ECLI:DE:BGH:2017:171017B3STR349.17.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 3 StR 349/17 vom 17. Oktober 201 7 in der Strafsache gegen wegen schweren Raubes u.a. - 2 - Der 3. Strafsenat des Bundesge richtshofs hat nach Anhörung des Beschwerde - führer s und des G eneralbundesanwalts - zu 2 . auf des sen Antrag - am 17 . Oktober 2017 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 , § 354 Abs. 1 analog StPO einstimmig beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 10 . Januar 2017 im Strafausspruch dahin geändert, dass die Gesam tfreiheitsstrafe auf sieben Jahre festgesetzt wird. 2. Die weitergehende Revision wird verworfen. 3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen. Gründe : 1. Der Angeklagte ist nach dem Urteilstenor zu einer Gesamtfreiheit s- strafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Den Urteil s- gründen zufolge beläuft sich die Gesamtfreiheitsstrafe hingegen nur auf sieben Jahre (UA S. 76). Durch die Anna hme eines offenkundigen Schreibversehens kann dieser Widerspruch nicht aufgelöst werden, weil den Strafzumessung s- gründen nicht zu entnehmen ist, dass die dort bezeichnete niedrigere Gesam t- freiheitsstrafe ohne jeden vernünftigen Zweifel so nicht verhängt we rden sollte. Da indes auszuschließen ist, dass die Strafkammer eine niedrigere Gesam t- 1 - 3 - freiheitsstrafe als die in den Gründen genannte verhängen wollte, kann der Senat diese selbst festsetzen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 25. Februar 2009 - 5 StR 46/09, BGHR S tPO § 260 Abs. 1 Urteilstenor 5 mwN; vom 28. Februar 2012 - 2 StR 544/11, NStZ - RR 2012, 179, 180 mwN). 2. Im Übrigen hat die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revision s- rechtfertigung aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts keinen d urchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Der Erörterung bedarf lediglich Folgendes: a) Es hält rechtlicher Überprüfung nicht stand, dass das Landgericht in den Fällen 2a), b), c) und i) der Urteilsgründe das Vorliegen des Regelbe ispiels nach § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB angenommen hat. aa) Nach den Feststellungen des Landgerichts entwendete der Ang e- klagte in diesen Fällen Gegenstände aus Fahrzeugen, nachdem er in Parkhä u- sern abgewartet hatte, bis die Geschädigten ihr Fahrzeug geparkt und nach dem Aussteigen eine Funkfernbedienung betätigt hatten, um es zu verriegeln. Dem Angeklagten gelang es jeweils mittels eines Störsenders, den Schließ - mechanismus des Fahrzeugs so zu stören bzw. zu manipulieren, dass es en t- weder nicht versch lossen oder - von dem Geschädigten unbemerkt - wieder geöffnet wurde. bb) Diese Feststellungen tragen die Annahme, dass der Angeklagte das Regelbeispiel des § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB verwirklicht habe, nicht. Sie belegen insbesondere nicht, dass er mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsgemäßen Öffnung bestimmten Werkzeug in die Fahrzeuge eingedrungen ist. 2 3 4 5 - 4 - Andere nicht zur ordnungsgemäßen Öffnung bestimmte Werkzeuge sind solche, mit denen der Schließmechanismus ähnlich w ie mit einem Schlüssel ordnungswidrig in Bewegung gesetzt wird (RG, Urteil vom 17. Juni 1919 - II 228/19, RGSt 53, 277; MüKoStGB/Schmitz, 3. Aufl., § 243 Rn. 30; S/S - Eser/Bosch, StGB, 29. Aufl., § 243 Rn. 15). Hier kommt der von dem A n- geklagten verwendet e Störsender zwar als ein solches Werkzeug in Betracht. Es steht aber nicht fest, dass der Angeklagte in die Fahrzeuge eingedrungen ist, indem er deren Schließmechanismus mittels des Störsenders in Bewegung gesetzt hat. Das ist nur dann der Fall, wenn die Verriegelung des Fahrzeugs mit Hilfe des Störsenders geöffnet wird, nicht hingegen, wenn dadurch die Verri e- gelung des Fahrzeugs verhindert wird, was hier den Feststellungen zufolge gleichermaßen möglich ist. b) Auf diesem Rechtsfehler beruht das Urteil i ndes nicht. Das Landgericht hat zwar bei der Strafzumessung in den Fällen 2a), b), c) und i) der Urteilsgründe jeweils strafschärfend berücksichtigt, dass der - gewerbsmäßig handelnde - Angeklagte neben dem Regelbeispiel des § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 St GB auch dasjenige nach § 243 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB verwirklicht habe. Es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass die Strafka m- mer ohne die Annahme von zwei verwirklichten Regelbeispielen auf niedrigere Einzelstrafen erkannt hätte. Denn ein Fall, in dem d ie Verriegelung eines Fah r- zeugs mit einem Störsender verhindert wird, ist seinem Unrechtsgehalt nach mit dem Öffnen eines verschlossenen Fahrzeugs mit Hilfe eines Störsenders vergleichbar, sodass die Annahme eines unbenannten besonders schweren Falles im S inne von § 243 Abs. 1 Satz 1 StGB nahe liegt. 6 7 8 - 5 - 3. Der geringe Teilerfolg der Revision lässt es nicht unbillig erscheinen, den Beschwerdeführer mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu b e- lasten (§ 473 Abs. 4 StPO). Becker Gericke Spaniol Tiemann Berg 9
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