B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Entscheid bestätigt durch BGer mit
Urteil vom 30.08.2017 (9C_499/2017)
Abteilung III
C-114/2016
Ur t e i l vom 1 9 . J u n i 2 0 1 7
Besetzung
Richter David Weiss (Vorsitz),
Richter Christoph Rohrer,
Richter Daniel Stufetti,
Gerichtsschreiberin Tania Sutter.
Parteien
A._______,
vertreten durch Gregor Beckmann, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,
Vorinstanz.
Gegenstand
Alters- und Hinterlassenenversicherung, Witwerrente,
Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2015.
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, und erwägt,
dass der italienische Staatsangehörige A._______ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) mit der deutschen Staatsangehörigen B._______, ver-
storben am (…) 2006, verheiratet war und mit Wirkung ab 1. Januar 2007
eine ordentliche Witwerrente der Schweizerischen Alters- und Hinterlas-
senenversicherung (AHV) bezog (Akten der Vorinstanz [act.] 1 S. 1 ff., 12),
dass die Schweizerische Ausgleichskasse SAK (nachfolgend: Vorinstanz)
mit Schreiben vom 14. September 2015 dem Beschwerdeführer mitteilte,
die Zahlung seiner Witwerrente werde auf den 30. August 2015 eingestellt,
da sein jüngster Sohn C._______ das 18. Altersjahr erreicht habe (act. 54),
dass der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 24. September 2015 die
Weiterzahlung seiner Witwerrente beantragte (act. 59),
dass die Vorinstanz das Schreiben des Beschwerdeführers vom 24. Sep-
tember 2015 als frist- und formgerechte Einsprache gegen die Verfügung
vom 14. September 2015 entgegennahm und diese mit Einspracheent-
scheid vom 2. Dezember 2015 abwies (act. 60),
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. Januar 2016 gegen den
Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2015 Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht erhob (Akten im Beschwerdeverfahren [BVGer act.] 1),
dass der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machte, die pau-
schale Ungleichbehandlung von Witwen und Witwern verletze den Verfas-
sungsgrundsatz der Rechtsgleichheit gemäss Art. 8 Abs. 3 der Bundesver-
fassung (BV, SR 101) und die Witwerrente sei ihm bis zu seiner Wieder-
verheiratung oder seinem Tod weiterhin auszurichten (BVGer act. 1),
dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2016 die Abwei-
sung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheides
vom 2. Dezember 2015 beantragte (BVGer act. 3),
dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 9. März 2016 unter Berufung
auf Art. 14 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) i.V.m. Art. 8 und Art. 41 BV geltend machte,
Art. 24 Abs. 2 AHVG (SR 831.10) verstosse gegen höherrangiges Bundes-
recht und Völkerrecht (BVGer act. 5),
dass die Vorinstanz mit Eingabe vom 23. März 2016 von der Einreichung
einer Duplik absah (BVGer act. 7),
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dass der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 31. März 2016 den Schrif-
tenwechsel vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnahmen per 11. April
2016 abschloss (BVGer act. 8),
dass der Beschwerdeführer am 8. April 2016 unaufgefordert eine Stellung-
nahme einreichte (BVGer act. 10),
dass die Vorinstanz mit Eingabe vom 15. April 2016 nach Einsicht in die
Stellungnahme des Beschwerdeführers auf die Einreichung von Schluss-
bemerkungen verzichtete und an ihrer Vernehmlassung vom 3. Februar
2016 festhielt (BVGer act. 12),
dass der Instruktionsrichter den Schriftenwechsel mit Verfügung vom
21. April 2016 vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnahmen abschloss
(BVGer act. 13),
dass das Bundesverwaltungsgericht zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig ist (Art. 31, 32, 33 Bst. d VGG; Art. 85bis Abs. 1 AHVG),
dass der Beschwerdeführer durch den angefochtenen Einspracheent-
scheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interessen an dessen Aufhebung
oder Änderung hat, womit er zur Beschwerde legitimiert ist (vgl. Art. 59
ATSG [SR 830.1]),
dass auf die – unter Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 18. De-
zember bis 2. Januar (Art. 38 Abs. 4 Bst. c ATSG) – frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde vom 7. Januar 2016 einzutreten ist (Art. 60
ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass betreffend den Beschwerdeführer als italienischer Staatsangehöriger
mit Wohnsitz in Deutschland sowie als Hinterbliebener einer deutschen
Staatsangehörigen mit letztem Wohnsitz in Deutschland das Freizügig-
keitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681, in Kraft getre-
ten am 1. Juni 2002) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinie-
rung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA zur
Anwendung gelangen, wobei sich der Anspruch auf Leistungen der AHV
nach schweizerischem Recht richtet,
dass nach Art. 24 Abs. 2 AHVG der Anspruch auf eine Witwerrente, zusätz-
lich zu den in Art. 23 Abs. 4 AHVG aufgezählten Gründen (Wiederverhei-
ratung bzw. Tod der Witwe oder des Witwers) erlischt, wenn das letzte Kind
des Witwers das 18. Altersjahr vollendet hat,
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dass Bundesgesetze und Völkerrecht für das Bundesgericht und die ande-
ren rechtsanwendenden Behörden massgebend sind (Art. 190 BV),
dass Art. 14 EMRK keine eigenständige Bedeutung zukommt und nur zu-
sammen mit konventionsgeschützten Ansprüchen zur Anwendung kommt
(vgl. Urteil des BGer 9C_617/2011 vom 4. Mai 2012 E. 3.1 f.),
dass sich nach Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschrechte (EGMR) aus Art. 8 EMRK keine Pflicht der Mitgliedstaaten
ableiten lässt, bestimmte Sozialversicherungsleistungen zu erbringen, und
somit auch keinen (direkten) Anspruch des überlebenden Ehemannes auf
eine Witwerrente der AHV begründet (vgl. Urteil 9C_617/2011 E. 3.3),
dass der Gesetzgeber mit der unterschiedlichen Regelung der Vorausset-
zungen für Witwen- und Witwerrente explizit eine geschlechtsspezifische
Unterscheidung vorgenommen hat, die sich weder wegen biologischer
noch wegen funktionaler Verschiedenheiten aufdrängt (vgl. Urteil
9C_617/2011 E. 3.5),
dass Bundesgesetzen weder im Rahmen der abstrakten noch der konkre-
ten Normenkontrolle die Anwendung versagt werden kann und folglich
auch verfassungswidrige Bundesgesetze angewandt werden müssen (vgl.
BGE 139 I 180 E. 2.2; 136 II 120 E. 3.5.1),
dass gemäss Bundesgericht angesichts des klaren Wortlauts der betref-
fenden Norm und des eindeutigen Willens des historischen Gesetzgebers
die unterschiedlichen Anspruchsvoraussetzungen für die Witwen- und Wit-
werrenten massgebend sind (vgl. Urteil des BGer 9C_521/2008 vom 5. Ok-
tober 2009 E. 6.2),
dass das jüngste Kind des Beschwerdeführers am (…). August 2015 das
18. Altersjahr vollendet hat, womit der Anspruch des Beschwerdeführers
auf Witwerrente erloschen ist,
dass die Beschwerde demzufolge abzuweisen ist,
dass das Verfahren kostenlos ist (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),
dass der unterliegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf Parteientschädigung hat (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario),
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dass die Vorinstanz als Bundesbehörde keinen Anspruch auf Parteient-
schädigung hat (Art. 7 Abs. 3 des Reglements über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und keine Parteientschädigun-
gen zugesprochen.
3.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein)
– die Vorinstanz (Ref-Nr._______; Einschreiben)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:
David Weiss Tania Sutter
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Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100
BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Hän-
den hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
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