Entscheid vom 20. Mai 2020
Beschwerdekammer
Besetzung Bundesstrafrichter
Roy Garré, Vorsitz,
Cornelia Cova und Stephan Blättler,
Gerichtsschreiberin Inga Leonova
Parteien
A. INC., vertreten durch Rechtsanwalt Ivan Paparelli,
Beschwerdeführerin
gegen
BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Zentralstelle USA,
Beschwerdegegner
Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an die
Vereinigten Staaten von Amerika
Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG)
B u n d e s s t r a f g e r i c h t
T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l
T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e
T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l
Geschäftsnummer: RR.2020.67
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Sachverhalt:
A. Die amerikanischen Behörden führen umfangreiche Ermittlungen gegen di-
verse Personen, die mit der Gesellschaft B. S.A. und/oder ihren Tochterge-
sellschaften und ihr verbundenen Unternehmen in Verbindung stehen. Sie
werden verdächtigt, Bestechungszahlungen unter anderem an Amtsträger
der Gesellschaft B. S.A. geleistet und Geldwäsche betrieben zu haben. In
diesem Zusammenhang ersuchten die amerikanischen Behörden die
Schweiz am 2. Mai 2017, ergänzt am 13. Oktober 2017 und 18. April 2018,
um Rechtshilfe.
B. Derzeit führen die amerikanischen Behörden ein Strafverfahren unter ande-
rem gegen D. und E., den ehemaligen Geschäftsführer bei B. S.A. für Ve-
nezuela, wegen des Verdachts der Bestechung und Geldwäscherei. Mit er-
gänzendem Rechtshilfeersuchen vom 8. April 2019 gelangte das US-
Justizministerium an die Schweiz und ersuchte unter anderem um Heraus-
gabe von Unterlagen zum Konto Nr. 1 bei der Bank F. und zum Konto Nr. 2
bei der Bank G., die auf die A. Inc. lauten und von D. und/oder E. kontrol-
liert werden. Im Ersuchen vom 8. April 2019 wird zusammenfassend aus-
geführt, dass E. im Rahmen des Bestechungs- und Geldwäschereikom-
plotts von B. S.A. Bestechungsgelder an D. weitergeleitet habe, welche D.
anschliessend unter anderem auf Schweizer Konten transferiert habe. Eini-
ge dieser Gelder habe D. für den Kauf von Immobilien in den USA verwen-
det. Zudem habe E. von D. Provisionen (sog. Kickback payments) über
Schweizer Konten erhalten, die von E. allein oder zusammen mit D. verwal-
tet worden seien. Auch diese Provisionsgelder seien möglicherweise für
Immobilienkäufe in den USA verwendet worden (act. 1.6).
C. Mit Eintretensverfügung vom 5. Juni 2019 entsprach die Zentralstelle USA
des Bundesamtes für Justiz (nachfolgend «BJ») dem amerikanischen Er-
suchen. Da die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») gegen D. bereits
seit dem 24. Februar 2017 ein Strafverfahren führte (act. 1.3), betraute das
BJ die BA mit der Ausführung des Ersuchens vom 8. April 2019 und forder-
te die BA auf, ihr die von der ersuchenden Behörde angeforderten Bankun-
terlagen einzureichen (act. 1.5). Die Unterlagen zu den auf die A. Inc. lau-
tenden Konten bei der Bank F. und der Bank G. mit den Stamm-Nrn. 3 und
2 reichte die BA dem BJ am 26. Juli 2019 ein.
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D. Das BJ teilte der A. Inc. am 13. November 2019 mit, dass sie in Erwägung
ziehe, die Unterlagen zu den auf sie lautenden Konten bei der Bank F. und
der Bank G. an die ersuchende Behörde herauszugeben. Des Weiteren
stellte das BJ der A. Inc. die Verfahrensakten zu und gewährte ihr das
rechtliche Gehör (act. 1.7).
E. Am 6. Dezember 2019 stellte die BA das gegen D. geführte Strafverfahren
wegen des Verdachts der Geldwäscherei ein (act. 1.8).
F. Am 7. Januar 2020 verweigerte die A. Inc. ihre Zustimmung zur vereinfach-
ten Ausführung des Ersuchens und ersuchte um Erstreckung der ihr ange-
setzten Frist zur Einreichung einer Stellungnahme bis zum 20. Januar 2020
(Verfahrensakten BJ, E-Mail von Rechtsanwalt Ivan Paparelli vom 7. Janu-
ar 2020). Mit Schreiben vom 14. Januar 2020 (mit Kopie per E-Mail) er-
suchte die A. Inc. das BJ, ihr Einsicht in das amerikanische Ersuchen vom
2. Mai 2017 sowie dessen Ergänzungen vom 13. Oktober 2017 und 18. Ap-
ril 2018 zu gewähren (act. 1.9). Das BJ teilte der A. Inc. mit Schreiben vom
14. Januar 2020 mit, dass ihr sämtliche entscheidrelevanten Akten bereits
zugestellt worden seien und dass es sich bei seinem Entscheid auf keine
weiteren Unterlagen stützen werde (act. 1.10). Seinem Schreiben vom
14. Januar 2020 legte das BJ das amerikanische Ersuchen vom
2. Mai 2017 in teilweise geschwärzter Version bei (act. 1.11).
G. Am 20. Januar 2020 verweigerte die A. Inc. gegenüber dem BJ ihre Zu-
stimmung zur vereinfachten Ausführung des Ersuchens gemäss Art. 12a
BG-RVUS und nahm zur beabsichtigten Herausgabe der Bankunterlagen
Stellung (act. 1.12).
H. Mit Schlussverfügung vom 31. Januar 2020 verfügte das BJ die Herausga-
be der Unterlagen zu den beiden Konten bei der Bank F. und Bank G. an
die ersuchende Behörde (act. 1.2).
I. Dagegen liess die A. Inc. am 4. März 2020 bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben. Sie beantragt die kostenfällige
Aufhebung der Schlussverfügung vom 31. Januar 2020 (act. 1).
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J. Mit Schreiben vom 5. April 2020 teilte das BJ dem Gericht mit, dass es auf
die Einreichung einer begründeten Beschwerdeantwort verzichte und die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde beantrage (act. 9). Das Schrei-
ben des BJ wurde der A. Inc. am 6. April 2020 zur Kenntnis gebracht
(act. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen den USA und der Schweiz sind primär der
Staatsvertrag vom 25. Mai 1973 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft und den Vereinigten Staaten von Amerika über gegenseitige
Rechtshilfe in Strafsachen (RVUS; SR 0.351.933.6) sowie das Bundesge-
setz vom 3. Oktober 1975 zu diesem Staatsvertrag (BG-RVUS; SR 351.93)
massgebend.
1.2 Soweit dieser Staatsvertrag und das BG-RVUS bestimmte Fragen nicht
abschliessend regeln, gelangen das Bundesgesetz über internationale
Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG;
SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982
(Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) zur Anwendung (Art. 36a BG-
RVUS und Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt
nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses ge-
ringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (vgl. Art. 38 Abs. 1 RVUS;
BGE 145 IV 294 E. 2.1 S. 297; 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2 S. 126).
Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E.
2.1 S. 297; 123 II 595 E. 7c S. 617; TPF 2016 65 E. 1.2).
Auf Beschwerdeverfahren sind zudem die Bestimmungen des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwal-
tungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 7 Abs. 1 BG-
RVUS, Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 4 StBOG).
1.3 Die Schlussverfügung der Zentralstelle USA des BJ unterliegt zusammen
mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Art. 17 Abs. 1 BG-RVUS). Die
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entsprechende Beschwerdefrist beträgt 30 Tage ab der schriftlichen Mittei-
lung der Verfügung (Art. 17c BG-RVUS). Zur Beschwerdeführung ist be-
rechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betrof-
fen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ände-
rung hat (Art. 17a BG-RVUS). Als persönlich und direkt betroffen gilt na-
mentlich der Kontoinhaber bei der Erhebung von Informationen hinsichtlich
des auf ihn lautenden Kontos (BGE 137 IV 134 E. 5.2.1 S. 138; 130 II
162 E. 1.3 S. 165; 128 II 211 E. 2.3-2.5; 124 II 180 E. 1b; 118 Ib 547 E. 1d;
TPF 2011 131 E. 2.2).
1.4 Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin der von der Schlussverfügung be-
troffenen Bankkonten und damit zur Anfechtung der entsprechenden
Rechtshilfemassnahmen legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, die Darstellung des amerika-
nischen Ersuchens genüge den Anforderungen von Art. 29 RVUS und Art.
10 Abs. 1 BG-RVUS nicht (act. 1, S. 3, 7).
2.2 Art. 29 Ziff. 1 RVUS umschreibt den notwendigen Inhalt des Ersuchens.
Dieses muss Gegenstand und Art der Untersuchung sowie eine Beschrei-
bung der wesentlichen behaupteten oder festzustellenden Handlungen
enthalten (lit. a) und den Hauptgrund für die Erforderlichkeit der gewünsch-
ten Beweise oder Auskünfte nennen (lit. b). Die Darstellung des Sachver-
halts muss ausreichen, um den schweizerischen Behörden ein Urteil dar-
über zu erlauben, ob die den Betroffenen vorgeworfenen Handlungen nach
den Rechten beider Staaten strafbar sind, ob die fraglichen Handlungen
nicht zu denjenigen gehören, für die Rechtshilfe nicht gewährt wird (politi-
sche oder fiskalische Delikte) und ob, insbesondere bei Eingriffen in die
Rechte Dritter, der Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht verletzt wird.
Art. 1 Ziff. 2 RVUS, der den begründeten Verdacht einer strafbaren Hand-
lung verlangt, bedeutet nur, dass die Verdachtsumstände in ausreichender
Form dargelegt sein müssen, um das Rechtshilfeverfahren von einer blos-
sen – unzulässigen – Beweisausforschung aufs Geratewohl hin abzugren-
zen; dagegen werden keine Beweise verlangt. Tat- und Schuldfragen sind
nicht vom Rechtshilferichter, sondern durch den ausländischen Sachrichter
zu beurteilen. Die schweizerischen Rechtshilfebehörden sind an die Sach-
darstellung des Ersuchens gebunden, soweit diese nicht offensichtliche
Fehler, Lücken oder Widersprüche enthält (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts 1A.9/2006 vom 24. Februar 2006 E. 3.1; Entscheid des
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Bundesstrafgerichts RR.2016.74 vom 16. Februar 2017 E. 5.2 und E. 5.3;
je m.w.H.).
2.3 Dem Rechtshilfeersuchen vom 8. April 2019 lässt sich im Wesentlichen fol-
gender Sachverhalt entnehmen (act. 1.6):
Die Empfänger und Zahler von Bestechungsgeldern von B. S.A. hätten
ausgeklügelte Geldwäschereihandlungen betrieben, um die Korruptions-
zahlungen zu verschleiern. Dies oftmals mit Hilfe von professionellen
Geldwäschern und anderen Personen. Im Rahmen dieser Praktiken hätten
B. S.A. und seine Mittler oftmals mehrere, auf den gleichen Namen lauten-
de Konten bei verschiedenen Finanzinstituten eröffnet, um die Geldwä-
scherei zu unterstützen und das Risiko von Compliance-Anfragen zu sen-
ken. D. habe sich im Jahr 2006 an E. gewendet und E. habe sein Angebot
angenommen, zwischen B. S.A. und H. zu vermitteln. H. sei der venezola-
nische Betreiber des I.-Projekt Kernkraftprojekts, für welches B. S.A. einen
Vertrag erhalten habe. In der Folge habe B. S.A. ca. zwischen 2006 und
2009 über Konten seiner Abteilung für strukturierte Arbeitsabläufe («DSO»)
Zahlungen an D. vorgenommen. Die amerikanischen Behörden gehen da-
von aus, dass D. einen Teil dieser Gelder an venezolanische Regierungs-
beamte weitergeleitet habe, damit diese im Zusammenhang mit dem I.-
Projekt zugunsten von B. S.A. handelten. Den amerikanischen Behörden
würden zudem Beweise vorliegen, dass D. zwischen 2009 und 2016 unter
anderem von den von der DSO genutzten Konten Gelder erhalten habe,
und dass diese Zahlungen direkt oder indirekt auf von D. kontrollierte Kon-
ten in der Schweiz erfolgt seien. Des Weiteren hätten die Ermittlungen er-
geben, dass D. zwischen 2009 und 2015 Gelder von B. S.A. auf Schweizer
Konten überwiesen habe, die unter seinem Namen und demjenigen von E.
geführt worden seien, und dass es sich bei diesen Zahlungen um Provisio-
nen im Zusammenhang mit dem Bestechungskomplott von B. S.A. handeln
könnte. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Gelder von B. S.A. unter
anderem über die Konten der A. Inc. mit den Nrn. 1 und 2 bei der Bank F.
resp. der Bank G. gelaufen und/oder auf ihnen verblieben seien, die von D.
und/oder E. kontrolliert werden. Schliesslich hätten die amerikanischen Be-
hörden Beweise dafür, dass Gelder aus den im Ersuchen genannten Kon-
ten zum Kauf von Immobilien in der Gegend von Miami, Florida, und Bos-
ton, Massachusetts, zugunsten von D. und/oder E. verwendet worden sei-
en.
2.4 Der Sachverhalt beschreibt im erforderlichen Umfang den Gegenstand und
legt die Art der Untersuchung sowie den Verdacht der Bestechung und
Geldwäschereihandlungen in ausreichender Form dar. Die Sachverhalts-
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darstellung enthält weder offensichtlichen Fehler, Lücken noch Widersprü-
che. Nach dem Gesagten ist der im Ersuchen vom 8. April 2019 dargestell-
te Sachverhalt für den Rechtshilferichter bindend und den nachfolgenden
Erwägungen zugrunde zu legen. Dass dem Ersuchen die darin erwähnten
Beweise für die den Beschuldigten gemachten Vorwürfe nicht beigelegt
wurden, ändert an dieser Schlussfolgerung nichts. Das Einreichen von Be-
weismitteln schreibt der RVUS nicht vor (vgl. Art. 29 RVUS).
2.5 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin lässt sich gestützt auf die
Darstellung im Ersuchen auch die doppelte Strafbarkeit beurteilen. Na-
mentlich geht aus dem Ersuchen ausreichend hervor, dass D. zwischen der
H. und B. S.A. vermittelte und von E. Gelder erhalten habe. Diese habe D.
unter anderem an venezolanische Regierungsmitglieder weitergeleitet, da-
mit diese zugunsten von B. S.A. entschieden. Als Vortat der Geldwäscherei
nahm der Beschwerdegegner gestützt auf die Angaben im Ersuchen rich-
tigerweise den Tatbestand der Bestechung an, der im Übrigen in der Liste
zum RVUS aufgeführt wird (Ziff. 22). Nicht zu bemängeln ist, dass die er-
suchende Behörde die Bestechungshandlungen als Vortat nur allgemein
umschreibt. Im Rechtshilfeverkehr ist dies nicht unüblich, zumal über die
Vortat oftmals (noch) keine genaueren Kenntnisse vorliegen. Im Bereich
der Geldwäscherei ist es als ausreichend zu erachten, wenn das Rechtshil-
feersuchen verdächtige, geldwäschereitypische Handlungen schildert
(BGE 130 II 329 E. 5.1; 129 II 97 E. 3; ENGLER, Basler Kommentar, Interna-
tionales Strafrecht, 2015, Art. 28 IRSG N. 21). Die D. und E. vorgeworfenen
Handlungen, namentlich der Transfer von Gelder ins Ausland, die mut-
masslich aus Bestechungshandlungen stammen oder Provisionen für die
Leistung von Bestechungsgeldern darstellen, können prima facie als Geld-
wäschereihandlungen i.S.v. Art. 305bis StGB qualifiziert werden (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_416/2019 vom 4. Juli 2019 E. 4). Daran vermag
auch der Umstand nichts zu ändern, dass die BA das in der Schweiz gegen
D. eröffnete Verfahren am 6. Dezember 2019 eingestellt hat. Im Gegensatz
zum nationalen Strafverfahren wird im Rechtshilfeverfahren nur eine prima
facie Beurteilung des hinreichenden Tatverdachts vorgenommen und die
Rechtshilfebehörde stützt sich hauptsächlich auf die Ausführungen der er-
suchenden Behörde.
2.6 In diesem Zusammenhang sei der Vollständigkeit halber angemerkt, dass
die Sachverhalte, Straftaten und Zielpersonen der amerikanischen Ermitt-
lungen, die im Ersuchen vom 2. Mai 2017 und dessen Ergänzungen er-
wähnt wurden, in das Ersuchen vom 8. April 2019 Eingang fanden (act. 1.6,
S. 2 f.). Gegenstand des vorliegenden Rechtshilfeersuchens bildet nur das
ergänzende Ersuchen vom 8. April 2019, mit welchem unter anderem um
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Herausgabe von Bankunterlagen zu den auf die Beschwerdeführerin lau-
tenden Konten ersucht wurde. Mithin hatte der Beschwerdegegner lediglich
das Ersuchen vom 8. April 2019 zu beurteilen, das hierzu alle nötigen Ele-
mente enthält und ohne Weiteres unabhängig von den früheren Ersuchen
beurteilt werden kann. In diesem Sinne teilte der Beschwerdegegner der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 14. Januar 2020 mit, dass er sich
bei seinem Entscheid nur auf das Ersuchen vom 8. April 2019 stützen wer-
de (act. 1.10). Dementsprechend ist auch nicht zu bemängeln, dass der
Beschwerdegegner der Beschwerdeführerin das Ersuchen vom 2. Mai
2017 nicht sogleich, sondern erst auf Anfrage und in teilweise geschwärzter
Form zustellte. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist
unter diesen Umständen nicht zu erkennen.
3.
3.1 Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 3
lit. b RVUS geltend und bringt vor, dass das gegen D. eröffnete Strafverfah-
ren wegen derselben Vorwürfe von der BA am 6. Dezember 2019 einge-
stellt worden sei (act. 1, S. 3, 8 ff.).
3.2
3.2.1 Gemäss Art. 3 Ziff. 1 lit. b RVUS kann die Rechtshilfe verweigert werden,
soweit das Ersuchen sich auf die Strafverfolgung einer anderen, als einer
unter Art. 6 Abs. 2 RVUS fallenden Person bezieht und Handlungen betrifft,
aufgrund derer sie im ersuchten Staat wegen einer im Wesentlichen ent-
sprechenden Straftat rechtskräftig freigesprochen oder verurteilt wurde,
und eine allfällig verhängte Sanktion noch vollzogen wird oder bereits voll-
zogen ist.
3.2.2 Der Grundsatz «ne bis in idem» ergibt sich aus Art. 4 des Protokolls Nr. 7
zur EMRK vom 22. November 1984 (SR 0.101.07), wonach niemand we-
gen einer strafbaren Handlung, wegen der er bereits nach dem Gesetz
oder dem Strafverfahrensrecht eines Staates rechtskräftig verurteilt oder
freigesprochen worden ist, in einem Strafverfahren desselben Staates er-
neut vor Gericht gestellt oder bestraft werden darf (Abs. 1). Er ergibt sich
auch aus Art. 14 Abs. 7 des Internationalen Paktes vom 16. Dezember
1966 über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II; SR 0.103.2),
wonach niemand wegen einer strafbaren Handlung, wegen der er bereits
nach dem Gesetz und dem Strafverfahrensrecht des jeweiligen Landes
rechtskräftig verurteilt oder freigesprochen worden ist, erneut verfolgt oder
bestraft werden darf. Er gilt nach der Praxis des Bundesgerichtes ausser-
dem als Grundsatz des Bundesstrafrechts (vgl. Art. 11 Abs. 1 StPO) und
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lässt sich direkt aus der Bundesverfassung ableiten. Sodann wird gemäss
Art. 5 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 IRSG einem Rechtshilfeersuchen nicht entspro-
chen, wenn der Richter den Verfolgten in der Schweiz oder im Tatortstaat
freigesprochen oder wenn er das Verfahren aus materiellrechtlichen Grün-
den eingestellt hat (vgl. zum Ganzen BGE 128 II 355 E. 5.2 m.w.H.).
3.2.3 Entscheiden über den Verzicht auf Strafverfolgung (Einstellung, Nichtan-
handnahme), welche eine Wiederaufnahme des Verfahrens für den Fall
des Auftauchens neuer Beweise oder Tatsachen nicht ausschliessen,
kommt gemäss ständiger Rechtsprechung im Rechtshilfeverkehr keine
Sperrwirkung im Sinne des Grundsatzes «ne bis in idem» zu (BGE 110 Ib
385 E. 2b; TPF 2010 91 E. 2.2 und 2.3; vgl. zuletzt u.a. Entscheid des
Bundesstrafgerichts RR.2016.252 vom 27. Januar 2017 E. 6.6.3 m.w.H.).
3.2.4 Auf das Prinzip «ne bis in idem» berufen kann sich nur, wer daran ein
schutzwürdiges Interesse hat (vgl. Art. 80h lit. b IRSG). Daran fehlt es,
wenn die betroffene Person nicht zumindest in einem schweizerischen
Strafverfahren beschuldigt war (Urteile des Bundesgerichts 1C_534/2015
vom 22. Oktober 2015 E. 1.2; 1A.5/2007 vom 25. Januar 2008 E. 2.4 und
E. 3.5; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2016.74 vom 16. Februar
2017 E. 6.3; RR.2012.120 vom 14. März 2013 E. 4.2).
3.3 Die Beschwerdeführerin war im von der BA geführten Strafverfahren, das
mit Verfügung vom 6. Dezember 2019 eingestellt wurde, nicht Beschuldig-
te. Diese betraf lediglich D. (act.1.8). Damit fehlt es am schützenswerten In-
teresse der Beschwerdeführerin, sich auf den Grundsatz «ne bis in idem»
zu berufen. Selbst wenn sie dazu legitimiert wäre, kommt der Einstellungs-
verfügung in Bezug auf D. im Rechtshilfeverfahren keine Sperrwirkung zu
(vgl. Art. 323 StPO). Der angefochtene Entscheid ist diesbezüglich nicht zu
beanstanden und die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als
unbegründet.
3.4 Andere Hindernisse, welche der zu gewährenden Rechtshilfe entgegen-
stünden, werden weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich.
4. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr
ist auf insgesamt Fr. 5'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m.
- 10 -
Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter
Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.
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Demnach erkennt die Beschwerdekammer:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 5‘000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt,
unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.
Bellinzona, 20. Mai 2020
Im Namen der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:
Zustellung an
- Rechtsanwalt Ivan Paparelli
- Bundesamt für Justiz, Zentralstelle USA
Rechtsmittelbelehrung
Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG).
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).
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