B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-2952/2016, C-4834/2017
Ur t e i l vom 1 6 . F e b r u a r 2 0 1 8
Besetzung
Richter Daniel Stufetti (Vorsitz),
Richterin Caroline Bissegger, Richter Vito Valenti,
Gerichtsschreiberin Patrizia Levante.
Parteien
A._______, (Serbien),
Zustelladresse: c/o B._______,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Vorinstanz.
Gegenstand
AHV, Altersrente, Witwenrente, einmalige Abfindung;
Einspracheentscheide der SAK vom 11. April 2016
sowie 19. Juli 2017.
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 2
Sachverhalt:
A.
A.a Die am (…) 1953 geborene und in Serbien wohnhafte serbische
Staatsangehörige A._______ (nachfolgend: Versicherte) beantragte mit
Formular vom 4. August 2015 bei der Schweizerischen Ausgleichskasse
(SAK; Eingang: 7. August 2015) eine Altersrente der schweizerischen Al-
ters- und Hinterlassenenversicherung (AHV; Vorakten [zum Verfahren] C-
2952/2016, act. 5). Sie merkte im Antragsformular an, sie wünsche eine
einmalige Auszahlung mit einem Vorbezug von zwei Jahren (Vorakten C-
2952/2016, act. 5/2).
A.b Mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 sprach die SAK der Versicher-
ten mit Wirkung ab 1. Juni 2015 eine ordentliche Altersrente (mit Kürzung
wegen Rentenvorbezugs) von monatlich Fr. 302.- zu (Vorakten C-
2952/2016, act. 16).
A.c Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom
28. Dezember 2015 bei der SAK (Eingang: 5. Januar 2016) sinngemäss
Einsprache und verlangte, es sei ihr anstelle der monatlichen Altersrenten
eine einmalige Abfindung auszurichten (Vorakten C-2952/2016, act. 19).
A.d Mit Einspracheentscheid vom 11. April 2016 wies die SAK die von der
Versicherten erhobene Einsprache ab und bestätigte die Verfügung vom
14. Dezember 2015. Die SAK verneinte die von der Versicherten geltend
gemachte Ausrichtung einer Abfindung (Vorakten C-2952/2016, act. 22).
A.e Gegen diesen Einspracheentscheid reichte A._______ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 22. April 2016 (Vorakten C-
2952/2016, act. 24) bei der SAK (nachfolgend auch: Vorinstanz) sinnge-
mäss eine Beschwerde ein (Eingang: 26. April 2016), welche zuständig-
keitshalber an das Bundesverwaltungsgericht (Eingang: 12. Mai 2016) wei-
tergeleitet und von diesem unter der Geschäftsnummer C-2952/2016 ge-
führt wurde (BVGer-act. 1). Die Beschwerdeführerin stellte das Begehren
um eine einmalige Auszahlung in der Höhe von Fr. 31‘020.-.
A.f Mit Schreiben vom 13. Mai 2016 forderte der Instruktionsrichter die Be-
schwerdeführerin auf, ein Zustelldomizil in der Schweiz bekanntzugeben
(C-2952/2016, BVGer-act. 2). Da die Beschwerdeführerin daraufhin schrift-
lich mitteilte, dass sie keine schweizerische Zustelladresse bezeichnen
könne (C-2952/2016, BVGer-act. 4), nahm der Instruktionsrichter mit (auf
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 3
diplomatischem Weg zugestellter) Verfügung vom 1. Juni 2016 Kenntnis
davon und wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass solange kein gül-
tiges Zustelldomizil in der Schweiz bezeichnet werde, künftige Anordnun-
gen und Entscheide im vorliegenden Verfahren durch Publikation im Bun-
desblatt eröffnet würden (C-2952/2016, BVGer-act. 5).
A.g Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 23. Juni 2016 (C-
2952/2016, BVGer-act. 10) die Abweisung der Beschwerde und die Bestä-
tigung ihres angefochtenen Einspracheentscheides.
A.h Mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2016 (publiziert im Bundesblatt am
12. Juli 2016) wies der Instruktionsrichter die Beschwerdeführerin auf die
Möglichkeit zur Einsichtnahme in die vorinstanzliche Vernehmlassung hin
und räumte ihr gleichzeitig die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik
samt Beweismitteln ein (C-2952/2016, BVGer-act. 11-13).
A.i Mangels Eingang einer Replik innert angesetzter Frist schloss der In-
struktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 16. August 2016 (publiziert
im Bundesblatt am 23. August 2016) den Schriftenwechsel, wobei weitere
Instruktionsmassnahmen vorbehalten blieben (C-2952/2016, BVGer-
act. 15-17).
A.j Die Beschwerdeführerin bezeichnete mit Eingabe vom 30. November
2016 in der Schweiz ein Zustelldomizil (C-2952/2016, BVGer-act. 18).
A.k Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 7. Dezember
2016 wurde der Schriftenwechsel wieder eröffnet, der Beschwerdeführerin
ein Doppel der vorinstanzlichen Vernehmlassung zugestellt und ihr noch-
mals die Gelegenheit eingeräumt, eine Replik mit den entsprechenden Be-
weismitteln einzureichen (C-2952/2016, BVGer-act. 19).
A.l Mit Eingabe vom 26. Dezember 2016, welche an die SAK gesendet und
von dieser an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet worden war,
hielt die Beschwerdeführerin sinngemäss an ihrem Antrag auf Ausrichtung
einer einmaligen Abfindung fest und verwies auf das bereits in ihrem An-
tragsformular gestellte entsprechende Begehren (C-2952/2016, BVGer-
act. 20 und 20/1).
A.m Der Instruktionsrichter nahm mit Zwischenverfügung vom 31. Januar
2017 von der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 26. Dezember 2016
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 4
Kenntnis und schloss – mangels Eingang einer Replik – den Schriften-
wechsel, wobei weitere Instruktionsmassnahmen vorbehalten blieben (C-
2952/2016, BVGer-act. 21).
B.
B.a Am (…) 2017 verstarb der Ehemann der Beschwerdeführerin,
C._______ (Vorakten [zum Verfahren] C-4834/2017, act. 49). Die entspre-
chende Mitteilung an die Vorinstanz machte die Beschwerdeführerin mit
Telefonat ihrer Übersetzerin vom 8. März 2017 sowie im Schreiben vom
15. März 2017, mit welchem sie gleichzeitig die Ausrichtung einer Witwen-
rente beantragte (Vorakten C-4834/2017, act. 42, 43).
B.b Mit Verfügung vom 27. März 2017 sprach die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin mit Wirkung ab 1. April 2017 eine ordentliche Witwen-
rente von Fr. 402.- pro Monat zu (Vorakten C-4834/2017, act. 46).
B.c Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe
vom 10. April 2017 bei der SAK (Eingang: 19. April 2017) sinngemäss Ein-
sprache und verlangte, es sei ihr anstelle der monatlichen Witwenrenten
eine einmalige Abfindung auszurichten (Vorakten C-4834/2017, act. 47).
B.d Die Vorinstanz teilte der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 9. Mai
2017 mit, dass sie das schweizerische Rentenalter erreicht habe, die Wit-
wenrente aber höher ausfalle als die Altersrente mit Zuschlag für verwit-
wete Personen, weshalb weiterhin einzig der Betrag der höheren Witwen-
rente ausbezahlt werde (Vorakten C-4834/2017, act. 52).
B.e Mit Schreiben vom 9. Juni 2017 erneuerte die Beschwerdeführerin –
diesmal im Auftrag ihres verstorbenen Ehemannes – das Begehren um
Ausrichtung einer einmaligen Auszahlung anstelle einer Witwenrente
(Vorakten C-4834/2017, act. 53).
B.f Mit Einspracheentscheid vom 19. Juli 2017 wies die Vorinstanz die von
der Beschwerdeführerin erhobene Einsprache vom 10. April 2017 ab und
bestätigte die Verfügung vom 27. März 2017 (Vorakten C-4834/2017,
act. 54)
B.g Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Juli 2017 reichte die Be-
schwerdeführerin mit Eingabe vom 3. August 2017 (Vorakten C-4834/2017,
act. 57) bei der Vorinstanz sinngemäss eine Beschwerde ein (Eingang:
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 5
11. August 2017), welche zuständigkeitshalber an das Bundesverwal-
tungsgericht (Eingang: 28. August 2017) weitergeleitet und von diesem un-
ter der Geschäftsnummer C-4834/2017 geführt wurde (BVGer-act. 1, 1/1).
Die Beschwerdeführerin stellte das Begehren um eine einmalige Auszah-
lung in der Höhe von Fr. 46‘530.- anstelle einer monatlichen Rente von
Fr. 402.-.
B.h Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 28. September
2017 die Abweisung der Beschwerde vom 3. August 2017 und die Bestäti-
gung ihres angefochtenen Einspracheentscheides vom 19. Juli 2017 (C-
4834/2017, BVGer-act. 4).
B.i Mangels Eingang einer Replik schloss der Instruktionsrichter mit Zwi-
schenverfügung vom 24. November 2017 den Schriftenwechsel im Verfah-
ren C-4834/2017 (BVGer-act. 7), wobei weitere Instruktionsmassnahmen
vorbehalten blieben.
C.
Auf weitere Parteivorbringen sowie die eingereichten Unterlagen wird – so-
weit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
Abs. 1 AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der SAK. Da
keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bundesverwal-
tungsgericht somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerden zustän-
dig.
1.2 In den beiden Beschwerdeverfahren C-2952/2016 und C-4834/2017
sind dieselben Parteien involviert, stehen die einzelnen Sachverhalte in ei-
nem engen inhaltlichen Zusammenhang und stellen sich letztlich die glei-
chen Rechtsfragen. Es rechtfertigt sich daher, die beiden Verfahren zu ver-
einigen und darüber in einem einzigen Urteil zu befinden (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.17).
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 6
1.3 Aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG findet das VwVG keine Anwendung
in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das ATSG anwendbar ist. Ge-
mäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im
ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversicherung anwendbar,
soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.4 Die Beschwerdeführerin ist durch die beiden angefochtenen Ein-
spracheentscheide vom 11. April 2016 und 19. Juli 2017 berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, so dass
sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist.
1.5 Die beiden Beschwerden wurden fristgemäss eingereicht (Art. 60
Abs. 1 i.V.m. Art. 38 Abs. 4 Bst. b ATSG sowie Art. 21 Abs. 2 VwVG). Sie
enthalten jedoch nicht dieselbe Unterschrift. Beide Eingaben wurden mit
dem Vermerk „im Auftrag von Frau A._______“ mit dem Namen der Be-
schwerdeführerin handschriftlich unterzeichnet. Die Vorinstanz geht davon
aus, dass die (private) Dolmetscherin der Beschwerdeführerin die Briefe
jeweils unterschrieben habe, eine entsprechende Vollmacht jedoch fehle
(C-4834/2017, BVGer-act. 4 S. 2). Allerdings stimmt die kyrillische Unter-
schrift auf der Beschwerdeschrift vom 22. April 2016 mit derjenigen über-
ein, welche der serbische Pass der Beschwerdeführerin enthält (C-
2952/2016, BVGer-act. 22/1), während die Unterzeichnung mit lateini-
schen Buchstaben auf der Beschwerdeschrift vom 3. August 2017 derjeni-
gen entspricht, welche (ohne den Zusatz „im Auftrag von Frau A._______“)
auf dem Anmeldeformular für die Altersrente vom 4. August 2015 ersicht-
lich ist. Es ist deshalb anzunehmen, dass sich der besagte Vermerk „im
Auftrag von“ nur auf den Inhalt und nicht auch auf die Unterschrift des je-
weiligen Schreibens bezieht (vgl. auch Vorakten C-2952/2016, act. 2/1).
Ausserdem liegen im Beschwerdeverfahren C-2952/2016 handschriftlich
unterzeichnete Empfangsbestätigungen (BVGer-act. 3, 14) von Schreiben
des Bundesverwaltungsgerichts vor, welche an die Adresse der Beschwer-
deführerin adressiert waren. Die beiden konnexen Beschwerden können
unter diesen Umständen der Beschwerdeführerin zugerechnet werden und
sind zulässig (vgl. auch SEETHALER/BOCHSLER, in: Bernhard/Weissenber-
ger [Hrsg.], Praxiskommentar zum VwVG, 2009, Art. 52 Rz. 21 mit weite-
ren Hinweisen), zumal aufgrund der Akten keine erkennbare Manipulation
vorliegt und vom Beschwerdewillen der Beschwerdeführerin auszugehen
ist. Auf die beiden Beschwerden ist daher einzutreten, nachdem auch die
übrigen Anforderungen an eine rechtsgenügliche Beschwerde erfüllt sind
(vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG).
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 7
2.
2.1 Die in Serbien wohnhafte Beschwerdeführerin ist Serbin und auch ihr
im Jahre 2017 verstorbener Ehemann besass (einzig) die serbische
Staatsangehörigkeit (C-2952/2016, Vorakten act. 5, BVGer-act. 22/1). Das
zwischen der Republik Serbien und der Schweiz ausgehandelte Sozialver-
sicherungsabkommen ist noch nicht in Kraft getreten (vgl.
> Sozialversicherungen > Internationale Sozial-
versicherung > Grundlagen und Abkommen > Liste der Sozialversiche-
rungsabkommen, abgerufen am 31.1.2018). Bis zum Inkrafttreten dieses
neuen Abkommens ist weiterhin das bisherige Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik
Jugoslawien über Sozialversicherung vom 8. Juni 1962 (SR
0.831.109.818.1, nachfolgend: Staatsvertrag) anwendbar (vgl. BGE 126 V
198 E. 2b; 122 V 381 E. 1 mit Hinweisen). Nach Art. 2 des Staatsvertrags
stehen die Staatsangehörigen der Vertragsstaaten in ihren Rechten und
Pflichten aus den in Art. 1 genannten Rechtsvorschriften, zu welchen die
schweizerische Bundesgesetzgebung über die Alters- und Hinterlassenen-
versicherung gehört, einander gleich, soweit nichts anderes bestimmt ist.
Abgesehen von den in E. 3.3.1 und 3.3.2 aufzuzeigenden Ausnahmebe-
stimmungen sind im Staatsvertrag oder anderen bilateralen Vereinbarun-
gen keine Vorschriften auszumachen, die hier zu beachten wären. Die Prü-
fung der streitigen AHV-Leistungsansprüche sowie die Ausgestaltung des
Verfahrens bestimmen sich deshalb grundsätzlich nach den schweizeri-
schen Rechtsvorschriften, insbesondere nach dem AHVG und der AHVV
(SR 831.101) sowie dem ATSG.
2.2 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln sind in verfah-
rensrechtlicher Hinsicht in der Regel diejenigen Rechtssätze massgebend,
welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130
V 1 E. 3.2), unter Vorbehalt der spezialgesetzlichen Übergangsbestimmun-
gen. In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze anwendbar, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung hatten (BGE 130 V 445 E. 1.2.1; 127 V 466 E. 1; 126
V 134 E. 4b). Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf die (um zwei
Jahre) vorbezogene Altersrente entstand am 1. Juni 2015 (vgl. Art. 40
Abs. 1 AHVG; vgl. E. 3.1.1). Massgebend hinsichtlich der Altersrente sind
somit diejenigen Normen, welche am 1. Juni 2015 in Kraft standen. Der
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Witwenrente entstand indessen
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 8
am 1. April 2017 (Art. 23 Abs. 3 AHVG; vgl. E. 3.2.1), weshalb diesbezüg-
lich auf diejenigen Bestimmungen abzustellen ist, welche zu diesem Zeit-
punkt gültig waren.
2.3 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses des streitigen Entscheides (hier: 11. April 2016 bzw. 19. Juli 2017)
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Tatsa-
chen, die den Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall
Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362
E.1b).
2.4 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie Unangemes-
senheit des Entscheides rügen (Art. 49 VwVG).
2.5 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE 2009/65 E. 2.1).
3.
Streitig und im Folgenden zu klären ist, ob die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin zu Recht weder hinsichtlich der Altersrente noch der Witwenrente
eine Abfindung gewährt hat.
3.1 Zunächst ist die mit vorinstanzlicher Verfügung vom 14. Dezember
2015 der Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2015 zugesprochene monatliche
Altersrente von Fr. 302.- zu prüfen (Vorakten C-2952/2016, act. 16).
3.1.1 Nach Art. 21 Abs. 1 Bst. b AHVG haben Frauen, welche das 64. Al-
tersjahr vollendet haben, Anspruch auf eine Altersrente der AHV. Sofern
die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine ordentliche Altersrente er-
füllt sind, kann die Rente gemäss Art. 40 Abs. 1 AHVG ein oder zwei Jahre
vorbezogen werden. Der Rentenanspruch entsteht in diesen Fällen für
Frauen am ersten Tag des Monats nach Vollendung des 63. oder 62. Al-
tersjahres. Die vorbezogene Altersrente wird gestützt auf Art. 41 Abs. 2
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Seite 9
AHVG in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 AHVV um den Gegenwert der vor-
bezogenen Rente gekürzt. Bis zum Rentenalter entspricht dieser Betrag
pro Vorbezugsjahr 6,8% der vorbezogenen Rente (Art. 56 Abs. 2 AHVV).
3.1.2 Die ordentlichen Renten werden gemäss Art. 29bis Abs. 1 AHVG nach
Massgabe der Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie der Erziehungs-
oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person berechnet. Sie
gelangen nach Art. 29 Abs. 2 AHVG in Form von Vollrenten für Versicherte
mit vollständiger Beitragsdauer (Bst. a) oder in Form von Teilrenten für Ver-
sicherte mit unvollständiger Beitragsdauer (Bst. b) zur Ausrichtung. Die
Teilrente entspricht dabei einem Bruchteil der Vollrente (Art. 38 Abs. 1
AHVG), für dessen Berechnung das Verhältnis zwischen den vollen Bei-
tragsjahren der Versicherten zu denjenigen ihres Jahrgangs sowie die ein-
getretenen Veränderungen der Beitragsansätze berücksichtigt werden
(Art. 38 Abs. 2 AHVG). Als vollständig gilt die Beitragsdauer, wenn die ren-
tenberechtigte Person zwischen dem 1. Januar nach der Vollendung des
20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Rentenalters gleich
viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang (Art. 29bis Abs. 1 AHVG i.V.m.
Art. 29ter Abs. 1 AHVG).
3.1.3 Innerhalb der anwendbaren Rentenskala bestimmt sich der Renten-
betrag nach dem durchschnittlichen Jahreseinkommen. Dieses setzt sich
grundsätzlich zusammen aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungs-
gutschriften und den Betreuungsgutschriften (Art. 29quater AHVG). Zur Er-
mittlung des massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens wird
die Summe der Erwerbseinkommen entsprechend dem Rentenindex ge-
mäss Artikel 33ter AHVG aufgewertet. Das Bundesamt für Sozialversiche-
rungen (BSV) legt die Aufwertungsfaktoren jährlich fest. Die Summe der
aufgewerteten Erwerbseinkommen sowie die Erziehungs- oder Betreu-
ungsgutschriften werden durch die Anzahl der Beitragsjahre geteilt (Art. 30
Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 AHVG, Art. 51bis Abs. 1 AHVV). Gemäss Art. 51bis
Abs. 2 AHVV werden die Aufwertungsfaktoren ermittelt, indem der Renten-
index nach Artikel 33ter Abs. 2 AHVG durch den mit 1,1 gewichteten Durch-
schnitt der Lohnindizes aller Kalenderjahre von der ersten Eintragung in
das individuelle Konto des Versicherten bis zum Vorjahr des Eintritts des
Versicherungsfalles geteilt wird. Bei unvollständiger Beitragsdauer ist das
Kalenderjahr für den Aufwertungsfaktor massgebend, in welchem erstmals
ein Eintrag im individuellen Konto (IK) vorgenommen wurde, wobei dieses
Jahr zwischen dem der Zurücklegung des 20. Altersjahres folgenden Jahr
und dem Eintritt des Versicherungsfalles liegen muss (vgl. dazu Art. 29bis
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 10
Abs. 2 AHVG i.V.m. Art. 51bis Abs. 2 AHVV; Urteil des EVG [heute: BGer]
H 49/05 vom 1. Dezember 2005 E. 2.4).
3.1.4 Einkommen, welche die Ehegatten während der Kalenderjahre der
gemeinsamen Ehe erzielt haben, werden geteilt und je zur Hälfte den bei-
den Ehegatten angerechnet. Die Einkommensteilung wird vorgenommen,
wenn beide Ehegatten rentenberechtigt sind, wenn eine verwitwete Person
Anspruch auf eine Altersrente hat oder bei Auflösung der Ehe durch Schei-
dung (Art. 29quinquies Abs. 3 Bst. a bis c AHVG). Der Teilung und gegenseiti-
gen Anrechnung unterliegen jedoch nur Einkommen aus der Zeit zwischen
dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezem-
ber vor Eintritt des Versicherungsfalles beim Ehegatten, welcher zuerst
rentenberechtigt wird, und aus Zeiten, in denen beide Ehegatten in der
schweizerischen AHV versichert gewesen sind (Art. 29quinquies Abs. 4
AHVG). Nach Art. 50b AHVV werden die Einkommen von Ehepaaren in
jedem Jahr, in dem beide Ehegatten in der AHV versichert gewesen sind,
hälftig geteilt (Abs. 1, erster Satz). Auch wenn die beiden Ehegatten in ei-
nem Kalenderjahr nicht während der gleichen Monate versichert sind, wer-
den die Einkommen während des ganzen Kalenderjahres aufgeteilt. Die
Beitragszeiten werden jedoch nicht übertragen (Abs. 2). Die Einkommen
im Jahr der Eheschliessung und im Jahr der Auflösung der Ehe werden
nicht geteilt (Abs. 3).
3.1.5 Hinsichtlich der Dauer der Beitragsleistung und der Höhe der Bei-
träge wird grundsätzlich auf die individuellen Konten abgestellt, welche für
jeden beitragspflichtigen Versicherten geführt werden und in welche die
entsprechenden Daten eingetragen werden (vgl. Art. 30ter AHVG;
Art. 137 ff. AHVV). Der Versicherte hat das Recht, bei jeder Ausgleichs-
kasse, die für ihn ein individuelles Konto führt, einen Auszug über die darin
gemachten Eintragungen unter Angabe allfälliger Arbeitgeber zu verlangen
(Art. 141 Abs. 1 AHVV). Versicherte können innert 30 Tagen seit Zustellung
des Kontenauszuges bei der Ausgleichskasse eine Berichtigung verlangen
(Art. 141 Abs. 2 AHVV). Wird kein Kontenauszug oder keine Berichtigung
verlangt, oder wird das Berichtigungsbegehren abgelehnt, so kann bei Ein-
tritt des Versicherungsfalles die Berichtigung von Eintragungen im indivi-
duellen Konto nur verlangt werden, soweit deren Unrichtigkeit offenkundig
ist oder dafür der volle Beweis erbracht wird (Art. 141 Abs. 3 AHVV). Das
gilt nicht nur für unrichtige, sondern auch für unvollständige bzw. fehlende
Eintragungen im IK (BGE 117 V 261 E. 3a).
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 11
3.1.6 Die Beschwerdeführerin vollendete ihr 62. Altersjahr am (…) 2015,
weshalb ihr Anspruch auf eine um zwei Jahre vorbezogene Altersrente am
1. Juni 2015 entstand. Zu diesem Zeitpunkt war ihr (am […] 2017 verstor-
bener) Ehemann C._______ (geb. […] 1950) bereits rentenberechtigt
(Vorakten C-2952/2016, act. 13/4). Die Eheleute A./C._______ waren seit
dem (…) 2002 verheiratet (Vorakten C-2952/2016, act. 26/2). Die Be-
schwerdeführerin folgte ihrem Ehemann, der bereits im Jahr 1995 einge-
reist war, im Januar 2004 in die Schweiz. Per Ende März 2013 verliessen
die Eheleute A./C._______ die Schweiz (Vorakten C-2952/2016, act. 1).
3.1.7 Die Vorinstanz ging bei der Berechnung der (vorbezogenen) Alters-
rente der Beschwerdeführerin von einer Beitragszeit von insgesamt 9 Jah-
ren und 3 Monaten bzw. 111 Monaten (bestehend aus Ehejahren von
72 Monaten [2004 bis 2009] sowie von Beiträgen von 39 Monaten [2010
bis 2013]) sowie von einem Gesamteinkommen von Fr. 286‘737.- aus
(Vorakten C-2952/2016, act. 13/3, 13/7). Diese Zahlen sind der aktenkun-
digen Aufstellung der Vorinstanz der für die Rentenberechnung berücksich-
tigten Versicherungszeiten (2004 bis 2013) und Einkommen (Vorakten C-
2952/2016, act. 16/5) zu entnehmen und ergeben sich aus den massgebli-
chen IK-Auszügen der Beschwerdeführerin und ihres verstorbenen Ehe-
mannes (Vorakten C-2952/2016, act. 12/2 und 32) bzw. des anschliessend
durchgeführten Splittings (Vorakten C-2952/2016, act. 13/4). Die in der er-
wähnten vorinstanzlichen Aufstellung enthaltenen Zahlen sind nicht zu be-
anstanden. Sie entsprechen den vorliegenden Akten sowie den massge-
blichen rechtlichen Vorgaben (vgl. E. 3.1.4, 3.1.5) und werden nicht bestrit-
ten. Die Beitragsdauer des Jahrgangs 1953 bei Beginn des Rentenan-
spruchs im Jahre 2015 betrug 41 Jahre (Rententabellen 2015 S. 8). Bei
einer vollständigen Beitragsdauer wäre daher die Rentenskala 44 für mo-
natliche Vollrenten anzuwenden gewesen (Rententabellen 2015 S. 10). Da
die Vorinstanz bei der Beschwerdeführerin aber von lediglich 9 vollen Bei-
tragsjahren ausging, wendete sie zu Recht die Rentenskala 10 für monat-
liche Teilrenten an (Rententabellen 2015 S. 10). Bei einem Aufwertungs-
faktor von 1.000 (Rententabellen 2015 S. 15) und einer Beitragszeit von
9 Jahren und 3 Monaten berechnete die Vorinstanz folglich ein durch-
schnittliches Jahreseinkommen von Fr. 30‘999.-, welches gemäss Renten-
skala 10 im Jahre 2015 auf den nächsthöheren Tabellenwert aufgerundet
wurde und somit Fr. 31‘020.- betrug (Vorakten C-2952/2016, act. 13/7;
Rententabellen 2015 S. 86). Die monatliche Altersrente ab Juni 2015 be-
zifferte die Vorinstanz bei Anwendung der Rentenskala 10 auf Fr. 350.-,
wobei dieser Betrag aufgrund des Vorbezugs von zwei Jahren richtiger-
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 12
weise um 13,6% reduziert wurde (vgl. E. 3.1.1), was zu der verfügten vor-
bezogenen Altersrente von Fr. 302.- pro Monat führt. Dieser vorinstanzlich
ermittelte Rentenbetrag erweist sich somit als korrekt.
3.2 Weiter ist die mit vorinstanzlicher Verfügung vom 27. März 2017 der
Beschwerdeführerin ab 1. April 2017 zugesprochene monatliche Witwen-
rente von Fr. 402.- zu prüfen (Vorakten C-4834/2017, act. 46).
3.2.1 Nach Art. 23 Abs. 1 AHVG haben Witwen Anspruch auf eine Witwen-
rente, sofern sie im Zeitpunkt der Verwitwung Kinder haben. Der Anspruch
auf die Witwenrente entsteht am ersten Tag des dem Tod des Ehemannes
folgenden Monats und erlischt mit der Wiederverheiratung oder dem Tod
der Witwe (Art. 23 Abs. 3 und 4 AHVG). Erfüllt eine Person gleichzeitig die
Voraussetzungen für eine Witwenrente und für eine Altersrente, so wird
gestützt auf Art. 24b AHVG nur die höhere Rente ausbezahlt. Der Vorbezug
der Altersrente schliesst den gleichzeitigen Anspruch auf eine Witwenrente
aus (Urteil des BGer 9C_602/2010 vom 21. September 2010 E. 3).
3.2.2 Für die Berechnung der Witwenrente sind gestützt auf Art. 33 Abs. 1
AHVG die Beitragsdauer und das aufgrund der ungeteilten Einkommen der
verstorbenen Person sowie ihrer Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften
ermittelte durchschnittliche Jahreseinkommen massgebend. Gemäss
Art. 36 AHVG beträgt die volle Witwenrente 80% der dem massgebenden
durchschnittlichen Jahreseinkommen entsprechenden Altersrente. Für die
Berechnung der Teilrente gilt Art. 38 AHVG.
3.2.3 Die Beschwerdeführerin hatte im Zeitpunkt der Verwitwung ([…]
2017) einen Sohn (geb. 1972; Vorakten C-2952/2016, act. 26/1). Ihr An-
spruch auf eine Witwenrente entstand am 1. April 2017.
3.2.4 Die Vorinstanz ging bei der Berechnung der Witwenrente der Be-
schwerdeführerin von einer Beitragszeit ihres verstorbenen Ehemannes
von 12 Jahren und 3 Monaten bzw. 147 Monaten (2000 bis 2009 und 2011
bis 2012: je 12 Monate, 2013: 3 Monate) sowie einem Gesamteinkommen
von Fr. 555‘628.- aus (Vorakten C-4834/2017, act. 45/2, 45/5). Diese un-
bestrittenen Zahlen ergeben sich aus der vorinstanzlichen Aufstellung der
für die Rentenberechnung berücksichtigten Versicherungszeiten und Ein-
kommen (Vorakten C-4834/2017, act. 46/5) und entsprechen den Eintra-
gungen im aktenkundigen IK-Auszug des verstorbenen Ehemannes
(Vorakten C-4834/2017, act. 32) sowie den rechtlichen Vorgaben
(E. 3.2.2). Bei einem Aufwertungsfaktor von 1.000 und einer Beitragszeit
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 13
von vollen 12 Jahren berechnete die Vorinstanz sodann ein durchschnittli-
ches Jahreseinkommen von Fr. 45‘357.-, welches gemäss der (mangels
einer Rentenanpassung per 1. Januar 2017 auch für das Jahr 2017) an-
wendbaren Rentenskala 12 für monatliche Teilrenten auf den nächsthöhe-
ren Tabellenwert aufgerundet wurde und somit Fr. 46‘530.- betrug (Vorak-
ten C-4834/2017, act. 45/5; Rententabellen 2015 S. 82). Die monatliche
Witwenrente ab April 2017 bezifferte die Vorinstanz bei Anwendung der
Rentenskala 12 daher auf Fr. 402.-, was nicht zu beanstanden ist.
3.2.5 Die Vorinstanz stellte die ermittelte monatliche Witwenrente von
Fr. 402.- der Altersrente gegenüber, welche ab 1. April 2017 bei einem Jah-
reseinkommen von Fr. 31‘020.- aufgrund des Zuschlags von 20% für ver-
witwete Personen (Art. 35bis AHVG) Fr. 420.- beträgt (Rententabellen 2015
S. 86), aber hier aufgrund des Abzugs der Vorbezugskürzung von 13,6%
mit Fr. 363.- pro Monat zu beziffern ist (vgl. Wegleitung über die Renten
[RWL] in der AHV, gültig am 1. Januar 2003, Stand: 1. Januar 2017,
Rz. 5616, 5619; siehe Vorakten C-4834/2017, act. 45/4). Auch seit Errei-
chen des (ordentlichen) Rentenalters (am […] 2017) fällt die Altersrente der
Beschwerdeführerin aufgrund der weiterhin bestehenden Vorbezugskür-
zung ([22 x Fr. 302.-] + [2 x Fr. 363.-]) x 13,6% : 24 = Fr. 42.-; vgl. Art. 56
Abs. 3 AHVV) mit Fr. 378.- (Fr. 420.- ./. Fr. 42.- = Fr. 378.-) tiefer aus als
die Witwenrente. An diesem Resultat ändert nichts, dass die Vorinstanz im
Schreiben vom 9. Mai 2017 von einer Altersrente in der Höhe von Fr. 336.-
ausging (Vorakten C-4834/2017, act. 52).
Die Vorinstanz hat damit in Anwendung von Art. 24b AHVG zu Recht die
höhere Witwenrente verfügt.
3.3 Zu prüfen ist schliesslich, ob die Vorinstanz den Anspruch der Be-
schwerdeführerin auf Ausrichtung einer einmaligen Abfindung anstelle der
Alters- und Witwenrenten zu Recht verneint hat.
3.3.1 Nach Art. 3 des hier massgebenden Staatsvertrags (vgl. E. 2.1) wer-
den AHV-Renten an jugoslawische – bzw. heute serbische – Staatsange-
hörige ausgerichtet, welche in Serbien wohnen und in der Schweiz keinen
Wohnsitz haben. Der Staatsvertrag sieht damit eine Ausnahme von der
Wohnsitzklausel in Art. 18 Abs. 2 AHVG vor.
3.3.2 Aufgrund von Art. 7 Bst. a des besagten Staatsvertrags wird einem
serbischen Staatsangehörigen, der sich nicht in der Schweiz aufhält, und
Anspruch auf eine ordentliche Teilrente hat, die höchstens ein Zehntel der
C-2952/2016, C-4834/2017
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entsprechenden ordentlichen Vollrente beträgt, an Stelle der Teilrente eine
Abfindung in der Höhe des Barwertes der geschuldeten Rente gewährt.
Beträgt die ordentliche Teilrente mehr als ein Zehntel, aber höchstens ein
Fünftel der entsprechenden ordentlichen Vollrente, so kann der serbische
Staatsangehörige, der sich nicht in der Schweiz aufhält oder diese endgül-
tig verlässt, zwischen der Ausrichtung der Rente oder einer Abfindung wäh-
len.
3.3.3 Für die Beschwerdeführerin wurde im Jahre 2015 ein massgebendes
durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 31‘020.- ermittelt. Die monat-
liche volle Altersrente hätte daher bei diesem Wert ab 1. Juni 2015
Fr. 1‘542.- betragen (Rententabellen 2015, Skala 44, S. 18), wobei sich
aufgrund des Abzugs der Vorbezugskürzung von 13,6% ein Rentenbetrag
von Fr. 1‘332.- ergeben hätte. Aufgrund des Verhältnisses dieser Vollrente
zur errechneten Teilrente von Fr. 302.- (22.67%) stand der Beschwerde-
führerin das staatsvertraglich verankerte Wahlrecht zwischen der monatli-
chen Teilaltersrente und der Abfindung nicht zu. Gleiches gilt für die ab
1. April 2017 zugesprochene Witwenrente, welche bei einem massgebli-
chen durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 46‘530.- und einer voll-
ständigen Beitragsdauer monatlich Fr. 1‘474.- betragen würde (vgl. die hier
anwendbaren Rententabellen 2015, Skala 44, S. 18). Die Teilrente von
Fr. 402.- (27.27%) übersteigt somit einen Fünftel der ordentlichen Voll-
rente. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht weder anstelle der ab 1. Juni
2015 zugesprochenen Altersrente noch der ab 1. April 2017 gewährten
Witwenrente eine einmalige Abfindung verfügt.
3.4 Die angefochtenen Einspracheentscheide vom 11. April 2016 und
19. Juli 2017 erweisen sich demnach als rechtens, weshalb die beiden von
der Beschwerdeführerin dagegen erhobenen Beschwerden als unbegrün-
det abzuweisen sind.
4.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
4.1 Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),
so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
4.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
C-2952/2016, C-4834/2017
Seite 15
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die SAK jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 7
Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR173.320.2]).
Die unterliegende Beschwerdeführerin hat ebenfalls keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Verfahren C-2952/2016 und C-4834/2017 werden vereinigt.
2.
Die beiden Beschwerden werden abgewiesen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Einschreiben)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:
Daniel Stufetti Patrizia Levante
C-2952/2016, C-4834/2017
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Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100
BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Hän-
den hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
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