- 2 - BUNDESARBEITSGERICHT 8 AZR 879/11 6 Sa 57/11 Thüringer Landesarbeitsgericht Im Namen des Volkes! Verkündet am 21. Februar 2013 URTEIL Schiege, Urkundsbeamter der Geschäftsstelle In Sachen 1. Beklagte, Berufungsbeklagte und Revisionsklägerin zu 1., 2. Beklagte, Berufungsbeklagte und Revisionsklägerin zu 2., pp. Klägerin, Berufungsklägerin und Revisionsbeklagte, - 2 - 8 AZR 879/11 - 3 - hat der Achte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 21. Februar 2013 durch den Vorsitzenden Richter am Bun-desarbeitsgericht Hauck, die Richter am Bundesarbeitsgericht Böck und Brein-linger sowie den ehrenamtlichen Richter Eimer und die ehrenamtliche Richterin Wankel für Recht erkannt: Auf die Revisionen der Beklagten wird das Urteil des Thü-ringer Landesarbeitsgerichts vom 14. November 2011 - 6 Sa 57/11 - aufgehoben. Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des Arbeitsge-richts Erfurt vom 26. November 2010 - 8 Ca 482/10 - wird insoweit zurückgewiesen, als sie sich gegen die Abwei-sung der Hauptanträge zu 1. und zu 2. durch das Arbeits-gericht wendet. Im Übrigen wird die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung - auch über die Kosten des Revisionsver-fahrens - an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen. Von Rechts wegen! Tatbestand Die Parteien streiten darüber, ob das Arbeitsverhältnis der Klägerin von der Beklagten zu 2. im Wege eines Betriebsübergangs auf die Beklagte zu 1. übergegangen ist und ob diese die Klägerin weiterbeschäftigen muss - hilfsweise darüber, ob eine von der Beklagten zu 2. ausgesprochene Kündi-gung das Arbeitsverhältnis der Klägerin mit ihr beendet hat. Die am 13. Dezember 1962 geborene Klägerin war seit 1991 bei der D und daran anschließend bei der D AG beschäftigt. Diese betrieb 16 Callcenter. Das E Callcenter wurde ausgegliedert und ging auf die V GmbH über. Die Klägerin war dort als Callcenter-Agentin tätig. Einen ihr von der V GmbH ange-botenen Arbeitsvertrag, der ua. eine Bezugnahme auf die für die V GmbH geltenden Tarifverträge beinhaltete, unterzeichnete die Klägerin. Die Klägerin 1 2 - 3 - 8 AZR 879/11 - 4 - ist einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt. Bei der Beklagten zu 2. gilt eine Konzern-Integrationsvereinbarung vom 4. Juni 2002. Deren Ziffern 2.4 und 2.5 lauten: 2.4 Bei betriebsbedingtem Arbeitsplatzabbau sind kündigungsbedrohte Behinderte nach Möglichkeit auf andere Arbeitsplätze im Betrieb zu versetzen oder in andere Betriebe zu vermitteln. Soweit dies für eine Weiterbeschäftigung erforderlich ist, sind Weiterbil-dungsmaßnahmen zu prüfen. Die Vermittlung obliegt der für den behinderten Arbeitnehmer bisher zustän-digen Personalabteilung, die der Schwerbehinder-tenvertretung alle Bemühungen zur Weiterbeschäfti-gung - auf deren Wunsch auch schriftlich - darzule-gen hat. 2.5 Ist die betriebsbedingte Beendigung eines mit einem behinderten Arbeitnehmer bestehenden Arbeitsver-hältnisses unvermeidlich, so wird das Unternehmen zur Vermeidung einer Kündigung einen Aufhebungs-vertrag anbieten, sofern dies für das Unternehmen nicht zu Nachteilen führt. Das Integrationsamt ist zu beteiligen, es sei denn, der behinderte Arbeitnehmer lehnt dies ausdrücklich ab. Behinderte Arbeitnehmer erhalten im Falle einer betriebsbedingten Beendi-gung ihres Arbeitsverhältnisses eine angemessene Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Abfindung beträgt bei bis zu 70 Grad der Behinde-rung 3.000,- und über 70 Grad der Behinderung 5.000,-; etwaige Sozialplanabfindungen blieben unberührt. Das von der V GmbH betriebene E Callcenter wurde am 1. Mai 2007 im Wege eines Betriebsübergangs von der Beklagten zu 2. übernommen. In diesem Callcenter wurden neben den Telefontätigkeiten sog. Backofficearbeiten erledigt. Diese umfassten kaufmännische und administrative Endkundenpro-zesse. Dabei wurden schriftliche oder mittels Fax bzw. E-Mail übermittelte Anfragen und Aufträge bearbeitet. Der Telefon- und der Backofficebereich waren nicht getrennt. Die Mitarbeiter der Beklagten zu 2. konnten beide Tätig-keiten von ihren Arbeitsplätzen aus erledigen. Die Klägerin wurde wie bisher als Callcenter-Agentin zu den für die V GmbH geltenden Tarifbedingungen von der Beklagten zu 2. für ein Bruttomonatsgehalt von 2.685,00 Euro im Schichtdienst 3 - 4 - 8 AZR 879/11 - 5 - projektbezogen eingesetzt. Zum Zeitpunkt des Betriebsübergangs auf die Beklagte zu 2. waren im Callcenter ca. 200 Arbeitnehmer beschäftigt, die im Wesentlichen Tätigkeiten für die D AG erbrachten. Nach der Übernahme erweiterte die Beklagte zu 2. das Geschäftsfeld durch die Gewinnung weiterer Aufträge. Es wurden Neueinstellungen vorgenommen. Während die von der V GmbH übernommenen Arbeitnehmer ein Jahreseinkommen zwischen 35.000,00 Euro und 40.000,00 Euro brutto erzielten, wurde mit den neu einge-stellten Arbeitnehmern ein Jahresgehalt von 15.000,00 Euro bis 17.000,00 Euro brutto vereinbart. Die Beklagte zu 2. bot sämtlichen Mitarbeitern, die von der V GmbH übernommen worden waren, darunter auch der Klägerin am 19. Juli 2008, neue Arbeitsverträge zum 1. Januar 2009 an. Diese neuen Arbeitsverträ-ge sahen schlechtere Konditionen für die Arbeitnehmer vor. 44 ehemalige Arbeitnehmer der V GmbH, einschließlich der Klägerin, unterzeichneten die Änderungsverträge nicht. Diese Mitarbeiter wurden im Sommer 2009, streitig ist, ob am 1. Juli oder im September 2009, in zwei Teams, die Teams Nr. 5 und 6, aufgeteilt. Ihnen wurden Arbeitsplätze in einem Raum im ersten Obergeschoss des Gebäudes in der C in E, dem sog. Stu-dio 5b, zugewiesen. In diesem Bereich wurden ausschließlich Backofficetätig-keiten in Gleitzeit von 7:00 Uhr bis 20:00 Uhr im Zwei-Schicht-Modell verrichtet. In dem übrigen Bereich, dem Großraumbüro des Callcenters, wurden die neu eingestellten Mitarbeiter und die früheren Mitarbeiter der V GmbH, die einer Änderung ihrer Arbeitsverträge zugestimmt hatten, mit Telefontätigkeiten im 24-Stunden-Takt beschäftigt. Am 26. Oktober 2009 beschloss die Beklagte zu 2. eine Betriebsauf-spaltung. Diesen als unternehmerische Entscheidung bezeichneten Beschluss hielt die Beklagte zu 2. schriftlich fest. In diesem Schriftstück heißt es ua.: Die a GmbH hat eine Entscheidung zur Betriebsspaltung und anschließender Verpachtung (Betriebsübergang) getroffen. I. Ausgangssituation Die a GmbH unterhält einen Betrieb in E. Beschäftigt werden dort 589 Arbeitnehmer (Stand 22.10.2009). Für die Spaltung dieses Betriebes in zwei eigenständige 4 5 - 5 - 8 AZR 879/11 - 6 - Betriebe und nachfolgende Verpachtung des einen Betrie-bes an die b GmbH und des anderen an die t GmbH sprechen sowohl unterschiedliche Tätigkeiten als auch grundsätzliche strukturelle Unterschiede in der Beleg-schaft: Der heutige Bereich Backoffice betreibt sogenannte Backoffice-Tätigkeiten; dies sind hochwertige kaufmänni-sche oder administrative Endkundenprozesse. Dieser Bereich soll zunächst durch eine Betriebsspaltung ver-selbstständigt werden und anschließend an die b GmbH verpachtet werden (Betriebsübergang).
Die im heutigen Betrieb überwiegenden Callcenter-Tätigkeiten werden zunächst durch eine Betriebsspaltung verselbstständigt und der dadurch entstandene Betrieb Callcenter anschließend an die t GmbH verpachtet (Be-triebsübergang), so dass auch insoweit ein ausschließlich auf diese Tätigkeiten spezialisierter Betrieb entsteht. Es entstehen somit zwei, auf ihre jeweilige Tätigkeit speziali-sierte Betriebe.
II. Betriebsspaltung und Betriebsübergang Dies vorausgeschickt, wird der Betrieb der a GmbH zum 01. Dezember 2009 gespalten. Es entstehen 2 organisato-risch selbständige und durch räumlichen Um zug getrennte Betriebe: In einem Betrieb werden ausschließlich Backof-fice-Tätigkeiten ausgeführt, im ande ren Betrieb allgemeine Callcenterdienstleistungen. Mit Wirkung vom 01. Januar 2010 wird der größere Betrieb, der die Callcenterdienst- leistungen durchführt dann an die neu gegründete t GmbH verpachtet (Betriebsüber gang) und der kleinere Betrieb, der Backoffice-Tätigkeiten ausführt, an die neu gegründe-te b GmbH verpachtet (Betriebsübergang). In einem Interessenausgleich vom 27. November 2009 zwischen der Beklagten zu 2. und ihrem Betriebsrat über die Spaltung und Verpachtung des Betriebes E der Beklagten zu 2. ist ua. Folgendes vereinbart: I. Betriebsänderung 1. Spaltung Der Betrieb der a GmbH wird zum 07.12.2009 gespalten. Es entstehen 2 eigenständige Betriebe, zum einen der Betrieb Backoffice und zum anderen der Betrieb Service-Center Telekommunikation. Der Betrieb Backoffice um- 6 - 6 - 8 AZR 879/11 - 7 - fasst das operative Geschäft des heutigen Betriebsteils Studio 5b/Raum 2.10a, 1. Etage in der C einschließlich der zugehörigen Arbeitnehmer, materiellen und immate-riellen Betriebsmittel und Kundenbeziehungen; er wird zum 07.12.2009 unter Gründung eines eigenständigen Betriebs i. S. v. § 1 BetrVG in neue Betriebsräume im Gebäude des Busunternehmens A, C verlegt. Die Ge-schäftsführung teilt dem Betriebsrat die zu diesem Betrieb Backoffice zugehörigen Mitarbeiter schriftlich mit. Der Betrieb Service-Center Telekommunikation umfasst alle organisatorischen Einheiten mit Ausnahme des operativen Geschäftes des Betriebsteils Studio 5b/Raum 2.10a (detaillierte Auflistung als Anlage 1) ; einschließlich der zugehörigen Arbeitnehmer, materiellen und immateriellen Betriebsmittel und Kundenbeziehungen. Dieser Betriebs-teil verbleibt als eigenständiger Betrieb i. S. v. § 1 BetrVG an der Betriebsstätte E, C. Die Geschäftsführung teilt dem Betriebsrat die zu diesem Betrieb Service-Center Tele-kommunikation zugehörigen Mitarbeiter ebenfalls schrift-lich mit. 2. Verpachtung/Betriebsübergang Zum 01.01.2010 wird dann der Betrieb Service-Center Telekommunikation an die t GmbH i. Gr. und der Betrieb Backoffice an die b GmbH i. Gr. durch jeweils gesonderte Pachtverträge übertragen. Die dabei im Einzelnen über-tragenen Räumlichkeiten (b in Anlage 2 , t in Anlage 3 ) und Betriebsmittel (b in Anlage 4 , t in Anlage 5 ) ergeben sich aus den entsprechenden Anlagen, die Grundlagen der noch abzuschließenden Pachtverträge werden (Betriebs-übergang). Bei den Übergängen der jeweiligen Betriebe gehen auch die in den eigenständigen Betrieben beschäf-tigten Arbeitnehmer wie folgt mit über: a) b GmbH i. Gr. Die Übertragung des Betriebs an die b GmbH i. Gr. führt zum Betriebsübergang nach § 613a BGB für die dem Betrieb Backoffice zugehörigen Arbeitnehmer. b) t GmbH i. Gr. Die Übertragung des Betriebs an die t GmbH i. Gr. führt zum Betriebsübergang nach § 613a BGB für die dem Betrieb Service-Center Telekommunikation zugehörigen Arbeitnehmer. c) a GmbH Bei der a GmbH werden aufgrund der genannten Be-triebsübergänge keine Arbeitnehmer verbleiben. - 7 - 8 AZR 879/11 - 8 -
Der durch die Spaltung entstehende Betrieb Backoffice wird zum 07.12.2009 zu einem selbstständigen Betrieb mit eigenständiger Organisations- und Leitungsmacht.
2. Übergang Arbeitsverhältnisse Mit der Übertragung wird die b GmbH i. Gr. durch Be-triebsübergang neuer Arbeitgeber der zu diesem Zeitpunkt bei dem übertragenden Rechtsträger a GmbH Beschäftig-ten des Betriebes Backoffice. Ebenfalls mit der Übertra-gung wird die t GmbH i. Gr. durch einen weiteren Be-triebsübergang neuer Arbeitgeber der zu diesem Zeitpunkt bei dem übertragenden Rechtsträger a GmbH Beschäftig-ten des Betriebes Service-Center Telekommunikation. Die übernehmenden Rechtsträger treten in alle Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverhältnissen ein, so dass die Arbeitnehmer 1 zu 1 übernommen werden. Dies bedeutet insbesondere, dass die bisherigen Betriebszu-gehörigkeiten weiterhin angerechnet und fortgeführt werden, dies gilt auch für Wartezeiten z. B. im Rahmen der Konzerngewinnbeteiligung. Die Betriebsparteien sind sich einig, dass diese Betriebsspaltung/diese Betriebs-übergänge eine konzerninterne Umstrukturierung gem. § 112a Abs. 2 S. 2 BetrVG sind.
III. Nachhaftung
IV. Umsetzung der Maßnahme Die Umsetzung der Betriebsspaltung soll zum 07.12.2009 und des Betriebsüberganges zum 01.01.2010 erfolgen. In der Anlage 1 zum Interessenausgleich war die Klägerin als Mitarbei-terin Betrieb Backoffice namentlich erwähnt. In der ebenfalls am 27. November 2009 geschlossenen freiwilligen Betriebsvereinbarung wurde ein Bestands-schutz in Form des Ausschlusses von betriebsbedingten Kündigungen für die vom Betriebsübergang betroffenen Arbeitnehmer bis zum 31. Dezember 2010 garantiert. Für die ehemaligen V-Mitarbeiter, welche die neuen Arbeitsverträge mit Wirkung zum 1. Januar 2009 unterzeichnet hatten, war diese Frist bis zum 30. April 2012 verlängert. 7 - 8 - 8 AZR 879/11 - 9 - Mit Schreiben vom 30. November 2009 informierte die Beklagte zu 2. die Klägerin über die Betriebsaufspaltung zum 7. Dezember 2009 und darüber, dass sie ab diesem Zeitpunkt in den neuen Betriebsräumen arbeiten werde. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2009 unterrichtete die Beklagte zu 2. die Klägerin über den bevorstehenden Betriebsübergang. Am 30. Dezember 2009 schrieb die Klägerin an die Beklagte zu 2.: Widerspruch gegen den Betriebsübergang zur Firma b GmbH Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit widerspreche ich gemäß § 613a Abs. 6 BGB dem nach Ihrem Schreiben vom 17.12.2009 vorgesehenen Betriebsübergang zur Firma b GmbH mit Wirkung zum 01.01.2010. Gleichzeitig biete ich Ihnen meine Arbeitskraft in der Firma t GmbH ab dem 01.01.2010 ausdrücklich an. Die Beklagte zu 2. antwortete der Klägerin mit Schreiben vom 30. Dezember 2009 ua.: wir bestätigen den Eingang Ihres Widerspruches zum Betriebsübergang zur b GmbH vom 30.12.2009. Wir stellen Sie hiermit ab dem 01.01.2010 bis auf Weite-res unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeit frei. Wir werden uns in den nächsten Tagen zur Abstimmung des weiteren Prozederes mit Ihnen in Verbindung setzen. Die beiden Betriebe der Beklagten zu 2., Backoffice und Service-Center Telekommunikation, wurden zum 1. Januar 2010 an die b GmbH und die Beklagte zu 1. verpachtet. Mit Schreiben vom 17. Februar 2010 kündigte die Beklagte zu 2. das Arbeitsverhältnis mit der Klägerin außerordentlich mit Auslauffrist und hilfsweise ordentlich aus betriebsbedingten Gründen zum 30. September 2010 und stellte sie von der Arbeitsleistung frei. Diese Kündigung ging der Klägerin am 17. Februar 2010 zu. Das Integrationsamt hatte der Kündigung mit Bescheid vom 15. Februar 2010 zugestimmt. 8 9 10 11 - 9 - 8 AZR 879/11 - 10 - Die Klägerin meint, ihr Arbeitsverhältnis sei am 1. Januar 2010 von der Beklagten zu 2. auf die Beklagte zu 1. übergegangen. Einem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf die b GmbH habe sie mit Schreiben vom 30. Dezember 2009 wirksam widersprochen. Vor der Versetzung in das Studio 5b habe sie sämtliche Tätigkeiten bei der Beklagten zu 2. ausgeübt und (auch) im Wechsel-schichtdienst gearbeitet. Im Übrigen habe sie ihre Beschäftigung bei der Be-klagten zu 1. angeboten. Schließlich bestehe auch Beschäftigungsbedarf. Die Beklagte zu 1. habe mindestens 15 Arbeitnehmer neu eingestellt. Die Beklagte zu 2. habe bereits vor dem Betriebsübergang von den beabsichtigten Einstel-lungen gewusst. Darüber hinaus meint die Klägerin, die Beklagte zu 2. habe die Be-triebsaufspaltung zielgerichtet über einen längeren Zeitraum vorbereitet, um denjenigen Arbeitnehmern, welche die geänderten schlechteren Arbeitsbedin-gungen nicht akzeptiert hätten, trotz ihres besonderen tariflichen Kündigungs-schutzes kündigen zu können. Die Zusammenfassung der Nein-Sager im Studio 5b sei nicht gerechtfertigt gewesen. Schließlich hält die Klägerin die von der Beklagten zu 2. ausgesproche-ne Kündigung wegen nicht ordnungsgemäßer Anhörung des Betriebsrats und mangels eines wichtigen Grundes nach § 26 MTV für unwirksam. Sie hätte wegen der konzernrechtlichen Strukturen, zumindest jedoch wegen des Vorlie-gens eines gemeinsamen Betriebes, auf freien Arbeitsplätzen bei der Beklagten zu 1. weiterbeschäftigt werden müssen. Die Klägerin hat beantragt, 1. festzustellen, dass zwischen ihr und der Beklagten zu 1. seit dem 1. Januar 2010 ein Arbeitsverhältnis besteht; 2. die Beklagte zu 1. zu verurteilen, sie zu den mit der Beklagten zu 2. bestehenden arbeitsvertraglichen Bedingungen als Callcenter-Agentin bis zum rechts-kräftigen Abschluss des Verfahrens weiterzubeschäf-tigen; hilfsweise 3. festzustellen, dass die Kündigung der Beklagten zu 2. vom 17. Februar 2010 das zwischen ihr und der 12 13 14 15 - 10 - 8 AZR 879/11 - 11 - Beklagten zu 2. bestehende Arbeitsverhältnis nicht zum 30. September 2010 beendet hat. Die Beklagten haben Klageabweisung beantragt. Sie behaupten, kurz nach dem Betriebsübergang am 1. Mai 2007 habe ein Backoffice-Projekt der T gewonnen werden können. Der Aufbau des Berei-ches Backoffice sei dementsprechend seit Mai 2007 mit steigenden Mitarbeiter-zahlen erfolgt. Wegen der besonderen Erfahrungen der von der V GmbH übernommenen Mitarbeiter im Bereich Backoffice seien vor allem diese Mit-arbeiter in diesem Bereich eingesetzt worden. Dies sei stets, wie auch bei der Klägerin, auf eigenen Wunsch erfolgt. Die Vergütung und die materiellen Arbeitsbedingungen der von der V GmbH übernommenen Mitarbeiter hätten sich nicht als marktgerecht erwiesen. Deshalb habe die Beklagte zu 2. versucht, mit diesen Mitarbeitern abändernde arbeitsvertragliche Vereinbarungen zu treffen. Ein Großteil dieser Arbeitnehmer habe die Vereinbarungen akzeptiert. Weiter sind die Beklagten der Auffassung, die unternehmerische Ent-scheidung, den Betrieb in die beiden selbständigen Bereiche Backoffice und Callcenter (Telefonie) umzustrukturieren und anschließend zu übertragen, sei weder willkürlich noch offenbar unsachlich. Grund für die Spaltung der beiden Bereiche Backoffice und Callcenter seien zum einen die Unterschiede in den fachlichen Bereichen und zum anderen die beschränkte Einsetzbarkeit der Mitarbeiter, welche die geänderten Arbeitsbedingungen mit mehr Flexibilität nicht akzeptiert hätten, im Backoffice-Bereich. Die unterschiedlichen Tätigkeiten im Backoffice-Bereich und im Callcenter-Bereich erforderten unterschiedliche betriebsorganisatorische Regelungen, wie zB Schichtplanung und Pausenrege-lung. Es sei sachlich gerechtfertigt, Arbeitnehmer mit unterschiedlichen Arbeits-bedingungen auch dementsprechend unterschiedlich einzusetzen. Insbesonde-re könnten hierdurch Beeinträchtigungen des Betriebsfriedens vermieden werden. Den Arbeitnehmern werde dadurch auch kein Kündigungsschutz genommen. Darüber hinaus gehen die Beklagten davon aus, die Klägerin sei auf-grund ihres Widerspruches gegen den Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf 16 17 18 19 - 11 - 8 AZR 879/11 - 12 - die b GmbH bei der Beklagten zu 2. verblieben. Ihr Arbeitsverhältnis sei nicht im Wege eines weiteren Betriebsübergangs auf die Beklagte zu 1. übergegangen. Eine Weiterbeschäftigung bei der Beklagten zu 1. komme nicht in Betracht. Diese führe keine Backoffice-Tätigkeiten mehr aus. Soweit sie neue Arbeitneh-mer eingestellt habe, handele es sich um reine Callcentermitarbeiter. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die Beklagte zu 2. halten die Beklagten für wirksam. Sie machen geltend, bei dieser bestehe kein Be-schäftigungsbedarf mehr. Eine Sozialauswahl sei entbehrlich. Ein gemeinsamer Betrieb bestehe nicht. Auch sei die durchgeführte Betriebsratsanhörung ord-nungsgemäß. Das Arbeitsgericht hat die Klage einschließlich des Hilfsantrags abge-wiesen. Auf die Berufung der Klägerin hat das Landesarbeitsgericht den Haupt-anträgen stattgegeben. Mit der vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revi-sion verfolgen die Beklagten ihre Klageabweisungsanträge weiter, während die Klägerin die Zurückweisung der Revision beantragt. Entscheidungsgründe Die Revisionen der Beklagten sind begründet. Sie führen zur Aufhe-bung des Berufungsurteils und zur Abweisung der Hauptanträge der Klägerin sowie zur Zurückverweisung der Sache, soweit das Landesarbeitsgericht über den Hilfsantrag der Klägerin nicht entschieden hat. A. Das Landesarbeitsgericht hat seine der Klage stattgebende Entschei-dung im Wesentlichen wie folgt begründet: Die Beklagte zu 2. habe Ende 2009 aufgrund der durchgeführten Betriebsaufspaltung aus zwei Betrieben bestan-den, nämlich dem Betrieb Service-Center Telekommunikation und dem Be-trieb Backoffice. Diese beiden Betriebe habe die Beklagte zu 2. zum 1. Januar 2010 an die Beklagte zu 1. bzw. die b GmbH verpachtet. Dies habe zu zwei Betriebsübergängen geführt. Die Klägerin sei dem Betrieb Backoffice zuzu-ordnen gewesen. Aufgrund ihres Widerspruches vom 30. Dezember 2009 sei 20 21 22 23 - 12 - 8 AZR 879/11 - 13 - ihr Arbeitsverhältnis jedoch nicht auf die Betriebserwerberin, die b GmbH übergegangen. Da die Beklagte zu 2. nach billigem Ermessen (§ 315 Abs. 1 und Abs. 3 BGB) die Klägerin jedoch nach ihrem Widerspruch dem Betrieb Service-Center Telekommunikation hätte zuordnen müssen, sei ihr Arbeits-verhältnis ab 1. Januar 2010 auf die Beklagte zu 1., die Erwerberin dieses Betriebes übergegangen. Nachdem die Klägerin dem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf die b GmbH mit Schreiben vom 30. Dezember 2009 widersprochen und die Weiter-beschäftigung bei der Beklagten zu 1. verlangt habe, habe die Beklagte zu 2. die Klägerin mit Schreiben vom 30. Dezember 2009 ab 1. Januar 2010 von der Erbringung der Arbeitsleistung unter Fortzahlung der Vergütung freigestellt. Damit habe sie zum Ausdruck gebracht, die Klägerin werde nicht im Betrieb Service-Center Telekommunikation weiterbeschäftigt, sondern verbleibe beschäftigungslos im Restbetrieb. Diese Zuordnung habe nicht billigem Ermessen entsprochen. Die Beklagte zu 2. habe den gesetzlichen Bestands-schutz des Arbeitsverhältnisses der Klägerin nach § 1 KSchG iVm. Ziffer 2.4 der Konzern-Integrationsvereinbarung nicht ausreichend berücksichtigt. Sie habe ihre Betriebstätigkeit zum 1. Januar 2010 eingestellt. Mit dem Wider-spruch der Klägerin gegen den Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf die b GmbH habe somit festgestanden, dass eine Beschäftigung bei der Beklagten zu 2. ab 1. Januar 2010 nicht mehr möglich sein werde. Der Verbleib der Klägerin beim Restbetrieb hätte zwangsläufig die Beendigung ihres Arbeits-verhältnisses durch Kündigung zur Folge gehabt. Der in Ziffer 2.4 der Konzern-Integrationsvereinbarung geregelte Anspruch der Klägerin auf Versetzung auf andere Arbeitsplätze, auf Vermittlung in andere Betriebe und auf Weiterbildung, um eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen, wäre leergelaufen. Es wäre der Beklagten zu 2. ohne Weiteres möglich gewesen, die Klägerin dem zum 1. Januar 2010 auf die Beklagte zu 1. übergegangenen Betrieb Service-Center Telekommunikation zuzuordnen. In diesem Betrieb habe Beschäftigungsbe-darf, zumindest an reinen Callcentermitarbeitern bestanden. Die Leistungsbestimmung (Zuordnung der Klägerin zum Betrieb Ser-vice-Center Telekommunikation) sei durch Urteil rückwirkend zum 1. Januar 24 25 - 13 - 8 AZR 879/11 - 14 - 2010 vorzunehmen. Nur diese Leistungsbestimmung entspreche billigem Ermessen. Der Anspruch der Klägerin auf Zuordnung zum Betrieb Service-Center Telekommunikation folge auch aus der sich aus § 611 BGB ergeben-den vertraglichen Beschäftigungspflicht iVm. § 315 Abs. 3 Satz 2 Halbs. 2 BGB. Die Beklagte zu 2. hätte die Klägerin angesichts der bestehenden vertraglichen Beschäftigungsmöglichkeit nicht freistellen dürfen. Diese habe einen arbeitsver-traglichen Anspruch auf Zuordnung zum Betrieb Service-Center Telekommuni-kation, damit sie beschäftigt werden könnte. Die Beklagte zu 1. sei auch verpflichtet, die Klägerin zu den mit der Be-klagten zu 2. bestehenden arbeitsvertraglichen Bedingungen und somit nach den tariflichen Bestimmungen der V GmbH als Callcenter-Agentin weiterzube-schäftigen. B. Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts hält einer revisionsrechtli-chen Überprüfung nicht stand. I. Die zulässige Feststellungsklage ist nicht begründet. Das Arbeitsverhältnis der Klägerin ist nicht im Wege eines Betriebs-übergangs nach § 613a BGB von der Beklagten zu 2. auf die Beklagte zu 1. übergegangen. 1. Die Beklagte zu 2. hat in Vollzug ihres Beschlusses vom 26. Oktober 2009 ihren Betrieb in E mit Wirkung ab 7. Dezember 2009 in zwei eigenständi-ge Betriebe aufgespalten, und zwar in einen Backoffice- und einen Callcen-ter-Betrieb. Dabei handelte es sich nicht um eine Aufspaltung auf der Rechts-trägerebene iSd. §§ 123 ff. UmwG, sondern um eine Aufspaltung des bisher von der Beklagten zu 2. unterhaltenen einheitlichen Betriebes in zwei neue selbständige Betriebe, also um eine unternehmensinterne Betriebsaufspaltung durch Änderung der Organisationsstrukturen. 2. Der seit dem 7. Dezember 2009 selbständige Betrieb Backoffice wurde mit Wirkung ab 1. Januar 2010 auf die b GmbH im Wege eines Betriebs-übergangs nach § 613a BGB übertragen. Eine entsprechende Übertragung des 26 27 28 29 30 31 - 14 - 8 AZR 879/11 - 15 - Betriebes Service-Center Telekommunikation erfolgte zum selben Zeitpunkt auf die Beklagte zu 1. Das Landesarbeitsgericht hat festgestellt, dass die Beklagte zu 2. ihre beiden durch Spaltung neu entstandenen Betriebe zum 1. Januar 2010 mit sämtlichen materiellen und immateriellen Betriebsmitteln an die Beklagte zu 1. bzw. die b GmbH verpachtet hat und dass beide Pächter nicht nur in die Kun-denbeziehungen eingetreten sind, sondern auch einen nach Zahl und Sach-kunde wesentlichen Teil des Personals des jeweiligen Betriebes übernommen haben. Diese für den Senat bindenden Feststellungen des Berufungsgerichts (§ 559 Abs. 2 ZPO) rechtfertigten nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vgl. BAG 18. August 2011 - 8 AZR 230/10 - AP BGB § 613a Nr. 412 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 127) die Annahme des Landes-arbeitsgerichts, dass im Streitfalle zwei Betriebsübergänge vorgelegen haben. Im Übrigen ist das Vorliegen von Betriebsübergängen zwischen allen Beteilig-ten auch unstreitig. 3. Ein Übergang des mit der Betriebsveräußerin, der Beklagten zu 2., bestehenden Arbeitsverhältnisses der Klägerin auf die Beklagte zu 1. gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB hätte allerdings nur dann stattgefunden, wenn die Klägerin dem übergegangenen Betrieb zugeordnet gewesen wäre (allgemeine Meinung, vgl. BAG 18. Oktober 2012 - 6 AZR 41/11 - Rn. 43, DB 2013, 586). a) Zutreffend hat das Landesarbeitsgericht angenommen, dass die Kläge-rin dem Bereich Backoffice zugeordnet war, welcher ab 7. Dezember 2009 im Wege der Betriebsaufspaltung als neuer Betrieb Backoffice verselbständigt wurde. b) Für die Frage, welchem Betrieb oder Betriebsteil ein Arbeitnehmer zugeordnet ist, kommt es zunächst auf den Willen der Arbeitsvertragsparteien an (st. Rspr., vgl. BAG 21. Juni 2012 - 8 AZR 181/11 - Rn. 78, BB 2012, 3144). Liegt ein solcher weder in ausdrücklicher noch in konkludenter Form vor, so erfolgt die Zuordnung grundsätzlich - ebenfalls ausdrücklich oder konkludent - durch den Arbeitgeber aufgrund seines Direktionsrechts (st. Rspr., vgl. BAG 32 33 34 35 - 15 - 8 AZR 879/11 - 16 - 24. Mai 2005 - 8 AZR 398/04 - Rn. 41, BAGE 114, 374 = AP BGB § 613a Nr. 284 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 35). Das Landesarbeitsgericht hat für den Senat bindend festgestellt, dass die Klägerin aufgrund einer Anweisung der Beklagten zu 2. ab Sommer 2009 - entweder ab 1. Juli oder ab September 2009 - einen Arbeitsplatz in einem Raum, dem sogenannten Studio 5b, im ersten Obergeschoss des Gebäudes in der C in E zugewiesen bekommen hatte. Dort verrichtete sie ausschließlich sogenannte Backofficetätigkeiten im Zwei-Schicht-Modell. Im übrigen Bereich, dem Großraumbüro des Callcenters, wurden andere Mitarbeiter mit Telefontä-tigkeiten im 24-Stunden-Takt eingesetzt. Es kann dahinstehen, ob dies eine einvernehmliche Zuordnung der Klä-gerin zum Arbeitsbereich Backoffice dargestellt hat. Auf jeden Fall lag eine entsprechende Zuordnung der Klägerin aufgrund einer im Rahmen des Direk-tionsrechts getroffenen Weisung der Beklagten zu 2. vor. Davon ist auch das Landesarbeitsgericht in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise ausgegangen. Dass und warum die Beklagte zu 2. in diesem Zusammenhang ihr Direktionsrecht der Klägerin gegenüber unter Verstoß gegen § 106 GewO, dh. insbesondere nicht nach billigem Ermessen, ausgeübt haben soll, ist in den Vorinstanzen von der Klägerin nicht konkret dargetan worden. Auch in ihrer Revisionserwiderung setzt sie sich nicht konkret mit der Zuordnungsentschei-dung der Beklagten zu 2. auseinander. Nachdem es grundsätzlich dem Arbeit-geber freisteht, mit welchen vertraglich geschuldeten Tätigkeiten er den Arbeit-nehmer betraut, hätte es der Klägerin oblegen, konkret darzutun, warum es billigem Ermessen widersprochen haben soll, dass ihr die Beklagte zu 2. Auf-gaben im Backoffice-Bereich zugewiesen hat, obwohl sie solche Tätigkeiten - zumindest teilweise - bereits zuvor ausgeübt hatte. Nur wenn ein solches substantiiertes Bestreiten erfolgt wäre, hätte die Beklagte zu 2. darlegen und beweisen müssen, dass und aus welchen Gründen ihre Zuordnungsentschei-dung durch § 106 GewO gedeckt war. c) Dem Umstand, dass die Klägerin in der Anlage 1 zum Interessenaus-gleich vom 27. November 2009 als Mitarbeiterin Betrieb Backoffice genannt 36 37 38 - 16 - 8 AZR 879/11 - 17 - ist, kommt für ihre Zuordnung zu diesem Betrieb keine rechtlich bindende Wirkung zu. Wäre nämlich keine wirksame (frühere) Zuordnung der Klägerin zum Betrieb Backoffice erfolgt gewesen, so wäre die (nachträgliche) Zuord-nung zu diesem Betrieb mittels eines Interessenausgleichs wegen Verstoßes gegen § 613a BGB unwirksam (vgl. BAG 21. Juni 2012 - 8 AZR 181/11 - Rn. 81, BB 2012, 3144). 4. Damit wäre das Arbeitsverhältnis der Klägerin nach § 613a Abs. 1 BGB grundsätzlich auf die Übernehmerin des Betriebes Backoffice, dh. auf die b GmbH übergegangen. Diesem Übergang hat die Klägerin jedoch form- und fristgerecht gemäß § 613a Abs. 6 BGB mit Schreiben vom 30. Dezember 2009 gegenüber der Beklagten zu 2. widersprochen. 5. Entgegen der Ansicht des Landesarbeitsgerichts war die Klägerin nach ihrem Widerspruch nicht dem Betrieb Service-Center Telekommunikation zuzuordnen, welcher am 1. Januar 2010 im Wege des Betriebsübergangs auf die Beklagte zu 1. übergegangen ist. a) Arbeitsverhältnisse von Arbeitnehmern, die dem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf einen Betriebserwerber wirksam gemäß § 613a Abs. 6 BGB widersprochen haben, fallen nicht automatisch in den vom Arbeitgeber eventuell weitergeführten und einem späteren Betriebsübergang zugänglichen Bereich (BAG 13. Februar 2003 - 8 AZR 102/02 - Rn. 45, AP BGB § 613a Nr. 245 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 6). b) Die Klägerin hatte keinen Anspruch gegen die Beklagte zu 2. auf Zuordnung zum Betrieb Service-Center Telekommunikation ab Zugang ihres Widerspruches vom 30. Dezember 2009. Zwar hat die Klägerin in ihrem Widerspruchsschreiben ihre Arbeitskraft in der Firma t GmbH ab dem 01.01.2010 ausdrücklich angeboten. Dies kann als Angebot zu einer Änderung der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen über den Beschäftigungsbereich, dh. nunmehrige Beschäftigung im Betrieb Service-Center Telekommunikation verstanden werden. Allerdings bestand keine Verpflichtung der Beklagten zu 2., dieses Änderungsangebot der Klägerin 39 40 41 42 43 - 17 - 8 AZR 879/11 - 18 - anzunehmen. Das Vertragsrecht, wozu auch das Arbeitsvertragsrecht zählt, kennt grundsätzlich keinen Kontrahierungszwang und damit auch keinen Anspruch, das Vertragsänderungsangebot eines Vertragspartners anzuneh-men. Gesetzliche Ausnahmen von diesem Grundsatz, wie zB die Vertragsände-rungsansprüche in § 8 TzBfG oder § 15 BEEG, greifen vorliegend nicht ein. Ebenso wenig folgt ein solcher Anspruch der Klägerin auf Vertragsänderung aus § 242 BGB. Die Beklagte zu 2. war nicht nach Treu und Glauben verpflich-tet, mit der Klägerin eine Vereinbarung über eine Weiterbeschäftigung in dem Betrieb Service-Center Telekommunikation für die Zeit zwischen Zugang des Widerspruches und dem Betriebsübergang zu treffen und ihr somit die Über-nahme durch die t GmbH gemäß § 613a Abs. 1 BGB zu ermöglichen und die Möglichkeit einer betriebsbedingten Kündigung wegen Wegfalls ihres Arbeits-platzes bei der Beklagten zu 2. auszuschließen. Der Schutz des Arbeitnehmers, insbesondere der vor einem Arbeitsplatzverlust bei Betriebsübergängen, wird durch die Regelungen des § 613a BGB und des Kündigungsschutzgesetzes gewährleistet. Darüber hinausgehende besondere Fürsorgepflichten treffen den Arbeitgeber als Betriebsveräußerer gegenüber dem vom Betriebsübergang betroffenen Arbeitnehmer im Regelfalle nicht. Hinzukommt, dass die Beklagte zu 2. im Falle einer vereinbarten Beschäftigung im Betrieb Service-Center Telekommunikation die Klägerin gleichzeitig gemäß § 613a Abs. 5 BGB über den zum 1. Januar 2010 geplanten Betriebsübergang auf die Beklagte zu 1. hätte unterrichten müssen. Abgesehen von der Frage, ob eine solche Unterrich-tung vor dem 1. Januar 2010 im Streitfalle überhaupt noch in der gesetzlichen Form und dem vorgeschriebenen Umfang möglich gewesen wäre, ist bei der nach § 242 BGB vorzunehmenden Abwägung zugunsten der Beklagten zu 2. auch zu berücksichtigen, dass sie damit rechnen musste, dass die Klägerin auch einem Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf die Beklagte zu 1. nach einer dem § 613a Abs. 5 BGB entsprechenden Unterrichtung widersprechen werde. Ob die Erklärung der Klägerin in ihrem Widerspruchsschreiben vom 30. Dezember 2009, sie biete ihre Arbeitskraft bei der Beklagten zu 1. an, einen wirksamen Verzicht auf das Widerspruchsrecht nach § 613a Abs. 6 BGB - auch - 18 - 8 AZR 879/11 - 19 - für die Zeit nach der Unterrichtung gemäß § 613a Abs. 5 BGB - darstellt, muss-te für die Beklagte zu 2. zumindest zweifelhaft erscheinen. c) Da die Beklagte zu 2. nach dem Widerspruch der Klägerin keine neue Zuordnung vorgenommen hat, ist § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB nicht einschlägig, da es an einer getroffenen Bestimmung im Sinne dieser Vorschrift fehlt. Allein die Freistellung der Klägerin ab 1. Januar 2010 stellt keine Zuordnung zu einem Betrieb oder Betriebsteil dar, weil es an der Zuweisung eines anderen Arbeits-bereiches fehlt (vgl. BAG 28. März 2000 - 1 ABR 17/99 - BAGE 94, 163 = AP BetrVG 1972 § 95 Nr. 39 = EzA BetrVG 1972 § 95 Nr. 33). d) § 315 Abs. 3 Satz 2 Halbs. 2 BGB, der für den Fall gilt, dass eine Bestimmung iSd. § 315 BGB verzögert wird, ist im Streitfalle ebenfalls nicht anwendbar, weil die Beklagte nicht verpflichtet war, die Klägerin dem Betrieb Service-Center Telekommunikation zuzuordnen. Eine solche Zuordnung hätte sich als Versetzung iSd. § 95 Abs. 3 BetrVG dargestellt, da die Tätigkeit in einem anderen Betrieb stets als Tätigkeit in einem anderen Arbeitsbereich iSd. § 95 Abs. 3 BetrVG anzusehen ist (BAG 19. Februar 1991 - 1 ABR 36/90 - BAGE 67, 236 = AP BetrVG 1972 § 95 Nr. 26 = EzA BetrVG 1972 § 95 Nr. 24). Eine solche Versetzung hätte daher auch nicht durch die Beklagte zu 2. unmit-telbar nach Zugang des Widerspruchsschreibens der Klägerin (dh. frühestens am 30. Dezember 2009) erfolgen dürfen, da eine solche Versetzung der Zu-stimmung des Betriebsrats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 BetrVG bedurft hätte. Eine vorläufige Versetzung nach § 100 Abs. 1 BetrVG wäre allein deshalb unzuläs-sig gewesen, weil es an einem sachlichen Grund gefehlt hätte, der die Verset-zung als dringend erforderlich iSd. § 100 Abs. 1 Satz 1 BetrVG hätte erscheinen lassen. Als solche sachlichen Gründe gelten nämlich nur betriebliche Gründe (hM: vgl. Fitting 26. Aufl. § 100 Rn. 4a). Daran ändert auch ein Einverständnis der Klägerin mit ihrer Versetzung nichts, weil dieses das Beteiligungsrecht des Betriebsrats nach § 99 BetrVG nicht ausschließt (BAG 14. November 1989 - 1 ABR 87/88 - Rn. 27, AP BetrVG 1972 § 99 Nr. 76 = EzA BetrVG 1972 § 99 Nr. 85). 44 45 - 19 - 8 AZR 879/11 - 20 - aa) Grundsätzlich entscheidet der Arbeitgeber aufgrund seines Organisati-ons- und Direktionsrechts über den Arbeitseinsatz des Arbeitnehmers. Dieser hat nur Anspruch auf vertragsgemäße Arbeit zu vertragsgemäßen Bedingungen (vgl. BAG 7. Februar 2007 - 5 AZR 422/06 - Rn. 18, BAGE 121, 133 = AP BGB § 615 Böswilligkeit Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 615 Nr. 19), nicht auf eine Be-schäftigung auf einem bestimmten Arbeitsplatz oder in einem bestimmten Arbeitsbereich, außer wenn die Tätigkeit sich entsprechend konkretisiert hatte. Dies war jedoch nicht der Fall, weil die Klägerin bisher sowohl Tätigkeiten im Backoffice als auch im Callcenter-Bereich ausgeübt hatte. bb) Im Übrigen ist die ermessensfehlerfreie Ausübung des Weisungsrechts bezogen auf den Beginn der Personalmaßnahme zu prüfen. Dies ist hier die Zuordnung der Klägerin zum Tätigkeitsbereich Backoffice im Juli oder Sep-tember 2009. Eine neuerliche Prüfung bei Eintritt der Beendigung der Perso-nalmaßnahme, die sich im Streitfalle als der Zeitpunkt des Widerspruches der Klägerin gegen den Übergang ihres Arbeitsverhältnisses auf die b GmbH darstellt, erfolgt nicht (vgl. BAG 17. Januar 2006 - 9 AZR 226/05 - Rn. 48, AP BAT-O § 24 Nr. 6). e) Die Klägerin hatte nach ihrem Widerspruch keinen Anspruch aus § 241 Abs. 2 BGB auf Versetzung durch die Beklagte zu 2. in den Betrieb Service-Center Telekommunikation. Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des ande-ren Teils verpflichten (§ 241 Abs. 2 BGB). Die Interessen der Klägerin im Hinblick auf den Bestand ihres Arbeitsverhältnisses waren jedoch durch § 613a BGB gewahrt. Danach geht das Arbeitsverhältnis mit allen Rechten und Pflich-ten auf den Betriebserwerber über. Insbesondere bleibt dem Arbeitnehmer auch ein einzelvertraglich vereinbarter besonderer Kündigungsschutz erhalten. Widerspricht der Arbeitnehmer, trägt er das Risiko, dass für ihn kein Beschäfti-gungsbedarf beim Betriebsveräußerer mehr besteht, weil aufgrund des Be-triebsübergangs sein alter Betrieb nicht mehr existiert. Der Arbeitgeber ist grundsätzlich nicht verpflichtet, dem Arbeitnehmer dieses Risiko dadurch zu nehmen, dass er ihn in einen anderen Betrieb seines Unternehmens versetzt. 46 47 48 - 20 - 8 AZR 879/11 - 21 - Dies gilt auf jeden Fall dann, wenn er - wie im Streitfalle - den anderen Betrieb ebenfalls bereits an einen Betriebserwerber veräußert hat und er diesem - nach Abschluss der Übernahmevereinbarungen - einen zusätzlich zu übernehmen-den Arbeitnehmer verschaffen würde. Der in § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG zum Ausdruck kom-mende Rechtsgedanke ist auf die vorliegende Fallgestaltung nicht entspre-chend anzuwenden. Diese Norm erklärt eine Kündigung ua. dann für sozial ungerechtfertigt und damit für rechtsunwirksam, wenn der gekündigte Arbeit-nehmer in einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann und der Betriebsrat aus diesem Grund der Kündigung nach § 102 Abs. 2 Satz 1 BetrVG schriftlich widersprochen hat. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts führt diese anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit auch ohne einen diesbezüglichen Widerspruch des Betriebsrats zur Unwirksamkeit der Kündigung (BAG 17. Mai 1984 - 2 AZR 109/83 - BAGE 46, 191 = AP KSchG 1969 § 1 Betriebsbedingte Kündigung Nr. 21 = EzA KSchG § 1 Be-triebsbedingte Kündigung Nr. 32). Aus diesem gesetzlichen Schutz des Arbeit-nehmers vor betriebsbedingten Arbeitgeberkündigungen ist nicht die Verpflich-tung des Arbeitgebers abzuleiten, einen Arbeitnehmer, der einem gemäß § 613a Abs. 1 BGB auf einen Erwerber übergegangen Betrieb zugeordnet war, einem anderen Betrieb zuzuordnen, wenn er dem Übergang seines Arbeitsver-hältnisses auf den Erwerber widersprochen hat. Dies gilt insbesondere bei einer Fallgestaltung wie der vorliegenden. Hier würde eine analoge Anwendung des Rechtsgedankens des § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG dazu führen, dass die Klägerin ein Wahlrecht hätte, von welchem der beiden Betriebserwer-ber sie gemäß § 613a BGB übernommen werden möchte. Sie könnte sich ihren neuen Arbeitgeber gleichsam durch Ausübung oder Nichtausübung ihres Widerspruchsrechts auswählen. Für eine Anwendbarkeit des § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b KSchG ist allenfalls Raum im Rahmen der Prüfung, ob eine vom Betriebsveräußerer wegen des Wegfalls eines Beschäftigungsbedarfs ausge-sprochene betriebsbedingte Kündigung sozial gerechtfertigt ist. 49 - 21 - 8 AZR 879/11 f) Auch aufgrund der Konzern-Integrationsvereinbarung vom 4. Juni 2002 ergibt sich kein Anspruch der Klägerin auf Zuordnung zum Betrieb Service-Center Telekommunikation nach ihrem Widerspruch vom 30. Dezember 2009. Nach Ziffer 2.4 dieser Vereinbarung sind bei betriebsbedingtem Arbeitsplatzab-bau kündigungsbedrohte Behinderte auf andere Arbeitsplätze im Betrieb zu versetzen oder in andere Betriebe zu vermitteln. Diese Regelung ist im Streitfal-le nicht einschlägig. Die Beklagte zu 2. hat keinen betriebsbedingten Arbeits-platzabbau durchgeführt. Die Veräußerung eines Betriebes stellt gerade einen solchen Arbeitsplatzabbau nicht dar. Vielmehr bleibt nach § 613a Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 1 BGB der Bestand des Arbeitsverhältnisses des vom Betriebs-übergang betroffenen Arbeitnehmers grundsätzlich durch den Betriebsübergang als solchen unberührt. Der Integrationsvereinbarung könnte allenfalls Bedeutung zukommen für die Wirksamkeit der von der Beklagten zu 2. nach dem Betriebsübergang und dem Widerspruch der Klägerin wegen Wegfalles einer Weiterbeschäfti-gungsmöglichkeit ausgesprochenen betriebsbedingten Kündigung. II. Der Senat hatte die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landesarbeitsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Dieses hat aufgrund der von ihm getroffenen Entscheidung folgerichtig nicht über die Wirksamkeit der von der Beklagten zu 2. am 17. Februar 2010 zum 30. September 2010 ausgesprochenen Kündigung entschieden. Dies wird es nunmehr nachzuholen haben. Hauck Böck Breinlinger Eimer Wankel 50 51 52
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