Abtei lung II
B-228/2009/urh/ret/san
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 4 . M a i 2 0 0 9
Richter Hans Urech (Vorsitz),
Richter Philippe Weissenberger,
Richter Stephan Breitenmoser,
Gerichtsschreiber Thomas Reidy.
X._______,
Beschwerdeführer,
gegen
Zulassungskommission für den Zivildienst,
p. A. Regionalzentrum Rüti, Spitalstrasse 31,
8630 Rüti ZH,
Vorinstanz.
Nichtzulassung zum Zivildienst.
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
B-228/2009
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass X._______ (Beschwerdeführer) am 5. November 2008 ein
Gesuch um Zulassung zum Zivildienst gestellt hat;
dass der Beschwerdeführer am 17. Dezember 2008 von der Zulas-
sungskommission des Zivildienstes (Rüti; Vorinstanz) angehört worden
ist;
dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. De-
zember 2008 nicht zum Zivildienst zugelassen hat;
dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid am 13. Januar
2009 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben hat und
beantragt, er sei zum Zivildienst zuzulassen;
dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 12. Februar 2009
beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen;
dass das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement EVD in seiner
Stellungnahme vom 19. März 2009 ebenfalls die Abweisung der Be-
schwerde beantragt;
dass der Entscheid der Vorinstanz vom 17. Dezember 2008 eine Verfü-
gung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021) darstellt;
dass diese Verfügung nach Art. 63 des Zivildienstgesetzes vom 6. Ok-
tober 1995 (ZDG, SR 824.0) im Rahmen der allgemeinen Bestimmun-
gen über die Bundesverwaltungsrechtspflege (Art. 44 ff. VwVG i.V.m.
Art. 31 ff. und 37 ff. des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni
2005 [VGG, SR 173.32]) mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt angefochten werden kann;
dass der Beschwerdeführer zur Beschwerde legitimiert ist (Art. 48
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG), die Eingabefrist sowie die Anforde-
rungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift gewahrt sind
(Art. 50 und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG) und die übrigen
Sachurteilsvoraussetzungen vorliegen (Art. 47 ff. VwVG i.V.m. Art. 37
VGG);
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dass deshalb auf die Beschwerde einzutreten ist;
dass gemäss der bis 31. März 2009 geltenden Rechtsordnung Militär-
dienstpflichtige einen zivilen Ersatzdienst (Zivildienst) leisten durften,
wenn sie sowohl im Gesuch als auch in der Anhörung vor der Zulas-
sungskommission glaubhaft darlegen konnten, den Militärdienst nicht
mit ihrem Gewissen vereinbaren zu können (aArt 1, aArt. 16 und aArt.
18 ff. ZDG, AS 2003 4843);
dass sich dabei ein Gewissenskonflikt dadurch auszeichnete, dass die
betreffende Person sich auf eine moralische Forderung berufen muss-
te, durch die ihr Gewissen aus ihrer Sicht mit der Militärdienstpflicht in
einen unauflösbaren Konflikt geraten war (aArt. 1 Abs. 2 ZDG, AS
2003 4843);
dass die Änderung des Zivildienstgesetzes vom 3. Oktober 2008 (AS
2009 1093) unter anderem mit der Einführung der Tatbeweislösung auf
den 1. April 2009 zu einer erheblichen Vereinfachung des Zugangs
zum Zivildienst geführt hat;
dass nun Militärdienstpflichtige, die den Militärdienst mit ihrem Gewis-
sen nicht vereinbaren können, auf Gesuch hin einen länger dauernden
zivilen Ersatzdienst (Zivildienst) leisten (Art. 1 ZDG);
dass die gesuchstellende Person das Gesuch, das eine Erklärung der
gesuchstellenden Person enthalten muss, sie könne den Militärdienst
mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren und sie sei bereit, Zivildienst zu
leisten (Art. 16 b Abs. 1 ZDG), schriftlich bei der Vollzugsstelle einzu-
reichen hat (Art. 16a Abs. 1 ZDG);
dass diese Erklärung weder mit Vorbehalten noch mit Bedingungen
verbunden sein darf (Art. 16b Abs. 2 ZDG);
dass somit künftig die in einem schriftlichen Gesuch zu Handen der
Vollzugsstelle erklärte Bereitschaft, einen Zivildienst leisten zu wollen,
der 1,5 mal so lange dauert als der zu leistende Militärdienst, als aus-
reichender Nachweis für das Vorliegen eines Gewissenskonfliktes in
Bezug auf die Leistung des Militärdienstes gilt (Tatbeweis, vgl. Bot-
schaft vom 27. Februar 2008 zur Änderung der Bundesgesetze über
den zivilen Ersatzdienst und über die Wehrpflichtersatzabgabe, BBl
2008 2707, nachfolgend: Botschaft);
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dass die übergangsrechtliche Bestimmung, wonach Zulassungsgesu-
che, die vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 3. Oktober 2008 ein-
gereicht und noch nicht rechtskräftig entschieden worden sind, nach
neuem Recht beurteilt werden (Art. 83b ZDG), auch im vorliegenden
Fall zur Anwendung gelangt;
dass die Beschwerdeinstanz in der Sache selbst entscheidet oder die-
se ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zu-
rückweist (Art. 61 Abs. 1 VwVG);
dass die Zulassungskommissionen des Zivildienstes mit Inkraftsetzung
der Änderung des Zivildienstgesetzes vom 3. Oktober 2008 aufgeho-
ben wurden (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 2742);
dass es sich insbesondere mit Hinweis auf die Art. 1, 16a, 16b, 18 und
83b ZDG rechtfertigt, den angefochtenen Entscheid aufzuheben und
die Sache an die neu zuständige Vollzugsstelle zurückzuweisen, damit
diese das Zulassungsgesuch des Beschwerdeführers nach neuem
Recht beurteilt;
dass das Zulassungsverfahren kostenlos ist (Art. 18c ZDG);
dass dieser Entscheid nicht mit Beschwerde an das Bundesgericht
weitergezogen werden kann (Art. 83 Bst. i des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) und somit endgültig ist.
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird insofern gutgeheissen, als der angefochtene
Entscheid aufgehoben wird.
2.
Die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung des Zulassungsgesuches
im Sinne der Erwägungen an die Vollzugsstelle überwiesen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Dieses Urteil geht an:
- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vollzugsstelle (Ref-Nr. 8.416.36243.0; Einschreiben; Akten zu-
rück)
- das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (Einschreiben)
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Hans Urech Thomas Reidy
Versand: 18. Mai 2009
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