B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung IV
D-1437/2012/sed
U r t e i l v o m 1 9 . M ä r z 2 0 1 2
Besetzung
Richterin Contessina Theis (Vorsitz),
Richter Markus König, Richter Daniele Cattaneo,
Gerichtsschreiberin Eva Hostettler.
Parteien
A._______, geboren am (…),
Nigeria,
Beschwerdeführer,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Wiederherstellung der Beschwerdefrist (Nichteintreten auf
Asylgesuch und Wegweisung);
Verfügung des BFM vom 27. Februar 2012 / N (…).
D-1437/2012
Seite 2
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass der Beschwerdeführer, ein nigerianischer Staatsangehöriger, seine
Heimat am 22. Juni 2011 verliess und am 29. August 2011 in die Schweiz
einreiste,
dass er am 30. August 2011 in der Schweiz ein Asylgesuch stellte und er
am 6. September 2011 summarisch im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum Altstätten sowie am 22. Februar 2012 eingehend zu seinen Asyl-
gründen befragt und angehört wurde, wobei er für die Dauer des Asylver-
fahrens dem Kanton B._______ zugewiesen wurde,
dass das BFM am 27. Februar 2012 – eröffnet am 28. Februar 2012 – in
Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
(AsylG, SR 142.31) einen Nichteintretensentscheid erliess, da der Be-
schwerdeführer – ohne dafür entschuldbare Gründe vorbringen zu kön-
nen – es verpasste, innerhalb der schriftlich angesetzten Frist von 48
Stunden Reise- und Identitätspapieren abzugeben,
dass der Beschwerdeführer in ebendieser Verfügung gleichzeitig aus der
Schweiz weggewiesen wurde und die Schweiz – unter Androhung von
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – am Tag nach Eintritt der Rechtskraft
zu verlassen hat, wobei der Kanton B._______mit dem Vollzug der Weg-
weisung beauftragt wurde,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. März 2012 (Poststem-
pel) Beschwerde erhob und sinngemäss um Wiederherstellung der Be-
schwerdefrist gemäss Art. 24 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersuchte,
dass der Beschwerdeführer in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG
ersuchte und weitere, nicht näher bezeichnete Beweismittel in Aussicht
stellte,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei-
det (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass das Bundesverwaltungsgericht auch für die Behandlung von Gesu-
chen um Wiederherstellung von Fristen gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG zu-
D-1437/2012
Seite 3
ständig ist, bei denen es im Falle der Wiederherstellung über die nachge-
holte Parteihandlung beziehungsweise Rechtsvorkehr zu befinden hat
(vgl. URSINA BEERLI-BONORAND, Die ausserordentlichen Rechtsmittel in
der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985,
S. 233),
dass eine Fristwiederherstellung die Beseitigung von Rechtsnachteilen
wegen unverschuldeter Fristversäumnis bezweckt (vgl. STEFAN VOGEL in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, N 1 zu Art. 24 VwVG),
dass ein Versäumnis als unverschuldet gilt, wenn dafür objektive Gründe
vorliegen und der säumigen Partei bzw. ihrer Vertretung keine Nachläs-
sigkeit vorgeworfen werden kann, sondern auf eine erhebliche Behinde-
rung wie etwa durch das fehlerhafte Verhalten einer Behörde zurückzu-
führen ist (vgl. a.a.O., N 10 und 13 zu Art. 24 VwVG),
dass die Verfügung des BFM vom 27. Februar 2012 mit Zustellung an
den Beschwerdeführer am 28. Februar 2012 rechtsgültig eröffnet wurde,
dass die Frist für Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide gemäss
Art. 108 Abs. 2 AsylG fünf Arbeitstage beträgt und diese Frist somit am 7.
März ungenutzt verstrichen ist,
dass der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 13. März 2012 sinnge-
mäss um Wiederherstellung der abgelaufenen Beschwerdefrist ersuchte,
da er der deutschen Sprache nicht mächtig sei, weshalb die Frist von fünf
Tagen nicht ausgereicht habe und er dringend einen Rechtsbeistand be-
nötige,
dass die Verfügung des BFM vorliegend in der korrekten Amtssprache
verfasst worden ist (vgl. Art. 16 Abs. 2 AsylG) und der Beschwerdeführer
nicht vorbringt, er habe keine Rechtsvertretung finden können, womit er
nicht eine Kumulation verschiedener erschwerender Umstände im Sinn
der Rechtsprechung (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 10 S. 89 ff.) geltend
macht, die ihn objektiv daran gehindert hätten, die Frist zu wahren,
dass demnach vorliegend keine objektiven Gründe ersichtlich sind, die
das Versäumnis als unverschuldet erkennen liessen, sondern vielmehr
die Nachlässigkeit des Beschwerdeführers im Vordergrund steht, weshalb
D-1437/2012
Seite 4
das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist vorliegend abzu-
weisen ist,
dass auf die nicht fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 2
AsylG) vom 13. März 2012 somit nicht einzutreten ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass aus verwaltungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von
Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) vorliegend jedoch auf die
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist.
(Dispositiv nächste Seite)
D-1437/2012
Seite 5
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist wird abgewiesen.
2.
Auf die Beschwerde vom 13. März 2012 wird nicht eingetreten.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
4.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale
Behörde.
Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:
Contessina Theis Eva Hostettler
Versand: