B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-5475/2012
U r t e i l v o m 2 5 . N o v e m b e r 2 0 1 4
Besetzung
Richter Maurizio Greppi (Vorsitz),
Richter David Weiss, Richter Christoph Rohrer,
Gerichtsschreiber Yves Rubeli.
Parteien
A._______, (wohnhaft im Kosovo)
vertreten durch B._______,
dieser vertreten durch Dr. iur. Beat Frischkopf, Rechtsanwalt,
Bahnhofstrasse 24, Postfach 160, 6210 Sursee,
Beschwerdeführerin,
gegen
Schweizerische Ausgleichskasse SAK,
Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,
Vorinstanz.
Gegenstand
AHV, Witwenrente samt Waisenrente,
Einspracheentscheid vom 24. September 2012.
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass
die Schweizerische Ausgleichskasse (SAK; im Folgenden auch: Vorin-
stanz) mit Einspracheverfügung vom 24. September 2012 (SAK-act. 35) -
in Bestätigung ihrer Verfügung vom 26. Juli 2012 (SAK-act. 26) - den An-
spruch der in Kosovo wohnhaften A._______ (nachfolgend auch: Be-
schwerdeführerin) auf eine Witwenrente samt Waisenrente abwies,
die SAK dies damit begründete, dass die Schweiz das Abkommen vom
8. Juni 1962 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
ehemaligen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über Sozialversiche-
rung (SR 0.831.109.818.1; nachfolgend Sozialversicherungsabkommen)
im Verhältnis zu Kosovo seit dem 1. April 2010 nicht mehr weiterführe
(SAK-act. 35),
die SAK dabei ausführte, dass der verstorbene Ehemann der Beschwer-
deführerin, C._______, der zuletzt eine Dreiviertelsrente der Invaliden-
versicherung bezogen habe (SAK-act. 35 S. 2, SAK-act. 1), kosovari-
scher Staatsangehöriger gewesen sei und die Beschwerdeführerin ihren
Wohnsitz ausserhalb der Schweiz habe, weshalb nach Art. 18 des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlasse-
nenversicherung (AHVG, SR 831.10) kein Rentenanspruch bestehe,
die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Beat
Frischkopf, Sursee, gegen diesen Entscheid am 25. Oktober 2012 Be-
schwerde erheben und um Rentenzusprache per 1. Januar 2012 ersu-
chen liess (BVGer-act. 1),
die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 12. November 2012 die Ab-
weisung der Beschwerde beantragte (BVGer-act. 4),
die Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 26. November 2012 an ihrem
Antrag festhalten liess (BVGer-act. 6),
das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit
Art. 85bis Abs. 1 AHVG zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfü-
gungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG zuständig ist,
die SAK eine Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG ist und vorliegend
keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt,
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die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 59 des Bundesgesetzes vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) beschwerdelegitimiert ist,
die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1 ATSG
und Art. 52 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) eingereicht wurde, weshalb
darauf einzutreten ist,
Ausländer sowie ihre Hinterlassenen ohne Schweizer Bürgerrecht An-
spruch auf Alters- und Hinterlassenenrenten haben, solange sie ihren
Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und keine
abweichende zwischenstaatliche Vereinbarung besteht (gemäss Art. 18
Abs. 2 AHVG),
das Bundesgericht in BGE 139 V 263 (vom 19. Juni 2013) befand, dass
das Sozialversicherungsabkommen ab 1. April 2010 nicht weiter auf ko-
sovarische Staatsangehörige (Anerkennung Kosovos als unabhängiger
Staat durch den Bundesrat am 27. Februar 2008) anwendbar sei,
die Nichtweiterführung des Sozialversicherungsabkommens mit Kosovo
zur Folge hat, dass Staatsangehörige des Kosovos nach dem 31. März
2010 nicht mehr die Rechtsstellung als Vertragsausländerinnen und
-ausländer innehaben, sie seither als Nichtvertragsstaatsausländerinnen
und -ausländer gelten,
dieser Statuswechsel dazu führt, dass Renten von Staatsangehörigen
des Kosovos, die für den Zeitraum nach dem 31. März 2010 zugespro-
chen werden, nicht mehr ins Ausland exportierbar sind,
die laufenden Renten demgegenüber gemäss Art. 25 des Sozialversiche-
rungsabkommens Besitzstand geniessen,
massgebend für die Zusprache einer Witwen- bzw. Waisenrente der Ein-
tritt des Versicherungsfalles ist, d.h. vorliegend der Zeitpunkt des Todes-
falles,
der Ehemann der Beschwerdeführerin am 18. Dezember 2011 verstorben
ist (SAK-act. 3 S. 3),
demnach das Sozialversicherungsabkommen im Moment der Entstehung
des Anspruchs auf eine Witwen- oder Waisenrente keine Gültigkeit mehr
besass,
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die Beschwerdeführerin beschwerdeweise erklärte (BVGer-act. 1 S. 3),
ihr verstorbener Ehemann sei kosovarisch-serbischer Staatsangehöriger
gewesen und auch sie sei kosovarisch-serbische Staatsangehörige
(Doppelbürgerschaft),
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Automatismus,
dass Personen aus dem Kosovo neben der Staatsangehörigkeit des Ko-
sovos auch die serbische Staatsangehörigkeit besässen (das Abkommen
hat im Verhältnis zur Republik Serbien bis heute seine Gültigkeit be-
wahrt), zu verneinen ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
9C_534/2013 vom 13. Dezember 2013 E. 3),
das Bundesgericht in konkreten Anwendungsfällen für den Nachweis der
(auch) serbischen Staatsangehörigkeit auf den Grundsatz der "Aussage
der ersten Stunde" abstützte (vgl. Urteile 9C_534/2013 und 9C_533/2013
vom 16. Dezember 2013 [je insbesondere E. 4.1 m.w.H.]),
vorliegend die Beschwerdeführerin in ihrer Anmeldung für eine Hinterlas-
senrente vom 11. April 2012 als Staatsangehörigkeit lediglich Kosovo an-
gegeben hat (SAK-act. 2 S. 1; siehe auch weitere Anmeldung vom
21. Mai 2012 [SAK-act. 11 S. 1]), dieselbe Staatsangehörigkeit ihres ver-
storbenen Ehemannes angegeben und dies auch belegt hat (vgl. Death
Certificate vom 15. Februar 2012 des verstorbenen C._______ [SAK-
act. 3 S. 3] und Certificate of Residence der Beschwerdeführerin vom
29. Februar 2012 [SAK-act. 3 S. 2]),
die Beschwerdeführerin erstmals mit Beschwerde und nach Beauftragung
von RA Dr. Frischkopf geltend machte, ihr Ehemann sei kosovarisch-
serbischer Staatsangehöriger gewesen und auch sie sei kosovarisch-
serbische Staatsangehörige (BVGer-act. 1),
vorliegend gestützt auf die bundesgerichtliche Praxis und den Grundsatz
der "Aussage der ersten Stunden" die (erstmals) im Beschwerdeverfah-
ren erfolgte Geltendmachung einer - vorliegend nicht nachgewiesenen -
(auch) serbischen Staatsangehörigkeit als nachgeschoben und unbeacht-
lich zu qualifizieren ist,
die Beschwerdeführerin demnach als kosovarische Staatangehörige ohne
serbische Staatsbürgerschaft, deren ausländischer Wohnsitz unbestritten
ist, mangels abweichender staatsvertraglicher Regelung keinen Renten-
anspruch hat (vgl. Art. 18 Abs. 2 AHVG e contrario),
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in Bezug auf die ebenfalls beantragte Waisenrente für das Kind
D._______ (geboren 1990) kein Besitzstand aufgrund der früheren - we-
gen Invalidität ausgerichteten (vgl. SAK-act. 1 S. 2) - Kinderrente anzu-
nehmen ist, da die Kinderrente von einer Waisenrente, die wegen Tod
ausgerichtet wird, verschieden ist und zudem keine entsprechende An-
wartschaft (vgl. Art. 25 Abs. 2 des Abkommens) besteht,
das Verfahren für die Parteien kostenlos ist, weshalb keine Verfahrens-
kosten zu erheben sind (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),
die obsiegende Vorinstanz als Bundesbehörde keinen Anspruch auf Par-
teientschädigung hat (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 73.320.2]).
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
4.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Einschreiben)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Maurizio Greppi Yves Rubeli
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Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100
BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un-
terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel
sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42
BGG).
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