ECLI:DE:BGH:2018:171018B4STR149.18.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 4 StR 149 / 1 8 vom 17. Oktober 201 8 in der Strafsache gegen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort u.a. - 2 - Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbu n- desanwalts und des Beschwerdeführe rs am 17. Oktober 201 8 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 , § 354 Abs. 1 StPO beschlossen : 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landg e- richts Dessau - Roßlau vom 7. November 2017 , soweit es den Angeklagten betrifft, a) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte der Urkundenfälschung in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, vorsätzlichem Gebrauch eines Fah r- zeugs ohne Versicherungsschutz und mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort sowie des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlau bnis in Tateinheit mit vorsätzlichem G e- brauch eines Fahrzeugs ohne Versicherungsschutz schu l- dig ist; die Einzelstrafen für die Taten II.1., 2. und 5. der Urteilsgründe entfallen; b) im Rechtsfolgenausspruch hinsichtlich der Gesamtstrafe und der Entscheidun g über eine Kompensation überlanger Verfahrensdauer mit den jeweils zugehörigen Feststellu n- gen aufgehoben. 2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhan d- lung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmi t- tels, an eine andere Strafkammer d es Landgerichts zurüc k- verwiesen. 3. Die weiter gehende Revision wird verworfen. - 3 - Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Haftpflichtve r- sicherungsvertrag und mi t Urkundenfälschung in drei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort, sowie wegen vo r- sätz lichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Haftpflichtversicherungsvertrag in zwei Fällen z u der Gesamtstrafe von einem Jahr verurteilt. Des Weiteren hat es die Verwaltungsbehörde angewi e- sen, dem Angeklagten vor Ablauf eines Jahres keine Fahrerlaubnis zu erteilen. Gegen dieses Urteil wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die nicht näher ausg eführte Sachrüge gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. 1. Die Annahme selbständiger, realkonkurrierender Taten in den Fä l- len II.1. bis 3. sowie II.4. und 5. der Urteilsgründe hält rechtlicher Prüfung nicht stand. a) Nach den Feststellungen befuhr der Angeklagte, ohne im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis zu sein, am 17. November 2013 mit einem wie er wusste nicht haftpflic htversicherten Pkw Subaru öffentliche Straßen in N . und Umgebung. An dem Pkw hatte er zu einem früheren Zeitpunkt die für ein anderes Fahrzeug ausgegebenen amtlichen Kennzeichen angebracht, um eine amtliche Zulassung des Pkw vorzutäuschen. Am Ende e iner Straße in N . wendete der Angeklagte das Auto, stieg aus und verrichtete seine Notdurft. A n- schließend setzte er die Fahrt fort. Wenig später kam dem Angeklagten der spätere Geschädigte entgegen, der seinen Pkw Lada Niva auf der schmalen 1 2 3 - 4 - Straße s o zum Stehen brachte, dass der Angeklagte zunächst nicht weiterfa h- ren konnte. Als der Angeklagte, der sein Fahrzeug kurz zurückgesetzt hatte, sodann an dem Fahrzeug des Geschädigten auf der Beifahrerseite vorbeifuhr, kollidierte er für ihn unvorhersehbar mit dem zwischenzeitlich aus seinem Pkw ausgestiegenen Geschädigten, der dadurch in Richtung der Motorhaube seines Fahrzeugs fiel und eine Prellung am rechten Knie sowie Schmerzen am rechten Arm davontrug. Der Angeklagte, der die Kollision wahrgenommen ha t- te, setzte seine Fahrt fort, ohne Feststellungen zu seiner Person und zum Unfall zu ermöglichen (Taten II.1. bis 3. der Urteilsgründe). Am 20. Dezember 2013 war der Angeklagte erneut ohne die erforderliche Fahrerlaubnis mit einem a n- deren nicht haftpflic htversicherten Pkw in D . unterwegs. Als er sein Fahrzeug aus einer Parklücke auf die Fahrbahn steuerte, kollidierte er mit dem Fahrzeug einer anderen Verkehrsteilnehmerin. Nachdem die Unfallbeteili g- ten ihre Personalien ausgetauscht hatten, f uhr der Angeklagte mit dem von ihm geführten Auto davon (Taten II.4. und 5. der Urteilsgründe). b) Bei den Taten II.1. bis 3. der Urteilsgründe hat das Landgericht una b- hängig von der vom Generalbundesanwalt zutreffend bejahten Frage, ob sich die Tate n II.1. und 2. der Urteilsgründe trotz der kurzzeitigen Fahrtunte r- brechung als einheitliches Gebrauchmachen von einer unechten zusammeng e- setzten Urkunde im Sinne des § 267 Abs. 1 3. Alternative StGB in Tateinheit mit § 21 Abs. 1 Nr. 1 StVG und § 6 Abs. 1 Pfl VG darstellen (vgl. BGH, B e- schluss vom 28. Januar 2014 4 StR 528/13, NStZ 2014, 272), übersehen, dass auch der mehrfache selbständige Gebrauch einer unechten Urkunde mit dem Herstellen der unechten Urkunde eine tatbestandliche Handlungseinheit und dam it eine materiell - rechtliche Tat bilden, wenn der mehrfache Gebrauch dem schon bei der Fälschung bestehenden konkreten Gesamtvorsatz des T ä- ters entspricht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 30. Oktober 2008 3 StR 156/08, 4 - 5 - BGHR StGB § 267 Abs. 1 Konkurrenzen 3; vom 26. Oktober 2016 4 StR 354/16, NStZ - RR 2017, 26 ; vom 15. Februar 2017 4 StR 629/16, StraFo 2017, 124). Bringt der Täter die für ein anderes Fahrzeug ausgegebenen amt - lichen Kennzeichen wie hier an einem Fahrzeug an, um dieses als ve r- mein t lich zuge lassen im öffentlichen Straßenverkehr zu nutzen, ist ein solcher Gesamtvorsatz naheliegend gegeben (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Oktober 2016 4 StR 354/16, aaO; vom 16. Juli 2015 4 StR 279/15 Rn. 5). c) Hinsichtlich der Taten II.4. und 5. der Urteils gründe tragen die Fes t- ste l lungen die Annahme selbständiger Taten ebenfalls nicht. Die Dauerdelikte des § 21 Abs. 1 Satz 1 StVG und § 6 Abs. 1 PflVG u m- fassen die gesamte von vornherein auch ü ber eine längere Wegstrecke gepla n- te Fahrt bis zu deren endgülti gem Abschluss, ohne dass kurzzeitige Fahrtunte r- brechungen zu einer Aufspaltung der einheitlichen Tat führen (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüsse vom 7. November 2003 4 StR 438/03, VRS 106, 214; vom 22. Juli 2009 5 StR 268/09, DAR 2010, 273; Urteil vom 30. September 2010 3 StR 294/10, NStZ 2011, 212; Beschluss vom 9. März 2016 4 StR 60/16, StraFo 2016, 262). Etwas a nderes gilt nur , wenn die Fortsetzung der Fahrt auf eine m neu gefassten Willensentschluss des Täters beruht (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Juni 1997 5 StR 93/97, NStZ 1997, 508; OLG Hamm, VRS 115, 142; LG Potsdam, DAR 20 0 9, 285; Weidig in Mü nch Ko mm zu m Straßenverkehr s- recht, § 21 StVG Rn. 40 f.; zu § 316 StGB vgl. Ernemann in Satzger/Schlucke - bier/Widmaier, StGB, 3. Aufl., § 316 Rn. 40). De mentsprechend beginnt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine neue Dauerstraftat, wenn der Täter nach einem Unfallgeschehen weiterfährt, weil er den Entschluss gefasst hat, sich der Feststellung seiner Unfallbeteiligung durch Flucht zu entziehe n (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17. Februar 1967 4 StR 461/66, BGHSt 5 6 - 6 - 21, 203; Beschluss vom 10. April 1973 4 StR 118/73, VRS 48, 354; Urteil vom 17. Februar 1983 4 StR 716/82, VRS 65, 131). Dass der Angeklagte nach dem Halt zum Austausch der Personalien mit der Unfallgegnerin nicht seine ursprünglich geplante Fahrt fortsetzte, sondern einen neuen Tatentschluss fas s- te, hat das Landgericht nicht festgestellt. Die Annahme von zwei materiell - rechtlich selbständigen Taten ist daher nicht belegt. d) Der Senat schließt angesichts des Zeitablaufs seit Tatbegehung aus, dass in einer neuen Hauptverhandlung noch tatsächliche Feststellungen getro f- fen werden können, die in den Fällen II.1. bis 3. sowie II. 4. und 5. der Urteil s- gründe eine Verurteilung weg en selbständiger Taten tragen könnten. Er ändert den Schuldspruch daher entsprechend. § 265 StPO steht nicht entgegen. Die Schuldspruchänderung führt zum Wegfall der in den Fällen II.1., 2. und 5. der Urteilsgründe verhängten Einzelstrafen. In entspreche nder Anwe n- dung des § 354 Abs. 1 StPO können die Freiheitsstrafen von acht Monaten (II.3. der Urteilsgründe) und sieben Monaten (II. 4 . der Urteilsgründe) als allein i- ge Einzelstrafen für die jeweils einheitlichen Taten vom 17. November und 20. Dezember 2013 bestehen bleiben. Die Gesamtstrafe bedarf einer neuen tatrichterlichen Verhandlung und Entscheidung. 2. Schließlich begegnen die Erwägungen der Strafkammer zu dem für die Verfahrensdauer zu gewährenden Ausgleich durchg reifenden rechtlichen Bedenken. D as Landgericht hat auf der Grundlage zum Verfahrensablauf getroffener Feststellungen, wonach das Verfahren von Tatbegehung bis zum Urteil knapp vier Jahre dauert e , eine nicht vom Angeklagten zu vertretende überlange Ve r- 7 8 9 10 - 7 - fahrensdauer angenommen und hierfür b ei der Bemessung der Gesamtstrafe einen Abschlag von einem Monat und zwei Wochen gewährt. Bei dieser Sac h- lage wäre die Strafkammer aus Gründen sachlichen Rechts aber gehalten g e- wesen, die eingetretene Verfahrensverzögerung konkret zu bestimmen und gegeben enfalls eine Kompensationsentscheidung nach Maßgabe der in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs entwickelten Vollstreckungslösung (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Januar 2008 GSSt 1/07, BGHSt 52, 124) zu treffen. Dies wird der neu zur Entscheidung beruf ene Tatrichter nachzuholen haben. - Scheible ist wegen Urlaubs gehi n- dert zu unterschreiben. Roggenbuck Roggenbuck Cierniak Bender Feilcke
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