Abtei lung II I
C-5171/2008
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 1 . M a i 2 0 0 9
Richterin Franziska Schneider (Vorsitz),
Richterin Madeleine Hirsig, Richter Michael Peterli,
Gerichtsschreiberin Sabine Uhlmann.
A._______,
vertreten durch Advokat lic. iur. Dominik Zehntner,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
Vorinstanz.
Invalidenrente, Verfügung vom 17. Juni 2008.
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
C-5171/2008
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass der am (...) 1961 geborene, verheiratete, französische Staatsan-
gehörige (Grenzgänger) A._______ (Beschwerdeführer), gelernter
Schreiner, an seinem Arbeitsplatz am 3. März 2003 verunfallte, wobei
er sich eine Calcaneus-Trümmerfraktur rechts zuzog,
dass der Beschwerdeführer am 25. März 2004 bei der IV-Stelle
Z.______ ein Gesuch zum Bezug um Leistungen der schweizerischen
Invalidenversicherung eingereicht hat (act. 1, S. 1-9),
dass nach erfolgten medizinischen Abklärungen (vgl. unter anderem
Bericht der beruflichen Abklärungsstelle BEFAS, Bürgelspital
Z._______, vom 23. April 2007 [act. 47, S. 1-14], Gutachten von Dr.
med. B._______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
25. August 2007, [act. 55, S. 1-7]) dem Beschwerdeführer mit Vorbe-
scheid vom 1. April 2008 mitgeteilt wurde, dass er bei einem ermittel-
ten Invaliditätsgrad von 100% mit Wirkung ab 1. März 2004 bis am 28.
Februar 2007 Anspruch auf eine befristete ganze Rente habe; spätes-
tens ab der Abklärung der BEFAS im Februar 2007 werde von einer
Besserung des Gesundheitszustandes und einem Invaliditätsgrad von
32% ausgegangen (act. 60, S. 1-4),
dass der Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt D. Zehntner,
mit Einwand vom 25. April 2008 beantragen liess, vor dem Erlass der
Verfügung weitere medizinische Abklärungen durchführen zu lassen,
insbesondere um abzuklären, ob der Beschwerdeführer anlässlich des
im Jahr 1994 erlittenen Autounfalls eine Hirnverletzung erlitten habe
(act. 63, S. 1-4),
dass die zur Stellungnahme aufgeforderte Dr. C._______ vom regio-
nalärztlichen Dienst (RAD) am 23. Mai 2008 erklärte, weder die BE-
FAS noch Dr. B._______ hätten neurologische Auffälligkeiten beim Be-
schwerdeführer festgestellt, weshalb an der bisherigen Beurteilung
festgehalten werden könne (act. 68, S. 1-2),
dass die für den Erlass zuständige Eidgenössische Invalidenversiche-
rung für Versicherte im Ausland IVSTA (Art. 40 Abs. 2 der Verordnung
vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV, SR
831.201]) dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. Juni 2008
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eine ganze Rente, nebst einer Kinderrente, mit Wirkung ab 1. März
2004 befristet bis 28. Februar 2007 zugesprochen hat (act 70, S. 2-8),
dass der Beschwerdeführer, wiederum vertreten durch Rechtanwalt D.
Zehntner, die Verfügung vom 17. Juni 2008 mit Beschwerde vom 8. Au-
gust 2008 unter Beilage verschiedener Unterlagen – unter anderem
provisorischer Bericht von Prof. Dr. D._______ vom 29. Juli 2008 – hat
anfechten und beantragen lassen, die Verfügung vom 17. Juni 2008 sei
dahingehend abzuändern, als die darin vorgesehene Befristung der
ganzen Rente aufzuheben und der Versicherer zu verpflichten sei,
dem Beschwerdeführer über den 28. Februar 2007 hinaus eine ganze
Rente zu bezahlen; eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (BVGer
act. 1),
dass der Beschwerdeführer mit unaufgefordert eingereichter Eingabe
vom 16. September 2008 (beim Bundesverwaltungsgericht eingegan-
gen am 17. September 2008) einen Arztbericht von Prof. Dr.
D._______ vom 8. September 2008 hat einreichen lassen (BVGer act.
3),
dass die Vorinstanz mit Verweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle
Z._______ vom 12. September 2008 in ihrer Vernehmlassung vom
16. September 2008 (beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen
am 18. September 2008) die Abweisung der Beschwerde und die Be-
stätigung der Verfügung beantragte (BVGer act. 4),
dass die IV-Stelle Z._______ mit Stellungnahme vom 12. September
2008 (BVGer act. 4) gestützt auf die Stellungnahme von Dr.
C._______, RAD, vom 8. September 2008 (act. 73, S. 1-2) erklärte, es
gebe keinerlei Hinweise auf eine anlässlich des Verkehrsunfalls von
1994 erlittene Hirnschädigung, welche Einfluss auf die heute relevante
Arbeitsfähigkeit haben könnte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. Oktober 2008 die
Sistierung des Verfahrens mit der Begründung von laufenden neuro-
psychologischen Abklärungen beantragte und gleichzeitig um Frister-
streckung zur Einreichung der Replik ersuchte, die bis zum 30. Januar
2009 gewährt wurde,
dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 30. Januar 2009 weitere
medizinische Unterlagen (u. a. Brief der SUVA vom 16. Dezember
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2008 an die MEDAS Z._______, Zentrum für medizinische Begutach-
tung [ZMB]) einreichen und an seinen Rechtsbegehren vollumfänglich
festhalten liess,
dass die SUVA in ihrem Schreiben vom 16. Dezember 2008 ein inter-
disziplinäres Gutachten der Fachrichtungen Psychiatrie und Neurolo-
gie in Auftrag gab, um die Frage ihrer Leistungspflicht weiter abzuklä-
ren (BVGer act. 10),
dass die IV-Stelle Z._______ auf Empfehlung ihres regionalärztlichen
Dienstes (BVGer act. 13) der MEDAS Z.______, ZMB, mit Schreiben
vom 13. März 2009 Zusatzfragen bezüglich einer allfälligen Hirnverlet-
zung, welche einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könnte, ge-
stellt hat (BVGer act. 12),
dass die Vorinstanz mit Duplik vom 3. April 2009 unter Hinweis auf die
Stellungnahme der IV-Stelle Z._______ vom 3. März 2009 die Sistie-
rung des Verfahrens bis zum Vorliegen des von der SUVA in Auftrag
gegebenen Gutachtens beantragt hat (BVGer act. 13),
dass sich der Beschwerdeführer in seiner Triplik vom 23. April 2009 mit
dem Sistierungsantrag nicht einverstanden erklärte und weiterhin die
Gutheissung der Beschwerde beantragte (BVGer act. 15),
dass der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 28. April 2009 abge-
schlossen wurde,
dass die Vorinstanz am 24. April 2009 die ihr am 31. März 2009 zuge-
gangenen medizinischen Unterlagen zu den Akten gab (BVGer
act. 17),
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Bundesgeset-
zes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwal-
tungsgerichtsgesetz, VGG, SR 172.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d
VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) für die Behandlung
der vorliegenden Beschwerde zuständig ist,
dass der Beschwerdeführer im Sinn von Art. 48 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021) und Art. 59 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober
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2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) beschwerdelegitimiert ist,
dass die Beschwerde in Berücksichtigung des Fristenstillstands vom
15. Juli 2008 bis und mit 15. August 2008 frist- und formgerecht einge-
reicht worden ist (Art. 22a Abs. 1 Bst. b VwVG, Art. 50 Abs. 1 und Art.
52 Abs. 1 VwVG, vgl. auch Art. 60 ATSG),
dass nachdem der vom Beschwerdeführer einverlangte Kostenvor-
schuss von Fr. 400.-- fristgerecht eingegangen ist, auf die Beschwerde
einzutreten ist,
dass Art. 49 Bst. b VwVG die unvollständige Feststellung des Sachver-
halts ausdrücklich als Beschwerdegrund nennt,
dass den vorliegenden Akten zu entnehmen ist, dass die SUVA ein zu-
sätzliches interdisziplinäres Gutachten in Auftrag gegeben hat, um die
Frage des Vorliegens einer durch den Unfall vom 30. Dezember 1994
verursachten Hirnverletzung und einer allfälligen dadurch verursachten
Leistungspflicht abzuklären (Brief vom 16. Dezember 2008, BVGer
act. 10),
dass die IV-Stelle Z._______ auf Empfehlung ihres regionalärztlichen
Dienstes dem Zentrum für medizinische Begutachtung Zusatzfragen
im Rahmen des durch die SUVA erteilten Gutachtensauftrags gestellt
hat (Schreiben der IV-Stelle Z._______ vom 13. März 2009, BVGer act.
12),
dass somit der Sachverhalt aufgrund der vorliegenden Akten nicht hin-
reichend abgeklärt erscheint und sich das Bundesverwaltungsgericht
nicht veranlasst sieht, vom Schluss der IV-Stelle Z._______ abzuwei-
chen, wonach zur Beurteilung des Rentenanspruchs zusätzliche medi-
zinische Abklärungen erforderlich seien,
dass demnach dem Eventualantrag des Beschwerdeführers auf Rück-
weisung der Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts, insbe-
sondere zur Einholung des interdisziplinären Gutachtens, gestützt auf
Art. 61 Abs. 1 VwVG stattzugeben und der Antrag der Vorinstanz auf
Sistierung des Verfahrens abzuweisen ist,
dass die Beschwerde somit gutzuheissen ist,
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dass dem obsiegenden Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario) und der vom Be-
schwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- zurückzuer-
statten ist,
dass den Vorinstanzen keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art.
63 Abs. 2 VwVG),
dass dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Parteient-
schädigung zuzusprechen ist (Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass der Rechtsvertreter keine Honorarnote eingereicht hat,
dass die Parteientschädigung für Beschwerdeverfahren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht die Kosten der Vertretung sowie allfällige weite-
re notwendige Auslagen der Partei umfasst, die Parteientschädigung
nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin
zu bemessen ist und der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen
mindestens 200 und höchstens 400 Franken (exkl. Mehrwertsteuer)
beträgt (Art. 64 VwVG in Verbindung mit Art. 7, Art. 9 und Art. 10
VGKE),
dass im vorliegenden Verfahren aufgrund der Akten ein Anwaltsauf-
wand von 11 Stunden als angemessen erscheint, der zu einem Stun-
denansatz von Fr. 230.-- (exkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen ist,
dass für Auslagen Fr. 70.-- und damit die Parteientschädigung auf
Fr. 2'600.-- festzulegen ist,
dass die Mehrwertsteuer nur für Dienstleistungen geschuldet ist, die
im Inland gegen Entgelt erbracht wird, nicht jedoch im vorliegenden
Fall, in dem die Dienstleistung des Rechtsvertreters dem Beschwerde-
führer mit Wohnsitz im Ausland erbracht worden ist (Art. 5 Bst. b des
Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer
[Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, SR 641.20] in Verbindung mit Art. 14
Abs. 3 Bst. c MWSTG und Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Der Antrag der Vorinstanz auf Sistierung des Verfahrens wird abgewie-
sen.
2.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die angefochtene Verfügung
vom 17. Juni 2008 wird aufgehoben.
3.
Die Sache wird zur weiteren Abklärung des Sachverhalts im Sinn der
Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz
zurückgewiesen.
4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 400.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
5.
Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung in der Höhe
von Fr. 2'600.-- (inkl. Auslagen) zu Lasten der Vorinstanz zugespro-
chen.
6.
Dieses Urteil geht an:
- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (...)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen
- SUVA Basel
- Pensionskasse für das erweiterte Baugewerbe Region Z._______
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:
Franziska Schneider Sabine Uhlmann
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Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim
Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Vor-
aussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind.
Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende
Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).
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