Bundesverwaltungsgericht
Tribunal administratif fédéral
Tribunale amministrativo federale
Tribunal administrativ federal
Abteilung III
C-5916/2008
Urteil vom 17. Dezember 2010
Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz),
Richter Alberto Meuli, Richter Francesco Parrino,
Gerichtsschreiberin Ingrid Künzli.
Parteien B._______, AG,
vertreten durch Dr. iur. Adrian Bachmann,
Beschwerdeführerin,
gegen
Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Mattenhofstrasse 5,
3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand Beschwerde gegen Verfügung des BLW vom 4. August
2008, Anwendungsbeschränkung von carbendazimhaltigen
Pflanzenschutzmittel (P._______ _______).
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Sachverhalt:
A.
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW; im Folgenden auch:
Vorinstanz) erteilte der B._______ (Schweiz) AG, _______ (im
Folgenden: Beschwerdeführerin) am 28. Mai 2001 erstmals eine
teilweise definitive Bewilligung für das Pflanzenschutzmittel P._______
(_______) als Fungizid, Saatbeizmittel zur Bekämpfung verschiedener
Pilzkrankheiten. Das Produkt enthält den Wirkstoff Carbendazim
(BLW-Akten p. 1). Die Bewilligung wurde am 16. Dezember 2002
definitiv für die Indikationen im Obstbau (allg., Apfel), im Gemüsebau
(Gewächshaus: Gurken, Knollensellerie, Speisepilze, gedeckte
Kulturen: Tomaten), im Feldbau (Raps, Saatkartoffeln) und in
Zierpflanzen (allg., Blautanne, Primeln, Wacholder) erteilt (BLW-Akten p.
5). Diese unbefristete (altrechtliche) Bewilligung wurde am 12. April
2007 durch eine auf zehn Jahre befristete Bewilligung ersetzt (BLW-
Akten p. 13).
B.
Mit Schreiben vom 15. November 2007 informierte das BLW die
Beschwerdeführerin darüber, dass der Wirkstoff Carbendazim in den
Anhang I der Richtlinie 91/414/EWG des Rates vom 15. Juli 1991 (im
Folgenden: RL 91/414/EWG) aufgenommen worden sei, jedoch nur für
drei Jahre und mit Auflagen. Carbendazimhaltige Produkte könnten in
der Europäischen Union (EU) nur noch zur Anwendung in Getreide, Mais,
Rapssamen und Zuckerrüben zugelassen werden. Das BLW teilte weiter
mit, es beabsichtige den Anwendungsbereich in der Schweiz
demjenigen in der EU anzupassen. Von dieser Massnahme seien
mehrere Produkte der Beschwerdeführerin betroffen. Die
Anwendung im Kernobst sei allerdings von den Experten des BLW als
wichtig erachtet worden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) werde
durch eine Risikobeurteilung abklären, ob diese Anwendung weiter
bewilligt werden könne (BLW-Akten p. 17).
C.
Die Beschwerdeführerin wandte sich mit Schreiben vom 13. Dezember
2007 gegen diese Ankündigung und führte im Wesentlichen aus, mit der
Aufhebung der Bewilligungen des Pflanzenschutzmittels P._______
für den Einsatz in "fresh crops" sei sie einverstanden. Sie sei aber der
Auffassung, dass die Bewilligung für den Einsatz in Zierpflanzen und in
Sonnenblumen aufrecht erhalten werden sollte (BLW-Akten p. 19).
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D.
Nachdem das BLW mit Schreiben vom 7. Februar 2008 erneut seine
Absicht der Angleichung an die Situation in der EU bekräftigt hatte
(BLW-Akten, p. 21), beschränkte es mit Verfügung vom 4. August 2008
die Bewilligung für P._______ per sofort auf die Indikation in Raps (BLW-
Akten, p. 23). Zur Begründung führte es aus, carbendazimhaltige
Pflanzenschutzmittel dürften aus humantoxikologischen Gründen
nur noch für die Indikationen Getreide, Mais, Raps und Zuckerrübe
zugelassen werden, und verwies auf Art. 22 der
Pflanzenschutzmittelverordnung vom 18. Mai 2005 (PSMV, SR
916.161). Zusätzlich seien weitere Sicherheitshinweise auf der Etikette
und in der Gebrauchsanweisung aufzunehmen. Dem Antrag auf
Beibehaltung der Zulassung für die Anwendung in Zierpflanzen
und Sonnenblumen könne nicht zugestimmt werden.
E.
Am 15. September 2008 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung
vom 4. August 2008 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben. Eventualiter sei die Verfügung dahingehend abzuändern,
dass die Bewilligung für P._______ über die bewilligte Indikation in Raps
hinaus auch für die Indikationen in Sonnenblumen, Zierpflanzen und
Apfelanbau erteilt werde.
Zur Begründung ihrer Anträge führte die Beschwerdeführerin aus,
P._______ werde seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich im Obst-,
Gemüse- und Feldbau sowie bei Zierpflanzen eingesetzt, ohne dass
es zu irgendwelchen bekannten Schadenfällen oder toxikologischen
Problemen gekommen sei. So sei erst am 12. April 2007 eine neue
Bewilligung für die maximale Bewilligungsdauer von 10 Jahre erteilt
worden. Die Vorinstanz habe während Jahren keine weiteren
Unterlagen zur Toxikologie einverlangt. Wenn sie nun die Bewilligung
insofern ändere, als verschiedene Indikationen nicht mehr zugelassen
würden, komme dies faktisch einem Widerruf gleich. Dieser Widerruf
verletzte den Grundsatz des Vertrauensschutzes nach Art. 9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (BV, SR 101) und die in Lehre und Praxis dazu
entwickelten Grundsätze.
Der Vertrauensschutz könne entweder in Form des sogenannten
Bestandesschutzes eine Bindung der Behörden an die
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Vertrauensgrundlage bewirken oder aber dem betroffenen Privaten
einen Entschädigungsanspruch gegenüber dem Staat verschaffen.
In der schweizerischen Rechtsprechung stehe der Bestandesschutz
im Vordergrund. Insbesondere wenn das Interesse am
Vertrauensschutz gegenüber dem Interesse an der Gesetzmässigkeit
eindeutig dominiere, sei die Vertrauen erweckende Anordnung
aufrecht zu erhalten. Da vorliegend keine überwiegenden öffentlichen
Interessen vorlägen, die dem Vertrauensschutz im Sinne des
Bestandesschutzes entgegen ständen, sei grundsätzlich die gültige
Bewilligung aufrecht zu erhalten.
Abschliessend machte sie zusammenfassend geltend, der
Vertrauensschutz könne entweder in Form des sogenannten
Bestandesschutzes eine Bindung der Behörden an die
Vertrauensgrundlage bewirken oder aber dem betroffenen Privaten einen
Entschädigungsanspruch gegenüber dem Staat verschaffen. In der
schweizerischen Rechtsprechung stehe der Bestandesschutz im
Vordergrund. Insbesondere wenn das Interesse am Vertrauensschutz
gegenüber dem Interesse an der Gesetzmässigkeit eindeutig
dominiere, sei die Vertrauen erweckende Anordnung aufrecht zu
erhalten. Da vorliegend keine überwiegenden öffentlichen Interessen an
einem Widerruf vorlägen, sei die gültige Bewilligung aufrecht zu
erhalten.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2008 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde – unter Kostenfolge zu
Lasten der Beschwerdeführerin.
Zunächst hielt die Vorinstanz insbesondere fest, die altrechtliche,
unbefristete Bewilligung sei am 14. September 2007 (recte: 12. April
2007) durch eine auf zehn Jahre befristete Bewilligung ersetzt
worden, ohne dass zu diesem Zeitpunkt oder später geprüft worden sei,
ob noch alle Bewilligungsvoraussetzungen erfüllt seien. Am
12. Dezember 2006 sei im Amtsblatt der Europäischen Union (L
349/37) die Richtlinie 2006/135/EG der Kommission vom
11. Dezember 2006 zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates
zwecks Aufnahme des Wirkstoffes Carbendazim (im Folgenden: RL
2006/135/EG) veröffentlicht worden. Gemäss dem ergänzten Anhang I
der RL 91/414/EWG (vgl. Art. 1 der RL 2006/135/EG) unterstehe die
Anwendung des Wirkstoffes Carbendazim als Fungizid restriktiven
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Einschränkungen und dürfe insbesondere nur noch in den Kulturen
Getreide, Rapssamen, Zuckerrüben und Mais zugelassen werden.
Nach Art. 3 Abs. 1 RL 2006/ 135/EG hätten die Mitgliedstaaten bis zum
30. Juni 2007 zu prüfen, ob die geltenden Zulassungen
carbendazimhaltiger Pflanzenschutzmittel die Bedingungen des
Anhangs I der RL 91/414/EWG erfüllten (mit Ausnahme der Bedingungen
gemäss Anhang I Teil B). Treffe dies nicht zu, müssten die
Mitgliedstaaten innert dieser Frist die Zulassungen ändern oder
widerrufen. Gemäss Art. 3 Abs. 2 RL 2006/135/EG müssten die
Mitgliedstaaten bis spätestens 31. Dezember 2009 zudem jedes
zugelassene Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Carbendazim
einer vollumfänglichen Neubewertung – inklusive der Bedingungen
gemäss Anhang I Teil B – unterziehen und allenfalls die Bewilligungen
anpassen oder widerrufen.
Das BLW sei aufgrund der Erwägungen der Kommission der
Europäischen Gemeinschaft (im Folgenden: Kommission) zur
Überzeugung gelangt, dass das Gefährdungspotenzial des Wirkstoffes
Carbendazim ausserhalb der Indikationen Getreide, Mais, Raps und
Zuckerrübe als unannehmbar zu beurteilen sei. Eine Aufrechterhaltung
der Zulassung für andere Indikationen gefährde den Menschen zu sehr,
weshalb in Anwendung von Art. 22 PSMV die Zulassung für das
Pflanzenschutzmittel P._______ abgeändert worden sei. Diese
Massnahme sei recht- und verhältnismässig.
G.
In ihrer Replik vom 17. Februar 2009 hielt die Beschwerdeführerin an den
gestellten Rechtsbegehren fest.
Sie rügte vorab, obwohl die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht entzogen habe, sei die
Bewilligung für P._______ laut ihrer Webseite per sofort auf die
Anwendung in Raps beschränkt worden. Diese Information sei auch
durch Agroscope weiterverbreitet worden, worauf der Umsatz von
P._______ eingebrochen sei. Die Beschwerdeführerin habe daher
umgehend beim BLW interveniert, worauf dieses die Angaben im
Pflanzenschutzmittelverzeichnis korrigiert und auch Agroscope
aufgefordert habe ihre Mitteilungen zu berichtigen. Da der Verkauf
von P._______ dennoch praktisch zu Erliegen gekommen sei, werde
dies Schadenersatzansprüche im Sinne von Art. 55 Abs. 4 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
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Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zur Folge haben, welche
beim Eidgenössischen Finanzdepartement geltend gemacht werden
könnten.
Weiter bemängelt die Beschwerdeführerin, das BLW setze sich in der
Vernehmlassung nicht mit den Vorbringen in der Beschwerde
auseinander, sondern zitiere lediglich die gesetzlichen Regelungen in
der Schweiz und der EU. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
Vorinstanz vier Monate nach Bekanntwerden der neuen EU-Regelung
der Beschwerdeführerin noch am 12. April 2007 eine unbeschränkte
zehnjährige Bewillligung erteilt habe. Das BLW habe keine eigenen
Abklärungen vorgenommen, sondern sich lediglich auf die vorläufigen,
generellen Erkenntnisse der EU gestützt.
H.
Mit Duplik vom 23. März 2009 beantragte die Vorinstanz erneut, die
Beschwerde sei abzuweisen.
Zu den Vorbringen in der Replik führte die Vorinstanz im Wesentlichen
aus, es sei unbestritten, dass der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zukomme. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien
im vorliegenden Verfahren, in dem es um eine
Anwendungsbeschränkung gehe, insoweit irrelevant, als sie die
Pflanzenschutzmittel C._______, M.________ und O._______ beträfen.
Der Vertrauensschutz könne vorliegend nicht greifen, da sie
gegenüber der Beschwerdeführerin nie die Zusicherung abgegeben
habe, die Bewilligung könne in den nächsten zehn Jahren nicht
geändert werden. Die Statuierung der zehnjährigen Bewilligungsdauer im
Jahre 2007 sei einzig zur Anpassung an die (zwischenzeitlich revidierte)
PSMV im Rahmen einer Bewilligungsänderung erfolgt, die aufgrund des
Antrags der Beschwerdeführerin vom 16. Juni 2006 um Streichung
einer Indikation verfügt worden sei.
Der Beschwerdeführerin sei es zudem vor Erlass der
Widerrufsverfügung offen gestanden, die Entscheidung des BLW
durch die Nachreichung von Unterlagen zu beeinflussen. Dies habe
sie jedoch unterlassen.
I.
In seinem Schreiben vom 8. April 2009 verzichtete das BAG auf die
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Einreichung einer Stellungnahme im Beschwerdeverfahren. Das
Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) liess sich nicht vernehmen.
J.
Mit Verfügung vom 17. April 2009 schloss der Instruktionsrichter den
Schriftenwechsel.
K.
Am 23. Dezember 2009 reichte die Beschwerdeführerin eine
Noveneingabe ein und beantragte erneut, die Verfügung der
Vorinstanz vom 4. August 2008 sei aufzuheben – unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Sie machte im Wesentlichen geltend, seit der Einreichung ihrer früheren
Rechtsschriften habe sich die Rechtslage in der EU geändert. Mit der
Richtlinie 2009/152/EG der Kommission vom 30. November 2009 zur
Änderung der RL 91/414/EWG des Rates hinsichtlich des Ablaufs der
Frist für die Aufnahme des Wirkstoffs Carbendazim in Anhang I (im
Folgenden: RL 91/414/EWG) sei die RL 91/414/EWG insofern revidiert
worden, als die Frist zur Überprüfung der aktuellen Zulassungen von
carbendazimhaltigen Produkten in der EU bis zum 31. Dezember 2010
erstreckt worden sei. Begründet werde dies im Wesentlichen mit dem
Umstand, dass es unmöglich sei, die zur Erneuerung der
Bewilligungen erforderlichen Abklärungen bis Ende 2009
vorzunehmen. Dies belege, dass die von der Vorinstanz geltend
gemachte Gefährdung durch den Wirkstoff nicht gewichtig sein könne,
hätte doch die EU andernfalls die Bewilligungen kaum generell, ohne
irgendwelche neuen Untersuchungsresultate um ein weiteres Jahr
erstreckt. Es bestehe demnach nach heutigem Erkenntnisstand kein
Grund für einen Änderung der Bewilligung für P._______.
L.
Nachdem der Instruktionsrichter den Schriftenwechsel wieder eröffnet
hatte, bekräftige das BLW mit Stellungnahme vom 12. Januar 2010 seine
Rechtsbegehren.
Zu den neuen Vorbringen der Beschwerdeführerin hielt es fest, die
Fristverlängerung der EU diene einzig dazu, das Verfahren zur
Erneuerung der Aufnahme von carbendazimhaltigen Produkten vor
Ablauf der Eintragungsfrist abzuschliessen. Anhang 1 der RL 91/414/
EWG bleibe ansonsten unverändert; insbesondere würden die
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Anwendungsbeschränkungen nicht geändert. Es sei unzutreffend,
dass aus dem Vorgehen der EU geschlossen werden könne, dass die
Gefährdung durch den Wirkstoff Carbendazim nicht gewichtig sei.
Vielmehr sei das Gefährdungspotenzial ausserhalb der
Anwendungsbereiche Getreide, Rapssamen, Zuckerrüben und Mais
weiterhin als unannehmbar zu beurteilen. Die angefochtene Verfügung
sei daher weiterhin recht- und verhältnismässig.
M.
Mit Verfügung vom 13. Januar 2010 schloss der Instruktionsrichter
erneut den Schriftenwechsel.
N.
Am 9. September 2010 wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, zur
Anwendbarkeit und den allfälligen Auswirkungen der am 1. Juni
2010 in Kraft getretenen Änderungen der PMSV Stellung zu nehmen.
O.
Die Vorinstanz führte am 24. September 2010 aus, die Änderung der
Bewilligung von P._______ bleibe auch bei der Anwendung der
geänderten PSMV rechtsmässig. Gemäss Art. 23 Abs. 3 PSMV könne
zudem keine Ausverkaufsfrist mehr gewährt werden, wenn die Gründe
für den Widerruf der Bewilligung eine als unannehmbar erachtete,
potenziell gefährliche Wirkung des Pflanzenschutzmittels beträfen.
Grundsätzlich sei die Änderung auf das vorliegende Verfahren
anwendbar, andernfalls hätte der Verordnungsgeber eine
Übergangsfrist vorsehen müssen. Aufgrund des Vertrauensschutzes
der Beschwerdeführerin erscheine es aber vorliegend sachgerecht,
das neue Recht nicht anzuwenden.
P.
Mit Eingabe vom 7. Oktober 2010 verwies die Beschwerdeführerin auf die
Rechtsprechung des Bundesgerichts und kam zum Schluss, dass die
Anwendung des neuen Rechts dann unzulässig sei, wenn das Verfahren
übermässig lange gedauert habe und ohne diese Verzögerung das alte
Recht angewendet worden wäre. Die Frage der Anwendbarkeit des
neuen Rechts brauche jedoch nicht weiter vertieft zu werden, da die
angefochtene Verfügung bereits in allen Punkten dem neuen
Recht entspreche.
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Q.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten
Unterlagen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Angefochten ist die Verfügung des BLW vom 4. August 2008, mit welcher
die Bewilligung für das Inverkehrbringen des Pflanzenschutzmittels
P._______ (_______) geändert und verschiedene Indikationen
gestrichen wurden.
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den
anfechtbaren Verfügungen gehören jene, die das BLW in Anwendung
des Bundesgesetzes vom 29. April 1998 über die Landwirtschaft
(LwG, SR 910.1) und dessen Ausführungsbestimmungen erlässt,
zumal das BLW eine Dienststelle der Bundesverwaltung ist (Art. 33 Bst. d
VGG in Verbindung mit Art. 166 Abs. 2 LwG). Eine Ausnahme, was das
Sachgebiet betrifft, ist in casu nicht gegeben (Art. 32 VGG).
1.2. Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerdeführung vor dem
Bundesverwaltungsgericht legitimiert, wer vor der Vorinstanz am
Verfahren teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung
besonders berührt ist und ein schützenswertes Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung hat. Die Voraussetzungen der
Beschwerdebefugnis müssen grundsätzlich im Urteilszeitpunkt
vorliegen (vgl. ISABELLE HÄNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
Zürich 2008 [im Folgenden: Kommentar VwVG], Rz. 1 ff. zu Art. 48 Abs.
1).
1.3. Die Beschwerdeführerin hat als Bewilligungsinhaberin am
vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen. Sie ist als Adressatin
durch die angefochtene Verfügung ohne Zweifel besonders berührt
und hat an deren Aufhebung bzw. Änderung ein schutzwürdiges
Interesse. Nachdem der Verfahrenskostenvorschuss innert gesetzter
Frist geleistet worden ist, kann auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde eingetreten werden.
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2.
Streitig und zu prüfen ist, ob das Institut zu Recht die Bewilligung für das
Pflanzenschutzmittel P._______ geändert und verschiedene
Indikationen gestrichen hat.
2.1. Die Beschwerdeführerin kann im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter
Einschluss des Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts sowie
die Unangemessenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49
VwVG).
2.2. Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der
Begehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die
Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer
Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ
GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212).
2.3. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft nur den Entscheid der
unteren Instanz und setzt sich nicht an deren Stelle. Insbesondere
dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung unbestimmter
Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hoch stehende,
spezialisierte technische oder wissenschaftliche Kenntnisse erfordert,
ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprüfung
vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 130 II 449 E. 4.1, BGE
126 II 43 E. 4c, BGE 121 II 384 E. 1, BGE 108 V 130 E. 4c/dd; vgl. auch
VPB 67.31 E. 2, VPB 68.133 E. 2.4; Sozialversicherungsrecht –
Rechtsprechung [SVR] 1994 KV Nr. 3 E. 3b;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 74 f. Rz. 2.154 ff.; YVO
HANGARTNER, Behördenrechtliche Kognitionsbeschränkungen in
der Verwaltungsrechtspflege, in: Benoît Bovay/Minh Son Nguyen
[Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005, S. 326 f.,
BEATRICE WAGNER PFEIFFER, Zum Verhältnis von fachtechnischer
Beurteilung und rechtlicher Würdigung im Verwaltungsverfahren,
in: ZSR, NF 116, I. Halbbd., S. 442 f.).
3.
Vorschriften über den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln finden sich
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sowohl in der Chemikalien- als auch in der
Landwirtschaftsgesetzgebung.
3.1. Gemäss Art. 6 Bst. b des Bundesgesetzes vom 15. Dezember 2000
über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (ChemG,
SR 813.1) bedarf das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln
einer behördlichen Zulassung. Diese wird erteilt, wenn ein derartiges
Produkt bei der vorgesehenen Verwendung insbesondere keine
unannehmbaren Nebenwirkungen auf die Gesundheit des Menschen
oder von Nutz- und Haustieren hat (Art. 11 Abs. 1 ChemG). Die
Zulassungsarten und –verfahren sowie die Ausnahmen von der
Zulassungspflicht werden in der Landwirtschaftsgesetzgebung
geregelt, wobei der Bundesrat beim Erlass der entsprechenden
Ausführungsbestimmungen den Gesundheitsschutz im Sinne des
Chemikaliengesetzes zu berücksichtigen hat (Art. 11 Abs. 2 ChemG).
3.2. Gemäss Art. 160 Abs. 1 LwG erlässt der Bundesrat Vorschriften
über die Einfuhr und das Inverkehrbringen von landwirtschaftlichen
Hilfsstoffen. Darunter fallen insbesondere auch Pflanzenschutzmittel
(Art. 158 Abs. 1 LwG). Diese dürfen nur eingeführt oder in Verkehr
gebracht werden, wenn sie sich zur vorgesehenen Verwendung eignen,
bei vorschriftsgemässer Verwendung keine unannehmbaren
Nebenwirkungen haben und Gewähr dafür bieten, dass damit
behandelte Ausgangsprodukte Lebensmittel und
Gebrauchsgegenstände ergeben, welche die Anforderungen der
Lebensmittelgesetzgebung erfüllen (Art. 159 Abs. 1 LwG). Diese
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.
3.3. Gestützt auf diese gesetzlichen Grundlagen hat der Bundesrat im
Rahmen der PSMV detaillierte Vorschriften über die Zulassung und das
Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln erlassen.
3.3.1. Gemäss Art. 4 Abs. 1 PSMV dürfen Pflanzenschutzmittel nur dann
in Verkehr gebracht werden, wenn sie zugelassen sind (abgesehen von
Ausnahmen, die im vorliegenden Verfahren ohne Belang sind). Die
Zulassungspflicht soll sicherstellen, dass Pflanzenschutzmittel
hinreichend geeignet sind und bei vorschriftsgemässem Umgang keine
unannehmbaren Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben
(Art. 1 PSMV). Die Zulassung wird jeweils für ein bestimmtes
Pflanzenschutzmittel in einer bestimmten Zusammensetzung, mit
einem bestimmten Handelsnamen, für bestimmte
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Verwendungszwecke, einer bestimmten Herstellerin erteilt (Art. 4
Abs. 2 Bst. a bis d PSMV). Für Pflanzenschutzmittel gibt es drei Arten
der Zulassung: Die Zulassung aufgrund eines Bewilligungsverfahrens
(Art. 5 Abs. 1 Bst. a PSMV), die Zulassung zur Bewältigung von
Ausnahmesituationen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b PSMV) und die Zulassung
durch Aufnahme in eine Liste von im Ausland zugelassenen
Pflanzenschutzmitteln, die in der Schweiz bewilligten
Pflanzenschutzmitteln entsprechen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c PSMV). Das
Bewilligungsverfahren gemäss Art. 5 Abs. 1 Bst. a PSMV wird
insbesondere in den Art. 11 bis 29 PSMV einlässlich geregelt.
3.3.2. Gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. b PSMV wird ein Pflanzenschutzmittel
bewilligt, wenn alle im Produkt enthaltenen Wirkstoffe in Anhang 1 PSMV
aufgenommen sind (Abs. 1 Bst. a) und nach dem jeweiligen Stand der
wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse und den Anforderungen
nach den Anhängen 2 und 3 PSMV sichergestellt ist, dass es bei
sachgemässer Anwendung und im Hinblick auf alle normalen
Verhältnisse, unter denen es angewendet wird, sowie im Hinblick auf
die Folgen dieser Anwendung hinreichend geeignet ist (Abs. 1 Bst. b
Ziff. 1) und keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf die Umwelt,
auf Kulturpflanzen oder Erntegüter sowie auf die Gesundheit von Mensch
und Tier hat (Abs. 1 Bst. b Ziff. 2, 4 und 5). Die
Bewilligungsvoraussetzungen werden im Anhang 6 PSMV
konkretisiert (vgl. Art. 10 Abs. 2 PSMV).
3.4. Die Bewilligung wird in Form einer förmlichen
Dauerrechtsverfügung erteilt, die ein Rechtsverhältnis in
verbindlicher Art und Weise regelt. Diese Verbindlichkeit äussert sich
zunächst als Rechtswirksamkeit, Rechtskraft und
Rechtsbeständigkeit. Durch die Rechtswirksamkeit darf von den
eingeräumten Befugnissen Gebrauch gemacht werden; die in der
Verfügung festgelegten Rechte und Pflichten werden verbindlich. In
Lehre und Rechtsprechung wird zwischen materieller und formeller
Rechtskraft unterschieden: Ist die Verfügung mit keinem ordentlichen
Rechtsmittel mehr anfechtbar, wird sie formell rechtskräftig. Aus der
formellen fliesst grundsätzlich die materielle Rechtskraft, welche zur
Folge hat, dass eine Verfügung mit ordentlichen Rechtsmitteln nicht
erneut zum Gegenstand eines Justizverfahrens gemacht werden
kann. Der Begriff der materiellen Rechtskraft eignet sich jedoch nicht für
die Anwendung im Verwaltungsrecht, weil insbesondere
Dauerrechtsverfügungen angesichts sich ändernder tatsächlicher
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und rechtlicher Verhältnisse grundsätzlich nicht unumstösslich sein
können. Da Verfügungen unter bestimmten Umständen abänderbar
sein müssen, erwachsen diese nicht in materielle Rechtskraft, sondern
werden – nach verwaltungsrechtlichem Sprachgebrauch –
rechtsbeständig. Die Rechtsbeständigkeit einer formell
rechtskräftigen Verfügung äussert sich darin, dass sie nur unter
bestimmten Voraussetzungen einseitig aufgehoben oder zum
Nachteil des Adressaten abgeändert werden darf (vgl. zum Ganzen
etwa TSCHANNEN/ ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 283 f. Rz. 5 f. mit
Hinweisen).
3.5. Die Terminologie bezüglich der Abänderung von Verfügungen ist in
Lehre und Rechtsprechung nicht einheitlich; es werden Begriffe wie
Widerruf, Änderung, Revision, Wiedererwägung u.a. verwendet, ohne
dass immer der gleiche zugrunde liegende Sachverhalt gemeint ist.
Allgemein Einigkeit herrscht aber darüber, dass immer in einem ersten
Schritt geprüft werden muss, ob ausreichende Gründe für ein
Rückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung bestehen, und
in einem zweiten Schritt, ob ausreichende Gründe vorliegen, die – der
formellen Rechtskraft nunmehr entkleidete – Verfügung in der Sache zu
ändern. Werden die Voraussetzungen für die Abänderung einer
Verfügung spezialgesetzlich näher umschrieben, so ist bei der
Beurteilung der Zulässigkeit einer Änderung oder eines teilweisen
Widerrufs in erster Linie auf die rechtssatzmässige Regelung
abzustellen. (vgl. TSCHANNEN/ ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 290 ff. Rz.
29 ff.).
3.6. Die PSMV regelt in Art. 21 ff. PSMV die Überprüfung, die Änderung
und den Widerruf von Bewilligungen.
3.6.1. Die Zulassungsstelle kann eine Bewilligung jederzeit überprüfen
(Art. 21 Abs. 1 PSMV). Gemäss Art. 21 Abs. 2 PSMV muss sie eine
Überprüfung vornehmen, wenn ihr neue Informationen vorliegen oder
wenn es Anzeichen dafür gibt, dass die Bewilligungsvoraussetzungen
nicht mehr erfüllt sind. Zu diesem Zweck verlangt sie von sich aus oder
auf Antrag einer Beurteilungsstelle von der Bewilligungsinhaberin
zusätzliche Informationen, Unterlagen oder Abklärungen, die für die
Überprüfung notwendig sind (Art. 21 Abs. 3 PSMV). Art. 21 PSMV
enthält keine Vorschriften darüber, welche Massnahmen in Folge einer
Überprüfung der Bewilligung getroffen werden können.
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3.6.2. Auf begründetes Gesuch der Bewilligungsinhaberin hin kann eine
Bewilligung geändert oder mit Auflagen versehen werden, sofern die
Bewilligungsvoraussetzungen weiter erfüllt sind (Art. 22 Abs. 1 PSMV).
Ebenfalls geändert oder mit neuen Auflagen versehen werden, kann eine
Bewilligung aufgrund der verfügbaren Ergebnisse des EG-Verfahrens
zur Überprüfung der Wirkstoffe (Art. 22 Abs. 1bis PSMV in der Fassung
vom 8. November 2006, in Kraft vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Mai
2010 [AS 2006 4851 und 2010 2101]). Zudem kann die
Zulassungsstelle von sich aus oder auf Antrag einer Beurteilungsstelle
eine Bewilligung ändern, wenn dies nach dem neuesten Stand von
Wissenschaft und Technik zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt
erforderlich ist (Art. 22 Abs. 2 PSMV). Die Änderung wird durch die
Zulassungsstelle verfügt (Art. 56 Abs. 4 PSMV).
3.6.3. In Art. 23 Abs. 1 Bst. a bis j PSMV werden in einer ausführlichen
Liste die Voraussetzungen für den Widerruf der Bewilligung geregelt. Die
genannten Gründe für den Widerruf einer Verfügung dienen – im
Einklang mit dem Zweckartikel der Pflanzenschutzmittelverordnung (Art.
1 PSMV) – alle dem Schutz von Mensch, Tier und Umwelt vor möglichen
Gefahren, die vom Einsatz eines bereits bewilligten
Pflanzenschutzmittels ausgehen könnten (vgl. Erläuterungen vom 18.
Juni 2003 zur PSMV, S. 9 f.). Nur solche Produkte, die nach dem neusten
Stand von Wissenschaft und Technik ausreichend sicher und wirksam
sind, sollen in Verkehr gebracht werden. Als mögliche Widerrufsgründe
werden sowohl Fälle aufgeführt, in denen die Verfügung bereits
ursprünglich fehlerhaft war (z.B. der Fall, in dem die Verfügung
aufgrund falscher oder irreführender Angaben ausgestellt wurde, Art. 23
Abs. 1 Bst. e), als auch solche, in denen die Bewilligung aufgrund von
Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse nachträglich fehlerhaft
wurde (z. B. Bst. a, b, c, d, h, i und j). Gemäss Art. 23 Abs. 1 Bst. c PSMV
widerruft die Zulassungsstelle eine Bewilligung von sich aus oder auf
Antrag einer Beurteilungsstelle, wenn ein bewillligtes
Pflanzenschutzmittel die Bewilligungsvoraussetzungen nicht mehr
erfüllt. Ein Widerruf ist etwa auch dann zulässig, wenn die
Bewilligungsnehmerin entgegen dem Bewilligungsinhalt handelt (Bst.
f) oder entgegen der Aufforderung der Bewilligungsbehörde
zusätzliche Angaben nicht rechtzeitig vorlegt (Bst. g).
3.7. Die Vorinstanz hat sich bei Erlass der angefochtenen Verfügung auf
Art. 22 Abs. 1bis PSMV abgestützt. Diese Bestimmung lautet (in der
Fassung vom 8. November 2006) wie folgt:
C-5916/2008
Seite 15
Die Zulassungsstelle kann aufgrund der verfügbaren Ergebnisse des EG-
Verfahrens zur Überprüfung der Wirkstoffe eine Bewilligung ändern oder mit
neuen Auflagen versehen.
Nach ihrem klaren Wortlaut bildet diese Regelung einzig eine
Rechtsgrundlage für die Änderung von Bewilligungen, nicht aber für
deren Widerruf. Dieser ist nur zulässig, wenn eine der Voraussetzungen
von Art. 23 PSMV gegeben ist.
3.7.1. In der Vernehmlassung machte die Vorinstanz allerdings – im
Sinne einer Motivsubstitution – geltend, das Gefährdungspotenzial des
Wirkstoffes Carbendazim ausserhalb der Indikationen Getreide, Mais,
Raps und Zuckerrübe sei zu hoch, weshalb die Zulassung in
Anwendung von Art. 23 PSMV widerrufen worden sei.
In Art. 23 PSMV wird nicht ausdrücklich geregelt, ob auch nur Teile einer
Bewilligung widerrufen werden können. Nach dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit muss dies allerdings dann möglich sein, wenn sich
mögliche Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt oder eine
ungenügende Wirksamkeit nur bei gewissen Anwendungsmöglichkeiten
realisieren. Entscheidend für die Abgrenzung zwischen einer
Änderung und (allenfalls teilweisem) Widerruf ist, ob festgestellte
Mängel oder Unstimmigkeiten in der Zulassung in einer Weise den
Gesundheits- und umweltpolizeilichen Anliegen zuwiderlaufen, dass
die Bewilligungsvoraussetzungen nicht (mehr) als gegeben
angesehen werden können (vgl. Urteil der Eidgenössischen
Rekurskommission für Chemikalien [REKO CHEM] CHEM 06.007 vom
12. September 2006 E. 5.1.2). Ist dies der Fall, so ist von einem
teilweisen Widerruf gemäss von Art. 23 PSMV auszugehen (vgl. zum
Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-6683/2008 vom 10.
Juni 2010 E. 4.2.1).
Vorliegend hat die Vorinstanz die Bewilligung für P._______ aus Gründen
des Gesundheitsschutzes auf eine einzige Indikation beschränkt. Darin
liegt nicht bloss eine Änderung der Zulassung, sondern ein teilweiser
Widerruf der Bewilligung.
3.7.2. Vor dem Erlass einer Widerrufsverfügung hat die zuständige
Behörde von Amtes wegen die rechtserheblichen Tatsachen zu
ermitteln (Untersuchungsgrundsatz, Art. 12 VwVG; vgl. CHRISTOPH
AUER, in: Kommentar VwVG, Rz. 2 ff. zu Art. 12), wobei es nicht
C-5916/2008
Seite 16
grundsätzlich ausgeschlossen ist, auf die verfügbaren Ergebnisse
des EU-Verfahrens abzustellen (vgl. hiezu E. 4 hiernach). Die
Erwägungen und Entscheide der EU-Kommission betreffend die
Aufnahme eines Wirkstoffs in Anhang I der RL 91/414/EWG und die
Erwägungen und Entscheide der Mitgliedstaaten über die Zulassung
eines Pflanzenschutzmittels, in dem dieser Wirkstoff enthalten ist,
haben die Zulassungsstelle und die Beurteilungsstellen bloss zu
berücksichtigen – daran gebunden sind sie aber nicht (Art. 13 Abs. 2
PSMV). Die Bewilligungsinhaberin hat an der Sachverhaltsermittlung
mitzuwirken, zumindest dann, wenn sie eigene Anträge stellt oder von der
zuständigen Behörde dazu aufgefordert wird (vgl. CHRISTOPH
AUER, in: Kommentar VwVG, Rz. 8 ff. zu Art. 12; vgl. auch Art. 13
VwVG). Zudem schreibt Art. 21 Abs. 3 PSMV vor, dass die Behörde von
der Bewilligungsinhaberin zusätzliche Informationen,
Unterlagen oder Abklärungen verlangt, die für die Überprüfung
notwendig sind. Bei der Beurteilung der Frage, ob und wie weit auf die
Ergebnisse der EU-Verfahrens abzustellen ist und ob die
Einforderung zusätzlicher Unterlagen bei der Vorinstanz erforderlich
ist, kommt der zuständigen Behörde ein erheblicher
Beurteilungsspielraum zu, bei dessen Überprüfung das
Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich Zurückhaltung übt.
Voraussetzung für diese Zurückhaltung ist allerdings, dass es im
konkreten Fall keine Anhaltspunkte für eine unrichtige oder
unvollständige Feststellung des Sachverhaltes gibt und davon
ausgegangen werden kann, dass die Vorinstanz die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen
Abklärungen sorgfältig und umfassend vorgenommen hat (vgl.
BGE 126 II 43 E. 4c).
3.7.3. Entscheidend für die Beantwortung der Frage nach der
Rechtmässigkeit des Vorgehens der Vorinstanz ist mithin, ob sie bei
der Beurteilung des Wirkstoffs Carbendazim und damit des Produktes
P._______ die rechtserheblichen Abklärungen vorgenommen und
notwendigen Daten eingeholt hat, also in Beachtung des
Untersuchungsgrundsatzes den Sachverhalt rechtsgenüglich
abgeklärt hat.
4.
Den teilweisen Widerruf der Bewilligung für P._______ hat die Vorinstanz
in der angefochtenen Verfügung allein damit begründet, dass der
Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Carbendazim laut Anhang I
C-5916/2008
Seite 17
der RL 91/414/EWG nur noch befristet, unter Auflagen und
ausschliesslich für den Einsatz in Getreide, Mais, Rapssamen und
Zuckerrüben zugelassen werden könnten. P._______ könne einzig für
die Indikation in Raps zugelassen bleiben. Im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens hat die Vorinstanz ergänzend festgehalten,
aufgrund der Erwägungen der Kommission in der RL 2006/135/EG sei
sie zur Überzeugung gelangt, dass das Gefährdungspotenzial des
Wirkstoffes Carbendazim ausserhalb der Indikationen Getreide, Mais,
Raps und Zuckerrübe als unannehmbar zu bezeichnen sei. Eine
Aufrechterhaltung der Zulassung für andere Indikationen
gefährde den Menschen zu sehr, da der Wirkstoff humantoxisch
wirke. Es sei festgestellt worden, dass Carbendazim bei in-vivo-
Exposition numerische Chromosomenaberrationen bei
Säugetierzellen verursache. Der Wirkstoff könne deshalb nur noch
für Anwendungsbereiche zugelassen werden, die tatsächlich – und
nach heutigem Standard – geprüft worden sind. Aufgrund des neu
erkannten Gefährdungspotenzials des Wirkstoffes sei sie zum Schluss
gelangt, dass eine Aufrechterhaltung der Zulassung von
carbendazimhaltigen Pflanzenschutzmitteln für andere
Indikationen nicht möglich sei.
4.1. Die angefochtene Verfügung stützte demnach die Vorinstanz
ausschliesslich auf die im Rahmen des EU-Verfahrens gewonnenen
und allgemein zugänglichen Daten. Den Vorakten kann nicht entnommen
werden, dass sie bzw. die Beurteilungsstellen eigene Abklärungen
getroffen oder bei der Beschwerdeführerin weitere Informationen oder
Unterlagen eingeholt hätten. Auch im Beschwerdeverfahren haben
weder die Vorinstanz noch die Beurteilungsstellen diesbezüglich Akten
vorgelegt. Zwar hat die Vorinstanz die Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 15. November 2007 über ihre Absicht informiert, die
schweizerischen Zulassungen von carbendazimhaltigen
Pflanzenschutzmitteln an die Erkenntnisse der EU anzupassen
und hat ihr diesbezüglich das rechtliche Gehör gewährt. Eine
Aufforderung oder zumindest Einladung zur Einreichung von Daten zu
den bis anhin zugelassenen Indikationen erging aber nie.
4.2. Die von der Vorinstanz zur Begründung ihres Entscheides
angerufene Beurteilung durch die EU basiert auf der RL 91/414/EWG
(ab Juni 2011 Verordnung (EG) Nr. 1107/2009), in welcher zur
Harmonisierung des Verbraucher- und Umweltschutzes bereits im Jahre
1991 eine gemeinschaftliche Prüfung jener Wirkstoffe eingeführt
C-5916/2008
Seite 18
worden ist, die in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden.
Pflanzenschutzmittel können danach in den Mitgliedstaaten nur noch
dann zugelassen werden, wenn deren Wirkstoffe dieses
Gemeinschaftsverfahren durchlaufen haben und in die Positivliste
gemäss Anhang I der RL 91/414/EWG aufgenommen worden sind.
Wirkstoffe, die vor Juli 1993 in einem der Mitgliedstaaten auf dem
Markt waren, werden als Altwirkstoffe (existing active substances)
bezeichnet. Die gemeinschaftliche Überprüfung dieser rund 1000
Altwirkstoffe wurde im Dezember 2009 abgeschlossen.
4.2.1. Der Wirkstoff Carbendazim gehört zu den Altwirkstoffen, die im
Rahmen des EU-Programms überprüft wurden. Mit der am 1. Januar
2007 in Kraft getretenen RL 2006/135/EG wurde er unter
Einschränkungen in die Positivliste des Anhangs I der RL
91/414/EWG aufgenommen. Den Mitgliedstaaten wurde bis zum
31. Dezember 2009 Frist gegeben, die entsprechenden
Pflanzenschutzmittel neu zu bewerten und allenfalls ihre
Bewilligungen entsprechend anzupassen oder zu widerrufen. Der
Eintrag für Carbendazim wurde zunächst bis 31. Dezember 2009
befristet und schliesslich bis zum 31. Dezember 2010 verlängert. Mit
dem Eintrag in Anhang I wurden neue Anwendungs- und
Indikationsbeschränkungen verhängt. So dürfen Pflanzenschutzmittel
mit diesem Wirkstoff insbesondere nur noch für die Anwendung als
Fungizid in Getreide, Rapssamen, Zuckerrüben und Mais zugelassen
werden.
4.2.2. Aus der RL 2006/135/EG geht hervor, dass die Aufnahme von
Carbendazim in Anhang I der RL 91/414/EWG im Interesse eines
einheitlich hohen Schutzniveaus auf diejenigen Anwendungen
beschränkt werden müsse, die im Rahmen der Bewertung durch die
Gemeinschaft tatsächlich geprüft worden sind und für die festgestellt
worden ist, dass sie den Bedingungen der RL 91/414/EWG entsprechen.
Dies habe zur Folge, dass andere, von die von dieser Bewertung nicht
oder nur teilweise abgedeckte Anwendungen erst dann in den
Anhang I aufgenommen werden könnten, wenn sie einer vollständigen
Bewertung unterzogen worden sind. Weiter sei im Hinblick auf das
von der Gemeinschaft angestrebte hohe Schutzniveau für die Gesundheit
von Mensch und Tier und eine umweltschonende Entwicklung
angebracht, den Aufnahmezeitraum von sieben auf drei Jahre
herabzusetzen, werde doch das Risiko durch eine vorgezogene
C-5916/2008
Seite 19
Neubewertung dieses Wirkstoffes weiter verringert (vgl. RL
2006/135/EG E. 4 ff.).
4.2.3. Die Vorschriften über die Durchführung des EU-
Gemeinschaftsverfahrens finden sich in den Verordnungen (EWG) Nr.
3600/92 der Kommission vom 11. Dezember 1992, (EG) Nr. 451/2000
der Kommission vom 28. Februar 2000, (EG) 1490/2001 der
Kommission und (EG) Nr. 33/2008 der Kommission vom 17. Januar 2008
(vgl. für Letztere ABl L 15/6 vom 18. Januar 2008 mit Hinweisen auf die
übrigen Fundstellen). Danach wird das Überprüfungsverfahren auf Antrag
der Herstellerin eines Wirkstoffes bzw. Pflanzenschutzmittels oder
anderer interessierter Personen eingeleitet und im Wesentlichen aufgrund
jener Unterlagen durchgeführt, die von der Antragstellerin mit dem
Überprüfungsdossiers vorgelegt werden oder von Dritten beigebracht
werden. Die zuständige EU-Behörde bzw. der berichterstattende
EU-Staat stellt in der Folge der EU-Kommission Antrag auf Aufnahme
des Wirkstoffs in den Anhang I der RL 91/414/EWG – allenfalls
beschränkt auf bestimmte Indikationen oder mit anderen
Einschränkungen.
4.2.4. Der Wirkstoff Carbendazim ist mit Hinweis auf die
Anwendungseinschränkungen (insb. bezüglich der Indikationen) in der
Pestizid-Datenbank der EU aufgeführt
( index.cfm). Daselbst wird
auch auf die Prüfungsresultate verwiesen, die im „rewiev report for the
active substance carbendazim“ vom 5. Januar 2007 (im Folgenden:
Prüfrapport) veröffentlicht worden sind
(
ndazim.pdf, beide Seiten zuletzt besucht am 15. September 2010).
Dem Prüfrapport ist zu entnehmen, dass der Wirkstoff im EU-Raum nicht
grundsätzlich verboten, sondern für bestimmte Indikationen (Getreide,
Rapssamen, Zuckerrüben und Mais) seine Anwendung unter
bestimmten Bedingungen weiterhin als tragbar erachtet wurde. Der
Ausschluss anderer Indikationen erfolgte einzig und allein daher, weil
für diese im Gemeinschaftsverfahren keine Dokumentation vorgelegt
worden war – und nicht etwa deshalb, weil eine Prüfung zusätzlicher
Indikationen ein inakzeptables Gefährdungspotential ergeben hätte.
Die Bayer CropSience AG, der im Verfahren der Überprüfung des
Wirkstoffes Carbendazim die Aufgabe als Datenlieferantin
übertragen worden war (Prüfrapport S. 2), hatte offenbar nur Unterlagen
C-5916/2008
Seite 20
für die genannten vier Indikationen eingereicht und nur deren
Aufnahme in den Anhang I der RL 91/414/EWG beantragt (Prüfrapport
S. 4 und Anhang IV). Der Ausschluss weiterer Indikationen erfolgte
damit allein aufgrund der allgemeinen Einschätzung des
Gefährdungspotentials des Wirkstoffs an sich – ohne
Berücksichtigung der indikationsspezifischen Besonderheiten.
Vorliegend fällt auf, dass die grosse Mehrzahl der im EU-Verfahren
vorgelegten und berücksichtigten Studien aus den Jahren 1980 bis
2000 stammen (Prüfrapport S. 7 sowie Anhänge IIIA und IIIB). Nur
wenige wurden in den Jahren 2001 bis 2003 verfasst. Im Wesentlichen
finden sich Studien und Untersuchungen, welche das
Gefährdungspotential des Wirkstoffes betreffen. Auf die toxikologische
Risiken wurde bereits seit langem hingewiesen: „CLEMONS AND SISLER
(1971) have suggested that carbendazim appears to interfere with DNA
synthesis or some closely related process such as nuclear or cell division
in fungi“ (International Programm on Chemical Safety [IPCS],
jmpr/jmpmono/v073pr11.htm; vgl.
auch H. HÜNIGEN/A. ZEUNER, Histologische Untersuchungen zum
Einfluss von Carbendazim auf den Hoden von Besamungsebern, in:
Reproduction in Domestic Animals, Berlin, 1994, S. 503 ff.; das Fact
Sheet der Weltgesundheitsorganisation [WHO] von 1996 zu
Carbendazim [
pds/pest89_e.htm#2.1] und die amerikanische International Chemical
Safety Card Nr. 1277 von 1998 [
neng1277.html]). Zur numerischen Chromosomenaberration
(Aneuploidie) bei Säugetierzellen findet sich eine Studie aus dem
Jahre 2002, welche Bezug auf eine Vielzahl älterer Studien nimmt (ILSE
DECORDIER/ LUBINA DILLEN/ ENRICO CUNDARI/ MICHELINE KIRSCH-VOLDERS,
Elimination of micronucleated cells by apoptosis after treatment with
inhibitors of microtubules, Oxford, 2002
[50373790, alle angegebenen
Internetseiten zuletzt besucht am 15. September 2010]).
4.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den
angefochtenen teilweisen Widerruf ohne eigene Abklärungen und
ohne Einholung von Daten bei der Beschwerdeführerin allein gestützt
auf die Ergebnisse des EU-Überprüfungsverfahrens verfügt hat. In
diesem EU-Verfahren wurden die übrigen bisherigen Indikationen von
P._______ (Einsatz im Obstbau, im Gemüsebau, im Feldbau und in
Zierpflanzen) nicht geprüft. Deren Aufnahme in den Anhang I der
C-5916/2008
Seite 21
Richtlinie 91/414/EWG erfolgte deshalb nicht, weil sie weder beantragt
war, noch hiezu Unterlagen geliefert wurden.
Die Beurteilung der Sicherheit des Wirkstoffs durch die EU beruhte im
Wesentlichen auf älteren, anfangs der 2000er-Jahre bereits bekannten
Studien, welche auch die Vorinstanz bei Erteilung der ersten
provisorischen Bewilligung von P._______ im Jahre 2001 sowie
insbesondere auch bei der späteren definitiven Zulassung kennen
musste. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere auch
für seinen Einsatz in den von der EU nicht geprüften, vorliegend
umstrittenen Indikationen, lassen sich weder aus den veröffentlichten
Unterlagen der EU noch aus den Akten entnehmen.
5.
Damit steht fest, dass die von der Anwendung des carbendazim-
haltigen Pflanzenschutzmittels P._______ in den umstrittenen
Indikationen ausgehenden Gefahren im vorinstanzlichen Verfahren
nicht ausreichend abgeklärt worden sind. Angesichts der
beschränkten Überprüfung einzelner Indikationen im EU-Verfahren
und der seit längerem bekannten allgemeinen Risiken des Einsatzes
von Carbendazim wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, eigene
Abklärungen vorzunehmen oder doch zumindest die Beschwerdeführerin
aufzufordern, zusätzliche Daten vorzulegen. Dass die
Beschwerdeführerin nicht von sich aus weitere Unterlagen zum
Nachweis der ausreichenden Sicherheit des Wirkstoffes
Carbendazim in anderen Kulturen als den EU-geprüften eingereicht
hat, kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden (Art. 21 Abs. 3 PSMV,
vgl. auch Art. 14 PSMV). Die Vorinstanz hat die ihr obliegende Pflicht zur
rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts (Art. 12 Abs. 1 VwVG)
verletzt.
Die Vorinstanz war zwar trotz der vor Kurzem verlängerten
Zulassungsbewilligung gestützt auf Art. 21 Abs. 1 PSMV berechtigt,
aufgrund der Ergebnisse im EU-Verfahren die Bewilligung für das
Pflanzenschutzmittel P._______ zu überprüfen. Im Rahmen dieser
Überprüfung hätte sie aber abklären müssen, ob – trotz der nicht zu
bestreitenden toxikologische Wirkung des Wirkstoffes Carbendazim,
welche ein Risiko für Mensch und Tier darstellt – die von der EU nicht
geprüfte Anwendung von P._______ in den widerrufenen Indikationen im
Obstbau, im Gemüsebau, im Feldbau und in Zierpflanzen weiterhin
C-5916/2008
Seite 22
zugelassen bleiben kann. Diese Abklärungen unterliess die
Vorinstanz.
6.
Zu beachten ist allerdings, dass der Bundesrat mit Wirkung ab dem 1.
Juni 2010 Art. 22 Abs. 1bis PSMV revidiert hat (Ziff. I der Verordnung vom
12. Mai 2010, AS 2010 2101). Die Bestimmung lautet heute wie folgt:
Die Zulassungsstelle kann Pflanzenschutzmittel, die einen Wirkstoff enthalten,
für den die EU bei der Genehmigung oder bei der Erneuerung der
Genehmigung Bedingungen oder Einschränkungen festgelegt hat, jederzeit
überprüfen. Sie kann bei der Bewilligungsinhaberin die für die Überprüfung
dieser Bedingungen oder Einschränkungen notwendigen Daten einfordern,
einschliesslich der relevanten Informationen für Wirkstoffe, und legt eine Frist
für deren Einreichung fest. Sie kann direkt auf der Basis der verfügbaren
Ergebnisse des Verfahrens zur Genehmigung oder zur Erneuerung der
Genehmigung in der EU die Bewillligung anpassen oder entziehen oder die
Bewilligung mit neuen Auflagen versehen.
Mit dieser Regelung wurden nicht nur die die Voraussetzungen und das
Verfahren für die Änderung von Bewilligungen aufgrund (neuer) EU-
Vorschriften gelockert, sondern überdies die Möglichkeit geschaffen,
aufgrund von EU-rechtlichen Bedingungen oder Einschränkungen der
Zulassung die Bewilligung zu entziehen. Damit wurden für die
angesprochenen Fälle unter dem Titel der Bewilligungsänderung
zum einen Abweichungen vom Überprüfungsverfahren gemäss Art. 21
PSMV vorgesehen, zum andern aber auch ein zusätzlicher, zu Art. 23
PSMV hinzutretender Widerrufsgrund geschaffen – was zwar
rechtsetzungstechnisch unschön ist, die Verbindlichkeit der Norm aber
nicht zu beeinträchtigen vermag. Weiterhin in Kraft blieb allerdings Art. 13
Abs. 2 PSMV, der die Zulassungsstelle und die Beurteilungsstellen
verpflichtet, bei der Prüfung eines Wirkstoffs, der in Anhang I der
Richtlinie 91/414/EWG aufgeführt ist, die Erwägungen und Entscheide
der EU-Kommission betreffend die Aufnahme in den Anhang I und die
Erwägungen und Entscheide der Mitgliedstaaten über die Zulassung
entsprechender Pflanzenschutzmittel – wenn zugänglich – zu
berücksichtigen.
6.1. Da die Revision der PSMV während hängigem
Beschwerdeverfahren in Kraft getreten ist, stellt sich die Frage, ob Art.
22 Abs. 1bis PSMV in der bei Erlass der angefochtenen Verfügung
C-5916/2008
Seite 23
gültigen oder in der heute, im Urteilszeitpunkt in Kraft stehenden Fassung
anzuwenden ist. Die Parteien vertraten grundsätzlich die Ansicht, es sei
die bis am 31. Mai 2010 gültige Version anzuwenden.
6.1.1. Gemäss Lehre und bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist in aller
Regel vom Rechtszustand auszugehen, wie er sich im Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung dargestellt hat – soweit nicht
Übergangsbestimmungen eine andere Regelung vorsehen (zu den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen vgl. etwa BGE 125 II
598 mit Hinweisen). Dies gilt insbesondere dann, wenn das alte Recht für
den Beschwerdeführenden im Ergebnis milder ist. Im Laufe des
Beschwerdeverfahrens eingetretene Rechtsänderungen sind an
sich unbeachtlich, es sei denn, zwingende Gründe sprächen für die
sofortige Anwendung des neuen Rechts. Das trifft vor allem dann zu,
wenn Vorschriften um der öffentlichen Ordnung willen oder zur
Durchsetzung erheblicher öffentlicher Interessen erlassen worden
sind, die auch in hängigen Beschwerdeverfahren zu beachten sind –
wie dies insbesondere bei gewissen Vorschriften der
Umweltschutzgesetzgebung der Fall ist.
Darüber hinaus soll bei der gerichtlichen Überprüfung von
Dauerrechtsverhältnissen neues Recht angewandt werden, wenn
die Rechtsänderung den Widerruf der Bewilligung rechtfertigen würde.
Zu beachten ist damit, dass eine nach altem Recht unhaltbare
Verfügung im Beschwerdeverfahren nicht aufzuheben ist, wenn nach
neuem Recht eine identische Verfügung erlassen werden könnte (vgl.
BGE 129 II 497 E. 5.3.2, 127 II 306 E. 7, 126 II 522 E. 3b mit Hinweisen;
ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/ Basel/Genf 2006, Rz. 322 ff., S. 64
ff.; PIERRE TSCHANNEN/ ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, S. 191 Rz. 20).
6.1.2. Weder in der PSMV noch im LwG oder im ChemG finden sich
Übergangsbestimmungen, die vorliegend anwendbar wären. So ist
insbesondere die allgemeine Übergangsbestimmung von Art. 187 Abs.
1 LwG, wonach aufgehobene materiellrechtliche Vorschriften auf alle
während ihrer Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen weiterhin
anwendbar bleiben, nicht weiterführend, finden sich doch im
vorliegenden Dauerrechtsverhältnis keine abgeschlossenen
Sachverhalte, welche die Anwendung neuen Rechts ausschliessen
würden. Art. 54 Abs. 4 ChemG, der die Anwendung neuen Rechts
C-5916/2008
Seite 24
nahelegen könnte, findet keine Anwendung, da die Vorschriften des
Landwirtschaftsrechts über Pflanzenschutzmittel nach ständiger
Praxis den Vorschriften des Chemikaliengesetzes als leges speciales
vorgehen (vgl. Urteil der Eidgenössischen Rekurskommission für
Chemikalien CHEM 05.002 vom 28. Februar 2006 E. 4.1).
6.1.3. Die neue Fassung von Art. 22 Abs. 1bis PSMV bringt kein
umfassendes neues System der Berücksichtigung der Entwicklungen
des Pflanzenschutzmittelrechts in der EU. Bereits die alte Fassung
der Bestimmung erlaubte es, auf die verfügbaren Ergebnisse des EG-
Verfahrens zur Überprüfung der Wirkstoffe zu reagieren und
Bewilligungen anzupassen und – sofern zusätzlich eine der
Voraussetzungen von Art. 23 PSMV gegeben war – zu widerrufen. Mit
der neuen Regelung werden die selben öffentlichen Interessen verfolgt,
deren Durchsetzung aber erleichtert: Weiterhin ist es Ziel der
Bestimmung, eine international einheitliche Beurteilung von
Wirkstoffen zu erreichen und damit in erster Linie technische
Handelshemmnisse abzubauen. Im Vordergrund stehen damit
wirtschaftspolitische und nicht gesundheits- oder umweltpolizeiliche
Interessen. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass
die Revision von Art. 22 Abs. 1bis PSMV um der öffentlichen Ordnung
willen oder zur Durchsetzung erheblicher öffentlicher, insbesondere
gesundheits- oder umweltpolizeilicher Interessen erfolgt ist.
Zu beachten ist allerdings, dass die Bestimmung erstmals
ausdrücklich die Möglichkeit des Widerrufs von Zulassungen direkt
gestützt auf die verfügbaren Ergebnisse des EU-Verfahrens, also ohne
selbständige schweizerische Abklärungen, eröffnet. Bereits bis anhin
war ein Widerruf möglich, wenn dies aufgrund selbständiger
Abklärungen der Schweizer Behörden gestützt auf Art. 23 PSMV
angezeigt war (insbesondere dann, wenn das Gefährdungspotenzial als
unannehmbar beurteilt wurde [Abs. 1 Bst. b], oder es sich
nachträglich ergab, dass die Bewilligungsvoraussetzungen nicht mehr
erfüllt waren [Abs. 1 Bst. c]). Nach Auffassung des
Bundesverwaltungsgerichts stellt die Erleichterung der Widerrufbarkeit
von Zulassungen aufgrund der Erkenntnisse des EU-Verfahrens keinen
ausreichenden Grund für die sofortige Anwendung der neuen
Fassung von Art. 22 Abs. 1bis PSMV im vorliegenden
Beschwerdeverfahren dar.
C-5916/2008
Seite 25
6.1.4. Das neue, während dem vorliegenden Beschwerdeverfahren in
Kraft getretene Recht könnte folglich nur dann zur Anwendung
gelangen, wenn es unmittelbar den Widerruf der Bewilligung erfordern
würde, so dass deren Aufhebung selbst dann gerechtfertigt wäre,
wenn sie nach altem Recht unzulässig gewesen wäre.
6.2. Art. 22 Abs. 1bis PSMV (in der heute gültigen Fassung) eröffnet der
zuständigen Behörde zwar die Möglichkeit, Zulassungsbewilligungen
direkt gestützt auf die Ergebnisse des EU-Verfahrens zu entziehen bzw.
zu widerrufen. Die Bestimmung sieht aber keinen Automatismus vor.
Vielmehr hat die Behörde zu prüfen, ob selbständige Abklärungen in der
Schweiz angezeigt sind oder die EU-Beurteilung direkt übernommen
werden. Art. 13 Abs. 3 PSMV, der zwar in erster Linie für das
Zulassungsverfahren gilt, nach Auffassung des
Bundesverwaltungsgerichts aber auch bei Zulassungsänderungen
und -widerrufen zu beachten ist, verlangt zwar die Berücksichtigung
von Erwägungen und Entscheiden der EU-Behörden, statuiert aber
keine Bindung an das EU-Recht.
Auch nach neuem Recht hat die zuständige Behörde die gemäss Art. 12
VwVG erforderlichen Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen.
Insbesondere hat sie abzuklären, ob sie direkt aufgrund der
Ergebnisse des EU-Verfahrens entscheiden kann oder ob zusätzliche
eigene Abklärungen erforderlich und bei der Bewilligungsinhaberin die
notwendigen Daten zur Überprüfung der im EU-Verfahren
festgelegten Bedingungen oder Einschränkungen einzuholen sind.
6.3. Soweit vorliegend entscheidwesentlich stimmen damit die
neurechtlichen Anforderungen an die Überprüfung der
Zulassungsvoraussetzungen im Rahmen eines Widerrufsverfahrens mit
jenen, die bis zum 31. Mai 2010 gültig gewesen sind, überein.
Auch unter neuem Recht wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen, die
erforderlichen Sachverhaltsabklärungen betreffend die von der EU nicht
geprüften Anwendung von P._______ in den bisherigen Indikationen
(Obstbau, Gemüsebau, Feldbau und Zierpflanzen) vorzunehmen
und der Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Vorlage der notwendigen
Daten zu geben. Dadurch, dass sie dies unterliess, verletzte sie Art. 12
VwVG und Art. 22 Abs. 1bis PSMV (in der heute gültigen Fassung).
Vorliegend erlaubt damit das neue Recht nicht unmittelbar den
C-5916/2008
Seite 26
(teilweisen) Widerruf der Zulassungsbewilligung für P._______, so
dass es nicht anzuwenden ist.
7.
Damit steht fest, dass die Vorinstanz die ihr obliegende Pflicht zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung verletzt hat, so dass sich die
angefochtene Verfügung als rechtswidrig erweist und aufzuheben ist.
7.1. Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz
grundsätzlich in der Sache selbst; nur ausnahmsweise weist sie die
Streitsache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Ein
solcher Ausnahmefall ist vorliegend wegen der in entscheidenden
Punkten unvollständigen Aktenlage und den noch durchzuführenden
wissenschaftlichen Abklärungen gegeben. Die Vorinstanz ist wesentlich
besser als das Bundesverwaltungsgericht in der Lage,
rechtsgenüglich abzuklären, ob das Pflanzenschutzmittel
P._______ weiter ohne Einschränkungen zuzulassen ist – oder ob
aufgrund der neueren wissenschaftlicher Erkenntnisse oder einer
geänderten Risikenbeurteilung ein (teilweiser) Widerruf
notwendig ist.
7.2. Die Beschwerde ist demnach in dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache zur Ergänzung der
Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Unter
diesen Umständen ist auf die weiteren Vorbringen der
Beschwerdeführerin nicht weiter einzugehen. Insbesondere kann
offen gelassen werden, ob die Vorinstanz mit ihrem Entscheid gegen Art.
5 bzw. 9 BV verstossen hat.
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige
Parteientschädigung.
8.1. Die Verfahrenskosten hat in der Regel die unterliegende Partei zu
tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der im Wesentlichen unterliegenden
Vorinstanz sind allerdings keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf
Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten
zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die
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Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen
der Partei (Art. 8 VGKE). Der anwaltlich vertretenen Partei ist daher eine Parteientschädigung für die ihr
entstandenen notwendigen Kosten zuzusprechen (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Da keine Kostennote
eingereicht wurde, ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 S. 2 VGKE),
wobei vorliegend zu berücksichtigen ist, dass weitere Verfahren der Beschwerdeführerin den im
Wesentlichen gleichen Sachverhalt betreffen. Eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'500.-
erscheint als angemessen.
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene Verfügung vom 4. August 2008 aufgehoben und die
Sache im Sinne der Erwägungen zur Ergänzung der
Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3.
Der bereits geleistete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 1'200.- wird der
Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
zurückerstattet.
4.
Der Beschwerdeführerin wird zu Lasten der Vorinstanz eine
Parteientschädigung von Fr. 2'500.- zugesprochen.
5.
Dieser Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde)
– das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement EVD
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:
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Stefan Mesmer Ingrid Künzli
Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die
Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der
Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene
Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in
Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
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