ECLI:DE:BGH:2016:261016B4STR354.16.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 4 StR 354 / 16 vom 26. Oktober 201 6 in der Strafsache gegen wegen gefährlicher Körperverletzung u.a. - 2 - Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbu n- desanwalts und des Beschwerdeführers am 2 6. Oktober 201 6 gemäß § 44 Satz 1, § 349 Abs. 2 und 4, § 354 Abs. 1 Satz 1 StPO analog beschlossen : 1. Dem Angeklagten wird auf seinen Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach Versäumung der Frist zur B e- gründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Bad Kreuznach vom 30. März 2016 gewährt . Die Kosten der Wiedereinsetzung trägt der Angeklagte. 2. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Lan d- gerichts Bad Kreuznach vom 30. März 2016 dahin geändert und neu gefasst, dass a) der Ang eklagte wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, Sachbeschädigung sowie Urkundenfä l- schung unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus dem Urteil des Amtsgerichts Idar - Oberstein vom 21. Mai 2015 nach Auflösung der dort gebildeten Gesamt freiheits str afe zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten und wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstraf e von einem Jahr verurteilt ist; b) e ine der für die Fälle II. 5 und 6 der Urteilsgründe jeweils verhängten Freiheitsstrafen entfällt. - 3 - 3. Die weiter gehende Revision wird verworfen. 4. Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tr a- gen. Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährl icher Körperverle t- zung in drei Fällen, Urkundenfälschung in zwei Fällen sowie Sachbeschädigung unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus dem Urteil des Amtsgerichts Idar - Oberstein vom 21. Mai 2015 nach Auflösung der dort gebildeten Gesamt frei - heits strafe zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten und wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit ve r- suchter gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Seine nach Gewäh rung von Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Frist zur Begründung des Rechtsmi t- tels zulässige Revision führt zu einer Abänderung des Schuldspruchs und dem Wegfall einer Einzelstrafe. Im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. 1. Dem Angeklagten war nach der Versäumung der Frist zur Begründung der Revision auf seinen Antrag hin Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren. Zur Begründung nimmt der Senat auf die Ausführungen des Gen e- ralbundesanwalts in se iner Zuschrift vom 7. September 2016 Bezug. 1 2 - 4 - 2. Der Schuldspruch war wie aus der Beschlussformel ersichtlich abz u- ändern. a) Die Annahme zweier rechtlich selbständiger Taten der Urkundenfä l- schung in den Fällen II. 5 und 6 der Urteilsgründe (Fälle 4 und 5 der Anklag e- schrift vom 2. Juni 2015) hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Zwar trifft es zu, dass der Angeklagte den Tatbestand des Gebrauch - machens von einer unechten Urkunde gemäß § 267 Abs. 1, 3. Alt. StGB ve r- wirklicht hat, indem er in den Fälle n II. 5 und 6 der Urteilsgründe sein mit fa l- schen amtlichen Kennzeichen versehenes Fahrzeug im öffentlichen Straße n- verkehr nutzte (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Mai 2015 4 StR 164/15, Rn. 10; Beschluss vom 28. Januar 2014 4 StR 528/13, NStZ 2014, 272). D ie Stra f- kammer hat jedoch nicht bedacht, dass nur eine Urkundenfälschung vorliegt, wenn eine gefälschte Urkunde mehrfach gebraucht wird und dieser mehrfache Gebrauch dem schon bei der Fälschung bestehenden konkreten Gesamtvo r- satz des Täters entspricht (vgl . BGH, Beschluss vom 16. Juli 2015 4 StR 279/15, Rn. 5; Beschluss vom 21. Mai 2015 4 StR 164/15 , Rn. 10; Beschlu ss vom 30. Oktober 2008 3 StR 156/08, BGHR StGB § 267 Abs. 1 Kon kurre n- zen 3). Nach den Feststellungen nutzte der Angeklagte sein mit falsc hen Ken n- zeichen versehenes Fahrzeug am 18. Februar 2015 um 20.15 Uhr (Fall II. 5 der Urteilsgründe) und am 19. Februar 2015 um 9.00 Uhr (Fall II. 6 der Urteilsgrü n- de) im öffentlichen Straßenverkehr. Aus der zugrunde liegenden Beweiswürd i- gung ergibt sich, d ass er dazu am 19. Februar 2015 um 9.00 Uhr gegenüber einem Angehörigen des kommunalen Vollzugsdienstes angab, die (falschen) Kennzeichen am Vorabend selbst angebracht zu haben. Danach ist es nicht ausgeschlossen und bei der Beurteilung der Konkurrenzen au ch zugunsten des Angeklagten anzunehmen, dass er schon beim Anbringen der Kennzeichen den 3 4 5 - 5 - Vorsatz zu einer zeitnahen Mehrfachnutzung des Fahrzeugs mit den falschen Kennzeichen hatte. Das hat zur Folge, dass der in der Fahrzeugnutzung li e- gende mehrfache Geb rauch einer unechten Urkunde und deren vorangegang e- ne Herstellung als tatbestandliche Handlungseinheit eine Tat der Urkundenfä l- schung bildeten (vgl. BGH, Beschluss vom 16. Juli 2015 4 StR 279/15, Rn. 5; Beschluss vom 21. Mai 2015 4 StR 164/15 , Rn. 10). b) Im Fall II. 7 der Urteilsgründe wird die Annahme einer (tateinheitlich) verwirklichten vollendeten Nötigung von den Feststellungen nicht getragen. D a- nach fuhr der Angeklagte mit seinem Pkw gezielt auf die Zeugen Z . , P . und M . F . zu. Dabei nahm er in Kauf, alle drei mit seinem Pkw zu erfassen und zu verletzen. Dass er dabei auch den (zumindest bedingten) Vorsatz hatte, diese Personen wie letztendlich geschehen zu einem Sprung auf eine Grünfläche zu zwingen, kann weder de n Feststellungen, noch der sie tragenden Beweiswürdigung entnommen werden. Ergänzende Feststellungen sind unter den hier gegebenen Umständen nicht zu erwarten. c) Der Senat ändert den Schuldspruch in entsprechender Anwendung von § 354 Abs. 1 StPO ab. § 2 65 StPO steht dem nicht entgegen. 3. Infolge der Schuldspruchänderung kommt eine der beiden für die Fä l- le II. 5 und 6 der Urteilsgründe verhängten Einzelstrafen von sechs Monaten Freiheitsstrafe in Wegfall. Die für die Fälle II. 1 bis 6 unter Einbeziehun g der Einzelstrafen aus dem Urteil des Amtsgerichts Idar - Oberstein vom 21. Mai 2015 gebildete Gesamtstrafe kann trotzdem bestehen bleiben, weil der Senat mit Rücksicht auf die verbleibenden Einzelstrafen (drei Mal sieben Monate Fre i- heitsstrafe, zwei Mal se chs Monate Freiheitsstrafe, einmal vier Monate Fre i- heitsstrafe und einmal 120 Tagessätze Geldstrafe) und den unverändert ge - 6 7 8 - 6 - bliebenen Schuldumfang ausschließen kann, dass die Strafkammer auf eine niedrigere Gesamtstrafe erkannt hätte (vgl. BGH, Beschluss v om 22. Januar 2015 3 StR 490/14, NStZ - RR 2015, 139, 140; Beschluss vom 6. Dezember 2012 2 StR 294/12, Rn. 5; Meyer - Goßner in: Meyer - Goßner/Schmitt , StPO, 59. Aufl. , § 354 Rn. 22 a E ). Die im Fall II. 7 verhängte Freiheitsstrafe hat ebenfalls Bestand. Denn der Senat kann ausschließen, dass die Strafrahmenwahl und die Bestimmung der Strafe durch die fehlerhafte rechtliche Würdigung beeinflusst worden sind. 4. Wegen des lediglich geringfügigen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den Beschwerdef ührer mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten. Roggenbuck Cierniak Franke Bender Quentin 9 10
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