Abtei lung II
B-5426/2008
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U r t e i l v o m 3 0 A p r i l 2 0 0 9
Richter Francesco Brentani (Vorsitz),
Richter Hans Urech und Richter Ronald Flury;
Gerichtsschreiber Daniele Cattaneo;
A. _______,
Beschwerdeführer,
gegen
Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI Regionalzent-
rum Luzern,
Alpenstrasse 6, Postfach 6583, 6000 Luzern 6,
Vorinstanz;
Zulassung zum Zivildienst.
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
B-5426/2008
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass A. _______ (Beschwerdeführer) am 18. Mai 2008 ein Gesuch um
Zulassung zum Zivildienst gestellt hat;
dass der Beschwerdeführer am 24. Juli 2008 von der Zulassungskom-
mission des Zivildienstes (Luzern; Vorinstanz) angehört wurde;
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 24. Juli 2008 den Beschwerde-
führer nicht zum Zivildienst zugelassen hat;
dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid am 22. August
2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht hat;
dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 20. Oktober 2008
beantragte, die Beschwerde abzuweisen;
dass das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement EVD in seiner
Stellungnahme vom 4. Dezember 2008 ebenfalls beantragte, die Be-
schwerde abzuweisen;
dass das Zulassungsverfahren mit Inkrafttreten der revidierten Fas-
sung des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 1995 über den zivilen Er-
satzdienst [Zivildienstgesetz, ZDG, SR 824.0]) auf den 1. April 2009,
erheblich vereinfacht worden ist;
dass gemäss alter Rechtsordnung Militärdienstpflichtige einen zivilen
Ersatzdienst (Zivildienst) leisteten, die sowohl im Gesuch als auch in
der Anhörung vor der Zulassungskommission glaubhaft darlegten,
dass sie den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konn-
ten, (aArt. 1 Abs. 1, aArt. 16 und 18 ff. Bundesgesetz über den zivilen
Ersatzdienst [Zivildienstgesetz, ZDG, AS 2003 4843]) und dass der
Gewissenskonflikt nach aArt. 1 Abs. 1 ZDG sich dadurch auszeichne-
te, dass die betreffende Person sich auf eine moralische Forderung
berief, durch die ihr Gewissen aus ihrer Sicht mit der Militärdienst-
pflicht in einen unauflösbaren Konflikt geriet;
dass nach neuer Fassung des ZDG vom 3. Oktober 2008, Militär-
dienstpflichtige, die den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht verein-
baren können, auf Gesuch hin einen länger dauernden zivilen Ersatz-
dienst (Zivildienst) leisten; die gesuchstellende Person das Gesuch
schriftlich bei der Vollzugsstelle einreicht (Art. 16a Abs. 1 ZDG), das
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Gesuch eine Erklärung der gesuchstellenden Person enthalten muss,
wonach sie den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren
kann und bereit ist, Zivildienst zu leisten (Art. 16 b Abs. 1 ZDG) und
dass die Erklärung vorbehalts- und bedingungslos erfolgen muss (Art.
16b Abs. 2 ZDG);
dass, mit anderen Worten, Personen, die Zivildienst leisten wollen,
künftig in einem schriftlichen Gesuch zu Handen der Vollzugsstelle er-
klären müssen, dass sie den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht
vereinbaren können und dass die Bereitschaft, einen Zivildienst zu
leisten, der anderthalb mal so lange dauert wie der nicht geleistete Mi-
litärdienst, künftig als Beweis für das Vorhandensein von Gewissens-
gründen genügt (Tatbeweis, vgl. Botschaft zur Änderung der Bundes-
gesetze über den zivilen Ersatzdienst und über die Wehrpflichtersatz-
abgabe vom 27. Februar 2008, Bbl 2008 2707).
dass laut Art. 83b ZDG, Zulassungsgesuche, die vor dem Inkrafttreten
der Änderung vom 3. Oktober 2008 eingereicht und noch nicht rechts-
kräftig entschieden worden sind, ab 1. April 2009 nach neuem Recht
beurteilt werden;
dass die Bestimmung vom Art. 83b ZDG auch im vorliegenden Fall zur
Anwendung gelangt;
dass gemäss Art. 61 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) die Beschwerde-
instanz in der Sache selbst entscheidet oder diese ausnahmsweise mit
verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurückweist;
dass die Zulassungskommissionen mit in Krafttreten der revidierten
Fassung vom 3. Oktober 2008 aufgehoben wurden (Bbl 2008 2742);
dass es sich in casu, im Lichte der neuen Gesetzgebung, insbesonde-
re mit Hinweis auf Art. 1, Art. 16a, Art. 16b, Art. 18 und Art. 83b ZDG,
rechtfertigt, den angefochtenen Entscheid aufzuheben und die Sache
zur erneuten Behandlung des Zulassungsgesuches im Lichte der ge-
änderten Zulassungsvoraussetzungen an die neu zuständige Vollzugs-
stelle zurückzuweisen;
dass gemäss Art. 18c ZDG das Zulassungsverfahren nach wie vor
kostenlos ist;
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dass dieser Entscheid nicht mit Beschwerde an das Bundesgericht
weitergezogen werden kann (Art. 83 Bst. i des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) und somit endgültig ist.
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird insofern gutgeheissen als der angefochtene Ent-
scheid aufgehoben wird.
2.
Die Akten werden zur Neubeurteilung des Zulassungsgesuches im
Sinne der Erwägungen an die Vollzugsstelle überwiesen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Dieses Urteil geht an:
- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beschwerdebeilagen zurück)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Einschreiben; Vorakten zurück)
- das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Francesco Brentani Daniele Cattaneo
Versand: 4. Mai 2009
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