2010/38 Landwirtschaft
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9 Wirtschaft – Technische Zusammenarbeit
Economie – Coopération technique
Economia – Cooperazione tecnica
38
Auszug aus dem Urteil der Abteilung II
i. S. A. gegen Bundesamt für Landwirtschaft
B-4448/2009 vom 21. Juni 2010
Landwirtschaft. Unzulässige Heilanpreisungen für Futtermittel. Ab-
grenzung von Futtermitteln und Tierarzneimitteln. Inverkehrbrin-
gen von unzulässigen Produkten. Verwaltungsmassnahmen.
Art. 2 Abs. 2 Bst. c, Art. 2 Abs. 2 Bst. d, Art. 14 Abs. 1, Art. 20b,
Art. 22 Abs. 1 Futtermittel-Verordnung vom 26. Mai 1999. Art. 20
Abs. 7 Bst. b FMBV. Art. 27, Art. 94 BV. Art. 169 Abs. 1 Bst. h LwG.
1. Tierarzneimittel unterscheiden sich von Futtermitteln in Zusam-
mensetzung, Eigenschaften und ihrem üblichen Zweck nach der
Verkehrsauffassung der Konsumenten. Sie sind objektiv gesehen
primär zur medizinischen Verwendung bestimmt. Heilanpreisun-
gen sind nur Indizien: Weder rechtfertigen sie die Qualifikation
als Tierarzneimittel noch schliessen sie diese aus, wenn sie fehlen
(E. 4.4).
2. Werbeaussagen für Futtermittel dürfen sich nicht auf Eigen-
schaften der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung oder Heilung
von Krankheiten beziehen. Der Krankheitsbegriff umfasst alle
gesundheitlichen Störungen, die über den Zustand bloss einge-
schränkten Wohlbefindens hinausgehen (E. 6.1–6.2).
3. Verwaltungsmassnahmen haben sich gegen den Störer zu
richten. Wer in seiner Werbung unzulässige Heilanpreisungen
für Futtermittel macht oder Futtermittel mit unzulässigen In-
haltsstoffen in Verkehr bringt, gilt als Verhaltensstörer (E. 8.1–
8.6).
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Agriculture. Allégations inadmissibles relatives aux vertus thérapeu-
tiques s'agissant d'aliments pour animaux. Distinction entre aliments
pour animaux et médicaments vétérinaires. Mise en circulation de
produits interdits. Mesures administratives.
Art. 2 al. 2 let. c, art. 2 al. 2 let. d, art. 14 al. 1, art. 20b, art. 22 al. 1
ordonnance sur les aliments pour animaux du 26 mai 1999. Art. 20
al. 7 let. b OLAlA. Art. 27, art. 94 Cst. Art. 169 al. 1 let. h LAgr.
1. Les médicaments vétérinaires se distinguent des aliments pour
animaux par leur composition, leurs propriétés et leur destina-
tion normale selon l'acception commerciale usuelle des consom-
mateurs. Ils sont, d'un point de vue objectif, destinés prioritaire-
ment à une utilisation médicale. Les allégations relatives à leurs
vertus thérapeutiques ne constituent qu'un indice: elles ne suf-
fisent ni à justifier la qualification de médicament vétérinaire ni à
l'exclure si elle fait défaut (consid. 4.4).
2. Les messages publicitaires pour des aliments pour animaux ne
doivent pas se référer à des propriétés de prévention, de diagnos-
tic, de traitement ou de guérison de maladies. Le terme « mala-
die » comprend toutes les perturbations de l'état de santé dépas-
sant une simple restriction du bien-être (consid. 6.1–6.2).
3. Les mesures administratives doivent viser le perturbateur. Celui
qui mentionne indûment des vertus thérapeutiques dans sa publi-
cité, ou qui met en circulation des aliments pour animaux conte-
nant des composants non autorisés, doit être qualifié de pertur-
bateur par comportement (consid. 8.1–8.6).
Agricoltura. Inammissibile definizione di proprietà terapeutiche
degli alimenti per animali. Distinzione tra alimenti per animali e me-
dicamenti veterinari. Messa in circolazione di prodotti vietati. Mi-
sure amministrative.
Art. 2 cpv. 2 lett. c, art. 2 cpv. 2 lett. d, art. 14 cpv. 1, art. 20b, art. 22
cpv. 1 ordinanza sugli alimenti per animali del 26 maggio 1999.
Art. 20 cpv. 7 lett. b OLAlA. Art. 27, art. 94 Cost. Art. 169 cpv. 1
lett. h LAgr.
1. I medicamenti veterinari si distinguono dagli alimenti per anima-
li per la loro composizione, le loro proprietà, nonché per la loro
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destinazione comune secondo l'usanza commerciale dei consu-
matori. Da un punto di vista oggettivo, essi sono principalmente
destinati all'uso medico. Le allegazioni che attribuiscono proprie-
tà terapeutiche a medicamenti veterinari rappresentano solo un
indizio, ma non giustificano né la qualificazione di medicamento
veterinario, né la escludono se mancano simili allegazioni (con-
sid. 4.4).
2. I messaggi pubblicitari degli alimenti per animali non possono
riferirsi a proprietà per la prevenzione, la diagnosi, il trattamen-
to o la cura di malattie. Il termine « malattia » comprende tutti
quei disturbi dello stato di salute che oltrepassano la semplice
restrizione di benessere (consid. 6.1–6.2).
3. Le misure amministrative devono dirigersi contro il perturba-
tore. Colui che nella sua pubblicità fa delle affermazioni illecite
sulle proprietà terapeutiche degli alimenti per animali o che met-
te in circolazione degli alimenti per animali contenenti sostanze
illecite deve essere qualificato quale perturbatore per comporta-
mento (consid. 8.1–8.6).
Die Beschwerdeführerin verfolgt gemäss Handelsregistereintrag als
Zweck den Import und Export von Waren aller Art. Zu den von der Be-
schwerdeführerin vertriebenen Waren gehören auch Futtermittel für
Nutz- und Heimtiere.
Die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) stellte bei
einer amtlichen Futtermittelkontrolle im Jahre 2007 fest, dass die Be-
schwerdeführerin in ihrem Katalog Futtermittel mit unzulässigen Heilan-
preisungen sowie Futtermittel mit unzulässigen Inhaltsstoffen zum Kauf
anbot. Da der Katalog der Beschwerdeführerin (Ausgabe Frühling/Som-
mer 2008) erneut Heilanpreisungen für Futtermittel umfasste, wurde die
Beschwerdeführerin von der ALP am 29. September 2008 verwarnt und
dazu aufgefordert, künftig jegliche Heilanpreisungen für Futtermittel zu
unterlassen. Im Wiederholungsfall wurden weitere Verwaltungsmassnah-
men angedroht.
Anlässlich der Prüfung des Katalogs der Beschwerdeführerin (Ausgabe
Frühling/Sommer 2009) sowie der Webseite der Firma stellte die ALP
fest, dass wiederum Heilanpreisungen für Futtermittel getätigt wurden
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und zudem Produkte zum Kauf angeboten wurden, die unzulässige In-
haltsstoffe aufwiesen. Die ALP auferlegte der Beschwerdeführerin daher
am 9. Juni 2009 eine Belastung.
Mit Beschwerde vom 9. Juli 2009 an das Bundesverwaltungsgericht
(BVGer) beantragt die Beschwerdeführerin, die vorinstanzliche Verfü-
gung sei aufzuheben.
In seiner Vernehmlassung vom 14. September 2009 beantragt das Bun-
desamt für Landwirtschaft die Abweisung der Beschwerde.
Das BVGer heisst die Beschwerde teilweise gut und weist die Sache zur
Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück.
Aus den Erwägungen:
4. Die Beschwerdeführerin bringt in materieller Hinsicht vor, die
ALP sei nicht zuständig, Anordnungen im Zusammenhang mit Produkten
zu treffen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung als Tierarzneimittel zu
gelten hätten. Die Überwachung des Handels und Vertriebs solcher Pro-
dukte falle in den Zuständigkeitsbereich von Swissmedic. Die Vorinstanz
sei lediglich für die Kontrolle von Futtermitteln zuständig. Insoweit sich
die Verfügung auf das Inverkehrbringen von unzulässigen Produkten und
nicht auf Heilanpreisungen von Futtermitteln beziehe, bewege sich die
ALP daher ausserhalb ihres Zuständigkeitsbereichs.
4.1 – 4.3 (...)
4.4 Das BVGer hat sich bereits eingehend zu den Kriterien zur Ab-
grenzung von Futtermitteln und Tierarzneimitteln ausgesprochen. Die
Qualifikation eines Produkts als Futtermittel oder als Tierarzneimittel
richtet sich danach, ob es aus objektiver Sicht primär zur medizinischen
Verwendung bestimmt ist, was aufgrund seiner Zusammensetzung, den
damit verbundenen Produkteeigenschaften und dem nach der Verkehrs-
auffassung der Konsumenten normalen Zweck zu beurteilen ist. Heilan-
preisungen stellen blosse Indizien dar und vermögen für sich alleine die
Qualifikation eines Produkts als Arzneimittel nicht zu rechtfertigen – wie
auch das Fehlen von Heilanpreisungen nicht ausschliesst, dass ein Pro-
dukt als Arzneimittel zu qualifizieren ist (vgl. Urteil des BVGer
C-5554/2007 vom 14. Dezember 2009 E. 3.2.7).
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4.5 Um die Einstufung eines Produkts als Futtermittel oder Tierarz-
neimittel zu erleichtern, haben die ALP und die Swissmedic im Jahre
2007 gemeinsam eine Liste mit dem Titel « Einstufung pflanzlicher
Stoffe und Zubereitungen als Tierarzneimittel oder als Futtermittel »
(nachfolgend: Einstufungsliste) erarbeitet (Einstufung pflanzlicher Stoffe
und Zubereitungen als Tierarzneimittel oder als Futtermittel, Swissmedic
Journal 07/2007 S. 547 ff.; online verfügbar unter .
/themen/00587/00629/index.html?lang=de, besucht am 8. Juni
2010). In dieser Einstufungsliste werden verschiedene pflanzliche Stoffe
aufgrund ihrer pharmakologischen oder ernährungsphysiologischen
Hauptwirkung den Arznei- oder Futtermitteln zugeordnet. Die Liste er-
laubt damit aufgrund der Zusammensetzung und den daraus folgenden
Eigenschaften der untersuchten Stoffe eine Abgrenzung zwischen Tier-
arzneimitteln und Futtermitteln und dementsprechend auch eine Abgren-
zung der Zuständigkeitsbereiche von Swissmedic und ALP.
4.6 Die von der ALP und Swissmedic erarbeitete Einstufungsliste
stellt eine Verwaltungsverordnung dar. Als solche ist sie für die Durch-
führungsorgane verbindlich, begründet indessen im Gegensatz zu Rechts-
verordnungen keine Rechte und Pflichten beim Privaten (vgl. BGE 128 I
167 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Ihre Hauptfunktion besteht darin,
eine einheitliche und rechtsgleiche Verwaltungspraxis zu gewährleisten.
Als verwaltungsunabhängige Instanz ist das BVGer nicht an Verwal-
tungsverordnungen gebunden und ist in deren Anwendung frei. In der
Rechtspraxis werden Verwaltungsverordnungen jedoch vom Gericht bei
der Entscheidfindung mitberücksichtigt, sofern sie eine dem Einzelfall
angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetz-
lichen Bestimmungen zulassen (vgl. BGE 122 V 19 E. 5.b/bb).
4.7 Wie das BVGer ausgeführt hat, sind bei der Ausarbeitung der
Einstufungsliste die aktuellen wissenschaftlichen Publikationen zum
Nährstoffgehalt und zur pharmakologischen respektive therapeutischen
Anwendung der aufgenommenen pflanzlichen Stoffe sowie die neuesten
Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene berücksichtigt
worden (vgl. Urteil des BVGer C-5554/2007 vom 14. Dezember 2009
E. 3.3.6). Vorliegend besteht daher kein Anlass, die auf Konsens beru-
hende wissenschaftliche Einschätzung der Experten der ALP und der
Swissmedic in Frage zu stellen. Dies gilt umso weniger, als sowohl die
Beschwerdeführerin als auch die Vorinstanz nicht bestreiten, dass die
Einstufungsliste eine zulässige Konkretisierung und Auslegung der an-
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wendbaren gesetzlichen Bestimmungen darstellt. In der primär wissen-
schaftlichen Frage der Abgrenzung von Futtermitteln und Tierarznei-
mitteln ist daher kein Grund ersichtlich, von der Bewertung durch die
ALP und die Swissmedic abzuweichen (...).
4.8 – 5.2 (...)
6. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass es sich bei
den von der Vorinstanz als unzulässige Heilanpreisungen bezeichneten
Angaben um zulässige gesundheitsdienliche Produkteinformationen oder
allgemein anpreisende Aussagen handle. Die Beanstandungen der Vor-
instanz seien daher unzulässig beziehungsweise zumindest völlig unver-
hältnismässig und willkürlich.
6.1 Bei der Kennzeichnung und Verpackung von Futtermitteln
dürfen keine unrichtigen oder unvollständigen Angaben gemacht werden.
Es dürfen keine Tatsachen verschwiegen werden, sodass der Käufer über
die Natur, die Art der Zusammensetzung oder die Verwendbarkeit eines
Futtermittels getäuscht werden kann. Die Kennzeichnung und die Verpa-
ckung dürfen weder dem Futtermittel eine Wirkung oder Eigenschaften
zuschreiben, die es nicht besitzt, noch zu verstehen geben, dass es beson-
dere Eigenschaften besitzt, obwohl alle vergleichbaren Futtermittel die-
selben Eigenschaften aufweisen. Diese Regeln gelten auch für die Wer-
bung und die Aufmachung der Futtermittel (Art. 22 Abs. 1 Futtermittel-
Verordnung vom 26. Mai 1999 [SR 916.307, nachfolgend: Futtermittel-
Verordnung]).
Die allgemeinen Kennzeichnungsvorschriften von Art. 22 Abs. 1 Futter-
mittel-Verordnung werden in Art. 20 Abs. 7 Bst. b der Futtermittelbuch-
Verordnung vom 10. Juni 1999 (FMBV, SR 916.307.1) weiter konkre-
tisiert. Nach dieser Bestimmung dürfen sich die Angaben für Mischfut-
termittel nicht auf Eigenschaften der Vorbeugung, Erkennung, Behand-
lung oder Heilung von Krankheiten beziehen. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung hat sich soweit ersichtlich bis anhin nicht zur Tragweite
dieser Norm geäussert. Jedoch hat sich das Bundesgericht (BGer) bereits
wiederholt mit der Auslegung von inhaltlich vergleichbaren Regelungen
in Bezug auf die Anpreisung von Lebensmitteln und Gebrauchsgegen-
ständen auseinandergesetzt. In Bezug auf Lebensmittel bestimmt Art. 10
Abs. 2 Bst. c der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung
vom 23. November 2005 (LGV, SR 817.02), dass Hinweise irgendwel-
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cher Art verboten sind, die einem Lebensmittel Eigenschaften der Vor-
beugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit oder
als Schlankheitsmittel zuschreiben oder die den Eindruck entstehen las-
sen, dass solche Eigenschaften vorhanden sind. In Bezug auf Gebrauchs-
gegenstände verbietet Art. 31 Abs. 3 LGV Hinweise irgendwelcher Art
auf eine krankheitsheilende, -lindernde oder -verhütende Wirkung (z. B.
medizinische oder therapeutische Eigenschaften, desinfizierende oder
entzündungshemmende Wirkungen, ärztliche Empfehlungen). Insoweit
Art. 20 Abs. 7 Bst. b FMBV mit den Formulierungen von Art. 10 Abs. 2
Bst. c und Art. 31 Abs. 3 LGV übereinstimmt, sind vorliegend die zu
letzteren Vorschriften ergangenen Entscheide und die dazu entwickelten
Kriterien analog zu berücksichtigen.
6.2 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind bei Lebens-
mitteln und Gebrauchsgegenständen Hinweise auf eine vorbeugende oder
heilende Wirkung im Zusammenhang mit einer Krankheit verboten (vgl.
BGE 127 II 91 E. 4b); dies unabhängig davon, ob die fraglichen Angaben
oder Produkte tatsächlich zu einer Täuschung oder gesundheitlichen
Gefährdung der Konsumenten führen. Dabei ist der Krankheitsbegriff
nicht allzu eng zu verstehen; er umfasst alle gesundheitlichen Störungen,
die über den Zustand bloss eingeschränkten Wohlbefindens hinausgehen
(vgl. Urteil des BGer 2A.213/2006 vom 19. Oktober 2006 E. 3.4). Nicht
untersagt sind gesundheitsbezogene Hinweise, soweit sie auf vertretbaren
Tatsachen beruhen und nicht geeignet sind, das Durchschnittspublikum
über allfällige krankheitsheilende, -lindernde oder -verhütende Wirkun-
gen zu täuschen (vgl. BGE 127 II 91 E. 4b). Dementsprechend darf in
der Werbung etwa darauf hingewiesen werden, dass ein regelmässiger
Milchkonsum gut für die Gesundheit ist, weil dem Körper dadurch natür-
licherweise Kalzium zugeführt wird, was für den Knochenbau vorteilhaft
erscheint; dagegen ist der Hinweis unzulässig, dass das Kalzium in der
Milch mithelfe, « der Knochenbrüchigkeit im Alter vorzubeugen, der
sogenannten Osteoporose » (BGE 127 II 91 E. 4b).
Das BGer hat bei folgenden Angaben eine Verletzung des Verbots krank-
heitsbezogener Werbung bejaht: « Erzfeind des Erkältungsvirus » (Urteil
des BGer 2A.58/1995 vom 6. Februar 1996 E. 3); als Grenzfall « wohl-
tuend bei Erkältungsgefahr » und « wohltuend auch bei Muskelkater »
(Urteil des BGer 2A.62/2002 vom 19. Juni 2002 E. 4); Hinweise auf
Wirkstoffe, die Bakterien bekämpfen und die Bildung von Pickeln und
Mitessern hemmen (Urteil des BGer 2A.743/2004 vom 30. Juni 2005
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E. 4 und 5); « Clinique Water Therapy » bezüglich der Verwendung des
Begriffs « Therapy » (Urteil des BGer 2A.693/2005 vom 28. August
2006 E. 4); « bei juckender, zu Allergien neigender Haut » und « zur
Pflege bei Neurodermitis, Psoriasis, Diabetes, Schuppenflechte » (Urteil
des BGer 2A.593/2005 vom 6. September 2006 E. 4). Als unzulässige
Heilanpreisungen sind auch die Formulierungen « S.O.S. Notfall Bon-
bons nach Dr. Bach » (Urteil des BGer 2A.106/2007 vom 9. Juli 2007
E. 4) und « geeignet für leichte Formen der Atopie beziehungsweise der
Neurodermitis » zu qualifizieren (Urteil des BGer 2C_590/2008 vom
27. Januar 2009 E. 2.3).
6.3 Die Vorinstanz beanstandet in der angefochtenen Verfügung fol-
gende Produkte aus dem Katalog (Ausgabe Frühling/Sommer 2009) der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Anpreisungen:
Seite Produkt Beanstandung
S. 392 LEKKER-KRÄKKER Enthalten Milchsäurebakterien, zugelassen für
Pferde?
S. 400 MARSTALL ExZem-Plus « ... bei Sommerekzem-Pferden angewandt... leistet
es den entscheidenden Beitrag gegen die Ekzem-
problematik »
S. 403 MARSTALL Biotin Indirekte Heilanpreisung: « Biotinmangel führt zu
Hautschädigung, spärlichen Haarwuchs, Ver-
schlechterung des Allgemeinzustandes und der
Haut »
MARSTALL
Hustenkräuter
Bezeichnung « Husten »
S. 406 TOPFIT Phytokur Name: « -kur »; Indirekte Heilanpreisung: « Sport-
pferde leiden häufig an Bewegungseinschränkun-
gen durch fehl- oder überbelastete Gelenke und
Schmerzen durch arthritische Veränderungen.
Phytokur:
– unterstützt die Struktur von Bindegewebe, Knor-
pel, Knochen und Hufhorn durch Aufheben von
ernährungsbedingten Versorgungslücken.
– Hilft den Gelenkstoffwechsel zu erhöhen
– Trägt zur Stabilisierung des Immunsystems und
zur Aktivierung des Zellschutzes durch hochwirk-
same Antioxidantien bei. » Zusammensetzung?
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S. 407 TOPFIT Naturkräuter
Ausgesuchte Kräuter für
die Atemwege
« 16 Pflanzen, die in der freien Natur zur Gesund-
erhaltung des Bronchialsystems beitragen... »
TOPFIT Dermasan-Zink-
Plus
Indirekte Heilanpreisung: « Entzündliche Hautver-
änderungen nach Insektenstichen... »; « Hautprob-
leme im Sommer wie auch Mauke sind vielfach auf
einen fütterungsbedingten Mangel an Zink zurück-
zuführen. »
TOPFIT Arthrostop Name!?
Zusammensetzung unklar, keine Angaben ersicht-
lich, auf der (...)-Homepage wird aber angegeben:
« Zur Vorbeuge gegen degenerative Arthrosen oder
bei akuten Gelenksbeschwerden. Eine Wirkstoff-
kombination mit Gelatine, Muschelextrakt und
Kräuterextrakten. »
TOPFIT Derma Plus « Bei Sommerekzem »
S. 412 « Die Pferdekoppel » Hus-
tenkräuter
Name! Angabe auf abgebildeter Packung: « Die
Kräuter sollen bis 8 Tage nach Abklingen der Be-
schwerden verabreicht werden. »
S. 388 « Pferdeland » Früchte-
Kräuter-Futter
Angaben auf abgebildeter Packung: « für die Bron-
chien und das Immunsystem », « So wird das Im-
munsystem gestärkt » (enthält zudem Huflattich)
S. 408 FREY Kräuter Mash Bezeichnung als « Diätfuttermittel »
FREY Leinvital « ...vollständige Wirkung auf Gelenke, Haar und
Verdauung. »
FREY Hoof Synbiotin « ...bei Hufproblemen »
S. 414 Neu im Katalog:
HUMAVET Actilyt Paste
Diät-Ergänzungsfuttermittel, nicht korrekt ausge-
wiesen (Deklaration?)
S. 415 Neu im Katalog:
HUMAVET Joinol liquid
« ...bei Arthrose-Patienten »; enthält gem. früheren
Angaben auf der Webseite Ackerschachtelhalm,
Goldrute, Indischer Weihrauch (Boswellia) »
Neu im Katalog:
HUMAVET Gastrocolin
liquid
« ...Zur Vorbeugung von Verdauungsstörungen, Ko-
liken... »
Neu im Katalog:
HUMAVET NanoFit
Angabe « Immunsystem »
S. 416 Neu im Katalog:
HUMAVET Carni-Equin
liquid
« ...für eine gute Spermaqualität. »
Landwirtschaft 2010/38
527 BVGE / ATAF / DTAF
6.4 – 6.5.12 (...)
6.6 Auf der Webseite der Beschwerdeführerin werden in der ange-
fochtenen Verfügung folgende Produkte aufgrund ihrer Anpreisungen
beanstandet:
1 Antitussin
Kräuterwürfel
Name! « Angabe nicht mehr aufgeführt » auf Packung?
2 Greenguard Broncho-
Herbal Liquid
Angaben auf Packung « Sorgt durch seine schleimlösende
und beruhigende Wirkung auf die oberen und unteren
Luftwege im Akutfall für eine rasche Linderung der
Beschwerden. Zudem stärkt es das Immunsystem und
wirkt antimikrobiell. »
3 « Die Pferdekoppel »
Fibrozyt
Angabe auf Packung « Ideales Ergänzungsfutter für Pfer-
de mit Gallen-, Gelenk- und Arthroseproblemen. »
4 Dr. Schaette Colosan Angabe nur noch auf Packung « angewendet als mild wir-
kendes Mittel zur unterstützenden Behandlung bei Ma-
gen-Darm-Störungen und futterbedingten Blähungen. »
Angaben auf abgebildeter Packung: « ... mild wirkendes
Arzneimittel... »! Zusammensetzung?
5 HUMAVET Gastrocolin
liquid
« Zur Vorbeuge von Verdauungsstörungen, Koliken ... »;
Zusammensetzung betr. Kräutern?
6 MARSTALL
Kräuterwiese
« Bekämpft krankhafte Reize der Atemwege und des
Kehlkopfes (Husten, chronische Bronchitis etc.) »
Diese Angabe wurde im Katalog weggelassen!
7 RESPIRATION « Zur Linderung von Atemwegreizungen und -erkrankun-
gen sowie zur Reinhaltung der Atemwege. ...hat sich so-
wohl bei der Behandlung langwieriger als auch kurz-
fristiger und saisonaler Probleme erfolgreich bewährt. »
Zusammensetzung?
8 LAMINIX Angaben angepasst: « ...zur Gesunderhaltung der
Hufe... »
9 TOPFIT Arthrostop Name! Angaben gelöscht.
6.7 – 6.8 (...)
6.9 Zusammenfassend gilt es festzuhalten, dass folgende Produkte
zu Recht aufgrund unzulässiger Heilanpreisungen im Sinne von Art. 20
Abs. 7 Bst. b FMBV beanstandet worden sind. Im Katalog (Ausgabe
Frühling/Sommer 2009): MARSTALL ExZem Plus, MARSTALL Biotin,
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MARSTALL Hustenkräuter, TOPFIT Phytokur, TOPFIT Dermasan-
Zink-Plus, TOPFIT Arthrostop, TOPFIT Derma Plus, « Die Pferdekop-
pel » Hustenkräuter, FREY Hoof Synbiotin und HUMAVET Gastrocolin
liquid. Eine Verletzung von Art. 22 Abs. 1 Futtermittel-Verordnung ist
zudem bei den Produkten FREY Kräuter Mash und HUMAVET Actilyt
Paste zu bejahen. Im Webshop: Antitussin Kräuterwürfel, Greenguard
Broncho-Herbal Liquid, « Die Pferdekoppel » Fibrozyt, Dr. Schaette
Colosan, HUMAVET Gastocolin liquid, MARSTALL Kräuterwiese,
RESPIRATION und TOPFIT Arthrostop.
Die Angaben zu folgenden Produkten der Beschwerdeführerin stellen je-
doch keine unzulässigen Heilanpreisungen dar. Im Katalog (Ausgabe
Frühling/Sommer 2009): LEKKER-KRÄKKER, TOPFIT Naturkräuter,
FREY Leinvital, HUMAVET NanoFit, HUMAVET Carni-Equin liquid.
Auf der Webseite: LAMINIX.
7. Die Beschwerdeführerin führt im Weiteren aus, dass die von der
Vorinstanz beanstandeten Produkte bei über 200 Herstellern, Grossisten
und Detaillisten in der Schweiz im Verkauf seien. Die Vorinstanz habe
die als unzulässig beanstandeten Anpreisungen für Futtermittel bei Kon-
kurrenzunternehmen über Jahre toleriert und sei nur bei ihr einge-
schritten. Mit dem ausschliesslichen Vorgehen gegen die Beschwerdefüh-
rerin verletze die Vorinstanz das verfassungsmässige Gebot der Gleich-
behandlung der Konkurrenten.
7.1 Der aus Art. 27 und Art. 94 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101)
abgeleitete Grundsatz der Gleichbehandlung der Konkurrenten verbietet
staatliche Massnahmen, die den Wettbewerb unter direkten Konkurrenten
verzerren beziehungsweise nicht wettbewerbsneutral sind, namentlich
wenn sie bezwecken, in den Wettbewerb einzugreifen, um einzelne
Konkurrenten oder Konkurrentengruppen gegenüber anderen zu
bevorzugen oder zu benachteiligen (vgl. BGE 131 II 271 E. 9.2.2 mit
Hinweisen). Der Grundsatz der Gleichbehandlung der Konkurrenten –
wie auch der allgemeine Gleichheitsgrundsatz von Art. 8 BV – sichert
den Betroffenen aber grundsätzlich nur den Anspruch auf eine
Gleichbehandlung im Recht zu. Der Umstand, dass in einigen Fällen das
Gesetz nicht oder unrichtig angewandt worden ist, lässt in der Regel
keinen Anspruch darauf entstehen, ebenfalls abweichend vom Gesetz
behandelt zu werden. Nach herrschender Lehre und ständiger Praxis
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besteht daher grundsätzlich kein Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht, denn der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwaltung geht
dem Rechtsgleichheitsprinzip im Konfliktfall in der Regel vor. Besteht
allerdings eine ständige gesetzeswidrige Praxis der Behörde und ist keine
Bereitschaft der Behörde zu erkennen, von dieser Praxis abzuweichen, so
haben die Betroffenen einen Anspruch darauf, ebenfalls in Abweichung
vom Gesetz behandelt zu werden (vgl. BGE 127 I 1 E. 3, BGE 125 II
152 E. 5, BGE 122 II 446 E. 4a mit weiteren Hinweisen).
7.2 Vorliegend ist unbestritten, dass sich Angaben für Mischfut-
termittel nicht auf Eigenschaften der Vorbeugung, Erkennung, Be-
handlung oder Heilung von Krankheiten beziehen dürfen (Art. 20 Abs. 7
Bst. b FMBV). Bei Verstössen gegen diese Deklarationsvorschrift kann
die Vorinstanz gestützt auf Art. 169 Abs. 1 des Landwirtschaftsgesetzes
vom 29. April 1998 (LwG, SR 910.1) die notwendigen Verwaltungs-
massnahmen verfügen.
7.3 Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Vorinstanz in
ständiger Praxis von diesen Bestimmungen abweichen würde und über
Jahre Angaben für Mischfuttermittel, die sich auf Eigenschaften der Vor-
beugung, Erkennung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten bezie-
hen, toleriert hätte und solche auch in Zukunft tolerieren würde. Viel-
mehr hat sie regelmässig gestützt auf Art. 169 Abs. 1 LwG Massnahmen
gegen andere Futtermittelvertreiber und Futtermittelverkäufer ergriffen
und wird solche Massnahmen auch in Zukunft ergreifen. Wie in der
ausführlichen Version des Tätigkeitsberichts 2004–2007 von Agroscope
festgehalten wird, mussten im Jahr 2007 wie in den Vorjahren annähernd
82 % der untersuchten Futtermittel beanstandet werden. Es handelte sich
insbesondere um fehlerhafte Deklarationen sowie um unerlaubte
Heilanpreisungen (vgl. Von der Weide auf den Teller, Höhepunkte 2004–
2007, online verfügbar unter > Agro-
scope > Forschungsanstalt ALP > Jahresberichte). Die Zwischenbilanz
für das Jahr 2009 lässt keine Verbesserung dieser Situation erkennen
(vgl. ALP-Rundschreiben 2/2009 vom 19. November 2009, online
verfügbar unter > Agroscope >
Vollzugsaufgaben > Futtermittelkontrolle > Rundschreiben). Die
Vorinstanz hat zudem nachvollziehbar dargelegt, dass sie sich zur
Überwachung des Futtermittelmarktes, der circa 1'200 Betriebe umfasst,
an einen Kontrollplan hält, der regelmässige Kontrollen gewährleistet.
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7.4 Unter diesen Umständen kann nicht davon ausgegangen werden,
dass die Vorinstanz in Bezug auf die Kontrolle von Deklarations-
vorschriften bei Futtermitteln eine ständige gesetzeswidrige Praxis
verfolgt und an einer solchen Praxis festhalten würde. Die Beschwer-
deführerin hat dementsprechend keinen Anspruch auf Gleichbehandlung
im Unrecht. Eine Verletzung des Gebots der Gleichbehandlung der Kon-
kurrenten liegt nicht vor.
8. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass die
Vorinstanz gegen das aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgende
Störerprinzip verstossen habe. Unmittelbarer Verursacher der behaup-
teten unzulässigen Anpreisungen für die Futtermittel sei der Pro-
duktehersteller, der die Futtermittel und die dazugehörigen Verpackungen
herstelle. Die Beschwerdeführerin als Verteilfirma sei nicht in der Lage,
die vom Hersteller zur Verfügung gestellten Produkte zu überprüfen
sowie die Zusammensetzung oder auch nur die Verpackungsanschriften
zu ändern.
8.1 Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgt, dass sich die poli-
zeiliche Massnahme nur gegen den Störer, nicht gegen bloss mittelbare
Verursacher des polizeiwidrigen Zustandes richten darf. Nach dem Stö-
rerprinzip hat sich polizeiliches Handeln somit gegen diejenige Person zu
richten, die den polizeiwidrigen Zustand unmittelbar zu verantworten
hat. Als Störer hat zunächst der Verhaltensstörer zu gelten, der durch sein
eigenes Verhalten oder durch das unter seiner Verantwortung erfolgte
Verhalten Dritter unmittelbar die polizeiliche Gefahr oder Störung
verursacht (PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 56 Rn. 20; ULRICH
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 2490). Der Störer ist
polizeirechtlich verpflichtet, eine Gefahr oder Störung zu beseitigen oder
die Kosten für die Massnahmen zur Herstellung des ordnungsgemässen
Zustandes zu tragen (vgl. BGE 122 II 65 E. 6a).
8.2 Bei einer Mehrzahl von Störern kann die zuständige Behörde al-
ternativ oder kumulativ jedem Störer die Beseitigung des polizeiwidrigen
Zustandes auferlegen. Ist die Störung oder Gefahr raschestmöglich zu
beseitigen, um grösseren Schaden zu verhindern, so wird die richtige
Wahl auf jenen Störer fallen, der dem Gefahrenherd am nächsten und
zudem sachlich und persönlich zur Beseitigung fähig ist; ist dagegen die
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Wiederherstellung der Ordnung nicht besonders dringlich und hat
allenfalls der polizeiwidrige Zustand schon seit längerer Zeit angedauert,
so kann eine andere, möglicherweise differenziertere Beseitigungsrege-
lung getroffen werden (vgl. BGE 107 Ia 19 E. 2b).
8.3 In Kapitel 3a der Futtermittel-Verordnung sind die Pflichten von
Produzenten und Inverkehrbringern von Futtermitteln geregelt. Als Pro-
duzenten gelten dabei Personen, die Futtermittel herstellen, verarbeiten,
konfektionieren und neuverpacken (Art. 2 Abs. 2 Bst. c Futtermittel-
Verordnung). Als Inverkehrbringer sind Personen zu qualifizieren, die
Futtermittel für Verkaufszwecke bereithalten, einschliesslich des Anbie-
tens zum Verkauf oder jeder anderen Form entgeltlicher oder unentgeltli-
cher Weitergabe, sowie Verkauf, Vertrieb und andere Formen der Wei-
tergabe (Art. 2 Abs. 2 Bst. d Futtermittel-Verordnung).
8.4 Wer Futtermittel produziert, einführt oder in Verkehr bringt,
muss im Rahmen seiner Tätigkeit geeignete Massnahmen ergreifen,
damit die Futtermittel den gesetzlichen Anforderungen entsprechen
(Art. 20b Futtermittel-Verordnung). Zu diesen gesetzlichen Anfor-
derungen zählt zum einen die Deklarationsvorschrift von Art. 20 Abs. 7
Bst. b FMBV, nach der sich Angaben für Mischfuttermittel nicht auf
Eigenschaften der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung oder Heilung
von Krankheiten beziehen dürfen. Zum anderen müssen auch die
gesetzlichen Bestimmungen zur inhaltlichen Beschaffenheit der
Futtermittel beachtet werden (Art. 14 Abs. 1 Futtermittel-Verordnung).
Die Vorinstanz führt dazu Listen mit den zugelassenen Stoffen in
Futtermitteln (Futtermittelliste [Art. 5 Abs. 3 Futtermittel-Verordnung
i. V. m. Anhang 1 FMBV], Zusatzstoffliste [Art. 7 Abs. 2 Futtermittel-
Verordnung i. V. m. Anhang 2 FMBV] sowie weitere). Bei Verstössen
gegen diese gesetzlichen Vorschriften durch Produzenten oder Inver-
kehrbringer können gestützt auf Art. 169 LwG Verwaltungsmassnahmen
ergriffen werden. Insbesondere kann eine Belastung mit einem Betrag bis
höchstens Fr. 10'000.– verfügt werden (Art. 169 Abs. 1 Bst. h LwG).
8.5 Die Beanstandungen der Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung beziehen sich zum einen auf die von der Beschwerdeführerin
in ihrem Katalog (Ausgabe Frühling/Sommer 2009) und auf ihrer Web-
seite gemachten Angaben für Futtermittel. Für diese Angaben ist allein
die Beschwerdeführerin verantwortlich. Beim Katalog und bei der
Webseite handelt es sich um Werbe- und Verkaufsinstrumente, welche
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die Beschwerdeführerin als Inverkehrbringerin der Produkte unter ihrem
Namen veröffentlicht respektive betreibt. Enthalten die von der Be-
schwerdeführerin zusammengestellten Werbe- und Verkaufsinstrumente
Angaben über Mischfuttermittel, die sich auf Eigenschaften der Vorbeu-
gung, Erkennung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten beziehen,
so verletzt die Beschwerdeführerin durch ihr eigenes Verhalten ihre Ver-
pflichtung aus Art. 20b Futtermittel-Verordnung i. V. m. Art. 20 Abs. 7
Bst. b FMBV. Insoweit hat allein die Beschwerdeführerin als Verhaltens-
störerin zu gelten. Die Beschwerdeführerin ist denn auch die geeignetste
Person, die Angaben in ihrem Katalog und ihrer Webseite zu ändern und
damit den gesetzeskonformen Zustand wieder herzustellen. Die Verwal-
tungsmassnahmen der Vorinstanz haben sich daher zu Recht gegen die
Beschwerdeführerin gerichtet. Es liegt dementsprechend keine
Verletzung des Störerprinzips vor.
8.6 Zum anderen beanstandet die Vorinstanz die Zusammensetzung
eines von der Beschwerdeführerin in ihrem Katalog (Ausgabe Früh-
ling/Sommer 2009) angebotenen Futtermittels. Für die Zusammenset-
zung des Produkts ist unbestrittenermassen die Produkteherstellerin ver-
antwortlich, die insoweit als Verhaltensstörerin zu gelten hat. Dieser
Umstand ändert jedoch nichts daran, dass die Beschwerdeführerin das
nicht gesetzeskonforme Produkt in Verkehr bringt. Damit verletzt sie
durch ihr eigenes Verhalten ihre Verpflichtung aus Art. 20b i. V. m.
Art. 14 Abs. 1 Futtermittel-Verordnung. Als Inverkehrbringerin eines
Futtermittels, dessen Zusammensetzung nicht den gesetzlichen Anforde-
rungen entspricht, hat auch die Beschwerdeführerin als Verhaltensstöre-
rin zu gelten. Da die Inverkehrbringung von Futtermitteln mit nicht zuge-
lassenen Inhaltsstoffen raschestmöglich unterbunden werden muss, die
Beschwerdeführerin am nächsten bei den von ihr zum Verkauf angebote-
nen Produkten und sachlich sowie persönlich zur Beseitigung dieses ge-
setzeswidrigen Zustandes fähig ist, hat die Vorinstanz zu Recht die ange-
fochtene Verfügung erlassen.
8.7 Zusammenfassend gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdefüh-
rerin vorliegend als Verhaltensstörerin zu qualifizieren ist und die ange-
fochtene Verfügung das aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgende
Störerprinzip nicht verletzt.