B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung III
C-7979/2015
Ur t e i l vom 2 9 . Ap r i l 2 0 1 6
Besetzung
Einzelrichter Andreas Trommer,
mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner;
Gerichtsschreiber Julius Longauer.
Parteien
A._______,
Beschwerdeführerin,
gegen
Staatssekretariat für Migration SEM,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung
des SEM vom 1. Dezember 2015 / N (…).
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass die Beschwerdeführerin (geb. 1997, irakische Staatsangehörige) am
10. November 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlin-
gen ein Asylgesuch stellte,
dass am 30. November 2015 im EVZ Kreuzlingen die Befragung der Be-
schwerdeführerin zur Person (BzP) stattfand,
dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der BzP unter anderem er-
wähnte, ihre fünf Halbgeschwister befänden sich in der Schweiz,
dass die Beschwerdeführerin mit Verfügung des SEM vom 1. Dezember
2015 gestützt auf Art. 27 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und in Anwendung von
Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR
142.311) dem Kanton K._______ zugewiesen wurde,
dass die Beschwerdeführerin dagegen am 8. Dezember 2015 Rechtsmittel
beim Bundesverwaltungsgericht einlegte,
dass sie die Zuweisung an den Kanton L._______ beantragte, wo ihre fünf
Halbgeschwister zusammen mit deren Mutter lebten,
dass es sich beim Entscheid des SEM über die Zuweisung einer asylsu-
chenden Person an einen Kanton um eine selbständig anfechtbare Zwi-
schenverfügung handelt (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG),
dass die Zuständigkeit zur Behandlung von Beschwerden gegen Zuwei-
sungsentscheide des SEM beim Bundesverwaltungsgericht liegt (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 31 ff. VGG),
dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem
VwVG richtet, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes bestimmen
(Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 6 AsylG),
dass die Beschwerdeführerin als Verfügungsadressatin beschwerdelegiti-
miert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass die vorliegende Beschwerde, wie nachfolgend zu zeigen sein wird,
offensichtlich unbegründet ist, weshalb der Entscheid in Anwendung von
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Art. 111 Bst. e AsylG in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters ergeht,
dass der Entscheid gestützt auf Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG ohne Schrif-
tenwechsel ergeht und summarisch zu begründen ist,
dass das SEM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den Kan-
tonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und
der Asylsuchenden Rechnung trägt,
dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1 erfolgt,
wobei das SEM bereits in der Schweiz lebende Familienangehörige der
Asylsuchenden, deren Staatsangehörigkeit und besonders betreuungsin-
tensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1),
dass ein Zuweisungsentscheid gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG
nur mit dem Einwand angefochten werden kann, er verletze den Grundsatz
der Einheit der Familie,
dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG
grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne von
Art. 1a Bst. e AsylV 1 orientiert und mithin die Kernfamilie, bestehend aus
den Ehegatten und ihren minderjährigen Kindern umfasst,
dass über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande
nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, wenn zwischen
den beteiligten Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht
(vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1),
dass die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein derartiges
Abhängigkeitsverhältnis z.B. bei körperlicher bzw. geistiger Behinderung
eines Angehörigen oder bei einer aus anderem Grund bestehenden Hilfs-
bedürftigkeit angenommen hat (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2),
dass die volljährige Beschwerdeführerin und ihre Halbgeschwister, die zu-
sammen mit deren Mutter seit dem Jahr 2011 als vorläufig Aufgenommene
im Kanton L._______ leben, keine Kernfamilie bilden,
dass die Beschwerdeführerin geltend macht, die räumliche Trennung von
ihren Angehörigen sei für sie sehr schwierig, bzw. die Situation sei für sie
sehr traurig, weshalb sie sich in psychologische Behandlung begeben
müsse,
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dass psychische, mit dem Flüchtlingsdasein verbundene Belastungen, wie
sie die Beschwerdeführerin offensichtlich erlebt, nicht ohne weiteres eine
rechtserhebliche Abhängigkeit von anderen Personen begründen,
dass es der Beschwerdeführerin im Übrigen auch ohne Kantonswechsel
möglich ist, mittels Besuchen oder via Kommunikationsmittel (Telefon usw.)
Kontakt zu ihren Halbgeschwistern zu pflegen,
dass die angefochtene Verfügung den Grundsatz der Einheit der Familie
nicht verletzt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass indes in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet
werden kann,
dass dieses Urteil endgültig ist (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
3.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. N […])
– die Migrationsbehörde des Kantons K._______
– die Migrationsbehörde des Kantons L._______
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Andreas Trommer Julius Longauer
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