Abtei lung II I
C-3378/2008
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 1 . N o v e m b e r 2 0 0 9
Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz),
Richterin Marianne Teuscher, Richter Bernard Vaudan,
Gerichtsschreiber Jürg Tiefenthal.
S._______,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Zollinger,
Rämistrasse 5, Postfach 462, 8024 Zürich,
Beschwerdeführer,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Ausdehnung der kantonalen Wegweisung.
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
C-3378/2008
Sachverhalt:
A.
Der aus Bosnien-Herzegowina stammende S._______ (geboren am
28. März 1969, nachfolgend: Beschwerdeführer) heiratete am 23. No-
vember 1991 die Landsmännin G._______ (Jahrgang 1972). Mit einem
30 Tage gültigen Besuchervisum reiste das Ehepaar S.-G._______ am
7. August 1992 in die Schweiz ein. Sie wohnten bei den Eltern des
Ehemannes in Zürich und verblieben in der Folge wegen des im dama-
ligen Jugoslawien herrschenden Bürgerkrieges bis auf Weiteres illegal
in der Schweiz.
Am 10. März 1995 stellten die Eheleute S.-G._______ ein Gesuch um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, welches die zuständige kanto-
nale Migrationsbehörde abwies. Mit Verfügung vom 10. April 1995 wies
das damalige Bundesamt für Ausländerfragen das Ehepaar S.-
G._______ aus der Schweiz weg; gleichzeitig gewährte ihnen jedoch
das damalige Bundesamt für Flüchtlinge wegen der Kriegswirren in Ju-
goslawien die vorläufige Aufnahme (beide Bundesämter heute: Bun-
desamt für Migration, nachfolgend auch Vorinstanz). Mit Strafbefehl
der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 21. Juli 1995 wurde der Be-
schwerdeführer wegen vorsätzlich rechtswidrigen Verbleibens in der
Schweiz mit 21 Tagen Gefängnis, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt.
Die Ehe S.-G._______ wurde am 10. Oktober 1996 vor dem Bezirks-
gericht Zürich geschieden. Am 20. Oktober 1996 kam ein gemeinsa-
mer Sohn zur Welt. Mit Verfügung vom 15. April 1997 setzte die kanto-
nale Migrationsbehörde der Familie S.-G._______ eine Frist zur Aus-
reise aus der Schweiz an, die in der Folge bis zum 31. August 1997
verlängert wurde. Die Behörden wussten zum damaligen Zeitpunkt
nichts von der Scheidung. Schliesslich folgte am 19. März 1998 die ge-
meinsame Ausreise nach Bosnien-Herzegowina.
B.
Am 10. April 1998 heiratete der Beschwerdeführer in Serbien die in
der Schweiz niedergelassene, 16 Jahre ältere O._______. Am 12. Juli
1998 reiste S._______ im Rahmen des Familiennachzugs wiederum in
die Schweiz ein und erhielt am 4. August 1998 eine Jahresaufenthalts-
bewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau im Kanton Zürich; die Bewilli-
gung wurde ihm in der Folge jeweils verlängert. Am 31. Juli 2003 er-
hielt er schliesslich die Niederlassungsbewilligung. Nur kurze Zeit nach
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Erteilung der Niederlassungsbewilligung – mit Urteil vom
18. September 2003 – wurde die Ehe S.-O._______ geschieden.
Am 15. Januar 2004 heiratete der Beschwerdeführer erneut seine frü-
here Ehefrau G._______ und stellte am 5. Februar 2004 ein Gesuch
um Familiennachzug für seine Ehefrau sowie den gemeinsamen Sohn.
Nach erfolgter Anhörung verweigerte aber das zuständige Migrations-
amt mit Verfügung vom 8. November 2004 den Familiennachzug für
die Ehefrau sowie den Sohn. Gleichzeitig widerrief das Migrationsamt
die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und setzte ihm
eine Frist zum Verlassen des zürcherischen Kantonsgebietes an. Hin-
tergrund hierfür war der Vorwurf der kantonalen Migrationsbehörde,
der Beschwerdeführer habe ein von langer Hand geplantes, miss-
bräuchliches Verhalten zum Erwerb der Niederlassungsbewilligung an
den Tag gelegt. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer
am 7. Dezember 2004 beim Zürcher Regierungsrat Rekurs und bestritt
jegliches missbräuchliches Verhalten. Mit Beschluss vom 7. Februar
2007 wies der Regierungsrat dessen Rekurs ab. Der Beschwerdefüh-
rer zog den regierungsrätlichen Beschluss weiter an das kantonale
Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids, eventualiter die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (an-
stelle der Niederlassungsbewilligung).
Mit Eingabe vom 12. September 2007 erhob S._______ in der Folge
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten sowie subsidiä-
re Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht und beantragte ins-
besondere, das zwischenzeitlich ergangene Urteil des Verwaltungsge-
richts des Kantons Zürich vom 11. Juli 2007 aufzuheben und ihm die
Niederlassungsbewilligung zu belassen. Das Bundesgericht befand mit
Urteil vom 11. Februar 2008 den verfügten Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung durch die zuständigen kantonalen Instanzen als bun-
desrechts- und konventionskonform und wies demnach die Beschwer-
de als unbegründet ab.
C.
Am 18. März 2008 unterbreitete die zuständige Behörde des Kantons
Zürich der Vorinstanz den Antrag, die am 8. November 2004 verfügte
kantonale Wegweisung auf die ganze Schweiz und das Fürstentum
Liechtenstein auszudehnen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs wurde
dem Beschwerdeführer vom BFM mit Schreiben vom 20. März 2008
die Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.
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Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragte am 9. April
2008, die Wegweisung sei nicht auszudehnen und stattdessen die vor-
läufige Aufnahme zu verfügen. Der Antrag wurde damit begründet, die
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers sei deshalb wider-
rufen worden, weil ihm vorgeworfen werde, die Niederlassungsbewilli-
gung angeblich rechtsmissbräuchlich erwirkt zu haben; die Tatsache,
dass er jedoch über eine Niederlassungsbewilligung verfügte, belege
eine entsprechende Integration. Der Beschwerdeführer habe daher
eine enge persönliche und wirtschaftliche Bindung zur Schweiz aufge-
baut, was zudem mit einem Referenzschreiben des Nachbarn bestätigt
würde. Es sei somit zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer aus humani-
tären Gründen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden solle. Art. 8
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) schütze nämlich nicht
nur das Familienleben, sondern auch das Privatleben. Der Wegwei-
sungsvollzug bezogen auf die ganze Schweiz sei nicht nur als inhu-
man zu bezeichnen, sondern stelle auch einen unverhältnismässigen
Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Privatleben dar. Aufgrund
der völkerrechtlichen Verpflichtung der Schweiz sei der Vollzug der
Wegweisung unzulässig und als Konsequenz daraus sei die vorläufige
Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De-
zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR
142.20) anzuordnen.
Mit Verfügung vom 17. April 2008 dehnte die Vorinstanz die kantonale
Wegweisungsverfügung vom 8. November 2004 auf die ganze
Schweiz sowie auf das Fürstentum Liechtenstein aus und setzte dem
Beschwerdeführer eine Frist bis zum 31. Mai 2008 an, um die Schweiz
zu verlassen. Die Vorinstanz entzog einer allfälligen Beschwerde ge-
gen die erlassene Verfügung die aufschiebende Wirkung.
D.
Am 22. Mai 2008 liess der Beschwerdeführer gegen den vorinstanzli-
chen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht fristgerecht Be-
schwerde einreichen. Sein Rechtsvertreter beantragt – unter Wieder-
holung der Ausführungen bei der Vorinstanz – die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung, die Rückweisung des Verfahrens an die
Vorinstanz zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung sowie eventua-
liter das Unterlassen der Ausdehnung der Wegweisung auf die ganze
Schweiz bzw. des Wegweisungsvollzuges und stattdessen die Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme. Im Weiteren verlangte der Rechtsver-
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treter der Beschwerde im vorsorglichen Sinne die aufschiebende Wir-
kung zu zuerkennen.
E.
Am 30. Mai 2008 zog das Bundesverwaltungsgericht die kantonalen
Akten herbei.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht gab mit Zwischenverfügung vom
4. Juni 2008 dem Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung nicht statt.
G.
Am 25. Juni 2008 reiste der Beschwerdeführer aus der Schweiz in sein
Heimatland aus.
H.
Mit Vernehmlassung vom 5. August 2008 stellte das BFM den Antrag
auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht for-
derte den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. August 2008 auf,
mitzuteilen, ob er an der Beschwerde festhalte und es wurde ihm zu-
gleich die Gelegenheit zur Replik gewährt. Mit Eingabe vom 4. Sep-
tember 2008 hielt der Beschwerdeführer schliesslich an seiner Be-
schwerde fest und ersuchte um wiedererwägungsweise Bestätigung,
dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe.
I.
Auf den übrigen Akteninhalt und weitere Vorbringen der Parteien wird,
soweit rechtserheblich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als
Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG aufgeführten Behörden. Darun-
ter fallen unter anderem Verfügungen des BFM betreffend Ausdehnung
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der kantonalen Wegweisung auf das ganze Gebiet der Schweiz, die
vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 1
Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 4 des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach den Bestimmungen des VwVG, so-
weit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG, vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG).
1.3 Zur Beschwerdelegitimation gemäss Art. 48 VwVG muss der Re-
kurrent ein aktuelles und praktisches Interesse an der Aufhebung oder
Änderung der angefochtenen Verfügung bzw. an der Überprüfung der
von ihm erhobenen Rügen haben. Die Ausreise des Beschwerdefüh-
rers in sein Heimatland führte indessen zum Vollzug des Wegwei-
sungsentscheides. Die angefochtene Massnahme ist somit durch Kon-
sumption dahingefallen. Eine allfällige Gutheissung der vorliegenden
Beschwerde vermöchte an dieser Situation nichts zu ändern und wür-
de dem Beschwerdeführer insbesondere kein Recht auf Wiedereinrei-
se vermitteln, womit das Erfordernis des aktuellen Rechtsschutzinter-
esses vorliegend nicht erfüllt wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2P.143/2003 vom 19. Dezember 2003 E. 1.2). Dennoch kann dem Be-
schwerdeführer die Schutzwürdigkeit seines Interesses nicht abge-
sprochen werden, denn er hat die Schweiz während eines hängigen
Verfahrens verlassen müssen. Das Interesse des Beschwerdeführers
ist jedoch nicht länger auf die Aufhebung der Verfügung gerichtet, son-
dern beschränkt sich auf die Feststellung, ob die angefochtene Mass-
nahme zum Zeitpunkt ihres Erlasses rechtens war (vgl. Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts C-3083/2008 vom 9. September 2008 E. 2.3).
Die Legitimation des Rekurrenten ist in diesem Rahmen somit zu beja-
hen und auf das frist- und formgerechte Rechtsmittel einzutreten
(Art. 49 ff. VwVG).
2.
Am 1. Januar 2008 traten das neue Bundesgesetz vom 16. Dezember
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer sowie die dazugehörigen
Ausführungsverordnungen in Kraft (u.a. die Verordnung vom 24. Okto-
ber 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR
142.201]). Das bisherige materielle Recht bleibt jedoch auf Verfahren
anwendbar, die – wie vorliegend – vor dem Inkrafttreten des AuG ein-
geleitet wurden (Art. 126 Abs. 1 AuG; vgl. dazu BVGE 2008/1 E. 2.3).
Die Beurteilung erfolgt somit nach dem damals geltenden Bundesge-
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setz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Aus-
länder (ANAG, BS 1 121) und der Vollziehungsverordnung vom
1. März 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung
der Ausländer (ANAV, AS 1949 228). Das Verfahren hingegen richtet
sich nach dem neuen Recht (vgl. Art. 126 Abs. 2 AuG).
3.
3.1 Gemäss Art. 12 Abs. 3 ANAG ist eine ausländische Person unter
anderem dann zur Ausreise verpflichtet, wenn ihr die Erteilung oder
Verlängerung einer Bewilligung verweigert oder wenn eine Bewilligung
– wie in casu – widerrufen wird. Die Behörde bestimmt in diesem Fall
die Ausreisefrist. Ist die Behörde eine kantonale, so hat der betroffene
Ausländer aus dem Kanton, ist sie eine eidgenössische, so hat er aus
der Schweiz auszureisen. Die eidgenössische Behörde kann die
Pflicht zur Ausreise aus dem Kanton auf die ganze Schweiz ausdeh-
nen (nachfolgend als Ausdehnung oder Ausdehnungsverfügung be-
zeichnet). Art. 17 Abs. 2 ANAV präzisiert diese Norm dahingehend,
dass "das Bundesamt für Migration in der Regel die Ausdehnung der
Wegweisung auf die ganze Schweiz verfügt, wenn nicht aus besonde-
ren Gründen dem Ausländer Gelegenheit geboten werden soll, in ei-
nem anderen Kanton um eine Bewilligung nachzusuchen".
3.2 Zum Verständnis der Regelung ist vorweg auf Art. 1a ANAG hinzu-
weisen. Danach ist eine ausländische Person dann zur Anwesenheit in
der Schweiz berechtigt, wenn sie über eine Aufenthalts- oder Nieder-
lassungsbewilligung verfügt oder nach dem Gesetz keiner solchen be-
darf (zum letzteren vgl. Art. 2 Abs. 1 ANAG und Art. 1 ANAV). Besitzt
sie keine Bewilligung und kann sie sich auch nicht auf ein gesetzliches
Bleiberecht berufen, so ist ihr Aufenthalt illegal und sie ist von Geset-
zes wegen verpflichtet, die Schweiz zu verlassen (vgl. Art. 12 ANAG,
ferner den Tatbestand des illegalen Aufenthaltes im Sinne von Art. 23
Abs. 1 ANAG sowie NICOLAS WISARD, Les renvois et leur exécution en
droit des étrangers et en droit d'asile, Basel/Frankfurt a.M. 1997,
S. 102). Vor diesem Hintergrund ist die Wegweisung einer ausländi-
schen Person kein Eingriff in ein irgendwie geartetes Anwesenheits-
recht, sondern eine exekutorische Massnahme zur Beseitigung eines
rechtswidrigen Zustandes (vgl. ANDREAS ZÜND, Beendigung der Anwe-
senheit, Entfernung und Fernhaltung, in: PETER UEBERSAX / PETER MÜNCH /
THOMAS GEISER / MARTIN ARNOLD [Hrsg.], Ausländerrecht, Ausländerinnen
und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, Steuerrecht und So-
zialrecht der Schweiz, Basel/Genf/München 2002, Rz. 6.53 mit Hinwei-
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sen) und zugleich dessen logische und nicht in Frage zu stellende
Konsequenz. Art. 12 Abs. 3 Satz 2 ANAG verleiht der Behörde kein
Entschliessungsermessen (vgl. dazu WISARD, a.a.O., S. 130). Die Weg-
weisung kann in dieser Konstellation namentlich nicht dadurch in Fra-
ge gestellt werden, dass die Ausreisepflicht thematisiert wird, bei-
spielsweise indem geltend gemacht wird, es bestehe ein überwiegen-
des privates Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz. Derartige
Einwendungen gehören in das kantonale Bewilligungsverfahren oder
sind – nach Verweigerung der Bewilligung – in das dafür vorgesehene
Rechtsmittelverfahren einzubringen. Vorbehalten bleiben Vollzugshin-
dernisse im Sinne von Art. 14a ANAG (vgl. dazu die nachfolgenden
E. 4.1–4.6; ferner WISARD, a.a.O., S. 103).
3.3 Das Gesagte gilt grundsätzlich für die ebenfalls exekutorisch wir-
kende Ausdehnungsverfügung. Wurde die ausländische Person im An-
schluss an einen negativen kantonalen Bewilligungsentscheid aus
dem Kanton weggewiesen und hat sie als Folge davon kein Recht zum
Aufenthalt in der Schweiz (Art. 1a ANAG), kann sie die Ausreisever-
pflichtung selbst nicht zum Thema des Verfahrens machen (vorbehal-
ten bleiben auch hier Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 14a
ANAG). Es ist ihr namentlich verwehrt, Interessen einzubringen, die
auf den weiteren Verbleib in der Schweiz gerichtet sind, denn die Aus-
reiseverpflichtung ist die gesetzliche Folge des fehlenden Aufenthalts-
rechts und ein Aufenthaltsrecht, das notwendig wäre, um die Ausreise-
pflicht zu beseitigen, wird der ausländischen Person durch den Ver-
zicht auf eine Ausdehnungsverfügung nicht vermittelt. Dies ist schon
deshalb nicht möglich, weil die sachliche Zuständigkeit zur Legalisie-
rung des Aufenthaltes nach der geltenden bundesstaatlichen Kompe-
tenzausscheidung nicht beim Bund, sondern bei den Kantonen liegt.
Der Bund hat wohl die Möglichkeit, im Einzelfall eine fremdenpolizeili-
che Regelung durch den Kanton zu verhindern, umgekehrt besitzt er
aber keine Kompetenz, einen Kanton zur fremdenpolizeilichen Rege-
lung einer ausländischen Person anzuhalten oder sie auch nur zu dul-
den (vgl. Art. 18 ANAG; davon ausgenommen sind das Asylrecht, das
hier nicht von Bedeutung ist, und die vorläufige Aufnahme).
3.4 Der Beschwerdeführer besass nach dem durch das Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Februar 2008 bestätigten Widerruf der Nie-
derlassungsbewilligung keinen Rechtstitel, der ihm den weiteren recht-
mässigen Verbleib in der Schweiz ermöglicht hätte. Es liegen keinerlei
Hinweise vor, dass der Kanton Zürich vor der Ausreise des Beschwer-
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deführers bereit gewesen wäre, dem Beschwerdeführer erneut eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Ebenso wenig geht aus den Akten
hervor, dass seitens eines Drittkantons die Bereitschaft bestanden
hätte, den Aufenthalt des Beschwerdeführers zu regeln. Schliesslich
wird vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht, es wären in
dieser Hinsicht entsprechende Anstrengungen unternommen worden.
Die Ausdehnung der kantonalen Wegweisung ist demnach zu Recht
ergangen.
4.
4.1 Unabhängig von der Bestätigung der Ausdehnungsverfügung
bleibt zu prüfen, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse entge-
gengestanden hätten, indem der Vollzug nicht möglich, nicht zulässig
oder nicht zumutbar gewesen wäre (vgl. Art. 14a Abs. 2–4 ANAG) und
die Vorinstanz gestützt auf Art. 14a Abs. 1 ANAG die vorläufige Auf-
nahme hätte verfügen müssen. Dabei gilt die vorläufige Aufnahme als
Ersatzmassnahme für den Vollzug der Wegweisung. Sie tritt neben die
Wegweisung, deren Bestand sie nicht antastet, sondern vielmehr vor-
aussetzt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-7622/2007 vom
19. August 2009 E. 6 [mit Hinweisen]).
4.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht möglich, wenn die ausländi-
sche Person weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in
einen Drittstaat verbracht werden kann. Er ist nicht zulässig, wenn völ-
kerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz – beispielsweise jene der
EMRK oder des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstel-
lung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) – einer Weiterreise in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann ins-
besondere nicht zumutbar sein, wenn er für die ausländische Person
eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2–4 ANAG).
4.3 Dass einer Rückkehr keine technischen Hindernisse im Wege ge-
standen hätten, ist unbestritten. Der Beschwerdeführer gilt gemäss Ak-
ten seit dem 25. Juni 2008 als ausgereist – der Wegweisungsvollzug
hat sich somit auch als möglich erwiesen.
4.4 Im Ausdehnungsverfahren kann die Ausreisepflicht selbst nicht
thematisiert werden. Es ist insbesondere verwehrt, Interessen einzu-
bringen, die auf den weiteren Verbleib in der Schweiz gerichtet sind,
was namentlich für den vorgebrachten Einwand des Rechtsvertreters
gilt, die Wegweisung verletzte den Anspruch des Privatlebens, der in
Art. 8 EMRK und Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen
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Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) einen grundrecht-
lichen Schutz erfährt. Soweit sich der Rechtsvertreter sowohl in der
Beschwerdeschrift als auch in der Replik auf die soziale und berufliche
Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz beruft sowie in die-
sem Zusammenhang die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör rügt (vgl. dazu unter anderem auch die Hinweise auf die Refe-
renzschreiben in den vorinstanzlichen Akten) und die Wegweisung als
eine Verletzung des vorgenannten Grundrechtes rügt, verkennt er,
dass diese Frage im Rahmen des kantonalen Bewilligungsverfahrens
bereits geprüft und abschliessend beurteilt worden ist und somit im
vorliegend zu beurteilenden Wegweisungsverfahren ohne Belang ist
(vgl. zum Ganzen ausführlich Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-2276/2007 vom 24. November 2007 E. 7). Aufgrund der vorne unter
Ziff. 3 genannten Zuständigkeiten ist eine Überprüfung des Widerrufes
der Niederlassungsbewilligung weder möglich noch zulässig.
4.5 Des Weiteren ergeben sich vorliegend weder aus den weiteren
Vorbringen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte
für die Annahme, die Rückkehr wäre aus völkerrechtlichen Gründen in
unzulässiger Weise erfolgt. So macht zwar der Rechtsvertreter gel-
tend, die Rückkehr des Beschwerdeführers in dessen Heimatland wür-
de Art. 3 EMRK verletzen, womit er implizit die Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 14a Abs. 3 ANAG rügt. Als
Begründung führt er erneut den langjährigen Aufenthalt in der Schweiz
an, weshalb die Rückkehr eine Persönlichkeitsverletzung im Sinne von
Art. 3 EMRK darstelle. Die vorinstanzliche Anordnung tangiert indes-
sen nicht den Schutzbereich von Art. 3 EMRK; die Ausreiseverpflich-
tung an sich stellt nämlich keine Persönlichkeitsverletzung dar, die als
Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung
zu qualifizieren wäre. Überdies macht der Beschwerdeführer nicht
geltend, es würden ihm im Heimatland eine solche Strafe oder
Massnahme drohen. Die vollzogene Wegweisung ist deshalb in
zulässiger Weise erfolgt.
4.6 Schliesslich ergeben sich auch keine Hinweise darauf, dass die
Wegweisung eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 14a Abs. 4
ANAG dargestellt hätte; es werden diesbezüglich keinerlei Vorbringen
vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Der Vollzug der Wegweisung
war somit auch zumutbar.
Seite 10
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5.
Somit ergibt sich, dass der angeordnete Vollzug der Wegweisung unter
allen gemäss Art. 14a ANAG massgebenden Aspekten rechtmässig
war. Für die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme bestand daher we-
der Anlass noch Raum. Die angefochtene Verfügung ist im Lichte von
Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden und die Beschwerde daher abzu-
weisen.
6.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer grundsätz-
lich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 11
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer
auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 800.- verrechnet.
3.
Dieses Urteil geht an:
- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref.-Nr. ZEMIS [...], Akten retour)
- das Migrationsamt des Kantons Zürich in Kopie (ad Ref.-Nr. ZH [...],
Akten retour)
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Antonio Imoberdorf Jürg Tiefenthal
Versand:
Seite 12