5 StR 352/13 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS vom 20. August 2013 in der Strafsache gegen wegen besonders schweren Raubes - 2 - Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 20. August 2013 beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Lübeck vom 18. April 2013 gemäß § 349 Abs. 4 StPO im Rechtsfolgenausspruch mit den zugeh ö- rigen Feststellungen aufgehoben. 2. Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen. 3. Im Umfang der Aufhebung wi rd die Sache zu neuer Ve r- handlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landg e- richts zurückverwiesen. G r ü n d e Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes zu einer Frei heitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten veru r- teilt. Die hiergegen gerichtete Revision des Angeklagten erzielt mit der al l- gemeinen Sachrüge den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. Der Rechtsfolgenausspruch hat keinen Bestand, weil das Landgericht eine erhebliche Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit nach § 21 StGB nicht rechtsfehlerfrei ausgeschlossen hat. 1. a) Nach den Feststellungen beschlossen der Angeklagte und der n icht revidierende Mitangeklagte P . in der Nacht zum 7. Dezember 2012, 1 2 3 - 3 - eine ihnen aus früheren Besuchen bekannte Spielhalle zu überfallen. Auch in der Tatnacht hatten der Angeklagte und der Mitangeklagte, die seit den Nachmittagsstunden des 6. Dezember 2012 diverse alkoholische Getränke konsumiert hatten, zuvor bereits in der Spielhalle gespielt. Zur Tatvorbere i- tung versuchte der Angeklagte, in eine als Maske zu verwendende Mütze r- schn das Gesicht zog. Nach dem Betreten der Spielhalle blieben der Angeklagte und sein Mittäter dort zunächst einige Minuten im Foyer stehen und unte r- hie l ten sich, wobei sie auch einige Worte auf russisch sprachen, um später den Tatverdacht in eine falsche Richtung zu lenken. Als beide mit gezogenen Messern auf die Spielhallenaufseherin zugingen, erkannte diese sie als Ku n- den. Auf die Aufforderung des Angeklagten, Geld herauszugeben, antwortet e unbeeindruckt schubste der Angeklagte die Spielhallenaufseherin zur Seite und versuchte vergeblich, eine hinter einem Tresen befindliche Geldkassette mittels des steckenden Schlüs sels zu öffnen. Nachdem sodann die Spielha l- lenaufseherin auf Aufforderung des Angeklagten die Kassette geöffnet hatte, dem Mitangeklagten die Spielhalle. b) Das Landgericht hat im A nschluss an ein Gutachten der Sachve r- ständigen eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit verneint. Es hat sich der Beurteilung der Sachverständigen angeschlossen, wonach der Angekla g- te zur Tatzeit eine sich aus Rückrechnung ergebende maximale Blutalkoho l- k Steuerungsfähigkeit spreche nur der Umstand, dass die Angeklagten ihr Vorhaben nicht aufgegeben hätten, nachdem sie erkannt worden seien. A n- dererseits hätten beide Angeklagten bei der Tat g eordnet und überlegt agiert. Auch spreche die gute Erinnerung des Angeklagten an die Tat gegen eine erhebliche Verminderung seiner Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit. 4 - 4 - 2. Diese Begründung hält revisionsgerichtlicher Überprüfung nicht stand. Eine Blutalkoho einer erheblichen Herabsetzung der Hemmungsfähigkeit nahe, die nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs für eine Tat wie die vo r- u ziehen ist (vgl. mwN BGH, Urteil vom 29. April 1997 1 StR 511/95, BGHSt 43, 66, 69, 72 ff.; Fischer, StGB, 60. Aufl., § 20 Rn. 21). Auch wenn es keinen ges i- cherten medizinisch - statistischen Erfahrungssatz darüber gibt, dass ohne Rücksicht auf psychodia gnostische Beurteilungskriterien allein wegen einer bestimmten Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit in aller Regel vom Vorliegen einer alkoholbedingt erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit ausgega n- gen werden muss, ist der festgestellte Wert ein gewicht iges Beweisanze i- chen für die Stärke der alkoholischen Beeinflussung (BGH, Beschlüsse vom 30. Juli 1997 3 StR 144/97, NStZ 1997, 592, vom 26. November 1997 2 StR 553/97, NStZ - RR 1998, 107, und vom 10. Januar 2012 5 StR 517/11, StraFo 2012, 109). Hin zu kamen weitere gewichtige Indizien für das Vorliegen einer alkoholbedingt erheblich verminderten Steuerungsf ä- higkeit, nämlich die schon bei Tatvorbereitung fehlgeschlagene Herstellung einer Maske und die weitere Durchführung des Tatplans trotz des erhebl ich gesteigerten Verfolgungsrisikos, das mit dem Erkennen durch das Tatopfer verbunden war. Das Landgericht hat diese Beweisanzeichen als solche zwar nicht verkannt, ihren Beweiswert jedoch unzureichend gewürdigt. 3. Das Vorliegen einer Schuldunfähigke it des Angeklagten schließt der Senat aus. Er hebt den gesamten Rechtsfolgenausspruch auf, um dem neu entscheidenden Tatgericht Gelegenheit zu geben, mit Hilfe des Sachve r- ständigen auch die Frage einer Unterbringung des Angeklagten, der wegen unter Alkohol einfluss begangener Straftaten bereits vorbestraft ist und nach Auffassung des Landgerichts nach dem Genuss von Alkohol zu strafbarem Verhalten neigt (UA S.18), in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) erneut zu prüfen. 5 6 - 5 - 4. Eine Erstreckung der Aufhebung gemäß § 357 StPO auf den Mita n- geklagten P . , bei dem eine ähnlich hohe Blutalkoholkonzentration festg e- stellt wurde, scheidet aus, da die Beurteilung der Schuldfähigkeit von indiv i- duellen Beweisanzeichen bei jedem einzelnen Beteiligten abhängt (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Mai 2012 1 StR 59/12, BGHSt 57, 247, 252), gegen den Mitangeklagten hier zudem in Anwendung des § 31 JGG eine Einheit s- jugendstrafe verhängt worden ist. Basdorf Dölp König Berger Bellay 7
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