B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-2262/2013
U r t e i l v o m 1 4 . J u n i 2 0 1 3
Besetzung
Richter Michael Peterli (Vorsitz),
Richter Beat Weber,
Richterin Madeleine Hirsig-Vouilloz,
Gerichtsschreiberin Lucie Schafroth.
Parteien
A._______, Kosovo,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christoph Hess-Keller,
Bahnhofstrasse 15, Zentrum Trotte, Postfach 123,
6210 Sursee,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,
Vorinstanz.
Gegenstand
AHV (Rente).
C-2262/2013
Seite 2
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass der 1946 geborene, kosovarische Staatsbürger A._______ ab Juli
2011 eine Rente der schweizerischen Alters- und Hinterlassenenversiche-
rung bezog (SAK-act. 12 und 13),
dass A._______ seinen Wohnsitz per 28. September 2012 in den Kosovo
verlegte (SAK-act. 7 und 17),
dass die Schweizerische Ausgleichskasse (nachfolgend: SAK oder Vorin-
stanz) A._______ mit Verfügung vom 28. November 2012 mitteilte, die
Zahlung der Altersrente werde per 30. September 2012 definitiv einge-
stellt, da das Abkommen vom 8. Juni 1962 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über
Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1; nachfolgend: Sozialversiche-
rungsabkommen) im Verhältnis zu Kosovo seit dem 1. April 2010 nicht
mehr anwendbar sei und er seinen Wohnsitz nicht mehr in der Schweiz
habe (SAK-act. 17),
dass A._______ gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 4. Dezember
2012 Einsprache bei der SAK erhob und die Weiterausrichtung der Alters-
rente in der Höhe von CHF 1'265.-- mit Wirkung ab 1. Oktober 2012 be-
antragte, da das Sozialversicherungsabkommen auf ihn, als kosovarisch-
serbischen Doppelbürger mit Wohnsitz im Kosovo, weiterhin anwendbar
sei (SAK-act. 18),
dass die SAK A._______ mit Schreiben vom 14. Dezember 2012 um Zu-
stellung eines aktuellen serbischen Nationalitätsnachweises "z.B. beglau-
bigte Kopie des serbischen Passes o.ä. amtlich beglaubigte Nachwei-
se/Bestätigungen" ersuchte (SAK-act. 20),
dass A._______ bei der SAK mit Eingaben vom 18. und 20. Februar 2013
von kosovarischen Behörden ausgestellte Nationalitätsbescheinigungen
einreichte (SAK-act. 25 und 26),
dass die SAK A._______ mit Schreiben vom 26. Februar 2013 mitteilte,
für den Nachweis der serbischen Nationalität könne nur ein gültiger bio-
metrischer Pass Serbiens ohne Einschränkungen hinsichtlich Visa-
Freiheit für den Schengenraum sowie ohne Vermerk "Koordinaciona
Uprava" der serbischen passausstellenden Behörde akzeptiert werden;
eine beglaubigte Kopie dieses Passes sei bis zum 24. April 2013 einzu-
reichen (SAK-act. 27),
C-2262/2013
Seite 3
dass A._______ der SAK mit Schreiben vom 5. April 2013 im Wesentli-
chen mitteilte, er habe den Nachweis der serbischen Staatsangehörigkeit
bereits in genügender Form erbracht, weshalb ihm die Altersrente weiter-
hin auszurichten sei (SAK-act. 28),
dass die SAK mit Entscheid vom 10. April 2013 die Einsprache von
A._______ abgewiesen hat, da er als kosovarischer Staatsangehöriger,
welcher die serbische Staatsbürgerschaft nicht rechtsgenüglich nachge-
wiesen habe, Staatsangehöriger eines Nichtvertragsstaates sei und sei-
nen Wohnsitz ausserhalb der Schweiz habe (SAK-act. 29),
dass A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch
Rechtsanwalt Christoph Hess-Keller, gegen diesen Einspracheentscheid
mit Eingabe vom 22. April 2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt eingereicht und die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie
die Weiterausrichtung der Altersrente in der Höhe von CHF 1'265.-- ab
dem 1. November 2012 (recte: 1. Oktober 2012) mit Auszahlung an die
Wohnadresse in X._______, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Vorinstanz, beantragt hat (BVGer-act. 1),
dass die SAK mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2013 die Abweisung der
Beschwerde sowie die Bestätigung der Verfügung vom 28. November
2012 und des Einspracheentscheides vom 10. April 2013 beantragt hat
(BVGer-act. 3),
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit
Art. 85bis Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss
Art. 33 VGG zuständig ist,
dass die SAK eine Vorinstanz gemäss Art. 33 lit. d VGG ist und vor-
liegend keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt,
dass der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 59 des Bundesgesetzes
vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) beschwerdelegitimiert ist,
dass die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 ATSG
und Art. 52 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
C-2262/2013
Seite 4
waltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) eingereicht wurde, weshalb dar-
auf einzutreten ist,
dass sich im vorliegenden Verfahren die Frage stellt, ob das Sozialversi-
cherungsabkommen sowie die Verwaltungsvereinbarung vom 5. Juli 1963
betreffend die Durchführung dieses Abkommens (SR 0.831.109. 818.12)
auf Bürger von Kosovo weiterhin anwendbar sind,
dass sich das Bundesverwaltungsgericht zu dieser Frage mit inzwischen
rechtskräftigem Grundsatzurteil C-4828/2010 vom 7. März 2011 geäus-
sert und die Weiteranwendung des Sozialversicherungsabkommens be-
jaht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_329/2011 vom 27. September
2011),
dass das Sozialversicherungsabkommen demnach auch im vorliegenden
Fall weiterhin anwendbar ist,
dass die Vorinstanz den Anspruch auf Weiterausrichtung der Altersrente
des Beschwerdeführers daher zu Unrecht mangels gültigem Sozialversi-
cherungsabkommen mit dem Kosovo verneint hat,
dass die Beschwerde somit gutzuheissen, der angefochtene Einsprache-
entscheid aufzuheben und dem Beschwerdeführer die monatliche AHV-
Rente ab dem 1. Oktober 2012 weiterhin auszurichten ist,
dass diese Rente auf ein vom Beschwerdeführer zu bezeichnendes Kon-
to auszuzahlen sein wird,
dass das Verfahren für die Parteien kostenlos ist (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),
sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind,
dass dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer gemäss Art. 64
Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine von der Vorinstanz zu
entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen ist,
dass die Parteientschädigung unter Berücksichtigung des gebotenen und
aktenkundigen Aufwands auf CHF 1'400.-- (inkl. Auslagen, exkl. MWST)
festzusetzen ist; nicht zu entschädigen ist die Mehrwertsteuer (vgl. Art. 1
Abs. 2 in Verbindung mit Art. 8 und 18 Abs. 1 des Mehrwertsteuergeset-
zes vom 12. Juni 2009 [MWSTG, SR 641.20]),
C-2262/2013
Seite 5
dass die unterliegende SAK keinen Anspruch auf Parteientschädigung
hat (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Einsprache-
entscheid vom 10. April 2013 wird aufgehoben. Die monatliche AHV-
Rente ist dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2012 weiterhin aus-
zurichten.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3.
Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von CHF 1'400.--
(inkl. Auslagen, exkl. MWST) zugesprochen. Diese ist von der Vorinstanz
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu leisten.
4.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde; Beilage: Doppel der
Vernehmlassung der Vorinstanz vom 1. Mai 2013)
– die Vorinstanz (Ref-Nr._______)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:
Michael Peterli Lucie Schafroth
C-2262/2013
Seite 6
Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen
gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un-
terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel
sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42
BGG).
Versand: