B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-7024/2017
Ur t e i l vom 2 2 . M ä r z 2 0 1 9
Besetzung
Richter David Weiss (Vorsitz),
Richter Daniel Stufetti,
Richter Vito Valenti,
Gerichtsschreiber Matthias Burri-Küng.
Parteien
A._______, (Deutschland),
vertreten durch MLaw Roman Baumgartner, Advokat,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
Vorinstanz.
Gegenstand
Invalidenversicherung, Rentenanspruch,
Verfügung der IVSTA vom 17. Mai 2016.
C-7024/2017
Seite 2
Sachverhalt:
A.
A.a A._______ (nachfolgend Versicherter oder Beschwerdeführer), gebo-
ren am (…) 1957, deutscher Staatsangehöriger, arbeitete während sechs
Jahren und neun Monaten in der Schweiz, zuletzt als Grenzgänger bei der
Firma B._______ in (…) im Bereich Möbeltransporte/-montage/-demon-
tage, und leistete während dieser Zeit Beiträge an die obligatorische Alters-
, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). Am 1. Novem-
ber 1999 hatte er einen Unfall (Sturz auf Rücken und linke Schulter) und
war seither arbeitsunfähig geschrieben (Vorakten der IV-Stelle für Versi-
cherte im Ausland [IVSTA] act. III 1, 10-2 f., 13-1).
A.b Nach kreisärztlichen Untersuchungen am 5. April und 13. September
2000 sowie 2. August 2001 sprach die Schweizerische Unfallversiche-
rungsanstalt (SUVA) dem Versicherten mit Verfügung vom 11. Dezember
2001 eine Invalidenrente ab 1. Oktober 2001 (IV-Grad: 25%) und eine In-
tegritätsentschädigung zu. Mit Einspracheentscheid vom 25. Februar 2002
bestätigte sie ihre Verfügung (act. III 13-1, 13-15, 21-3, 28-4, 34, 39). Eine
dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des
Kantons C._______ am 31. März 2003 ab. Das Eidgenössische Versiche-
rungsgericht (EVG; heute: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesge-
richts) hob jedoch mit Urteil vom 24. März 2004 diesen Entscheid auf und
wies die Sache (insbesondere wegen mangelhafter Klärung der Unfallkau-
salität betreffend das diagnostizierte Lumbovertebralsyndrom und Mängel
in der kreisärztlichen Beurteilung) zu weiteren Abklärungen an die SUVA
zurück (act. III 54-11, 54-28).
A.c Am 7. Juni 2000 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des
Kantons C._______ (IV-Stelle C._______) zum Bezug einer Invalidenrente
an. Nach Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht, inkl. Bei-
zug der SUVA-Akten, sprach die IVSTA dem Versicherten mit Verfügung
vom 12. Juli 2002 eine ganze Invalidenrente vom 1. November 2000 (IV-
Grad: 100%) bis 30. September 2001 (IV-Grad ab 1. Oktober 2001: 35%)
inkl. Kinderrente zu. Das bei der Rekurskommission AHV/IV am 7. August
2002 eingeleitete Beschwerdeverfahren wurde aufgrund der ergänzenden
Abklärungen im Bereich Unfallversicherung sistiert. Nachdem die IV-Stelle
C._______ am 7. Oktober 2005 um Wiederaufnahme des Verfahrens und
Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme ergänzender Abklärungen
C-7024/2017
Seite 3
(ergänzendes orthopädisches Gutachten, erstmaliges psychiatrisches Gut-
achten) ersuchte, erliess die Rekurskommission AHV/IV am 19. Oktober
2005 ein den Anträgen entsprechendes Urteil (act. III 1, 41-2, 58, 59, 63).
A.d Am 25. Januar 2006 erliess die SUVA – gestützt auf ein Gutachten der
Klinik D._______ in (…) vom 30. Juni 2005 – einen neuen Entscheid und
forderte darin die Rückerstattung von Fr. 34‘005.- wegen zu Unrecht ge-
stützt auf das UVG erfolgter Leistungen ab 1. Oktober 2001. Mit Ein-
spracheentscheid vom 27. März 2006 wies sie eine dagegen erhobene
Einsprache ab (act. III 57-7, 72-1, act. II 87-1). Am 9. Mai 2007 kassierte
das Sozialversicherungsgericht des Kantons C._______ den Einsprache-
entscheid der SUVA und wies die Sache wegen Verfahrensfehlern und zu
ergänzenden Abklärungen an die SUVA zurück (act. II 87-8). In der Folge
erstellte Dr. med. E._______ des Center F._______ (F._______) am 8.
Februar 2008 ein orthopädisches Teilgutachten zu Handen der SUVA, am
2. September 2008 liess Prof. Dr. med. G._______ der SUVA ein neuro-
physiologisches Zusatzgutachten zukommen und am 12. September 2008
übermittelten Prof. Dr. med. H._______ und Dr. med. I._______ der SUVA
ein interdisziplinäres Gutachten der F._______, basierend unter anderem
auf den vorgenannten Teilgutachten (act. II 100-44 ff.).
B.
B.a Am 31. März 2006 erstellte im Verfahren der Invalidenversicherung Dr.
med. J._______ zu Handen der IV-Stelle C._______ ein orthopädisches
Gutachten, und am 8. April 2006 übermittelte Dr. med. K._______ ein psy-
chiatrisches Gutachten an die IV-Stelle C._______ (act. I 73-1, 75-1). Ge-
stützt auf diese beiden Gutachten erliess die IVSTA am 18. Mai 2006 einen
neuen Rentenentscheid und sprach dem Versicherten darin vom 1. No-
vember 2000 bis 30. September 2002 eine ganze Invalidenrente inkl. Kin-
derrente zu. Die dagegen erhobene Einsprache vom 22. Juni 2006 wies
die IVSTA mit Einspracheentscheid vom 1. April 2009 ab (act. I 78-3, act. II
98-3). Im nachfolgenden Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungsge-
richt stellte die IV-Stelle C._______ jedoch – gestützt auf zwischenzeitlich
zu den Akten genommene Arztberichte, darunter das spezifisch die Unfall-
versicherung betreffende Gutachten des F._______ – fest, dass seit Mai
2007, infolge der Korrekturosteotomie des Kniegelenks links, eine Ver-
schlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei, welche die IV-
Stelle C._______ in den Abklärungen bis zum angefochtenen Entscheid
nicht berücksichtigt habe. Ein orthopädisches Verlaufsgutachten zur Ent-
wicklung seit 2006 bei Dr. J._______ erweise sich deshalb als notwendig.
C-7024/2017
Seite 4
Mit Urteil vom 12. August 2009 im Verfahren C-2960/2009 hob das Bun-
desverwaltungsgericht – dem Antrag der Vorinstanz vom 16. Juni 2009 ent-
sprechend – den Einspracheentscheid der IVSTA auf und wies die Sache
ein zweites Mal an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen zurück (act. II
101-2, 104, 105, 109-2).
B.b Gestützt auf das orthopädische Verlaufsgutachten von Dr. med.
J._______ vom 30. September 2010 und die Stellungnahmen des Regio-
nalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 14. und 27. Januar sowie 8. April
2011, wonach in der bisherigen Tätigkeit seit Oktober 1999 eine Arbeitsun-
fähigkeit zu 100% und in einer angepassten Verweistätigkeit seit Oktober
1999 bis Oktober 2002 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%, von Oktober
2002 bis Mai 2007 eine solche von 0% und von Mai 2007 bis zur Entfer-
nung des Ostheosynthesenmaterials eine solche von 100% und ab diesem
Datum eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben sei, sprach die IVSTA dem Ver-
sicherten am 3. Mai 2011 – faktisch in Ergänzung der Verfügung vom 18.
Mai 2006 – eine ganze Invalidenrente vom 1. Mai 2007 bis 28. Februar
2009 inkl. Kinderrente zu (act. II 100-17, C-3054/2011 BVGer act. 1, Bei-
lage 1).
B.c Am 27. Mai 2011 erhob der Beschwerdeführer – vertreten durch
Rechtsanwalt David Levin – Beschwerde gegen die Verfügung vom
3. Mai 2011 und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
sowie sinngemäss die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente von Okto-
ber 2002 bis April 2007 und ab März 2009. (C-3054/2011 BVGer act. 1).
B.d Mit Urteil C-3054/2011 vom 26. Juni 2014 wie das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde ab und bestätigte die von der IVSTA mit Verfügung
vom 3. Mai 2011 zugesprochenen befristete Rente vom 1. Mai 2007 bis 28.
Februar 2009 und verneinte gleichzeitig einen Rentenanspruch über den
28. Februar 2009 hinaus (act. I 46-1 ff., 46-33 ff.).
C.
C.a Nachdem die IVSTA dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom
4. Mai 2015 ankündigte, sie gedenke auf das erneute Leistungsgesuch
vom 31. März 2015 nicht einzutreten (act. I 48-1 f. act. II 165-1 ff.), gelangte
der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe vom 21. Mai 2015
an die IVSTA mit den Anträgen, die IV-Anmeldung des Beschwerdeführers
sei zu prüfen, es seien die dazu erforderlichen ärztlichen Untersuchungen
C-7024/2017
Seite 5
vorzunehmen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Verbeistän-
dung mit dem Unterzeichnenden als Vertreter zu gewähren (act. I 49-1 ff.).
Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, der Beschwer-
deführer sei am 27. August 2014 durch Dr. med. L._______ psychiatrisch
untersucht worden. Aus dem Gutachten vom 15. September 2014 gehe
hervor, dass neu eine "deutliche Antriebsstörung im Rahmen einer depres-
siven Persönlichkeitsstörung" bestehe. Eine solche sei im Zeitpunkt der
Verfügung vom 3. Mai 2011 noch nicht vorhanden gewesen. Gemäss dem
Gutachten sei der Beschwerdeführer nur noch in der Lage, leichte Arbeiten
"deutlich unterhalbschichtig bis maximal drei Stunden pro Tag" auszufüh-
ren (act. I 49-2).
C.b Mit Stellungnahme vom 23. Juni 2015 empfahl RAD-Arzt Dr. med.
M._______, Facharzt für Allgemeine Medizin, eine Stellungnahme bei ei-
nem Facharzt für Psychiatrie einzuholen (act. I 53-2). Nach Sichtung des
Gutachtens von Dr. med. L._______ vom 15. September 2014 kam RAD-
Arzt Dr. med. N._______, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit Stel-
lungnahme vom 2. November 2015 zum Schluss, dass gestützt auf das
psychiatrische Gutachten ab dem Zeitpunkt der Begutachtung (27. August
2014) eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % in sämtlichen Tätigkeiten bestehe
(act. I 55-2).
C.c Mit Vorbescheid vom 1. März 2016 kündigte die IVSTA dem Beschwer-
deführer an, dass ab 1. August 2014 Anspruch auf eine ganze Rente be-
stehe. Da der Rentenantrag am 31. März 2015 gestellt worden sei, könne
die Rente frühestens ab 1. September 2015 ausgerichtet werden (act. I 60-
1 ff.). Mit Verfügung vom 4. Mai 2015 entschied die IVSTA im Sinn des
Vorbescheids und sprach dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Sep-
tember 2015 eine ganze Rente der Invalidenversicherung samt Kinder-
rente zu (act. I 61-1). Mit Verfügung vom 17. Mai 2016 setzte die IVSTA die
Rente für den Beschwerdeführer auf Fr. 241.- monatlich bzw. die Kinder-
rente auf Fr. 97.- fest (act. 64-1). Die Berechnung erfolgte auf Basis von 6
vollen Versicherungsjahren bei einer gesamten Versicherungszeit von 36
Jahren, von Erziehungsgutschriften während 1 Jahr, der Rentenskala 8 so-
wie eines massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens von
Fr. 21‘150.- (act. I 64-3).
C.d Mit E-Mail vom 25. Mai 2016 gelangte der Beschwerdeführer an die
IVSTA und bat um Berichtigung der Rentenverfügung. Die letztmalige Ren-
tenzusprache habe einen Rentenanspruch von monatlich Fr. 332.- für ihn
bzw. monatlich Fr. 133.- für seinen Sohn ergeben. Sinngemäss machte der
C-7024/2017
Seite 6
Beschwerdeführer geltend, es sei für ihn nicht klar, warum bei gleichgeblie-
benen Berechnungsgrundlagen nur noch Renten in der Höhe von monat-
lich Fr. 241.- bzw. monatlich Fr. 97.- ausgerichtet würden (act. I 65; vgl.
auch E-Mail des Beschwerdeführers vom 30. Mai 2016, act. I 66-1). Mit
E-Mail vom 6. Juni 2016 führte die Vorinstanz aus, angesichts einer andau-
ernden Arbeitsfähigkeit von mehr als drei Jahren und aufgrund eines nun-
mehr anderen/neuen Leidens könnten die früheren Berechnungsgrundla-
gen nicht garantiert werden (act. I 67-1). Mit E-Mail vom 7. Juni 2016 und
Schreiben vom 14. Juni 2016 hielt der Beschwerdeführer an seiner Ansicht
fest, dass die Renten unverändert wie bei der letztmaligen Rentenzuspra-
che ausgerichtet werden müssten (I act. 68-1, 69). Am 13. Juni 2016 leitete
die IV-Stelle C._______ das Schreiben des Beschwerdeführers vom 5.
Juni 2016, worin dieser der IV-Stelle C._______ seinen bereits der IVSTA
dargelegten Standpunkt hinsichtlich der Rentenberechnung darlegte, der
IVSTA weiter (act. I 71-1 ff.). Mit E-Mail vom 12. Juni 2016, 12. August 2016
und Schreiben vom 17. August 2017 hielt die IVSTA daran fest, dass die
Berechnungsgrundlagen der früheren Renten nicht massgebend seien
könnten, da die IV-Leistungen mit Verfügung vom 17. Mai 2015 aufgrund
eines anderen Leidens zugesprochen worden seien (act. I 73-1, 75-1 f.,
76-1 f.). Nachdem der Beschwerdeführer abermals an die IVSTA gelangte
(act. I 77 ff.), übermittelte diese dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
10. Oktober 2017 eine Kopie ihrer Antwort vom 17. August 2017. Des Wei-
teren werde bestätigt, dass die Rente aufgrund eines neuen Leidens zuge-
sprochen worden sei. Sodann sei die Verfügung vom 17. Mai 2016 in
Rechtskraft erwachsen, sodass nicht mehr darauf zurückgekommen wer-
den könne (act. I 81). Mit Schreiben vom 11. Dezember 2017 reichte die
IVSTA dem Bundesverwaltungsgericht die Eingabe des Beschwerdefüh-
rers vom 8. November 2017 samt dem angefallenen Schriftenwechsel zur
weiteren Veranlassung weiter (act. I 83-1 f., BVGer act. 1).
D.
D.a In seiner Eingabe vom 8. November 2017 machte der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen geltend, dass die Rente nicht aufgrund eines neuen
Leidens, sondern wie schon mehrfach mitgeteilt aufgrund der von Dr. med.
L._______ festgestellten gesamten Leiden zugesprochen worden sei. Zu-
dem stimme die Aussage nicht, dass die Verfügung vom 17. Mai 2016 in
Rechtskraft erwachsen sei. Er habe umgehend nach der neuen Rentenbe-
rechnung Einsprache erhoben und mehrmals mitgeteilt, dass die Renten-
betreffnisse – wie bei der letztmaligen Rentenzusprache – in der Höhe der
C-7024/2017
Seite 7
von Fr. 332.- monatlich bzw. Fr. 130.- monatlich ausgerichtet werden müss-
ten (BVGer act. 1).
D.b Mit Zwischenverfügung vom 15. Dezember 2017 wurde der Beschwer-
deführer aufgefordert, einen Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 800.- zu
leisten (BVGer act. 2). Mit Eingabe vom 19. Dezember 2017 stellte der
Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege in Form der
Befreiung von der Bezahlung von Verfahrenskosten (BVGer act. 4).
D.c Mit Vernehmlassung vom 26. Januar 2018 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 8). Zur Begründung wurde im
Wesentlichen geltend gemacht, dass das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil C-3054/2011 vom 26. Juni 2014 festgestellt habe, dass die erste be-
fristete Rente aufgrund von Rückenbeschwerden nach Unfall gewährt wor-
den sei, währenddem die zweite befristete Rente wegen einer vorüberge-
henden Knieproblematik zugesprochen worden sei. Weiter habe das Bun-
desverwaltungsgericht festgehalten, dass sowohl anlässlich der erstmali-
gen als auch der zweiten befristeten Rentenzusprache ausschliesslich so-
matische Beschwerden massgeblich gewesen seien, während psychische
Beschwerden keine Rolle gespielt hätten. Es handle sich somit bei der ak-
tuellen Rentenzusprache um einen neuen Versicherungsfall, sodass Art.
32bis IVV nicht zur Anwendung gelange. Das aktuelle Rentengesuch sei am
31. März 2015 eingereicht worden. Die Prüfung des Rentengesuchs sei
anhand dem im deutschen Sozialgerichtsverfahren erstellten neurologisch-
psychiatrischen Gutachten von Dr. med. L._______ vom 15. September
2014 geprüft worden. Der Gutachter habe erstmalig eine im Vordergrund
stehende psychische Beschwerde (chronische Schmerzsymptomatik im
Rahmen einer depressiven Persönlichkeitsstörung) festgestellt und dem
Beschwerdeführer aufgrund der psychiatrischen Diagnosen in leichten Ver-
weistätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % attestiert. Da die Ver-
schlimmerung des Gesundheitszustandes eindeutig auf die neu hinzuge-
tretenen psychischen Beschwerden zurückzuführen gewesen seien, habe
der Eintritt eines neuen Versicherungsfalls ab 27. August 2014 und nicht
das Wiederaufleben der Invalidität im Sinn von Art. 29bis IVV oder Art. 32bis
IVV festgestellt werden müssen. Da der Rentenantrag am erst am 31. März
2015 gestellt worden sei, habe der Rentenanspruch in Anwendung von Art.
29 Abs. 1 IVG erst ab 1. September 2015 entstehen und ausbezahlt wer-
den können. Während ab dem Jahr 2000 den 6 vollen Beitragsjahren 22
volle Versicherungsjahre des Jahrgangs gegenübergestanden hätten (was
zur Anwendung der Rententabelle 12 geführt habe), seien im Jahr 2014
C-7024/2017
Seite 8
den 6 vollen Beitragsjahren 36 volle Versicherungsjahre des Jahrgangs ge-
genübergestanden, was nur noch die Anwendung der Teilrentenskala 8 er-
laubt habe. Überdies habe dem Beschwerdeführer im Jahr 2000 gemäss
dem damals gültigen Art. 36 Abs. 3 IVG ein Zuschlag von 5 % auf das
durchschnittliche Erwerbseinkommen wegen Eintritt des Versicherungs-
falls vor dem 45. Altersjahr gewährt werden können (Art. 33 IVV in der da-
mals gültigen Fassung). Diese Umstände hätten dazu geführt, dass die
mittels angefochtener Verfügung zugesprochene Höhe der Rentenbetreff-
nisse tiefer als im Jahr 2000 ausgefallen sei.
D.d Nachdem der Beschwerdeführ am 30. Januar 2018 (Eingang BVGer)
das "Formular unentgeltliche Rechtspflege" samt Beweismittel eingereicht
hatte, wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege in Form der Be-
freiung von der Bezahlung von Verfahrenskosten mit Zwischenverfügung
vom 8. Februar 2018 gutgeheissen (BVGer act. 9, 11).
D.e Mit Eingabe vom 15. Februar 2018 zeigte Rechtsanwalt MLaw Roman
Baumgartner die Übernahme der Interessenvertretung des Beschwerde-
führers an (BVGer act. 12). Gleichzeitig ersuchte er um Akteneinsicht um
Fristerstreckung zur Einreichung einer Replik. Zudem sei er als unentgelt-
licher Rechtsbeistand zu bewilligen.
D.f Mit Zwischenverfügung vom 21. Februar 2018 wurde das Gesuch um
Fristerstreckung gutgeheissen. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer
Rechtsanwalt MLaw Roman Baumgartner als unentgeltlicher Rechtsbei-
stand beigeordnet (BVGer act. 13).
D.g Mit Replik vom 16. April 2016 machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, dass es sich bei den Leiden die zur aktuellen Renten-
zusprache geführt hätten, nicht um neue Leiden handle (BVGer act 16).
Dementsprechend seien bei der Rentenberechnung entgegen der ange-
fochtenen Verfügung nicht von 6 vollen Beitragsjahren und 36 vollen Ver-
sicherungsjahren des Jahrgangs auszugehen. Die Jahre in welchen eine
Rente bezogen wurde, müssten zwangsläufig als Beitragsjahre hinzuge-
rechnet werden. Andernfalls wäre jeder temporäre IV-Rentner gegenüber
Nichterwerbstätigen benachteiligt, insbesondere in Konstellationen, in wel-
chen zwischenzeitlich eine Gesundheitsverbesserung eingetreten sei. In
den Jahren, in welchen keine Rente ausgereicht werde, liege bei einem
Wiederaufleben der Invalidität eine massive Benachteiligung im Ausland
lebender Personen vor, welche sich nicht freiwillig der IV unterstellen könn-
C-7024/2017
Seite 9
ten. Der Beschwerdeführer wäre, wäre er in der Schweiz geblieben, wei-
terhin versichert gewesen. Wäre er in ein Land ausserhalb der EU ausge-
wandert, hätte er sich freiwillig versichern können. Dass dies in seinem Fall
nicht möglich gewesen sei, entspreche einer ungerechtfertigten Diskrimi-
nierung. Schliesslich sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewe-
sen, sich im Wohnsitzland äquivalent zu versichern. Eine solche Diskrimi-
nierung nach Domizilland sei unzulässig. Schliesslich solle das FZA gerade
allfällige nachteilige Auswirkungen des Wechsels des Beschäftigungs-
oder Wohnlandes auf den Versicherungsschutz mildern oder beseitigen.
Entsprechend müssten die Beitragsjahre ab dem Jahr 2000 als erbracht
betrachtet werden müssen. Für die Berechnung der Rentenbetreffnisse
müsse also von 20 vollen Beitragsjahren bei 36 Versicherungsjahren des
Jahrgangs ausgegangen werden.
D.h Am 20. April 2018 verzichtete die Vorinstanz mit Verweis auf ihre Ver-
nehmlassung vom 26. Januar 2018 auf die Einreichung einer Duplik
(BVGer act. 18).
D.i Mit Verfügung vom 25. April 2018 wurde der Abschluss des Schriften-
wechsels per 7. Mai 2018 angekündigt.
E.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird
– soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegan-
gen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]) und der Beschwerdeführer ist als Adressat der ange-
fochtenen Verfügung zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG [SR 830.1]). Die angefochtene Ver-
fügung datiert vom 17. Mai 2016. Die Vorinstanz leitete die im Anschluss
an den Verfügungserlass erfolgte Korrespondenz dem Bundesverwal-
tungsgericht erst am 11. Dezember 2017 weiter (BVGer act. 1). Entgegen
der noch im Verwaltungsverfahren geäusserten Auffassung der Vorinstanz,
ist die Verfügung vom 17. Mai 2016 nicht in Rechtskraft erwachsen. Mit
C-7024/2017
Seite 10
Schreiben vom 5. Juni 2016 an die IV-Stelle C._______, welches der Vo-
rinstanz am 13. Juni 2016 weitergeleitet wurde (act. I 71-1 ff.), legte der
Beschwerdeführer seinen Beschwerdewillen ausreichend dar (insbeson-
dere in Kombination mit dem vorangegangenen Schriftenwechsel per E-
Mail; vgl. Sachverhalt C.d), sodass die Vorinstanz nach Art. 8 Abs. 1 VwVG
verpflichtet gewesen wäre, das Schreiben vom 5. Juni 2016 umgehend an
das Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz weiterzuleiten. Die
Rechtsmittelfrist ist somit als gewahrt zu betrachten. Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde vom 5. Juni 2016 ist daher einzutreten
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; BENJAMIN
SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, 2. Auflage, Zürich 2018, Rz. 2 ff. zu
Art. 49).
2.2 Es ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes we-
gen nicht an die Begründung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62
Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition kann es die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212; vgl. BGE 128 II 145 E. 1.2.2;
BGE 127 II 264 E. 1b).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehörige und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA zur Anwendung (vgl. auch nachfolgende E. 6.3). Der Anspruch auf
Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung richtet sich auch
nach dem Inkrafttreten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE 130 V
253 E. 2.4).
C-7024/2017
Seite 11
3.2 Die Sache beurteilt sich – vorbehältlich besonderer übergangsrechtli-
cher Regelungen – nach denjenigen materiellen Rechtssätzen, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten
(vgl. BGE 130 V 329). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor
einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt
nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445).
4.
4.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung)
haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zu-
mutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder ver-
bessern können (Bst. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unter-
bruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) ge-
wesen sind (Bst. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
4.2 Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgeho-
ben, erreicht dieser in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe
Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit ein rentenbegründendes
Ausmass, so werden gemäss Art. 29bis der Verordnung über die Invaliden-
versicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201) bei der Berechnung
der Wartezeit nach Art. 28 Abs. Bst. b IVG früher zurückgelegte Wartezei-
ten angerechnet.
4.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente.
4.4 Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Lebensjahres folgt.
C-7024/2017
Seite 12
5.
5.1 Gemäss Art. 60 Abs. 1 Bst. b IVG ist die Ausgleichskasse für die Be-
rechnung der Renten, Taggelder, Einarbeitungszuschüsse und Entschädi-
gung für Betreuungskosten zuständig. Für die Berechnung der ordentli-
chen Renten sind die Bestimmungen des AHVG sinngemäss anwendbar
(Art. 36 Abs. 2 Satz 1 IVG). Die IV-Renten entsprechen den Altersrenten
der Alters- und Hinterlassenenversicherung (Art. 37 Abs. 1 IVG).
5.2 Für die Rentenberechnung werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen
sowie Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten
Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und
dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles (Rentenalter oder
Tod) berücksichtigt (Art. 29bis Abs. 1 AHVG). Die Renten gelangen nach Art.
29 Abs. 2 AHVG in Form von Vollrenten für Versicherte mit vollständiger
Beitragsdauer oder in Form von Teilrenten für Versicherte mit unvollständi-
ger Beitragsdauer zur Ausrichtung. Die Teilrente entspricht dabei einem
Bruchteil der Vollrente (Art. 38 Abs. 1 AHVG), für dessen Berechnung das
Verhältnis zwischen den vollen Beitragsjahren der Versicherten zu denje-
nigen ihres Jahrgangs sowie die eingetretenen Veränderungen der Bei-
tragsansätze berücksichtigt werden (Art. 38 Abs. 2 AHVG). Als vollständig
gilt die Beitragsdauer, wenn die rentenberechtigte Person zwischen dem
1. Januar nach der Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember
vor Eintritt des Rentenalters gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahr-
gang (Art. 29bis Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 29ter Abs. 1 AHVG).
Dabei bestimmt sich die Beitragsdauer einer versicherten Person in der
Regel nach den Einträgen in ihren individuellen Konten (Art. 30ter AHVG).
5.3 Innerhalb der anwendbaren Rentenskala bestimmt sich der Rentenbe-
trag nach dem durchschnittlichen Jahreseinkommen. Dieses setzt sich
grundsätzlich zusammen aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungs-
gutschriften und den Betreuungsgutschriften (Art. 29quater AHVG). Zur Er-
mittlung des massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens wird
die Summe der Erwerbseinkommen entsprechend dem Rentenindex ge-
mäss Artikel 33ter AHVG aufgewertet. Das Bundesamt für Sozialversiche-
rungen (BSV) legt die Aufwertungsfaktoren jährlich fest. Die Summe der
aufgewerteten Erwerbseinkommen sowie die Erziehungs- oder Betreu-
ungsgutschriften werden durch die Anzahl der Beitragsjahre geteilt (Art. 30
Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 AHVG, Art. 51bis Abs. 1 AHVV). Gemäss Art. 51bis
Abs. 2 AHVV werden die Aufwertungsfaktoren ermittelt, indem der Renten-
index nach Artikel 33ter Absatz 2 AHVG durch den mit 1,1 gewichteten
C-7024/2017
Seite 13
Durchschnitt der Lohnindizes aller Kalenderjahre von der ersten Eintra-
gung in das individuelle Konto des Versicherten bis zum Vorjahr des Ein-
tritts des Versicherungsfalles geteilt wird. Bei unvollständiger Beitrags-
dauer ist das Kalenderjahr für den Aufwertungsfaktor massgebend, in wel-
chem erstmals ein IK-Eintrag vorgenommen wurde, wobei dieses Jahr zwi-
schen dem der Zurücklegung des 20. Altersjahres folgenden Jahr und dem
Eintritt des Versicherungsfalles liegen muss (vgl. dazu Art. 29bis Abs. 2
AHVG in Verbindung mit Art. 51bis Abs. 2 AHVV; Urteil des EVG H 49/05
vom 1. Dezember 2005 E. 2.4; vgl. dazu auch Rz. 5305 der Wegleitung
des BSV über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung [RWL], gültig ab 1. Januar 2003, Stand 1. Ja-
nuar 2019).
5.4 Versicherten wird für die Jahre, in welchen sie die elterliche Gewalt
über eines oder mehrere Kinder ausüben, die das 16. Altersjahr noch nicht
erreicht haben, eine Erziehungsgutschrift angerechnet, wobei Ehepaaren
nicht zwei Gutschriften kumulativ gewährt werden (Art. 29sexies Abs. 1
AHVG). Bei der Berechnung der Altersrenten von verwitweten und ge-
schiedenen Personen, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind, wird eine
Übergangsgutschrift berücksichtigt, wenn ihnen nicht während mindestens
16 Jahren Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet werden
konnten. Die Übergangsgutschrift entspricht der Höhe der halben Erzie-
hungsgutschrift und beträgt für Personen mit Jahrgang 1947 12 Jahre, je-
doch maximal die Anzahl Jahre, welche für die Festsetzung der Rentens-
kala der rentenberechtigten Person berücksichtigt werden (Bst. c Abs. 2
und 3 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 7. Oktober 1994
[10. AHV-Revision]). Einkommen, welche die Ehegatten während der Ka-
lenderjahre der gemeinsamen Ehe erzielt haben, werden geteilt und je zur
Hälfte den beiden Ehegatten angerechnet. Die Einkommensteilung wird
vorgenommen, wenn beide Ehegatten rentenberechtigt sind, wenn eine
verwitwete Person Anspruch auf eine Altersrente hat oder bei Auflösung
der Ehe durch Scheidung (Art. 29quinquies Abs. 3 Bst. a bis c AHVG). Der Tei-
lung und gegenseitigen Anrechnung unterliegen jedoch nur Einkommen
aus der Zeit zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres
und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles beim Ehegat-
ten, welcher zuerst rentenberechtigt wird und aus Zeiten, in denen beide
Ehegatten in der schweizerischen AHV versichert gewesen sind (Art. 29quin-
quies Abs. 4 AHVG). Nach Art. 50b AHVV werden die Einkommen von Ehe-
paaren in jedem Jahr, in dem beide Ehegatten in der AHV versichert gewe-
sen sind, hälftig geteilt (Abs. 1, erster Satz). Auch wenn die beiden Ehegat-
ten in einem Kalenderjahr nicht während der gleichen Monate versichert
C-7024/2017
Seite 14
sind, werden die Einkommen während des ganzen Kalenderjahres aufge-
teilt. Die Beitragszeiten werden jedoch nicht übertragen (Abs. 2). Die Ein-
kommen im Jahr der Eheschliessung und im Jahr der Auflösung der Ehe
werden nicht geteilt (Abs. 3). Art. 29quinquies AHVG ist seit dem 1. Januar
1997 in Kraft. Gemäss Bst. c der Schlussbestimmungen der Änderung vom
7. Oktober 1994 (10. AHV-Revision) gelten die neuen Bestimmungen für
alle Renten, auf die der Anspruch nach dem 31. Dezember 1996 entsteht
(Abs. 1). Bei der Berechnung der Altersrente von geschiedenen Personen
wird Art. 29quinquies Abs. 3 AHVG auch angewendet, wenn die Ehe vor dem
1. Januar 1997 geschieden wurde (Abs. 4).
5.5 Wird ein Versicherter, dessen Rente wegen verminderter Invalidität auf-
gehoben worden ist, innert dreier Jahre infolge desselben Leidens erneut
rentenberechtigt (Art. 28 IVG), so bleiben nach Art. 32bis IVV die Berech-
nungsgrundlagen der früheren Rente massgebend, wenn sie für den Ver-
sicherten vorteilhafter sind.
6.
Zwischen den Parteien unbestritten ist der Anspruch des Beschwerdefüh-
rers auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung samt Kinderrente.
Strittig und zu prüfen, ist demgegenüber die Berechnungsgrundlage der
betragsmässigen Rentenhöhe der Rentenbetreffnisse. Die Vorinstanz geht
davon aus, dass es sich bei der aktuellen Rentenzusprache um einen
neuen Versicherungsfall handelt, sodass Art. 29bis IVV und Art. 32bis IVV
nicht zur Anwendung gelangen könnten. Dementsprechend setzte sie die
Berechnungsgrundlagen der Rentenbetreffnisse mit 6 vollen Beitragsjah-
ren bei 36 Versicherungsjahren des Jahrgangs neu fest, was zu einer tie-
feren Rente für den Beschwerdeführer bzw. der Kinderrente als bei der
erstmaligen und letztmaligen befristeten Rentenzusprache führte. Demge-
genüber macht der Beschwerdeführer geltend, es handle sich bei der ak-
tuellen Rentenzusprache nicht um ein neues Leiden. Die Beitragsjahre ab
dem Jahr 2000 müssten als erbracht betrachtet werden. Für die Berech-
nung der Rentenbetreffnisse sei von 20 vollen Beitragsjahren bei 36 Versi-
cherungsjahren des Jahrgangs auszugehen. Die Berechnung der Höhe
der Rentenbeträge der Vorinstanz stelle eine Diskriminierung nach Domi-
zilland dar und sei im Lichte des FZA unzulässig.
C-7024/2017
Seite 15
6.1
6.1.1 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob es sich bei der aktuellen Ren-
tenzusprache um einen neuen Versicherungsfall aufgrund eines neuen Lei-
dens oder um ein Wiederaufleben der Invalidität im Sinn von Art. 29bis IVV
bzw. Art. 32bis IVV handelt.
6.1.2 Gemäss rechtskräftigem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
C-3054/2011 vom 24. Juni 2014 hielt das Bundesverwaltungsgericht nach
einlässlicher Würdigung der zahlreichen medizinischen Akten fest, dass
die erstmalige befristete Rentenzusprache für den Zeitraum vom 1. No-
vember 2000 bis 30. September 2002 aufgrund eines Rückenleidens nach
Unfall erfolgte (vgl. act. I 46-12). Dabei stützte sich das Gericht insbeson-
dere auf das beweistaugliche orthopädische Gutachten von Dr. med.
J._______ vom 1. März 2006 sowie das beweistaugliche psychiatrische
Gutachten von Dr. med. K._______ vom 8. April 2006 (vgl. E. 4.2.1, act. I
46-12; E. 4.25, act. I 46-14 ff.). Im Gutachten von Dr. med. J._______ vom
24. Juni 2014 wurden folgende Diagnosen genannt (act. III 73-10-f.):
Chronisches cervicobrachiales Schmerzsyndrom (M53.1) bei HWS-
Trauma 11/1999, Chondrosen C2-C7, ventraler Spangenbildung C3/C4
DISH (diffuse idiopathische Skeletthyperostose, M48.1 [Versteifung von
Teilen der Wirbelsäule durch überschiessende Knochenneubildung]) bei
multiplen Synostosen intervertebral rechtsseitig der Brustwirbelsäule, mul-
tiplen Ossifikationen diverser Sehnenansätze, Verkalkung des Ligamen-
tum sacrotuberale rechts.
Chronisches spondylogenes [mit sekundären peripheren Irritationser-
scheinungen] Schmerzsyndrom (M47.8) bei Spondylarthrose L4/5 und
Pseudolisthesis L4/5. 4)
Beginnende mediale & femoropatelläre Gonarthrose beidseits (M17.0) bei
Status nach arthroskopischer Teilmeniskektomie links
Dr. med. J._______ kam in seinem Gutachten vom 24. Juni 2014 zum
Schluss, dass der Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht wegen der
DISH in der bisherigen bzw. in einer schweren Tätigkeit zu 100 % arbeits-
unfähig sei. Sämtliche alternativen leichte bis max. mittelschweren Aktivi-
täten ohne gleichförmige repetitive Bewegungsabläufe seien ab zwei Jah-
ren nach dem Unfall von November 1999 zu 100 % zumutbar (act. III act,
73-12).
C-7024/2017
Seite 16
Im Gutachten von Dr. med. K._______ vom 8. April 2006 wurde keine psy-
chiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine attestierte Schmerzverarbei-
tungsstörung. Eine somatoforme Schmerzstörung liege nicht vor, da der
Beschwerdeführer keine körperlichen Symptome aus psychischen Grün-
den zeige, soziale Kontakte weiterhin pflege, und auch nie eine psychiatri-
sche Behandlung stattgefunden habe (act. III 75-5).
6.1.3 Des Weiteren hatte das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmässig-
keit der zweiten Zusprache einer befristeten Rente für den Zeitraum vom
1. Mai 2007 bis 28. Februar 2009 zu prüfen. Diesbezüglich führte es aus,
dass es sich dabei nicht um ein Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhe-
bung der Rente im Sinn von Art. 29bis IVV handle, da die geltend gemachte
Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Zusammenhang mit Er-
krankungen am linken Kniegelenk stünden und somit ein neues Leiden vor-
liege (E. 4.3, act. I 46-16). Im Verlaufsgutachten von Dr. med. J._______
30. September 2010 wurden folgende Diagnosen genannt:
Chronisches cervicobrachiales Schmerzsyndrom (M53.1) bei Halswirbel-
säulen-Trauma 11/1999, Chondrosen C3-C6 [bisher C2-C7], Spondylar-
throsen C3-C6 [neu], ventraler Spangenbildung C3/C4.
DISH (diffuse idiopathische Skeletthyperostose, M48.1 [Versteifung von
Teilen der Wirbelsäule durch überschiessende Knochenneubildung]) bei
multiplen Synostosen intervertebral der Brustwirbelsäule, Ossifikationen
diverser Sehnenansätze, Verkalkung des Ligamentum sacrotuberale
rechts.
Chronisches spondylogenes [mit sekundären peripheren Irritationser-
scheinungen] Schmerzsyndrom (M47.8) bei Spondylarthrose L4/5 und
Pseudolisthesis L4/5.
Mediale & femoropatelläre Gonarthrose beidseits (M17.0) bei Status nach
arthroskopischer Teilmeniskektomie links, neu dazu ein Status nach val-
gisierender Tibiakopfosteotomie links am 23.5.2007, Status nach Osteo-
synthese-Materialentfernung und Revision links (Datum?).
Beginnende Fingergrundgelenksarthrose II/III rechts (M19.04) bei Status
nach Ossikelentfernung Metacarpaleköpfchen III rechts (1.12.2009) und
persistierenden Schwellungen und Schmerzen der Fingergrundgelenke
II/III.
C-7024/2017
Seite 17
Nach Würdigung der medizinischen Akten schützte das Bundesverwal-
tungsgericht die Auffassung der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der neuen Diagnose einer medialen und femoropatellären Gon-
arthrose beidseits und Status nach valgisierender Tibiakopfsteotomie links
(05/2007) bei bereits bestehender voller Arbeitsunfähigkeit in der bisheri-
gen Tätigkeit seit Oktober 1999 in Verweistätigkeiten eine Arbeitsunfähig-
keit von 100 % ab Mai 2007 bis zur Entfernung des Osteosynhesenmate-
rials im Dezember 2008 bestanden habe. Ab Januar 2009 bestünde für
leichte Tätigkeiten eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit von 25 % (E. 4.4.2,
act. I 46-22 f.; E. 4.4.3, act. I 46-23; E. 4.5, act. I 24-35). Ein aktuelles psy-
chiatrisches Gutachten lag nicht vor. Ebenso wenig wurden von Seiten des
Beschwerdeführers fachärztliche psychiatrische Berichte von behandeln-
den Ärzten eingereicht (vgl. E. 4.3.1 ff, act. I 46-17 ff.; E. 4.4.1 ff., act. I 46-
21 ff.).
6.1.4 Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass sowohl die erstma-
lige als auch die zweitmalige bzw. letztmalige befristete Rentenzusprache
ausschliesslich aus somatischen Gründen erfolgte.
6.1.5 Die nunmehr zugesprochene unbefristete ganze Rente beruht auf
dem Gutachten zu Handen des Sozialgerichts O._______ von Dr. med.
L._______, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, vom 15.
September 2014 (act. I 51-1 ff.). In seiner Beurteilung kam Dr. med.
L._______ zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer eine deutliche An-
triebsstörung im Rahmen einer depressiven Persönlichkeitsstörung mit his-
trionischem Grundcharakter im Rahmen einer anzunehmenden Narzis-
musstörung vorliege. Ebenfalls bestehe ein hoher Leidensdruck bei einer
psychosozialen Konfliktsituation (act. I 51-5). Zusammenfassend führte Dr.
med. L._______ aus, aus der Vorgeschichte sowie der hiesigen ambulan-
ten Untersuchung zeige sich ein deutlich leistungseingeschränkter Patient,
wobei im Vordergrund eine chronische Schmerzsymptomatik im Rahmen
einer depressiven Persönlichkeitsstörung stehe. Die bisherigen Gutachten
hätten sich auf orthopädische Gesamtbeurteilungen erstreckt. Aus seiner
Sicht ergäbe sich deutlich das Bild einer verminderten Leistungsfähigkeit,
da es sich um eine nicht offen aufgetretene depressive Grundstörung im
Rahmen eines chronischen Schmerzsyndroms handle. Da bisher eine
Reha-Massnahme im Jahr 2008 frustran durchgeführt worden sei, halte er
eine erneute psychosomatische Reha-Massnahme für sinnvoll und zweck-
mässig, da nur durch eine längerfristige stationäre Behandlung die lang-
fristige Leistungsfähigkeit des eigentlich noch jungen Patienten wiederher-
C-7024/2017
Seite 18
gestellt werden könne. Andererseits ergebe sich die Tatsache eines chro-
nischen Schmerzsyndroms mit völliger Fixierung, jedoch ohne Simulation
oder Aggravation. Bisher seien aus somatischer Sicht die Diagnosen Zer-
vikobrachialsyndrom, Kniegelenksarthrosen linksbetont, ulnare Schädi-
gung des Daumens und Adipositas gestellt worden. Zu den vom Sozialge-
richt gestellten (nicht aktenkundigen) Fragen führte Dr. med. L._______
aus, zusätzlich zu den oben genannten Gebrechen halte er die Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung auf depressivem Niveau und ein chronisches
Schmerzsyndrom für vorrangig. Er halte den Beschwerdeführer ab dem
Zeitpunkt der Untersuchung (27. August 2014) nur noch in der Lage, leichte
Arbeiten deutlich unterhalbsichtig bis maximal drei Stunden pro Tag aus-
führen zu können (act. I 51-9 ff.).
6.1.6 Nach Sichtung des Gutachtens von Dr. med. L._______ vom 15.
September 2014 kam RAD-Arzt Dr. med. N._______, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, mit Stellungnahme vom 2. November 2015 zum Schluss,
dass auf das Gutachten abgestellt werden könne und somit ab dem Zeit-
punkt der Begutachtung (27. August 2014) eine Arbeitsunfähigkeit von 70
% in sämtlichen Tätigkeiten bestehe (act. I 55-2). Die nunmehr attestierte
Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten beruht somit auf ei-
ner psychiatrischen Beurteilung bzw. auf psychiatrischen Diagnosen. Ent-
gegen der Äusserung von Dr. med. L._______, dass die bisherigen Beur-
teilungen sich auf orthopädische Gesamtbeurteilung erstreckt hätten,
wurde der Beschwerdeführer am 23. Februar 2006 von Dr. med.
K._______, FHM für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht und be-
gutachtet (act. III 75-1 ff.). Wie bereits erwähnt, konnte im Gutachten von
Dr. med. K._______ vom 8. April 2006 keine psychiatrische Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Hinweise auf eine depres-
sive Erkrankung bestünden keine. Es liege eine Schmerzverarbeitungsstö-
rung vor, welche sich jedoch nicht auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwer-
deführers auswirke (act. III 75-5). Die geklagten körperlichen Beschwerden
könnten somatisch nicht objektiviert werden. Es müsse eine psychische
Überlagerung angenommen werden. Der Beschwerdeführer leide nicht un-
ter psychosozialen Belastungen, auf liege kein deutliches Rentenbegehren
vor. Es könne also weder die Diagnose anhaltende somatoforme Schmerz-
störung noch Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Grün-
den gestellt werden. Bei der psychiatrischen Untersuchung hätten keine
psychopathologischen Symptome festgestellt werden können. Der Be-
schwerdeführer habe sich auch noch nie in ambulanter psychiatrischer Be-
handlung befunden. Er habe einzig einmal während drei Wochen ein Anti-
depressivum eingenommen, dessen Wirkung er als wenig hilfreich erlebt
C-7024/2017
Seite 19
habe. Ausser der Schmerzverarbeitungsstörung könne also keine weitere
psychiatrische Diagnose gestellt werden. Hinweise auf eine depressive Er-
krankung bestünden nicht (act. III, 75-6 f.).
6.1.7 Nach dem Gesagten lag das von Dr. med. L._______ erwähnte chro-
nische Schmerzsyndrom bereits im Zeitpunkt der erstmaligen und letztma-
ligen befristeten Rentenzusprache vor (vgl. vorstehende E. 6.1.1 und
6.1.2). Eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit wurde von Dr. med. K._______ im Gutachten vom 8. April 2006 ver-
neint. Insbesondere konnten bei der psychiatrischen Untersuchung keine
psychopathologischen Symptome festgestellt werden und das Vorliegen
einer depressiven Erkrankung wurde verneint (vgl. vorstehende E. 6.1.5).
Bei der nunmehr von Dr. med. L._______ diagnostizierten depressiven
Persönlichkeitsstörung mit histrionischem Grundcharakter im Rahmen ei-
ner anzunehmenden Narzismusstörung handelt es sich somit um neue Di-
agnosen. Aufgrund den vorgenannten Feststellungen im Gutachten von
Dr. med. K._______ ist davon auszugehen, dass es sich bei den neuen
psychiatrischen Diagnosen in Kombination mit der vorbestehenden
Schmerzstörung überwiegend um ein neues Leiden handelt, dass bei der
letztmaligen befristeten Rentenzusprache noch nicht in dieser Form vorge-
legen hat. Für diese Auffassung spricht auch, dass im Zeitraum nach der
Begutachtung durch Dr. med. K._______ am 23. Februar 2006 bis zur Be-
gutachtung durch Dr. med. L._______ am 27. August 2014 keine psychiat-
rische Behandlung stattgefunden hat und dementsprechend auch keine
psychiatrischen Berichte vorliegen und Dr. med. L._______ für seine Ein-
schätzung den Zeitpunkt der Untersuchung als massgebend hält.
6.2 Wie vorstehend dargelegt, ist die aktuelle Rentenzusprache entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers aufgrund eines neuen Leidens er-
folgte. Daher können die Art. 29bis IVV bzw. insbesondere Art. 32bis IVV für
die Berechnung der Rentenhöhe nicht zur Anwendung gelangen. Bei die-
sem Ergebnis kann offen bleiben ab welchem Zeitpunkt die Frist von drei
Jahren nach Art. 29bis IVV bzw. Art. 32bis IVV zu laufen beginnt.
6.3
6.3.1 Der Beschwerdeführer macht des Weiteren geltend, die Berechnung
der Höhe der Rentenbeträge der Vorinstanz mit 6 anstelle mit 20 Beitrags-
jahren stelle eine Diskriminierung dar. Insbesondere sei eine Diskriminie-
rung nach Domizilland im Lichte des FZA unzulässig.
C-7024/2017
Seite 20
6.3.2 Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft ande-
rerseits über die Freizügigkeit vom 21. Juni 1999 (Freizügigkeitsabkom-
men, im Folgenden: FZA, SR 0.142.112.681) in Kraft getreten. Gemäss Art.
8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert, um
insbesondere die Gleichbehandlung aller Mitglieder der Vertragsstaaten zu
gewährleisten. Die Schweiz hat dazu die Regelwerke der Gemeinschaft
zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II
des FZA übernommen. Im Vordergrund stehen die Verordnung (EWG) Nr.
1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der
sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Fa-
milienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (SR
0.831.109.268.1; kurz: VO Nr. 1408/71) und deren Durchführungsverord-
nung (EWG) Nr. 574/72 (SR 0.831.109.268.11; kurz: VO Nr. 574/72).
Durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom
31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Ko-
ordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit sind die VO 1408/71 und
VO 574/72 per 1. April 2012 ersetzt worden (AS 2012 2345; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1). Ab die-
sem Zeitpunkt wenden die Vertragsparteien untereinander grundsätzlich
die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Si-
cherheit (SR 0.831.109.268.1; kurz: VO 883/2004) und die Verordnung
(EG) Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11; kurz: VO 987/2009) des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung
der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 an.
6.3.3 Nach der unter der Herrschaft der Verordnung Nr. 1408/71 ergange-
nen, somit nach wie vor gültigen Rechtsprechung sind Invalidenrenten der
schweizerischen IV autonom zu berechnen. Dabei ist nicht die A- (Risiko-
methode) anzuwenden, sondern – indem verschiedene Teilrenten pro rata
temoporis gewährt werden – nach der B-Methode zu koordinieren (vgl.
BGE 131 V 371 E. 6.4 m.H.). Daran hat sich auch mit Inkrafttreten der VO
Nr. 883/2004 nichts geändert (vgl. Art. 44 Abs. 1 VO 883/2004 i.V.m. An-
hang VI, in welchem die Schweiz nicht aufgeführt ist). Somit ist die IV-
Rente des Beschwerdeführers anhand der in der Schweiz tatsächlich zu-
rückgelegten Versicherungszeiten zu berechnen und es können nicht zu-
sätzlich Versicherungszeiten angerechnet werden, in denen er nicht in der
Schweiz sozialversichert, sondern aufgrund seines Wohnsitzes und den
Koordinationsverordnungen der deutschen Sozialversicherung unterstellt
C-7024/2017
Seite 21
war. Soweit darin eine Ungleichbehandlung gegenüber Schweizer Bürgern
oder Versicherten, die sich der freiwilligen Versicherung unterstellen kön-
nen (was bei Wohnsitz in einem EU-Land aufgrund des FZA und den da-
zugehörigen Koordinationsverordnungen nicht möglich ist; vgl. auch Art. 2
Abs. 1 AHVG) zu erblicken ist, welche aufgrund ihrer Lebenssituation in
der Regel längere Versicherungszeiten aufwiesen und weit häufiger in den
Genuss von höheren Renten kommen, liegt sie in der Konzeption der Ver-
ordnungen Nr. 1408/71 und Nr. 883/2004 selbst begründet. Diesen geht es
nicht um die inhaltliche Angleichung nationaler Systeme sozialer Sicherheit
im Sinne einer Harmonisierung (BGE 142 V 538 E. 6.3.2.3); vielmehr ha-
ben sie "eigenständige Systeme (...) bestehen lassen, die eigenständige
Forderungen gegen eigenständige Träger gewähren, gegen die dem Leis-
tungsberechtigten unmittelbare Ansprüche zustehen" (Urteil des BGer
9C_9/2018 vom 19. Juni 2018 E. 3.2.2, BGE 130 V 51 E. 5.5, vgl. auch
BGE 143 V 402 E. 6.1 zur Reichweite des Gleichbehandlungsgebots nach
Art. 3 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 und Art. 4 der VO 883/04, vergli-
chen mit dem Diskriminierungsverbot nach Art. 2 FZA). Das Gleichbehand-
lungsgebot nach Art. 4 VO 883/04 richtet sich nicht gegen diese Unter-
schiede. Diese Unterschiede ergeben sich aus den Rechtsvorschriften de-
nen der Beschwerdeführer aufgrund der im Rahmen des FZA anzuwen-
denden Verordnung VO 883/2004 selbst unterliegt. Insofern kann die au-
tonome Berechnung der Invalidenrente anhand der tatsächlich zurückge-
legten Versicherungszeiten an sich auch nicht zu einer unzulässigen Dis-
kriminierung des Beschwerdeführers nach Art. 4 VO 883/04 führen (vgl.
BGE 132 V 310 E. 9.1 f.).
7.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die aktuelle unbefristete
Rentenzusprache mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund eines
neuen Leidens erfolgte und daher die Art. 29bis IVV bzw. insbesondere
Art. 32bis IVV bei der Berechnung der Rentenhöhen nicht zur Anwendung
gelangen. Schliesslich stellt die Berechnung der Rentenhöhen auch keine
unzulässige Diskriminierung im Lichte des FZA dar. Die Vorinstanz ist da-
her bei der Berechnung der Invalidenrenten zu Recht von 6 vollen Versi-
cherungsjahren bei 36 Versicherungsjahren des Jahrgangs ausgegangen.
Im Übrigen wurde die Rentenberechnung nicht bemängelt und es ist auch
nicht ersichtlich, dass diese fehlerhaft sein sollte.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
C-7024/2017
Seite 22
8.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
8.1 Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer grundsätzlich die
Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Vorliegend
sind allerdings keine Kosten zu erheben, da dem Beschwerdeführer mit
Zwischenverfügungen vom 8. Februar 2018 bzw. 21. Februar 2018 in An-
wendung von Art. 65 Abs. 1 VwVG die unentgeltliche Rechtspflege gewährt
wurde.
8.2 Bei Unterliegen des amtlich verbeiständigten Beschwerdeführers hat
der gerichtlich bestellte Rechtsbeistand einen öffentlich-rechtlichen Ent-
schädigungsanspruch (BGE 131 I 217 E. 2.5; 122 I 322 E. 3b). Die Partei-
entschädigung umfasst dabei die Kosten der Vertretung sowie allfällige
weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE i.V.m Art. 12 VGKE).
Die Kosten der Vertretung umfassen gemäss Art. 9 Abs. 1 VGKE das An-
waltshonorar (Bst. a), den Ersatz der Auslagen (Bst. b) und der Mehrwert-
steuer (Bst. c), wobei Letztere nur dann geschuldet ist, wenn die zu ent-
schädigende Partei Wohnsitz oder Sitz in der Schweiz hat (vgl. dazu Urteile
des BVGer C-3800/2012 vom 27. Mai 2014; C-7742/2009 vom 9. August
2012 E. 7.2; C-6248/2011 vom 25. Juli 2012 E. 12.2.5 mit weiteren Hinwei-
sen und C-6173/2009 vom 29. August 2011 mit Hinweisen) oder der zu
entschädigenden Partei mit Wohnsitz im Ausland ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand beigeordnet wurde (BGE 141 III 560 E. 2 und 3). Das Bun-
desverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von ei-
nem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und An-
wälte aus (Art. 10 VGKE i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Es wird nur der not-
wendige Aufwand entschädigt (Art. 8 Abs. 2 VGKE).
8.3 Der Rechtsvertreter hat am 1. Mai 2018 eine Kostennote eingereicht
(BVGer act. 20). Darin wird ein Honorar von Fr. 1‘400.15 (6.9167 Stunden
à Fr. 200.- zuzüglich Barauslagen für Kopien und Porto von Fr. 2.- bzw.
14.80) exklusiv Mehrwertsteuer geltend gemacht. Der geltend gemachte
Aufwand ist mit Blick auf den aktenkundigen Aufwand nicht zu beanstan-
den. Aufgrund der dem Beschwerdeführer gewährten unentgeltlichen
Rechtspflege ist das Honorar mehrwertsteuerpflichtig. Die Parteientschä-
digung inklusiv Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE und Barauslagen beläuft sich somit auf Fr. 1‘507.95 (6.917 Stunden
C-7024/2017
Seite 23
à Fr. 200.- zuzgl. Auslagen in der Höhe von total Fr. 16.80 und Mehrwert-
steuer von 7.7 % auf Fr. 1400.15 in der Höhe von Fr. 107.80). Diese Ent-
schädigung ist aus der Gerichtskasse zu leisten.
Es wird indessen ausdrücklich auf Art. 65 Abs. 4 VwVG hingewiesen, wo-
nach die begünstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn
sie später zu hinreichenden Mitteln gelangt.
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3.
Rechtsanwalt MLaw Roman Baumgartner, (…), wird für das Rechtsmittel-
verfahren nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zu Lasten der Ge-
richtskasse eine Entschädigung von Fr. 1‘507.95 ausgerichtet.
4.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde; Beilage: Formular Zahl-
adresse)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Einschreiben)
– das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben)
C-7024/2017
Seite 24
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
David Weiss Matthias Burri-Küng
Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-
desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100
BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Par-
tei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
Versand: