ECLI:DE:BGH:2017:250717B3STR113.17.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 3 StR 113/17 vom 25. Juli 201 7 in der Strafsache gegen 1. 2. 3. wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung u.a. hier: Revision des Angeklagten K . - 2 - Der 3. Strafsenat des Bundesgerich tshofs hat nach Anhörung des Beschwerd e- führers und des Generalbundesanwalts - zu 2. auf dessen Antrag - am 25. Juli 2017 gemäß § 349 Abs. 2 und 4, § 354 Abs. 1 analog, § 357 Satz 1 StPO ei n- stimmig beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten K . wird das Urteil des Landgerichts Koblenz vom 11. November 2016 a) im Schuldspruch - auch soweit es die Angeklagten M . und L . H . betrifft - dahin geändert, dass aa) der Angeklagte K . der versuchten besonders schweren räuberischen Erp ressung in Tateinheit mit Körperverletzung sowie des Diebstahls schuldig ist, bb) die Angeklagten M . und L . H . jeweils der ve r- suchten besonders schweren räuberischen Erpressung schuldig sind, b) hinsichtlich des Angeklagten K . in den Aussprüchen über die im Fall II. 2. der Urteilsgründe verhängte Einzelstr a- fe und die Gesamtstrafe aufgehoben; jedoch bleiben die j e- weils zugehörigen Feststellungen aufrechterhalten. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhan d- lung und Entscheidu ng, auch über die Kosten des Rechtsmi t- tels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückve r- wiesen. 2. Die weitergehende Revision wird verworfen. - 3 - Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten K . wegen versuchter b e- sonders schwerer räuberisch er Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Kö r- perverletzung und wegen Diebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten, die nicht revidierenden Angeklagten M . und L . H . jeweils wegen versuchter besonders schwe rer räuberischer E r- pressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung es zur Bewährung ausgesetzt hat; gegen L . H . hat das Landgericht außerdem einen Dauerarrest von zwei Wochen verhängt. Die auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten K . hat in dem aus der En t- scheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. 1. Der Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung im Fall II. 2. der Urteilsgründe hält in Bezug auf den Angeklagten K . und die insoweit gleichermaßen betroffenen, nicht revidierenden Angeklagten M . und L . H . rechtlic her Überprüfung nicht stand. a) Nach den vom Landgericht hierzu getroffenen Feststellungen fassten K . und die beiden nicht revidierenden Angeklagten am 26. April 2016 den Entschluss, ein Gasthaus zu überfallen. Ihr gemeinsamer Tatplan sah vor , dass K . sowie L . H . das Gebäude betreten und M . H . draußen "Schmiere stehen" sollte. K . und L . H . sollten anw e- sende Personen mit einem Küchenmesser, einem Taschenmesser sowie einer Pistolenattrappe "in Schach halten" und Geld entwenden. Bei Gegenwehr sol l- ten die Überfallenen "weggeschubst" werden. 1 2 3 - 4 - Nachdem K . und L . H . sich in den Gasthof begeben ha t ten, gelangten sie versehentlich unmittelbar in die Küche, wo sie den als Koch tätigen Zeugen V . antrafen. K . und L . H . bedrohten V . mit den mitgeführten Tatmitteln und forderten ihn auf, ihnen Geld herauszug e- ben. Nachdem V . darauf hingewiesen hatte, dass er der Koch sei und kein Geld habe, legte er sich auf Aufforderung von K . auf den Boden, weil er angesichts des Küchenmessers und der Pistolenattrappe, die er für eine echte Schusswaffe hielt, Angst hatte. Nunmehr betrat die Betreiberin des Gastha u- ses, die Zeugin M . , die Küche. Sie erschrak und erkannte den Ernst der Lage. Gleichwohl trat sie den Angeklagten forsch und resolut gegenüber, erklärte, kein Geld zu haben , und forderte sie auf, das Haus zu verlassen. A n- schließend kündigte sie an, die Polizei zu verständigen, und ging a us der Küche über den Hausflur in einen Nebenraum. K . forderte nunmehr L . H . auf, beim Zeugen V . zu bleiben und diesen weiter in Schach zu halten; er selbst folgte der Zeugin M . und riss das Telefon aus der Wand, als die Z eugin bereits den Hörer ergriffen und die "110" gewählt hatte. Dabei schubste er sie gegen die "Entkorkmaschine", wodurch sie Schmerzen, blaue Flecken im Bereich der linken Hüfte und des Rückens sowie eine Ve r- stauchung des linken Daumens erlitt; dies nahm K . zumindest billigend in Kauf. b) Diese Feststellungen tragen die Verurteilung der Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB nicht. Das Lan d- gericht hat dazu ausgeführt, dass auch im Hinblick auf die von K . zum Nachteil der Zeugin M . begangene Körperverletzung "von mittäte r- schaf t licher Begehungsweise" auszugehen sei, weil "das Schubsen von Pers o- nen von vornherein zum gemeinsamen Tatplan gehört" habe. 4 5 - 5 - Das stößt auf durchgreifende rechtlic he Bedenken. § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGB setzt voraus, dass der Täter die Körperverletzung mit einem anderen B e- teiligten gemeinschaftlich begeht. Nicht erforderlich ist die eigenhändige Mitwi r- kung jedes einzelnen an der Verletzungshandlung. Ausreichend, aber a uch erforderlich ist, dass eine am Tatort anwesende Person den unmittelbar Ta t- ausführenden aktiv - physisch oder psychisch - unterstützt (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 22. Dezember 2005 - 4 StR 347/05, NStZ 2006, 572, 573). Das war hier nicht der Fa ll. Denn weder M . noch L . H . war am Ta t- ort anwesend, als K . die Zeugin M . in dem Nebenraum gegen die "Entkorkmaschine" stieß. c) Insoweit hat sich K . deshalb nur wegen Körperverletzung (§ 223 Abs. 1 S tGB) strafbar gemacht. Der Senat hat den Schuldspruch in en t- sprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO geändert und die Entsche i- dung gemäß § 357 Satz 1 StPO auf die Angeklagten M . und L . H . erstreckt mit der Folge, dass die gegen diese Ang eklagten ergangenen Schuldsprüche wegen gefährlicher Körperverletzung entfallen. Denn ihre Veru r- teilung wegen einer Beteiligung an der von K . begangenen Körperve r- letzung kommt nicht in Betracht. Insbesondere kann ihnen diese Tat nicht g e- mäß § 2 5 Abs. 2 StGB zugerechnet werden; allein der Umstand, dass nach ihrem gemeinsamen Tatplan die Überfallenen bei Gegenwehr "weggeschubst" werden sollten, reicht insoweit für die Annahme von Mittäterschaft nicht aus. 2. Die Schuldspruchänderung führt hinsic htlich des Angeklagten K . zur Aufhebung der im Fall II. 2. der Urteilsgründe gegen ihn verhängten Einzelstrafe. Diese kann schon deshalb keinen Bestand haben, weil das Lan d- gericht die tateinheitlich mit der versuchten besonders schweren räuberisc hen Erpressung begangene "gefährliche" Körperverletzung ausdrücklich strafschä r- 6 7 8 - 6 - fend gewertet hat. Im Übrigen hat die Strafkammer mit rechtsfehler hafter B e- gründung davon abgesehen, den der Strafzumessung zugrunde gelegten Stra f- rahmen des § 250 Abs. 2 StGB g emäß § 23 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB zu mi l- dern. Sie hat insoweit maßgeblich darauf abgestellt, dass der Angeklagte "im Verlauf des Geschehens mehrere Versuche startete, um der Tat noch zum E r- folg zu verhelfen" , und sein Vorhaben erst aufgab, "als er schließ lich einsah, dass alle Bemühungen angesichts des hartnäckigen Entgegenstellens der Zeugin nicht zum Erfolg führten". Dies lässt besorgen, dass die Strafkammer im Ergebnis rechtsfehlerhaft zum Nachteil des Angeklagten gewertet hat, nicht vom Versuch zurückg etreten zu sein (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 9. November 2010 - 3 StR 390/10, NStZ 2011, 337). Der Wegfall der im Fall II. 2. der Urteilsgründe verhängten Einzelstrafe bedingt die Aufhebung der Gesamtstrafe. Die den Strafaussprüchen zugrunde liegende n Feststellungen bleiben von dem Rechtsfehler unberührt und können deshalb bestehen bleiben (§ 353 Abs. 2 StPO). 3. Die Strafaussprüche bezüglich der Angeklagten M . und L . H . haben trotz der Schuldspruchänderung Bestand. Das Landgericht hat die gegen diese Angeklagten verhängten jugendstrafrechtlichen Sanktionen recht s- fehlerfrei in erster Linie an erzieherischen Gesichtspunkten ausgerichtet. In A n- betracht dessen kann ausgeschlossen werden, dass die Rechtsfolgenentsche i- dungen ohne den auf gezeigten Rechtsfehler milder ausgefallen wären. 4. Die Entscheidung des Landgerichts, von der Unterbringung des Ang e- klagten K . in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) abzusehen, vera n- lasst den Senat zu folgendem Hinweis: 9 10 11 12 - 7 - Es stößt auf recht liche Bedenken, dass die Strafkammer insoweit unter anderem darauf abgestellt hat, dass ein Behandlungserfolg im Sinne des § 64 Satz 2 StGB jedenfalls nicht "im Zeitraum von zwei Jahren" zu erreichen sei. Denn für die Anordnung der Maßregel nach § 64 Satz 2 StGB reicht es nach der seit dem 1. August 2016 geltenden Fassung der Vorschrift aus, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht besteht, dass der Behandlungserfolg "innerhalb der Frist nach § 67d Abs. 1 Satz 1 oder 3 StGB" zu erreichen ist. Die Unterbri n- gu ng in einer Entziehungsanstalt ist mithin, wenn - wie hier - daneben eine Freiheitsstrafe verhängt wird, nicht mehr von vornherein auf zwei Jahre b e- schränkt; die Höchstfrist der Unterbringung verlängert sich in diesen Fällen vielmehr nach Maßgabe des § 67d Abs. 1 Satz 3 StGB um die Dauer des nach § 67 Abs. 4 StGB anrechenbaren Teils der Freiheitsstrafe. Durch den Verweis auf § 67d Abs. 1 Satz 3 StGB sollte ausdrücklich klargestellt werden, dass die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt auch dann angeord net werden kann, wenn ausnahmsweise eine notwendige Behandlungsdauer von mehr als zwei Jahren zu prognostizieren ist (BGH, Beschluss vom 14. Juni 2017 - 3 StR 97/17, juris Rn. 6). 13 - 8 - Dieser Mangel gefährdet den Bestand der Maßregelentscheidung indes nicht, weil den übrigen Erwägungen des Landgerichts sicher zu entnehmen ist, dass die nach § 64 Satz 2 StGB vorausgesetzte konkrete Aussicht auf einen Erfolg der Maßregel auch bei einer längeren Dauer der Unterbringung nicht b e- jaht werden kann. Becker Gericke Spaniol Tiemann Berg 14
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