharnierbolzen zur schwenkmäßigen Halterung des zugehörigen anderen karosserieseitigen Scharnierele-ments befestigt ist,- 5 -e) wobei die beiden Scharnierelemente (1, 2) über vom Schar-nierbolzen (3) gehaltene, elastische schwingungsdämpfende Zwischenelemente (4) aus Gummihülsen miteinander verbun-den sind,f) die als Abstands-Gummihülsen (5) ausgebildete Gummihülsen umfassen,g) die mit einer zentralen Axialöffnung versehen und auf dem Scharnierbolzen angeordnet sind,h) wobei die Abstands-Gummihülsen eine in Axialrichtung wir-kende, vertiefte Anschlagsprofilierung (7) aufweisen, mittels der das diese umgreifende zugehörige karosserieseitige Scharnierteil (6) mittig zwischen Anschlagsschultern (8) auf dem Scharnierbolzen (3) gehalten wird.“Damit sind beide Scharnierteile über die elastischen Gummihülsen als Zwischen-elemente verbunden. Die Schwingungen werden durch die Gummihülsen ge-dämpft und so die schwingungsbedingten Nachteile vermieden.Nach Hilfsantrag 1 lautet - abweichend vom Anspruch 1 nach Hauptantrag - das Merkmal e):„wobei die beiden Scharnierelemente (1, 2) über vom Scharnier-bolzen (3) gehaltene, elastische schwingungsdämpfende Zwi-schenelemente (4) aus Gummihülsen aus Moosgummi miteinan-der verbunden sind,“- 6 -Hilfsantrag 2 enthält - abweichend vom Anspruch 1 nach Hauptantrag - die Merk-male:„h) wobei die Abstands-Gummihülsen eine in Axialrichtung wir-kende, vertiefte Anschlagsprofilierung (7) aufweisen, mittels der das diese umgreifende zugehörige karosserieseitige Scharnierteil (6) mittig zwischen Anschlagsschultern (8) auf dem Scharnierbolzen (3) gehalten wirdh1) wobei die Abstands-Gummihülsen (5) an ihrer an der Karosse-rie anliegenden Seite einen abgeflachten Durchmesser (16) aufweisen.“2. Fachmann, FachwissenAls Fachmann sieht der Senat einen Techniker der Fachrichtung Maschinenbau mit Erfahrung in der Entwicklung von Kraftfahrzeugscharnieren an.Nach Überzeugung des Senats sind ihm elastische und dämpfende Einsätze mit einem Bund als axialem Anschlag geläufig. Sie werden zur Realisierung von war-tungsfreien, spielfreien und gedämpften beziehungsweise geräuscharmen Schar-nieren eingesetzt, wie die Entgegenhaltungen DE 18 04 935 U (s. insbes. Fig. 1, 3, S. 1, Abs. 1 und S. 2, le. Abs.), DE 17 74 700 U (s. insbes. Fig. 1 und S. 1, Abs. 1, 2, 5), und DE 71 26 543 U (s. insbes. S. 1, Abs. 2, S. 2, le. Abs., S. 3 Abs. 1) diesbezüglich übereinstimmend zeigen.3. Auslegung der Ansprüche:Einige Merkmale der Ansprüche sind aus sich heraus nicht ohne weiteres ver-ständlich und bedürfen der Auslegung:- 7 -„Abgebogen“ und „hochgebogen“ in Merkmal b) und c) könnte auf eine Blechbieg-konstruktion hindeuten. Der Fachmann sieht aber im Lichte der Beschreibung oh-ne weiteres, dass es nur auf die Formgebung, nicht auf die Herstellungsart an-kommt und wird auch anders hergestellte, entsprechend abgewinkelte Teile nicht ausschließen.Der Fachmann sieht Zwischenelemente, Gummihülsen und Abstandsgummihül-sen als verschiedene Namen für die gleichen Teile an.Die „in Axialrichtung wirkende, vertiefte Anschlagsprofilierung“ erkennt der Fach-mann als den in Fig. 1 und 2 gezeigten Bereich verringerten Durchmessers 16, der von den Anschlagschultern 8 begrenzt wird.Unter Moosgummi versteht der Fachmann eine aufgeschäumte, feinporige Gum-mimasse, mit gewöhnlich geschlossener, glatter Oberfläche (im Gegensatz zum offenporigen Schaumgummi).Im Merkmal h1) versteht der Fachmann unter einem „abgeflachten Durchmesser“ eine segmentartige Abflachung, wie in Fig. 3 (Bezugsziffer 16) gezeichnet. Eine Halbierung der Hülse, wie sie der Begriff „Durchmesser“ eigentlich fordert, wird er als unpraktikabel ausschließen.4. Hauptantrag4.1 Der Anspruch 1 nach Hauptantrag ist neu.Unstreitig nächstkommender druckschriftlicher Stand der Technik ist die DE 31 12 613 A1. In Figur 1 und 2 ist ein Scharnier dargestellt, das Zwischenla-gen 11, 12 und 13 aus elastischem Hartgummi zur Schwingungsisolierung auf-weist. Darin sieht der Fachmann einen zwar harten, aber für die geforderte - 8 -Schwingungsisolierung genügend nachgiebigen Gummi. Er muss nämlich zumin-dest die auftretenden Schwingungsamplituden abfedern können.Auf Seite 5, Abs. 2 wird zwar hauptsächlich auf die schwingungsisolierende Wir-kung der Hartgummiauflagen 12 und 13 zwischen der Karosserie und dem Schar-nierarm 9 abgestellt. Der Fachmann erkennt aber, dass die Hartgummi-Zwischen-lage 11, eine Gummihülse zwischen den Scharnierelementen 6 und 7, genauso zur Schwingungsisolierung beiträgt, denn auch für die Zwischenlage 11 gilt, dass es sich um ein elastisches Material nach Art von Hartgummi handelt (Anspruch 1, Z. 6, 7).Aus der DE 31 12 613 A1 (Figur 1 und 2) ist somit mit den Worten des An-spruchs 1 bekannt ein:Motorhaubenscharnierelement für ein Kraftfahrzeug (Titel, S. 3, Abs. 2)a) mit einer flächigen Befestigungslasche (Basisplatte von Teil 6) zur Halterung des Scharniers an der Motorhaube undbteilw) einem Bügel (der Teil der Basisplatte zwischen den Lager-laschen des Lagerteils 6) mit zwei endseitigen Abschnitten (die Lagerlaschen), die in Verlaufsrichtung der Befesti-gungslasche rechtwinklig abgebogen (= abgewinkelt) sind undc) in diesem abgebogenem Abschnitt jeweils eine Bohrung aufweisen, die parallel zum schwenkseitigen Bereich der Befestigungslasche (Basisplatte) aufeinander ausgerichtet sind,- 9 -d) in denen ein Scharnierbolzen 5 zur schwenkmäßigen Halte-rung des zugehörigen anderen karosserieseitigen Schar-nierelements 7 bis 9 befestigt ist,e) wobei die beiden Scharnierelemente über vom Scharnier-bolzen gehaltene, elastische schwingungsdämpfende Zwi-schenelemente 11 aus Gummihülsen miteinander verbun-den sind (S. 5, Z. 5 bis 7, Anspruch 1),f) die als Abstands-Gummihülsen ausgebildete Gummihülsen umfassen (Fig. 2),g) die mit einer zentralen Axialöffnung versehen und auf dem Scharnierbolzen angeordnet sind.Im Unterschied zum Gegenstand des Anspruchs 1 nach Hauptantrag, Merkmal b) ist dort der Bügel des Lagerteils 6 nicht rechtwinklig hochgebogen, und es ist kei-ne Anschlagsprofilierung mit Anschlagsschultern nach Merkmal h) vorgesehen.Den vom Gebrauchsmusterinhaber geltend gemachten Unterschied zwischen dem bekannten Hartgummi und den gemäß Hauptantrag beanspruchten elastischen schwingungsdämpfenden Zwischenelementen aus Gummihülsen sieht der Senat nicht. In beiden Fällen ist ein elastischer Gummi beschrieben.Dem Gebrauchsmusterinhaber ist zwar zuzugestehen, dass umgangssprachlich „hart“ häufig mit unelastisch, und „weich“ mit elastisch gleichgesetzt wird. Physika-lisch und technisch sind aber hart/weich und elastisch/plastisch unabhängige Ei-genschaften, wobei die Paarungen hart und elastisch (Federstahl, Glas) sowie weich und plastisch (Wachs, Plastilin) zumindest ähnlich häufig vorkommen wie andere Paarungen.- 10 -Die vom Gebrauchsmusterinhaber zitierten Fachbuchauszüge belegen, dass Kautschuk (=Gummi) durch Vulkanisation mit Schwefel zunehmend vernetzt und damit härter wird, bis schließlich bei vollständiger Vernetzung der „Ebonit“ genann-te Hartgummi entsteht. Das ist aber ein kontinuierlicher Prozess mit fließendem Übergang, bei dem keinesfalls ein neuartiger Stoff entsteht. Vielmehr handelt es sich stets um Kautschuk beziehungsweise Gummi mit unterschiedlichen Härten, bei dem zudem unelastische Eigenschaften eher im Bereich der unvernetzten, plastischen Kautschuke zu finden sind, als im Bereich der Hartgummis.4.2 Der Gegenstand des Anspruchs 1 nach Hauptantrag ist nicht erfinderisch.Ausgehend von dem Stand der Technik nach DE 31 12 613 A1 ist die in der Ge-brauchsmusterschrift genannte Aufgabe dort bereits gelöst. Im weiteren geht es demnach nur noch um die Art der axialen Fixierung beziehungsweise der mittigen Halterung des haubenseitigen Scharnierteils.Auch bei dem Scharnier nach der D1 DE 31 12 613 A1 muss der karosserieseitige Scharnierteil 8 von dem haubenseitigen Teil 6 zur Schwingungsentkopplung axial beabstandet und mittig fixiert sein, was dort nach Figur 2 teilweise durch Kraft-schluss oder durch Verklebung zwischen der Gummihülse 11 und dem Lager-auge 8 des karossieseitigen Scharnierelements erreicht wird. Dass eine solche axiale Fixierung auch formschlüssig durch Anschlagsschultern geschehen kann, ist dem Fachmann geläufig, wie bereits unter Punkt 2 ausgeführt. Auch in Figur 2 bildet die Lagerbuchse (ohne Bezugszeichen) auf dem Scharnierbolzen 5 durch die endseitig hochgezogenen Bereiche bereits solche Anschlagschultern, die die Gummihülse 11 mittig halten. Es ist somit fachmännisch, die Hülse in bekannter Weise mit einem Bund zu versehen, der die formschlüssige Verbindung auch auf der anderen Seite zwischen Gummihülse 11 und dem Lagerauge 8 des karossie-seitigen Scharnierelements sicherstellt.- 11 -Die rechtwinklige Abbiegung der Befestigungslasche nach Merkmal b) ist eine Maßnahme, die von der Einbausituation abhängt und die dem Fachmann jederzeit zur Verfügung steht. Bei der DE 31 12 613 A1 Fig. 1 ist so die karosserieseitige Lasche 7, 9 abgebogen, nach Fig. 3 der haubenseitige Arm 32, 35. Einen erfinde-rischen Schritt oder eine kombinatorische Wirkung zwischen der hochgebogenen Befestigungslasche und der Anschlagsprofilierung sieht der Senat auch nicht.5. HilfsanträgeDer Anspruch 1 nach Hilfsantrag 1 unterscheidet sich vom Anspruch 1 nach Hauptantrag durch die Spezifizierung des Hülsengummis als Moosgummi. Nach der Darstellung des Gebrauchsmusterinhabers, der der Senat folgt, kommt es da-bei nur auf die gummielastischen Eigenschaften von Weichgummi an. Darin kann der Senat aber ebenfalls keinen erfinderischen Schritt sehen, denn für die Wahl der Härte bzw. Weichheit des Gummimaterials richtet sich der Fachmann unmittel-bar nach der Art (insbesondere der Amplitude) der auftretenden Schwingungen. Dass dafür auch geschäumte Materialen in Frage kommen können, entnimmt der Fachmann bereits der D1 DE 31 12 613 A1 („elastische Eigenschaften von Hart-schaum“ S. 5, Z. 2, v. u.).Der Anspruch 1 nach Hilfsantrag 2 unterscheidet sich vom Anspruch 1 nach Hauptantrag durch die Seite der Abstands-Gummihülsen mit einem abgeflachten Durchmesser nach Merkmal h1). Auch darin sieht der Senat nichts Erfinderisches, denn eine Abflachung von zylindrischen Teilen bei Platzproblemen (z. B. einseitig abgefeilte Schraubenköpfe) ist Basiswissen von handwerklich tätigen Menschen.Auch den Ansprüchen nach Hilfsantrag 1 und 2 ist somit kein erfinderischer Schritt zuzuerkennen.- 12 -Die Kostenentscheidung beruht auf § 18 Abs. 2 GebrMG i. V. m. § 84 Abs. 2 S. 1 und 2 PatG, § 97 Abs. 1 ZPO. Dass die Billigkeit eine andere Entscheidung erfor-dert ist nicht ersichtlich.Müllner Dr. Kaminski Dr. ScholzBe
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