B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung I
A-514/2012
U r t e i l v o m 2 7 . A u g u s t 2 0 1 2
Besetzung
Richter Christoph Bandli (Vorsitz),
Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot,
Richter André Moser,
Gerichtsschreiber Alexander Misic.
Parteien
A._______, …,
Beschwerdeführer,
gegen
Billag AG, av. de Tivoli 3, Postfach 1701, 1700 Freiburg,
Erstinstanz,
und
Bundesamt für Kommunikation BAKOM, Abteilung Radio
und Fernsehen, Zukunftstrasse 44, Postfach, 2501 Biel BE,
Vorinstanz.
Gegenstand
Radio- und Fernsehempfangsgebühren.
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Sachverhalt:
A.
Am 6. November 2004 meldete sich A._______ bei der Billag AG für den
privaten Radio- und Fernsehempfang per 1. November 2004 an.
B.
Mit Schreiben vom 13. Juli 2010 stellte die Billag AG fest, dass noch
Rechnungen für den privaten Radio- und Fernsehempfang für die Zeit
vom 1. September 2005 bis zum 30. September 2010 offen seien. Weil
dies von A._______ mit Schreiben vom 28. Juli 2010 bestritten wurde, er-
liess die Billag AG am 24. Dezember 2010 eine Verfügung, worin am Ge-
bührennachbezug festgehalten wurde.
C.
Am 15. Juli 2011 erhob A._______ Beschwerde beim BAKOM und bean-
tragte die Aufhebung der Verfügung vom 24. Dezember 2010.
D.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2011 trat das BAKOM auf die Be-
schwerde nicht ein. Zur Begründung wurde ausgeführt, die 30-tägige Be-
schwerdefrist sei von A._______ nicht eingehalten worden.
E.
Mit Eingabe vom 26. Januar 2012 (Postaufgabe: 27. Januar 2012) erhebt
A._______ (Beschwerdeführer) gegen die Verfügung des BAKOM Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2012 beantragt das BAKOM (Vor-
instanz) die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge, soweit darauf
eingetreten werden könne. Mit Eingabe vom 26. März 2012 verzichtet die
Billag AG (Erstinstanz) auf die Einreichung einer Vernehmlassung und
verweist unter anderem vollumfänglich auf den vorinstanzlichen Ent-
scheid vom 20. Dezember 2011.
G.
Auf die Eingaben der Parteien wird – soweit entscheidrelevant – im Rah-
men der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt.
Vorinstanzen sind die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Als Verfügun-
gen gelten nach Art. 5 Abs. 2 VwVG auch Beschwerdeentscheide im Sin-
ne von Art. 61 VwVG.
Der Beschwerdeentscheid vom 20. Dezember 2011 stellt eine Verfügung
im Sinn von Art. 5 VwVG dar. Das BAKOM als entscheidende Behörde ist
nach Art. 33 Bst. d VGG eine zulässige Vorinstanz des Bundesverwal-
tungsgerichts. Dieses ist demnach zur Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Nichteintretensentscheid vom 20. De-
zember 2011. Vorliegend ist jedoch einzig die Eintretensfrage Streitge-
genstand. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist derjenige,
auf dessen Begehren bzw. Rechtsmittel nicht eingetreten worden ist, be-
fugt, durch die ordentliche Beschwerdeinstanz überprüfen zu lassen, ob
dieser Nichteintretensentscheid zu Recht ergangen ist (statt vieler: BGE
124 II 499 E. 1, mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BGE 132 V 74 E. 1.1;
vgl. statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1625/2006 vom
15. Dezember 2008 E. 1.2.2).
1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs.1 VwVG berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Än-
derung hat. Als formeller Verfügungsadressat hat der Beschwerdeführer
ohne Weiteres ein aktuelles, schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung
des angefochtenen Entscheids. Er ist folglich beschwerdelegitimiert.
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 und 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
2.1 Als Prozessvoraussetzungen – auch Sachurteilsvoraussetzungen ge-
nannt – werden die Vorbedingungen bezeichnet, die erfüllt sein müssen,
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damit die Behörde eine Beschwerde behandelt und mittels eines Sach-
entscheids über die Begründetheit respektive Unbegründetheit der
Rechtsbegehren materiell befindet (vgl. Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts A-4166/2010 vom 17. Mai 2011 E. 1.2 und A-1274/2008 vom
1. September 2009 E. 2.1; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege,
2. Aufl., Bern 1983, S. 71 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998,
S. 150). Zu den Prozessvoraussetzungen gehören unter anderem die
Beschwerdebefugnis der ein Rechtsmittel einlegenden Person (Art. 48
VwVG), ein frist- und formgerecht eingereichtes Rechtsmittel (Art. 50 und
52 VwVG) und das Fehlen anderweitiger Rechtshängigkeit oder eines
rechtskräftigen Entscheides in der gleichen Sache (vgl. Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts A-4166/2010 vom 17. Mai 2011 E. 1.2 und A-
1274/2008 vom 1. September 2009 E. 2.1; vgl. sodann statt vieler GYGI,
a.a.O., S. 72 f.; KÖLZ/HÄNER, a.a.O., S. 150).
2.2 Die allgemeine Frist zur Einreichung einer Beschwerde gegen eine
Verfügung beträgt 30 Tage (Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die nach Tagen be-
rechnete, mitteilungsbedürftige Frist beginnt an dem auf ihre Mitteilung
(Eröffnung) an die Partei folgenden Tag zu laufen (Art. 20 Abs. 1 VwVG).
Die Frist für eine schriftliche Eingabe ist gewahrt, wenn sie am letzten Tag
der Frist (spätestens Mitternacht) der Behörde eingereicht oder zu deren
Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomati-
schen oder konsularischen Vertretung übergeben wird (Art. 21 Abs. 1
VwVG; vgl. BERNARD MAÎTRE/VANESSA THALMANN [FABIA BOCHSLER/KAS-
PAR PLÜSS], in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009,
Rz. 5 zu Art. 21).
2.3 Während die Behörden die Beweislast dafür tragen, dass ihre Verfü-
gungen rechtsgültig eröffnet wurden, hat der Beschwerdeführer den Be-
weis zu erbringen, dass er die Beschwerdefrist eingehalten hat (Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-4166/2010 vom 17. Mai 2011 E. 1.2.1 mit
Hinweisen; STEFAN VOGEL, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen
2008, Rz. 8 zu Art. 50).
2.4 Die Rechtsmittelfristen sind die wichtigsten gesetzlichen Fristen (vgl.
BGE 126 III 31 E. 1b). Sie können nicht erstreckt werden (Art. 22 Abs. 1
VwVG). Fristen bilden abgegrenzte rechtserhebliche Zeiträume, bei de-
nen die blosse Tatsache des Zeitablaufs rechtliche Wirkungen zu entfal-
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ten vermag. Im Verfahrensrecht führt das Verstreichen der Frist regel-
mässig zu einer Sperrwirkung, welche Rechtshandlungen nach diesem
Zeitpunkt nicht mehr zulässt (VOGEL, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 50). Läuft die
Rechtsmittelfrist unbenutzt ab, gilt das Beschwerderecht als verwirkt und
die Verfügung erwächst in formelle Rechtskraft (Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1274/2008 vom 1. September 2009 E. 2.1.1; vgl. auch
MAÎTRE/THALMANN, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 21). Die formelle Rechtskraft ei-
ner Verfügung bedeutet, dass sie von den Betroffenen nicht mehr mit or-
dentlichen Rechtsmitteln angefochten werden kann (vgl. RENÉ RHINOW ET
AL., Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 951). Auf eine
Beschwerde gegen eine formell rechtskräftige Verfügung bzw. einen for-
mell rechtskräftigen Entscheid tritt die Beschwerdeinstanz wegen Fehlens
einer der Prozessvoraussetzungen (es sei denn, es handle sich um ein
Wiederaufnahme- bzw. Revisionsbegehren, einen Widerruf, eine Wieder-
erwägung oder eine Berichtigung) nicht ein (Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-1274/2008 vom 1. September 2009 E. 2.1.1; vgl. auch
VOGEL, a.a.O., Rz. 5 zu Art. 50; KÖLZ/HÄNER, a.a.O., S. 150; RHINOW ET
AL., a.a.O., Rz. 951).
3.
Vorliegend hat die Erstinstanz am 24. Dezember 2010 verfügt und in der
Rechtsmittelbelehrung den Beschwerdeführer darüber in Kenntnis ge-
setzt, dass er – sollte er mit dem von der Erstinstanz geforderten Gebüh-
rennachbezug nicht einverstanden sein – innert dreissig Tagen seit der
Eröffnung schriftlich und begründet bei der Vorinstanz Verwaltungsbe-
schwerde erheben müsse. Der Beschwerdeführer reichte jedoch erst am
15. Juli 2011 – d.h., zu einem Zeitpunkt, in dem die Verfügung der Erstin-
stanz schon längstens in formelle Rechtskraft erwachsen war (vgl. E. 2.4
hiervor) – Beschwerde bei der Vorinstanz ein. Der Tatsache, dass er mit
rund einem halben Jahr Verspätung Beschwerde bei der Vorinstanz er-
hoben hat, war sich der Beschwerdeführer bewusst und wird im Übrigen
von ihm auch nicht bestritten (vgl. E-Mail vom 23. Juni 2011 des Be-
schwerdeführers an das BAKOM). Die Vorinstanz ist daher zu Recht auf
seine Beschwerde nicht eingetreten (vgl. oben E. 1.2). Der angefochtene
Entscheid erweist sich folglich als rechtmässig und die Beschwerde ist
abzuweisen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als unter-
legene Partei, weshalb er die Verfahrenskosten zu tragen hat. Diese sind
auf Fr. 500.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg-
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lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem ge-
leisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.— zu verrechnen.
5.
Dem nicht anwaltlich vertretenen, im Ergebnis unterliegenden Beschwer-
deführer ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1
VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE). Die Erst- und Vorinstanz haben ebenfalls
keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 500.— werden dem Beschwerdeführer auf-
erlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.—
verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 300.— wird dem Beschwerdeführer
nach Eintritt der Rechtskraft der vorliegenden Urteils zurückerstattet.
Hierzu hat er dem Bundesverwaltungsgericht einen Einzahlungsschein
zuzustellen oder seine Kontonummer bekannt zu geben.
3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
4.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Einschreiben)
– die Erstinstanz (Kunden-Nr. …; Gerichtsurkunde)
– das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Christoph Bandli Alexander Misic
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Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Be-
gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten.
Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der
Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
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