B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung II
B-7258/2017
Ur t e i l vom 1 9 . M ä r z 2 0 1 8
Besetzung
Richter Daniel Willisegger (Vorsitz),
Richterin Eva Schneeberger, Richter Pietro Angeli-Busi,
Gerichtsschreiber Pascal Waldvogel.
Parteien
A._______,
(…), (…),
Beschwerdeführerin,
gegen
Staatssekretariat für Bildung,
Forschung und Innovation SBFI,
Einsteinstrasse 2, 3003 Bern,
Vorinstanz,
Schweizerische Fachprüfungskommission
der Immobilienwirtschaft (SFPKIW),
c/o SVIT Schweiz,
Puls 5, Giessereistrasse 18, 8005 Zürich,
Erstinstanz.
Gegenstand
Höhere Fachprüfung für Immobilientreuhand 2016.
B-7258/2017
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Sachverhalt:
A.
Im Sommer 2016 legte die Beschwerdeführerin die höhere Fachprüfung für
Immobilientreuhand ab. Mit Notenblatt vom 26. September 2016 teilte ihr
die Erstinstanz mit, dass sie die Prüfung nicht bestanden habe. Die Prü-
fungsleistungen der Beschwerdeführerin wurden wie folgt bewertet:
Schriftliche Prüfungen
Unternehmensführung zweifach 3.5
Immobilienbewirtschaftung dispensiert
Immobilienvermarktung 4.0
Immobilienbewertung 4.5
Immobilientreuhand zweifach 4.0
Mündliche Prüfungen
Unternehmensführung 5.0
Immobilientreuhand 2.5
Diplomarbeit
Diplomarbeit (Diplomarbeit 4.5 / Kolloquium 5.0) zweifach 4.8
Gewichtetes Mittel aller Prüfungsteile 4.1
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Schreiben
vom 25. Oktober 2016 Beschwerde bei der Vorinstanz. Sie beantragte die
Festlegung der Note im Fach Immobilientreuhand mündlich auf die Note
3.0 und die Zusprechung des Diploms zur eidg. dipl. Immobilientreuhände-
rin. Im Wesentlichen brachte sie vor, da ihr die Einsicht ins Protokoll der
mündlichen Prüfung verwehrt worden sei, könne sie zur Beurteilung der
Experten nicht Stellung nehmen. Ohne die Protokollierung sei die Noten-
gebung nicht nachvollziehbar. Bis auf eine kleine Abweichung sei sie über-
all genügend bis gut gewesen. Die vorliegende Abweichung könne sie nicht
nachvollziehen. Da ihr fälschlicherweise ein für die Experten bestimmter
Fragekatalog abgegeben worden sei, sei sie verwirrt gewesen und un-
gleich behandelt worden. Es liege ein Verfahrensfehler vor.
B.b Die Erstinstanz nahm mit Eingabe vom 7. Februar 2017 zur Be-
schwerde Stellung. Sie führte im Wesentlichen aus, es sei korrekt, dass die
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Beschwerdeführerin neben der Aufgabenstellung ein für die Experten be-
stimmtes Beiblatt erhalten habe. Dadurch habe sie jedoch keinen Nachteil
erlitten, sondern eher einen Vorteil. Ausserdem habe die Beschwerdefüh-
rerin den Erhalt dieses Beiblattes weder zu Beginn noch im Anschluss an
die Prüfung in irgendeiner Form erwähnt oder die Experten darauf aufmerk-
sam gemacht. Inhaltlich verfüge die Beschwerdeführerin weder über So-
zial-, noch über Methoden- oder Fachkompetenz, weshalb sich weiterhin
die Note 2.5 im Bereich Immobilientreuhand mündlich ergebe.
B.c Mit Schreiben vom 23. Februar 2017 wurden der Beschwerdeführerin
die vorinstanzlichen Akten zur Einsicht zugestellt.
B.d Mit Schreiben vom 28. Februar 2017 ersuchte die Beschwerdeführerin
um Einsichtnahme in das Expertenblatt, welches ihr versehentlich vorge-
legt worden sei, sowie in sämtliche Unterlagen der mündlichen Prüfung
(inkl. sämtlicher Notizen).
B.e Mit Verfügung vom 22. November 2017 wies die Vorinstanz die Be-
schwerde der Beschwerdeführerin ab. Im Entscheid führte sie aus, es sei
verständlich, dass die Beschwerdeführerin im ersten Augenblick verwirrt
gewesen sei. Nach einer kurzen Übersicht hätte sie jedoch ohne weiteres,
zu Beginn oder spätestens am Ende der Prüfung, das Expertenteam da-
rauf aufmerksam machen können. Dies habe sie offensichtlich unterlassen.
Es sei nicht nachvollziehbar, warum sie die Situation nicht vor Ort geklärt
habe. Zudem schliesse man sich der Einschätzung der Erstinstanz an, wo-
nach die zu beurteilende Situation für die Beschwerdeführerin keinen
Nachteil dargestellt habe, zumal sie als einzige den roten Faden der Ex-
perten habe einsehen können. Des Weiteren gebe es keine Hinweise, dass
die Prüfung der Beschwerdeführerin willkürlich bewertet worden sei.
Schliesslich liege auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Beim
für die Experten bestimmten Beiblatt handle es sich um eine verwaltungs-
interne Akte, in welche kein Anspruch auf Einsicht bestehe. Auch die Auf-
zeichnungen der Examinatoren seien rein interne Notizen. Eine Pflicht zur
Protokollierung bestehe nicht, weshalb die Beschwerdeführerin zu Recht
keine Einsicht in diese Notizen erhalten habe.
C.
Mit Eingabe vom 22. Dezember 2017 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Note im Fach
Immobilientreuhand mündlich sei auf die Note 3.0 festzulegen und ihr sei
das Diplom eidg. dipl. Immobilientreuhänderin zuzusprechen. Eventualiter
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sei der Prüfungsteil Immobilientreuhand mündlich zu wiederholen. In pro-
zessualer Hinsicht beantragte sie die Durchführung einer mündlichen Ver-
handlung.
Die Beschwerdeführerin rügte einen gravierenden Verfahrensfehler im Prü-
fungsablauf, die willkürliche und nicht nachvollziehbare Notengebung und
die Verweigerung der Akteneinsicht.
D.
Mit Eingabe vom 1. März 2018 verzichtete die Vorinstanz auf die Einrei-
chung einer Vernehmlassung und beantragte, unter Hinweis auf die Be-
gründung im angefochtenen Entscheid, die Abweisung der Beschwerde.
Die Erstinstanz reichte keine Stellungnahme ein.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 61 Abs. 2 BBG [SR 412.10] i.V.m. Art. 31 f. sowie
Art. 33 Bst. d VGG). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der ange-
fochtenen Verfügung zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG), hat
den einverlangten Kostenvorschuss bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die
Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und
52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-
zung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit der angefochte-
nen Verfügung gerügt werden (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft Entscheide über Ergebnisse
von Prüfungen grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49
VwVG; vgl. auch ZIBUNG/HOFSTETTER, in: Waldmann/Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 49 N 43). Indes haben
Prüfungen oftmals Spezialgebiete zum Gegenstand, in denen die Rechts-
mittelbehörde in der Regel über keine eigenen Fachkenntnisse verfügt. Der
Rechtsmittelbehörde ist es oft nicht möglich, sich ein zuverlässiges Bild
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über die Gesamtheit der Leistungen einer Beschwerdepartei und der Leis-
tungen der übrigen Kandidaten zu machen. Eine freie und umfassende
Überprüfung der Examensbewertung würde die Gefahr von Ungerechtig-
keiten und Ungleichheiten gegenüber den anderen Prüfungskandidaten in
sich bergen, und es ist auch nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz, die Be-
wertung der Prüfungsleistungen gewissermassen zu wiederholen (vgl. statt
vieler BVGE 2008/14 E. 3.1). In ständiger Rechtsprechung auferlegt sich
das Bundesverwaltungsgericht daher bei der Bewertung von Prüfungsleis-
tungen und spezifischen Fragen, die seitens der Gerichte nur schwer über-
prüfbar sind, eine gewisse Zurückhaltung. Auf die Rüge der Unangemes-
senheit der Bewertung von Prüfungsleistungen ist nur dann detailliert ein-
zugehen, wenn die beschwerdeführende Partei selbst substantiierte An-
haltspunkte mit den entsprechenden Beweismitteln dafür liefert, dass das
Ergebnis materiell nicht vertretbar ist, eindeutig zu hohe Anforderungen ge-
stellt oder die Prüfungsleistungen offensichtlich unterbewertet wurden
(vgl. BVGE 2010/21 E. 5.1 m.w.H.; kritisch dazu PATRICIA EGLI, Gerichtli-
cher Rechtsschutz bei Prüfungsfällen: Aktuelle Entwicklungen, in:
ZBI 10/2011, S. 553 ff., insb. S. 555 f. m.w.H.).
2.3 Zusammenfassend weicht das Bundesverwaltungsgericht nicht ohne
Not von der Beurteilung der Experten ab. Voraussetzung ist, dass die Ex-
perten zu den Parteivorbringen Stellung genommen haben und ihre Auf-
fassung, insbesondere soweit sie von derjenigen der Partei abweicht,
nachvollziehbar und einleuchtend ist (vgl. BVGE 2010/11 E. 4.2 und BVGE
2008/14 E. 3.1 f. und 4.3.2, je m.w.H.; kritisch PATRICIA EGLI, a.a.O., S. 556
m.w.H.; vgl. auch allgemein ZIBUNG/HOFSTETTER, a.a.O., Art. 49 N 45 ff.).
Diese Zurückhaltung gilt nur für die materielle Bewertung der Prüfungsleis-
tungen. Ist die Auslegung oder Anwendung von Rechtsvorschriften streitig
oder werden Verfahrensmängel im Prüfungsablauf gerügt, so hat das Bun-
desverwaltungsgericht die erhobenen Einwendungen mit umfassender
Kognition zu prüfen (vgl. BVGE 2008/14 E. 3.3 m.w.H.). Hierbei nehmen all
jene Einwände auf Verfahrensfragen Bezug, die den äusseren Ablauf der
Prüfung, die Aufgabenstellung oder das Vorgehen bei der Bewertung be-
treffen (Urteil des BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni 2010 E. 5.2, Urteil des
BVGer B-6256/2009 vom 14. Juni 2010 E. 3 m.w.H.). Die Beweislast für
allfällige Verfahrensfehler obliegt der beschwerdeführenden Partei (vgl. Ur-
teile des BVGer B-822/2016 vom 24. August 2017 E. 4 und B-6256/2009
vom 14. Juni 2010 E. 5.5).
B-7258/2017
Seite 6
3.
3.1 Das eidgenössische Diplom als Immobilientreuhänderin und Immobili-
entreuhänder erhält, wer die höhere Fachprüfung für Immobilientreuhand,
d.h. die Diplomprüfung, mit Erfolg bestanden hat (Art. 43 Abs. 1 BBG i.V.m.
Ziff. 7.1 der Prüfungsordnung über die Höhere Fachprüfung für Immobili-
entreuhänderin und Immobilientreuhänder, genehmigt am 25. April 2012;
nachfolgend: Prüfungsordnung).
3.2 Die Prüfungsordnung sieht in Ziff. 6.41 vor, dass die höhere Fachprü-
fung bestanden ist, wenn kumulativ die folgenden Voraussetzungen gege-
ben sind: a) die Gesamtnote mindestens 4.0 beträgt; b) höchstens in zwei
Prüfungsteilen eine Note unter 4.0 erteilt wird; c) keine Prüfungsteilnote
unter 3.0 liegt.
3.3 Die Beschwerdeführerin erzielte eine gewichtete Gesamtnote von 4.1.
In den Teilprüfungen Unternehmensführung schriftlich (3.5) und Immobili-
entreuhand mündlich (2.5) wurde sie mit Noten unter 4.0 bewertet. Damit
erfüllt die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen a) und b) von Ziff. 6.41
zum Bestehen der Prüfungen. Aufgrund der Note 2.5 in der Teilprüfung Im-
mobilientreuhand mündlich erfüllt sie jedoch Voraussetzung c) nicht, wes-
halb die Erstinstanz die höhere Fachprüfung als nicht bestanden qualifi-
zierte.
4.
Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung einer mündlichen Ver-
handlung. Da sie seit über einem Jahr schriftlich gegen den Entscheid vor-
gehen müsse, sei der Zeitpunkt für eine mündliche Verhandlung und die
Chance, sich persönlich zu äussern, angebracht.
Gemäss Art. 40 Abs. 1 VGG ordnet der Instruktionsrichter eine öffentliche
Parteiverhandlung an, wenn es eine Partei verlangt oder gewichtige öffent-
liche Interessen es rechtfertigen, soweit zivilrechtliche Ansprüche oder
strafrechtliche Anklagen im Sinne von Art. 6 Abs. 1 EMRK zu beurteilen
sind. Die vorliegende Sache fällt jedoch nicht in den sachlichen Geltungs-
bereich von Art. 6 Abs. 1 EMRK (vgl. Urteil des EGMR van Marle und an-
dere gegen die Niederlande vom 26. Juni 1986, Serie A Band 101, §27-
38), weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine mündliche
öffentliche Verhandlung hat. Des Weiteren ist das Verwaltungsverfahren
vom Grundsatz der Schriftlichkeit geprägt (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 182 f.
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Seite 7
Rz. 3.85/3.86) und ein Anspruch auf mündliche Anhörung besteht nicht
(BGE 134 I 140 E. 5.3). Der entscheiderhebliche Sachverhalt erschliesst
sich vorliegend in hinreichender Weise aus den Akten. Auf die beantragte
persönliche Anhörung kann daher in antizipierter Beweiswürdigung ver-
zichtet werden. Der Antrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
in Form der Verweigerung des Akteneinsichtsrechts geltend. Sie bringt vor,
ihr seien die Expertenblätter und die Notizen des Expertenteams unge-
rechtfertigter Weise nicht herausgegeben worden.
5.2 Das Recht auf Akteneinsicht im nichtstreitigen Verwaltungsverfahren
und in der Verwaltungsrechtspflege beinhaltet die Befugnis, am Sitz der
Akten führenden Behörde selbst Einsicht in die Unterlagen zu nehmen,
sich Aufzeichnungen zu machen und, wenn dies der Behörde keine über-
mässigen Umstände verursacht, Fotokopien zu erstellen (vgl. Art. 26
VwVG; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.
2016, Rz. 1020 m.w.H.). Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich dabei auf
sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die geeignet sind, Grundlage des
Entscheides zu bilden (BGE 132 V 387 E. 3.2). Nicht in den Anwendungs-
bereich des Akteneinsichtsrechts fallen jedoch sogenannte verwaltungsin-
terne Akten. Dabei handelt es sich um Unterlagen, denen für die Behand-
lung des Falles kein Beweischarakter zukommt, sondern die ausschliess-
lich der verwaltungsinternen Meinungsbildung dienen und für den verwal-
tungsinternen Gebrauch bestimmt sind (BGE 115 V 297 E. 2 g/aa; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1021 m.w.H.).
Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts und nach vorherr-
schender Lehre unterliegen persönliche Aufzeichnungen der Examinato-
ren im Hinblick auf die anschliessende Beratung als rein interne Notizen,
die nicht zu den Verfahrensakten gehören, nicht der Akteneinsicht (vgl. Ur-
teil des BGer 2D_2/2010 vom 25. Februar 2011 E. 6 m.w.H.; STEPHAN
BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, N. 38 zu Art. 26
VwVG). Handnotizen haben keinen Beweischarakter; ihnen kommt ledig-
lich die Bedeutung eines Hilfsbeleges zur Vorbereitung des Entscheides zu
(vgl. Urteil des BGer 2P.23/2004 vom 13. August 2004 E. 2.4). Nur Proto-
kolle, die von den Examinatoren aufgrund einer formellen Vorschrift erstellt
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Seite 8
wurden, gelten als Bestandteil der erheblichen und einsehbaren Prüfungs-
akten (vgl. Urteile des BVGer B-1129/2016 vom 22. August 2017 E. 3.2,
B-3542/2010 vom 14. Oktober 2010 E. 7 und B-6256/2009 vom 14. Juni
2010 E. 4.1). Vorliegend besteht indes gerade keine Vorschrift, wonach die
Experten an der mündlichen Prüfung ein Protokoll zu erstellen hätten. Na-
mentlich bildet die in Ziff. 4.43 der Prüfungsordnung verankerte Verpflich-
tung der Experten, Notizen zum Prüfungsgespräch und zu dessen Ablauf
zu erstellen, keine Pflicht zur Protokollierung der mündlichen Prüfung (vgl.
Urteile des BVGer B-3560/2013 vom 13. Januar 2014 E. 5.4.2 und
B-6604/2010 vom 29. Juni 2011 E. 5.3.1 m.w.H.). Damit unterliegen die
während der mündlichen Prüfung von den Experten gemachten Notizen
nicht der Akteneinsicht. Gleiches gilt für die Expertenblätter, welche die Be-
schwerdeführerin zu Beginn der Prüfung aus Versehen erhalten hat. Diese
dienen den Experten als Vorbereitung auf die mündliche Prüfung und ent-
halten mögliche Themenkreise und Fragestellungen, welche mit dem Kan-
didaten während der Prüfung diskutiert werden könnten. Sie sind einzig
zum verwaltungsinternen Gebrauch bestimmt und unterliegen dem Akten-
einsichtsrecht nicht. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass die Vor-
instanz der Beschwerdeführerin den wesentlichen Inhalt dieses zweiseiti-
gen Blattes mitgeteilt hat (vgl. Schreiben der Vorinstanz an die Beschwer-
deführerin vom 14. März 2017). Die Rüge erweist sich als unbegründet.
6.
6.1
6.1.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es liege ein gravierender
Verfahrensfehler vor. Ihr seien zu Beginn der mündlichen Prüfung, zusätz-
lich zur Fallstudie, mehrere Expertenblätter ausgehändigt worden. Die zu-
sätzlichen Dokumente hätten sie derart überlastet, dass sie sich nur unge-
nügend auf die Prüfung habe vorbereiten können. Die Betitelung der Blät-
ter habe sie in der Stresssituation und der kurzen Vorbereitungszeit nicht
beachten können. Der Verfahrensfehler stelle zudem eine Ungleichbe-
handlung gegenüber Mitkandidatinnen und Mitkandidaten dar. Den Fehler
der Experten habe sie erst während den Gesprächen mit anderen Kandi-
daten erkannt, was eine Beschwerde während der Prüfung ausschliesse.
Die Vorinstanz bringt diesbezüglich vor, nach einer kurzen Übersicht hätte
die Beschwerdeführerin die Experten ohne weiteres spätestens am Ende
der Prüfung auf die zusätzlichen Blätter aufmerksam machen müssen. Es
sei nicht nachvollziehbar, dass sie die Situation nicht vor Ort geklärt habe.
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Seite 9
6.1.2 Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV) und
dem Verbot des Rechtsmissbrauchs (Art. 2 Abs. 2 ZGB) ist es unzulässig,
formelle Rügen, die in einem früheren Verfahrensstadium hätten geltend
gemacht werden können, später noch vorzubringen (vgl. BGE 135 III 334
E. 2.2 und Urteil des BGer 5A_837/2012 vom 25. Juni 2013 E. 5, je
m.w.H.). Insbesondere widerspricht es dem Prinzip von Treu und Glauben,
Verfahrensmängel im Prüfungsablauf erst nach negativem Prüfungsbe-
scheid zu rügen, obwohl es zumutbar gewesen wäre, sie sofort geltend zu
machen (Urteile des BVGer B-6465/2013 vom 18. Mai 2015 E. 4.1.2,
A-3274/2012 vom 25. März 2013 E. 1.5.1 und B-772/2012 vom 21. Januar
2013 E. 2.6, je m.w.H.).
6.1.3 Gemäss den übereinstimmenden Aussagen der Parteien kann davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn der Prü-
fung Immobilientreuhand mündlich neben dem eigentlichen Aufgabenblatt,
welches aus zwei A4-Seiten bestand, noch zwei A4-Blätter bekommen hat,
welche für die Experten bestimmt gewesen wären. Die Parteien stimmen
ebenfalls darin überein, dass sich die Beschwerdeführerin weder vor noch
direkt nach der Prüfung an die Experten gewandt und diese auf ihr Miss-
geschick aufmerksam gemacht hat. Die Beschwerdeführerin führt diesbe-
züglich aus, sie habe erst später gemerkt, dass ihr zusätzliche Blätter, die
nicht für sie bestimmt gewesen seien, ausgehändigt worden seien. Dieses
Vorbringen der Beschwerdeführerin ist als Schutzbehauptung zu werten.
Bereits aufgrund der Anmerkung auf den Expertenblättern, auf welchen
oben links mit fetter Schrift „für die Expertin / den Experten“ geschrieben
steht, muss ihr klar gewesen sein, dass diese beiden Blätter nicht für sie
bestimmt gewesen waren. Spätestens bei der Lektüre des Textes der Blät-
ter hätte ihr auffallen müssen, dass diese sich nicht an die Prüfungskandi-
daten richten. Die Beschwerdeführerin führte sodann in ihrem Beschwer-
deschreiben an die Vorinstanz vom 25. Oktober 2016 auch aus, dass sie
verwirrt gewesen sei. Hätte sie sich gleich zu Beginn an die anwesenden
Experten gewendet, hätte die Verwirrung schnell aufgelöst werden können.
Ein Ansprechen der Experten auf die zusätzlichen Blätter wäre der Be-
schwerdeführerin – auch unter Berücksichtigung der Prüfungssituation, in
der sie sich befunden hat – ohne weiteres zumutbar gewesen. Indem sie
ihre Rüge erstmals auf Stufe des vorinstanzlichen Beschwerdeverfahrens
vorbringt, verstösst sie gegen den Grundsatz von Treu und Glauben. Damit
stösst auch die Rüge der rechtsungleichen Behandlung ins Leere.
B-7258/2017
Seite 10
6.2
6.2.1 Die Vorinstanz bringt in der angefochtenen Verfügung vor, die zu be-
urteilende Situation habe für die Beschwerdeführerin keinen Nachteil dar-
gestellt. Als einzige Prüfungsteilnehmerin habe sie die Möglichkeit gehabt,
den roten Faden der Experten einzusehen. Das sei ein nicht zu unterschät-
zender Vorteil.
Dem entgegnet die Beschwerdeführerin, in Anbetracht der fünfminütigen
Vorbereitungszeit und des Gutglaubens auf fehlerfreie Dokumente könne
zu keinem Zeitpunkt von einem Vorteil ausgegangen werden.
6.2.2 Mängel im Prüfungsablauf stellen nur dann einen rechtserheblichen
Verfahrensmangel dar, wenn sie das Prüfungsergebnis eines Kandidaten
in kausaler Weise entscheidend beeinflussen können oder beeinflusst ha-
ben (vgl. Urteile des BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni 2010 E. 5.2 und
1P.420/2000 vom 3. Oktober 2000 E. 4b). Eine Beeinträchtigung muss so
schwerwiegend sein, dass sie nach dem Lauf der Dinge und der allgemei-
nen Lebenserfahrung geeignet ist, die Feststellung der Leistungsfähigkeit
und des Wissens des Kandidaten zu verunmöglichen oder doch wesentlich
zu erschweren (vgl. Urteil des BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni 2010 E. 5.3.1
m.w.H.; Urteil des BVGer B-822/2016 vom 24. August 2017 E. 7.1).
6.2.3 Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass der Verfahrensfehler die
Feststellung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin verunmöglicht
oder wesentlich erschwert hat. Die Beschwerdeführerin hat zur Vorberei-
tung des Gesprächs mit den Experten vier A4-Seiten erhalten. Die ersten
beiden enthielten die Anleitung und die Aufgabenstellung, die beiden an-
deren waren die Expertenblätter. Es dürfte genügend Vorbereitungszeit
(fünf Minuten) zur Verfügung gestanden haben, den gesamten Text der
Aufgabe sowie ebenfalls die Expertenblätter durchzulesen, zumal die erste
Seite nur sehr wenige Informationen enthält. Selbst unter der Annahme,
dass die Beschwerdeführerin nicht gemerkt hat, dass ihr neben der Prü-
fungsaufgabe auch die Expertenblätter ausgeteilt wurden, sollte es für sie
ohne weiteres möglich gewesen sein, mit den Prüfungsexperten ein Kun-
dengespräch über den kurzen Sachverhalt der Aufgabe zu führen und ihr
Wissen darzulegen. Zwar sind Störungen und Ablenkungen, welche die
Konzentrationsfähigkeit der Kandidaten beeinträchtigen könnten, zu ver-
meiden. Der vorliegende Sachverhalt ist jedoch nicht als schwerwiegende
Störung im Sinne der in Erwägung 6.2.2 zitierten Rechtsprechung zu qua-
B-7258/2017
Seite 11
lifizieren. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, hat die Beschwerdefüh-
rerin durch die Einsicht in mögliche Fragen der Experten eher ein Vorteil
gehabt, auch wenn dieser angesichts der beschränkten Vorbereitungszeit
nur minim gewesen sein dürfte.
6.3 Zusammenfassend liegt kein rechtserheblicher Verfahrensfehler vor.
Selbst in der Annahme, dass ein solcher vorgelegen hat, wäre es für die
Beschwerdeführerin zumutbar gewesen, diesen bereits während der Prü-
fung vorzubringen. Mit der Geltendmachung des angeblichen Verfahrens-
fehlers erst nach dem negativen Prüfungsentscheid verstösst sie gegen
Treu und Glauben.
7.
7.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Unangemessenheit in der Beurtei-
lung der mündlichen Prüfung im Fach Immobilientreuhand. Sie beantragt,
die Bewertung sei auf die Note 3.0 festzulegen.
7.2 Die Erstinstanz nahm im vorinstanzlichen Verfahren mit Eingabe vom
7. Februar 2017 zur Rüge der Beschwerdeführerin Stellung. Sie führte aus,
die Gesprächsleitung sei während der gesamten Prüfung primär auf Seiten
der Experten gelegen. Die Beschwerdeführerin habe verschiedene Mög-
lichkeiten verpasst, diese an sich zu nehmen. Die Empfehlungen der Be-
schwerdeführerin seien langatmig, unpräzise und wenig sachdienlich ge-
wesen. Sie habe keine sattelfeste Beratung anbieten können. Ihr sei es
nicht gelungen, die Aufgabenstellung zu analysieren, die Zusammenhänge
aufzuzeigen und Chancen und Risiken korrekt auszuwerten. Insgesamt
weise die Beschwerdeführerin in der Sozial- und Methodenkompetenz ein
Manko auf und in der Fachkompetenz sehr grosse Wissenslücken. Im Be-
reich Immobilientreuhand mündlich ergebe sich somit weiterhin die Ge-
samtnote 2.5.
Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, aus der Stellung-
nahme der Erstinstanz würden sich keine Hinweise ergeben, dass die Leis-
tung der Beschwerdeführerin willkürlich bewertet worden sei. Auch die Be-
schwerdeführerin vermöge mit ihren Ausführungen im vorinstanzlichen
Verfahren keine begründeten Zweifel wecken. Die Bewertung ihrer Prü-
fungsleistung im mündlichen Prüfungsteil Immobilientreuhand erweise sich
als korrekt. Aus den Akten seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach
in der Prüfung zu hohe Anforderungen gestellt oder die Leistungen der Be-
schwerdeführerin offensichtlich unterbewertet worden seien.
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Seite 12
In der Beschwerdeschrift führt die Beschwerdeführerin aus, anhand ihres
Notenausweises könne sie belegen, dass sie am selben Tag die nötige So-
zial- wie auch Methodenkompetenz in einer gleichwertigen mündlichen
Prüfung (Unternehmensführung) der gleichen Prüfungskommission darge-
legt und die Note 5.0 erreicht habe. Zudem habe sie ihre Fachkompetenz
im umfassenden schriftlichen Prüfungsteil „Immobilientreuhand“ mit der
Note 4.0 bewiesen. Ihre Bewertung sei willkürlich und laufe dem allgemei-
nen Gerechtigkeitsempfinden zuwider.
7.3 Vorliegend hat sich die Erstinstanz eingehend mit den Vorbringen der
Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Diese führt detailliert und für je-
des Beurteilungskriterium einzeln aus, warum die Leistungen der Be-
schwerdeführerin in der mündlichen Prüfung Immobilientreuhand stark un-
genügend ausgefallen sind. Die Beurteilung ist überzeugend und gut nach-
vollziehbar. Die Beschwerdeführerin setzt sich mit diesen Ausführungen
nicht substantiiert auseinander. Sie bringt einzig vor, dass sie in anderen
Prüfungen in den benoteten Kriterien (Sozialkompetenz, Methodik, Fach-
wissen) überzeugt habe. Aus ihrer Performance in anderen Prüfungen
kann sie jedoch nichts bezüglich der im Streit liegenden Bewertung für den
Prüfungsteil Immobilientreuhand mündlich ableiten. Vorliegend bestehen
keine Anhaltspunkte, dass eindeutig zu hohe Anforderungen gestellt wor-
den seien oder die Prüfungsleistung der Beschwerdeführerin in der Teilprü-
fung Immobilientreuhand mündlich eindeutig unterbewertet worden wäre.
Die Rüge der Unangemessenheit erweist sich als unbegründet. Die Bewer-
tung in der Teilprüfung Immobilientreuhand mündlich mit der erteilten Note
(2.5) ist nicht zu beanstanden.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung kein Bundesrecht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden
ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist im Haupt- und Eventualbegehren
abzuweisen.
9.
Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Spruchge-
bühr richtet sich nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der
Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis VwVG
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und Art. 2 Abs. 1 VGKE). Sie ist auf Fr. 1‘000.– festzusetzen. Der einbe-
zahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwen-
det. Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).
10.
Gemäss Art. 83 Bst. t BGG kann dieses Urteil nicht mit Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Schweizerische Bundesge-
richt weitergezogen werden. Der vorliegende Entscheid ist endgültig.
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘000.– werden der Beschwerdeführerin auf-
erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah-
renskosten verwendet.
3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
4.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beschwerdebeilagen zurück)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. 5600 / hjh; Einschreiben; Vorakten zurück)
– die Erstinstanz (Einschreiben)
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Daniel Willisegger Pascal Waldvogel
Versand: 20. März 2018