Abtei lung IV
D-2186/2008
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 4 . J u l i 2 0 0 8
Einzelrichter Daniel Schmid,
mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer,
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.
A._______, geboren [...],
Kosovo,
vertreten durch Radenko Simic, [...],
Beschwerdeführer,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom
3. März 2008 / N [...].
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
D-2186/2008
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 19. Januar
2008 seinen Heimatstaat verliess und am 21. Januar 2008 in die
Schweiz einreiste, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte,
dass er anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum X._______ vom 24. Januar 2008 sowie der direkten Anhörung
durch das BFM vom 8. Februar 2008 zur Begründung des Asylgesuchs
im Wesentlichen geltend machte, er sei ethnischer Serbe aus
Y._______/Kosovo und sei wegen seines Vaters, eines ehemaligen
stellvertretenden Komandanten einer in Z._______ bei Pristina
stationierten [...] und nachmaligen [Funktion] in Pristina noch während
der Schulzeit in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt gewesen,
dass es deswegen im Jahr 1999 zu einem Streit zwischen ihm und sei-
nem Vater gekommen sei, worauf er sich zu Verwandten seiner Mutter
in Q._______ begeben habe und später der Kontakt zu seiner Familie
vollständig abgebrochen sei,
dass er sich von Mitte August bis Ende Dezember legal in Moskau auf-
gehalten habe, aber wegen fehlender Arbeitsmöglichkeiten nach
Q._______ zurückgekehrt sei,
dass er befürchtet habe, von Personen heimgesucht zu werden, wel-
che nach seinem Vater geforscht hätten,
dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung
vom 3. März 2008 ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz so-
wie den Vollzug anordnete,
dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an Art. 3 und 7
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand,
dass es hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs dem Beschwerdeführer
namentlich eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative im "restlichen
Gebiet Serbiens" entgegenhielt,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. April 2008 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
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dabei unter Hinweis auf die am 17. Februar 2008 ausgerufene Unab-
hängigkeit des Kosovo sinngemäss beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und sein Asylantrag gutzuheissen,
dass das BFM im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 18. April 2008
(ergänzt am 20. Mai 2008) ausführte, aus administrativen Gründen
habe im Entscheid vom 3. März 2008 die aktuelle Amtspraxis nicht be-
rücksichtigt werden können,
dass der Erlass einer neuen Verfügung aufgrund der Amtspraxis ak-
tuell nicht möglich sei, weshalb um Kassation des angefochtenen Ent-
scheids ersucht werde,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968
über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM ent-
scheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG,
SR 142.31] i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 ff. VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1
AsylG),
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG)
und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche
handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
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dass aufgrund der obigen Ausführungen davon auszugehen ist, dass
das BFM im vorliegenden Fall in Bezug auf den völkerrechtlichen Sta-
tus des Kosovo (Unabhängigkeit) den rechtserheblichen Sachverhalt
unrichtig respektive unvollständig erhoben hat,
dass es sich demnach rechtfertigt, dem Wunsch des Bundesamts ent-
sprechend dessen Entscheid vom 3. März 2008 aufzuheben und ihm
die Sache zur Neubeurteilung zurückzuweisen,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens vom Obsiegen des Be-
schwerdeführers auszugehen ist und demnach keine Verfahrenskosten
zu erheben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass dem obsiegenden Beschwerdeführer eine Parteientschädigung
für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass, nachdem keine Kostennote zu den Akten gereicht worden ist
und sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage
hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, die von der Vorinstanz aus-
zurichtende Parteientschädigung unter Berücksichtigung der massge-
benden Berechnungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 300.-- festzu-
setzen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.
2.
Die Verfügung des BFM vom 3. März 2008 wird aufgehoben und die
Sache zur Neubeurteilung zurückgeweisen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 300.-- auszurichten.
5.
Dieses Urteil geht an:
- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, mit den Akten Ref.-Nr. N [...] zur Wiederaufnahme des
Verfahrens (per Kurier; in Kopie)
- [kant. Behörde] (in Kopie)
Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:
Daniel Schmid Milva Franceschi
Versand:
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