B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung I
A-683/2019
Ur t e i l vom 2 7 . M ä r z 2 0 1 9
Besetzung
Richter Maurizio Greppi (Vorsitz),
Richter Jürg Steiger,
Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot,
Gerichtsschreiber Marcel Zaugg.
Parteien
A._______,
vertreten durch Stefan Hery,
HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,
Beschwerdeführer,
gegen
Staatssekretariat für Migration SEM,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Datenänderung im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS).
A-683/2019
Seite 2
Sachverhalt:
A.
A._______, somalischer Staatsangehöriger, stellte am 28. Dezember 2015
im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso ein Asylgesuch. Dabei gab
er auf dem Personalienblatt an, am 1. Januar 1988 geboren zu sein. Auch
anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 27. Januar 2016 bestätigte
er dieses Geburtsdatum.
B.
Am 22. März 2016 teilte A._______ dem Staatssekretariat für Migration
(SEM) mit, bei seiner Einreise verunsichert und verängstigt gewesen zu
sein und deshalb ein falsches Geburtsdatum angegeben zu haben. Sein
richtiges Geburtsdatum sei der 1. Januar 1996. Bei der BzP sei ihm nur
gesagt worden, er habe den 1. Januar 1988 aufgeschrieben. Aus Angst
und weil er nicht gewusst habe, was von ihm verlangt werde, habe er sich
nicht gegen das falsche Geburtsdatum gewehrt.
C.
Mit Verfügung vom 29. März 2016 wies das SEM das Gesuch um Berichti-
gung der Personendaten vom 22. März 2016 ab.
D.
Am 7. September 2016 ersuchte A._______ erneut um Änderung seines
Geburtsdatums auf den 1. Januar 1996. Zum Beweis reichte er eine Kopie
der Geburtsurkunde sowie eine Kopie eines Schulzeugnisses ein. Die Ori-
ginal-Dokumente reichte A._______ am 15. November 2016 nach. Auf
Nachfrage des SEM nach den Gründen für die angeblichen Falschanga-
ben zum Geburtsdatum auf dem Personalienblatt und in der BzP teilte
A._______ mit Schreiben vom 6. Dezember 2016 mit, er sei bei der Ein-
reise in einer schlechten körperlichen und psychischen Verfassung gewe-
sen. Er habe acht Tage wegen Malaria und psychischen Problemen im Spi-
tal verbracht. Beim Ausfüllen des Personalienblattes sei er erschöpft ge-
wesen von der Reise und den traumatisierenden Erlebnissen. Auch habe
er damals sein genaues Geburtsdatum nicht mit Sicherheit gekannt. Er
habe es nur geschätzt. Bei der BzP sei das Geburtsdatum vom Personali-
enblatt übernommen worden. Da er sich bezüglich seines Alters nicht si-
cher gewesen sei, habe er das falsche Geburtsjahr nicht berichtigt. Erst
ungefähr zwei Monate nach der Befragung habe ihm seine Familie per Te-
lefon sein genaues Alter mitgeteilt. Sie hätten ihm später auch die einge-
reichten Dokumente zugeschickt.
A-683/2019
Seite 3
E.
Das SEM eröffnete A._______ mit Schreiben vom 29. Dezember 2016,
dass es die von ihm eingereichten Dokumente (Geburtsurkunde und Schul-
zeugnis) als gefälscht erachte und räumte ihm gleichzeitig Gelegenheit zur
weiteren Stellungnahme ein. Zur Begründung ihrer Einschätzung führte es
aus, es handle sich nicht wie angegeben um Original-Dokumente, sondern
diese seien mit einem Computer-Drucker ausgedruckt worden, was sich
insbesondere anhand der Wertmarke und den Stempeln auf der Geburts-
urkunde zeige. Einzig die persönlichen Einträge seien nach dem Druck mit
einer Schreibmaschine angebracht worden. Beim Eintrag des Geschlechts
sei sodann offensichtlich eine andere Angabe weggekratzt worden. Unter-
mauert werde diese Einschätzung durch die Tatsache, dass die Geburts-
urkunde im Jahr 2010 ausgestellt worden sein soll. Wenn es tatsächlich
seit 2010 eine Geburtsurkunde gegeben hätte, hätte A._______ bei der
Erstbefragung sein Alter wohl richtig angeben können. Auch habe er da-
mals noch ausgesagt, über keinerlei Dokumente zu verfügen, was bei ei-
nem Ausstellungsdatum der Geburtsurkunde aus dem Jahr 2010 zu er-
staunen vermöge. Schliesslich habe zwischen 1991 und 2013 keine Be-
hörde in Somalia Geburtsurkunden ausgestellt.
F.
A._______ nahm mit Schreiben vom 10. Januar 2017 nochmals Stellung
zu den von ihm eingereichten Dokumenten. Er führte aus, es handle sich
bei der Geburtsurkunde um sein Original, welches er beispielsweise für die
Schule benötigt habe. Ein anderes Dokument besitze er nicht und er habe
auch kein anderes ausstellen lassen können. Bei der BzP sei er nur nach
einer Identitätskarte oder einem Pass gefragt worden. Er habe nicht ver-
standen, dass damit auch seine Geburtsurkunde gemeint gewesen sei.
G.
Anlässlich der Bundesanhörung vom 16. Juni 2017 gab A._______ zu Pro-
tokoll, auf dem Personalienblatt ein falsches Alter angegeben zu haben. Er
sei damals durcheinander gewesen und habe Angst gehabt. Auch das Alter
seiner Geschwister habe er deshalb falsch angegeben. Sein Alter habe al-
les durcheinander gebracht. Inzwischen sei er 20 Jahre alt. Er habe von
2004 bis Mai 2014 die Schule besucht. Im Februar 2015 sei er nach Mog-
adischu gefahren, um ein Studium zu beginnen, als er auf dem Weg dorthin
überfallen, gefangen genommen und in ein Gefängnis gebracht worden
sei. Des Weiteren merkte er an, dass sein Name in somalischer Schreib-
weise (…) registriert worden sei. Die Aussprache erfolge dadurch jedoch
falsch.
A-683/2019
Seite 4
H.
In der ergänzenden Anhörung durch das SEM vom 10. Dezember 2018
hielt A._______ an seinen in der Bundesanhörung vom 16. Juni 2017 ge-
machten Angaben bezüglich seines Alters fest und beantragte eine Ände-
rung in der Schreibweise seines Namens.
I.
Am 18. Dezember 2018 wurde A._______ in der Schweiz Asyl gewährt.
J.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 hiess das SEM die beantragte Na-
mensänderung gut (Ziff. 1), wies das Gesuch um Änderung des Geburts-
datums ab (Ziff. 2) und legte die Personendaten im Zentralen Migrationsin-
formationssystem ZEMIS neu fest (Ziff. 3). Zur Begründung der abgelehn-
ten Änderung des Geburtsdatums führte das SEM aus, die eingereichten
Dokumente (Geburtsurkunde und Schulzeugnis) würden als gefälscht ein-
gestuft. Zudem habe A._______ bei seiner Ankunft auf dem Personalien-
blatt und im Rahmen der BzP sein Geburtsdatum mit dem 1. Januar 1988
angegeben und zu Protokoll gegeben, nicht im Besitze von Dokumenten
zu sein. Dass er aufgrund seines schlechten psychischen Zustandes zwei-
mal ein falsches Geburtsdatum angegeben haben soll, überzeuge nicht. Er
sei nicht nur nach einem Pass oder einer Identitätskarte gefragt worden,
sondern auch aufgefordert worden, Reise- oder Identitätsdokumente ein-
zureichen, wozu auch eine Geburtsurkunde gehöre. Es erstaune daher,
dass er die im Jahr 2010 ausgestellte Geburtsurkunde nicht erwähnt habe.
Schliesslich würden mit Blick auf das Alter seiner Geschwister unverein-
bare Aussagen bestehen, welche das geltend gemachte Geburtsdatum in
Frage stellen würden.
K.
Gegen diese Verfügung des SEM (nachfolgend: Vorinstanz) vom 14. Ja-
nuar 2019 erhebt A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Ein-
gabe vom 7. Februar 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Darin beantragt er, es seien die Dispositiv-Ziffern 2 und 3 der angefochte-
nen Verfügung aufzuheben, die Personendaten im ZEMIS zu korrigieren
und ihn darin als "A._______, geboren am 01. Januar 1996, Somalia", zu
erfassen. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege.
A-683/2019
Seite 5
Zur Begründung bringt er vor, die Richtigkeit des aktuellen Eintrages sei
nicht bewiesen. Er sei im Zeitpunkt des Asylantrages psychisch extrem an-
geschlagen gewesen. Darauf sei die Vorinstanz jedoch nicht eingegangen.
Zwar könne er in der Tat keine Dokumente beibringen, welche sein tatsäch-
liches Geburtsdatum nachweisen könnten. Der Asylentscheid vom 18. De-
zember 2018 zeige jedoch sehr deutlich auf, dass die angefochtene Verfü-
gung jeglicher Logik widerspreche. Die Vorinstanz habe im Asylentscheid
offensichtlich keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen ge-
habt, zumal sein Gesuch gutgeheissen worden sei. Anlässlich der Bundes-
anhörung habe er vorgetragen, dass er die Schule von 2004 bis 2014 be-
sucht habe und im Februar 2015 auf dem Weg zum Studienantritt überfal-
len worden sei. Diese Aussagen betrachte die Vorinstanz als wahrheitsge-
mäss. Sie scheine im Asylentscheid ebenfalls vom Geburtsjahr 1996 aus-
gegangen zu sein. So sei er nicht nach seiner Tätigkeit vor der Schulzeit
oder nach dem Grund, weshalb er erst mit 28 Jahren habe studieren wol-
len, gefragt worden. Ausgehend vom Geburtsjahr 1996 sei er bei der Ein-
schulung acht Jahre und bei Studienbeginn 19 Jahre alt gewesen. Die
reine Logik spreche somit für das Geburtsjahr 1996.
L.
In ihrer Vernehmlassung vom 14. Februar 2019 schliesst die Vorinstanz
sinngemäss auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie
vollumfänglich auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung.
M.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung
i.S.v. Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968
(VwVG, SR 172.021), welche von einer Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32)
erlassen wurde. Nachdem keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor-
liegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig (Art. 31 VGG).
A-683/2019
Seite 6
Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat sich am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt
und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung sowohl formell als auch
materiell beschwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art.50 Abs. 1
VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49
VwVG).
3.
3.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das In-
formationssystem ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten
aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2
des Bundesgesetzes über das Informationssystem für den Ausländer- und
den Asylbereich vom 20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51) und in der Verord-
nung über das Zentrale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006
(ZEMIS-Verordnung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1
ZEMIS-Verordnung richten sich die Rechte der Betroffenen nach den Best-
immungen des Bundesgesetzes über den Datenschutz vom 19. Juni 1992
(DSG, SR 235.1) und des VwVG.
3.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein
absoluter und uneingeschränkter Anspruch (statt vieler: Urteil des BVGer
A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2, m.w.H.). Die Vergewisserungs-
pflicht bringt es mit sich, dass die Behörde auf ein substantiiertes Berichti-
gungsgesuch hin die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten
von Amtes wegen überprüfen muss (Urteil des BVGer A-1987/2016 vom
6. September 2016 E. 8.7.1. m.w.H.).
A-683/2019
Seite 7
3.3 Grundsätzlich hat die Bundesbehörde die Richtigkeit der bearbeiteten
Daten zu beweisen, wenn diese von einer betroffenen Person bestritten
wird. Demgegenüber obliegt der betroffenen Person, welche ein Gesuch
um Berichtigung von Personendaten stellt, der Beweis der Richtigkeit der
verlangten Änderung (Urteil des BGer 1C_11/2013 vom 21. Oktober 2013
E. 4.2; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweisregeln des
VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher
Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel blei-
ben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem
Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch gemäss
Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an der Feststellung des Sachver-
halts im erstinstanzlichen Verwaltungs- sowie im Beschwerdeverfahren
mitzuwirken (vgl. zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer A-7615/2016
vom 30. Januar 2018 E. 3.3).
Demzufolge genügt vorliegend ein Glaubhaftmachen wie im Asylverfahren,
in welchem es um die Frage der Minder- respektive Volljährigkeit und nicht
um das genaue Geburtsdatum geht, nicht (Urteil des BVGer E-891/2017
vom 8. August 2018 E. 4.2.3, m.w.H.).
3.4 Kann bei einer verlangten bzw. von Amtes wegen beabsichtigten Be-
richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige der neuen
Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen
noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 DSG). Dies
ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Personendaten
zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendigerweise bearbeitet
werden, was namentlich auch für im ZEMIS erfasste Daten gilt. In solchen
Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicher-
weise unzutreffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Unter die-
sen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 DSG deshalb die Anbringung eines
Vermerks vor, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Richtigkeit der be-
arbeiteten Personendaten bestritten ist. Spricht dabei mehr für die Richtig-
keit der neuen Daten, sind die bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen
und die neuen Daten anschliessend mit einem derartigen Vermerk zu ver-
sehen. Ob die vormals eingetragenen Angaben weiterhin abrufbar bleiben
sollen oder ganz zu löschen sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz über-
lassen. Verhält es sich umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher
eingetragenen Daten als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als un-
A-683/2019
Seite 8
wahrscheinlicher, sind diese zu belassen und mit einem Bestreitungsver-
merk zu versehen. Über dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen
und unabhängig davon zu entscheiden, ob ein entsprechender Antrag ge-
stellt worden ist (vgl. zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer
A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.5; ferner Urteil des BGer
1C_240/2012 vom 13. August 2012 E. 3.2).
3.5 Nach dem Gesagten obliegt es vorliegend grundsätzlich der Vorinstanz
zu beweisen, dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum
(1. Januar 1988) korrekt ist. Der Beschwerdeführer hat wiederum nachzu-
weisen, dass das von ihm geltend gemachte Geburtsdatum (1. Januar
1996) richtig ist (Urteile des BVGer A-3183/2018 vom 22. November 2018
E. 3.2, E-891/2017 vom 8. August 2018 E. 3.5, A-4603/2017 vom 11. April
2018 E. 4). Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis des Geburtsdatums,
ist dasjenige im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit
wahrscheinlicher ist.
4.
4.1 Weder die Vorinstanz noch der Beschwerdeführer vermögen das von
ihnen geltend gemachte Geburtsdatum zu beweisen. Es liegen nebst den
Angaben und Aussagen des Beschwerdeführers hierfür keine tauglichen
Beweismittel vor, nachdem die Vorinstanz die vom Beschwerdeführer ein-
gereichten Dokumente (Geburtsurkunde und Schulzeugnis) mit überzeu-
genden Argumenten als Fälschungen einstufte. Der Beschwerdeführer be-
ruft sich in seiner Beschwerde denn auch nicht mehr auf diese Unterlagen
und gibt an, zum Nachweis seines Geburtsdatums keine Dokumente bei-
bringen zu können. Unter diesen Umständen ist auf das wahrscheinlichere
Geburtsdatum abzustellen.
4.2 Für das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum spricht zunächst
der Umstand, dass der Beschwerdeführer bei seiner Einreise in die
Schweiz auf dem Personalienblatt selbst den 1. Januar 1988 angab. Die-
ses Geburtsdatum bestätigte er anlässlich der BzP bzw. er opponierte zu-
mindest nicht gegen das Übernehmen seiner Angabe gemäss Personali-
enblatt. Sodann machte der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben
zum Alter seiner Geschwister. Während er bei der BzP vom 27. Januar
2016 noch angab, seine Schwester B._______ sei 18 Jahre alt, machte er
später bei der Bundesanhörung vom 16. Juni 2017 geltend, diese sei 17-
jährig. Auch das Alter seines ältesten Bruders C._______ korrigierte er in
der Bundesanhörung im Vergleich zur BzP nach unten.
A-683/2019
Seite 9
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Erklärungen für seine angeblich
falsche Angabe zum Geburtsdatum auf dem Personalienblatt (schlechter
physischer und psychischer Zustand, keine sichere Kenntnis seines tat-
sächlichen Alters) vermögen sodann kaum zu überzeugen. So war er trotz
seines damaligen Zustandes in der Lage, das Personalienblatt in den übri-
gen Punkten korrekt auszufüllen. Auch dass er sich beim eigenen Alter
gleich um acht Jahre verschätzt haben soll, erscheint wenig nachvollzieh-
bar.
4.3 Hingegen ist zugunsten des Beschwerdeführers zu berücksichtigen,
dass er sein Geburtsdatum von sich aus bereits mit Schreiben vom
22. März 2016 zu korrigieren versuchte. Dabei machte er mit seiner Be-
hauptung, am 1. Januar 1996 geboren zu sein, keine Minderjährigkeit gel-
tend. Die Korrektur seines Alters diente somit nicht dem Zweck, sich im
Asylverfahren einen Vorteil zu verschaffen, was die Glaubwürdigkeit seiner
Angabe erhöht. Sodann ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Aussa-
gen des Beschwerdeführers im Asylverfahren mehr für das vom Beschwer-
deführer geltend gemachte Geburtsdatum sprechen als für das aktuell im
ZEMIS eingetragene. So sagte der Beschwerdeführer anlässlich der Bun-
desanhörung vom 16. Juni 2017 aus, er habe von 2004 bis 2014 die Schule
besucht und habe im Februar 2015 ein Studium beginnen wollen. Ausge-
hend davon, dass der Beschwerdeführer am 1. Januar 1996 geboren
wurde, hätte er somit im Alter von acht Jahren mit der Schule begonnen
und diese mit 18 Jahren abgeschlossen. Sein Studium hätte er alsdann mit
19 Jahren aufgenommen. Dies entspricht zumindest in der Schweiz in etwa
dem üblichen schulischen Werdegang. Wird demgegenüber auf den 1. Ja-
nuar 1988 als Geburtsdatum abgestellt, so wäre der Beschwerdeführer bei
seiner Einschulung bereits 16 Jahre alt gewesen, was wenig plausibel er-
scheint und wofür sich auch in den Akten keine Anhaltspunkte finden las-
sen.
4.4 Nach dem Ausgeführten liegen für beide Parteistandpunkte gewisse
Indizien vor und es lässt sich aufgrund des bis anhin erstellten Sachver-
halts kaum beurteilen, welches der beiden Geburtsdaten (1. Januar 1988
oder 1. Januar 1996) wahrscheinlicher ist. Die Vorinstanz hat weiterge-
hende Abklärungen nicht vorgenommen, sondern sich bei ihrem Entscheid
auf die Akten gestützt. So hat sie bisher beispielsweise keine medizini-
schen Gutachten zum Alter des Beschwerdeführers eingeholt. In Anbe-
tracht der grossen Differenz der in Frage stehenden Geburtsdaten von acht
Jahren würden solche zusätzlichen Untersuchungshandlungen mit grosser
Wahrscheinlichkeit aber eine klare Beurteilung zulassen. Vorliegend
A-683/2019
Seite 10
könnte wohl bereits eine Handknochenanalyse dazu führen, dass eines der
in Frage stehenden Geburtsdaten ausgeschlossen werden kann, auch
wenn solchen Analysen ein beschränkter Aussagewert zugeschrieben
wird, sofern das von der betroffenen Person behauptete Alter im Vergleich
zum festgestellten Knochenalter innerhalb der normalen Abweichung von
bis zu drei Jahren liegt (Urteile des BVGer A-3183/2018 vom 22. November
2018 E. 3.3 und A-4859/2016 vom 1. Juni 2017 E. 3.6; vgl. im Übrigen zu
den verschiedenen Methoden der medizinischen Altersabklärungen und
deren Beweiswert: Urteil des BVGer E-891/2017 vom 8. August 2018
E. 4.2). Die Vorinstanz hat in diesem Sinne jedenfalls zusätzliche Abklä-
rungen vorzunehmen.
4.5 Bei diesem Stand der Dinge und aufgrund der besonderen Fachkennt-
nisse der Vorinstanz ist die Angelegenheit – in Gutheissung der Be-
schwerde – gestützt auf Art. 61 VwVG zur neuen Beurteilung im Sinne der
vorstehenden Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Urteile
A-4859/2016 vom 1. Juni 2017 E. 4.5 und A-1987/2016 vom 6. September
2016 E. 9).
5.
5.1 Eine Rückweisung an die Vorinstanz zu neuem Entscheid (mit noch
offenem Ausgang) gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerde-
führenden Partei (vgl. statt vieler: BGE 137 V 57 E. 2, BGE 132 V 215
E. 6.1 und Urteil des BVGer A-1344/2015 vom 28. Juni 2018 E. 19.2). Der
Beschwerdeführer gilt entsprechend als obsiegend, weshalb ihm keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der
Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63
Abs. 2 VwVG).
5.2 Angesichts seines Obsiegens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Entschä-
digung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen
der Partei (vgl. Art. 8 ff. VGKE). Der Stundenansatz für nichtanwaltliche
berufsmässige Vertreter und Vertreterinnen beträgt mindestens 100 und
höchstens 300 Franken (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Das Bundesverwaltungs-
gericht legt die Parteientschädigung aufgrund der eingereichten Kosten-
note oder, wenn keine Kostennote eingereicht wird, aufgrund der Akten fest
(Art. 14 Abs. 2 VGKE). Vorliegend hat der nichtanwaltliche Rechtsvertreter
A-683/2019
Seite 11
eine Kostennote in der Höhe von Fr. 1'495.– (7 Stunden zu einem Stun-
denansatz von Fr. 200.– zuzüglich Barauslagen von Fr. 95.–) eingereicht,
was für das vorliegende Beschwerdeverfahren gerade noch angemessen
erscheint. Dieser Betrag ist der Vorinstanz somit zur Bezahlung aufzuerle-
gen (vgl. Art. 64 Abs. 2 VwVG).
5.3 Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege
erweist sich damit als gegenstandslos und ist entsprechend abzuschrei-
ben.
6.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Dispositiv-Ziffern 2 und 3 der Verfü-
gung vom 14. Januar 2019 betreffend Datenänderung im ZEMIS werden
aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen
an die Vorinstanz zurückgewiesen.
2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
als gegenstandslos geworden abgeschrieben.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Die Vorinstanz wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschädigung von
Fr. 1'495.– zu bezahlen.
5.
Dieses Urteil geht an:
A-683/2019
Seite 12
– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. N 664 953; Einschreiben)
– das Generalsekretariat EJPD (Gerichtsurkunde)
– den EDÖB z.K.
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Maurizio Greppi Marcel Zaugg
Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-
legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Rechts-
schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten.
Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die be-
schwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
Versand: