B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-2188/2015
Ur t e i l vom 1 6 . N o vembe r 2 0 1 5
Besetzung
Richter Daniel Stufetti (Vorsitz),
Richter Beat Weber,
Richterin Caroline Bissegger,
Gerichtsschreiberin Karin Wagner.
Parteien
X._______,
vertreten durch Beratungsstelle für Ausländer,
Frohaldenstrasse 76, 8180 Bülach,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,
Vorinstanz.
Gegenstand
Invalidenversicherung, Rentenanspruch,
Verfügung IVSTA vom 2. März 2015.
C-2188/2015
Seite 2
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (im Folgenden: IVSTA oder
Vorinstanz), mit Verfügung vom 2. März 2015, das Gesuch von X._______
(im Folgenden: Beschwerdeführer oder Versicherter), Staatsangehöriger
von Bosnien-Herzegowina und daselbst wohnhaft, um Gewährung einer
Invalidenrente abwies (BVGer act. 1/2),
dass der Beschwerdeführer, vertreten durch die Beratungsstelle für Aus-
länder, diese Verfügung mit Beschwerde vom 8. April 2015 beim Bundes-
verwaltungsgericht anfocht und beantragte (BVGer act. 1), die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer die ganze IV-
Rente mit Beginn ab 1. Oktober 2007 zuzusprechen, eventualiter sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und der Fall an die Beschwerdegeg-
nerin zwecks weiterer Abklärungen zurückzuweisen, dem Beschwerdefüh-
rer sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 15. Juni
2015 (BVGer act. 8) das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom
8. April 2015 abwies und den Kostenvorschuss auf Fr. 400.- festsetzte,
dass der einverlangte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.- am
20. Juli 2015 bei der Gerichtskasse einging (act. 12),
dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 8. September 2015 (BVGer
act. 13) unter Bezugnahme auf den Bericht des ärztlichen Dienstes der
IVSTA vom 10. Juli 2015 (Vorakten 111) beantragte, die Beschwerde sei
gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache im
Sinne der erwähnten Stellungnahme an die Verwaltung zurückzuweisen,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32)
in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen der IVSTA zuständig ist und vor-
liegend keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt,
dass der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 59 ATSG (SR 830.1) be-
schwerdelegitimiert ist,
dass die Beschwerde form- und fristgerecht eingereicht wurde (Art. 52
VwVG [SR 172.021], Art. 60 Abs. 1 ATSG) und nachdem auch der Kos-
tenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, auf die Beschwerde einzutre-
ten ist,
C-2188/2015
Seite 3
dass Dr. A._______, Neurologin des ärztlichen Dienstes der IV-Stelle, in
ihrer Stellungnahme vom 10. Juli 2015 (Vorakten 111), folgende Beur-
teilung abgab:
"Cet homme souffre des séquelles d'un accident de voiture qui sont impor-
tantes, notamment en relation avec le traumatisme cranio-cérébrale. Dans ce
contexte il présente une instabilité à la marche et une ataxie des quatre
membres. Les cervicobrachialgies ont été attribuées à une hernie discale C7-
D1. Finalement en 2011, une lombosciatalgie avec atteinte radiculaire L5-S1
gauche est décrite; il présente également des troubles cognitifs qui ont été
évaluées par un psychologue environ 3 ans après l'accident, notamment des
troubles de l'attention et de la concentration, de la mémoire visuelle, une
baisse de la capacité du raisonnement, de la réflexion abstraite et de la coor-
dination visuo-motrice. Le psychologue estime une diminution de l'efficacité
mentale complète à 40% (…). L'assuré souffre également des troubles psy-
chiques qui semblent assez importantes pour augmenter l'incapacité de tra-
vail. Toutefois la documentation la plus récente remonte à mai 2011. Avant de
se prononcer définitivement, il est nécessaire d'obtenir la documentation mé-
dicale actualisée. De plus, il serait également utile d'obtenir plus d'informations
sur la situation professionnelle de l'assuré avant son accident (…)."
dass sich die IVSTA in ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2015
(BVGer act. 13) der Beurteilung des ärztlichen Dienstes anschloss und
beantragte, die Beschwerde sei gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache im Sinne der erwähnten Stellungnahme
an die Verwaltung zurückzuweisen, und damit sinngemäss feststellte,
dass die Verfügung vom 2. März 2015 auf einem mangelhaft eruierten
medizinischen Sachverhalt beruhte und sich die Durchführung ergän-
zender medizinischer Abklärungen als notwendig erweist,
dass sich der Beschwerdeführer in seiner Replik vom 4. Oktober 2015
dem Antrag der Vorinstanz anschloss (BVGer act. 15),
dass nach Einsicht in die Akten für das Bundesverwaltungsgericht keine
Anhaltspunkte ersichtlich sind, weshalb dem übereinstimmenden Antrag
der Parteien nicht entsprochen werden sollte,
dass Art 49 Bst. b VwVG die unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts ausdrücklich als Beschwerdegrund nennt,
dass eine Sache gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG mit verbindlichen Wei-
sungen an die Vorinstanz zurückgewiesen werden kann,
dass die Beschwerde deshalb gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 2. März 2015 aufzuheben und die Sache nach dem Gesagten
C-2188/2015
Seite 4
zur ergänzenden Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen
ist,
dass eine Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde
führenden Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6),
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufzu-
erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG, Art. 6 Bst. b des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass dem Beschwerdeführer der von ihm geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 400.- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils somit zu-
rückzuerstatten ist,
dass die Beschwerdeinstanz gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG der ganz oder
teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine
Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zusprechen kann,
dass dem nicht durch einen Anwalt vertretenen Beschwerdeführer unter
Berücksichtigung des notwendigen Aufwandes eine Parteientschädigung
von pauschal Fr. 600.- auszurichten ist, welche von der Vorinstanz zu leis-
ten ist.
Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.
C-2188/2015
Seite 5
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als die Verfügung vom
2. März 2015 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewie-
sen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen
über den Leistungsanspruch neu verfüge.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.- nach Eintritt der Rechtskraft
des vorliegenden Urteils zurückerstattet.
3.
Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr. 600.- zugesprochen, die von der Vorinstanz zu leisten ist.
4.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. ______; Einschreiben)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
Der vorsitzende Richter:
Die Gerichtsschreiberin:
Daniel Stufetti Karin Wagner
Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen
gemäss Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG gegeben sind. Die Rechtsschrift hat
die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un-
terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel
sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42
BGG).
Versand: