Abtei lung IV
D-2739/2009
{T 0/2}
U r t e i l v o m 6 . M a i 2 0 0 9
Einzelrichter Martin Zoller,
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.
A._______, geboren (...), Kongo (Kinshasa),
vertreten durch (...),
Beschwerdeführerin,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wieder-
erwägungsentscheid);
Verfügung des BFM vom 25. März 2009 / N (...).
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
D-2739/2009
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass die Beschwerdeführerin am 6. April 2008 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass das BFM mit Verfügung vom 11. Juli 2008 feststellte, dass die
Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, das Asyl-
gesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Wegweisungsvollzug anordnete,
dass die Beschwerdeführerin dagegen mit Eingabe vom 4. August
2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob und um Ge-
währung des Asyls, eventualiter um Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ersuchte,
dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde mit Urteil vom
10. September 2008 abwies, womit die Verfügung des BFM vom
11. Juli 2008 in Rechtskraft erwachsen ist,
dass die Beschwerdeführerin am 11. Februar 2009 (Datum Poststem-
pel: 12. Februar 2009) eine als „Wiedererwägungsgesuch“ bezeichne-
te Eingabe beim BFM einreichte,
dass das BFM das Wiedererwägungsgesuch mit Verfügung vom
25. März 2009 - eröffnet am 27. März 2009 - abwies, die Verfügung
vom 11. Juli 2008 für rechtskräftig und vollstreckbar erklärte, eine Ge-
bühr von Fr. 600.-- erhob, die eingereichten Beweismittel einzog und
überdies feststellte, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschie-
bende Wirkung zukomme,
dass die Beschwerdeführerin dagegen mit Eingabe vom 27. April 2009
(Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht er-
hob und um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, Gewährung
des Asyls sowie um Erlass vorsorglicher Massnahmen (Aussetzung
des Wegweisungsvollzugs) ersuchte,
dass der zuständige Instruktionsrichter den Vollzug der Wegweisung
gestützt auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) mit Zwischenver-
fügung vom 29. April 2009 provisorisch aussetzte,
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dass die vorinstanzlichen Akten am 30. April 2009 beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen,
dass sich daraus ergibt, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Einga-
be vom 11. Februar 2009 beim BFM drei Vorladungen des „Départe-
ment Sécurité Militaire“ von Kongo (Kinshasa) - wovon zwei vor Erlass
des Urteils vom 10. September 2008 datieren - eingereicht hat, welche
zum Beweis der Flüchtlingseigenschaft geeignet sein sollen,
dass sie nicht eine nachträgliche Veränderung der Sachlage geltend
macht, sondern auf Umstände - die angebliche Verfolgung wegen der
Mitgliedschaft bei der Bundu Dia Kongo (BDK) - abstellt, welche schon
vor Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens bestanden, sich indes-
sen auf neue Beweismittel beruft, welche die Flüchtlingseigenschaft,
welche im ordentlichen Asylverfahren verneint worden war, nunmehr
belegen sollen,
dass die Beschwerdeführerin somit Revisionsgründe im Sinne von
Art. 123 Abs. 2 Bst. a des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(BGG, SR 173.110) geltend macht,
dass die Geltendmachung von Revisionsgründen beim BFM - in Form
eines qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs - nur möglich ist, wenn
das ordentliche Asylverfahren ohne einen materiellen Beschwerdeent-
scheid abgeschlossen wurde, ansonsten ein Revisionsgesuch bei der
Beschwerdeinstanz einzureichen ist (vgl. Entscheide des Schweize-
rischen Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/21 E. 2.1 S. 242),
dass das ordentliche Asylverfahren der Beschwerdeführerin mit einem
materiellen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts abgeschlossen
wurde und sich ihr Gesuch um „Wiedererwägung“ somit gegen dieses
Urteil der Beschwerdeinstanz vom 10. September 2008 richtet,
dass das BFM für die Beurteilung der vorliegend geltend gemachten
Revisionsgründe somit nicht zuständig war, weshalb dessen Verfügung
vom 25. März 2009 - mit Zustimmung eines zweiten Richters be-
ziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) - aufzuheben und das
Beschwerdeverfahren als gegenstandslos geworden abzuschreiben
ist,
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dass allfällig geleistete Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin zu-
rückzuerstatten sind,
dass für das vorliegende Verfahren keine Kosten aufzuerlegen sind
und - da das Vorgehen des BFM in casu nicht gerügt wurde - auch
keine Parteientschädigung auszurichten ist (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2
sowie Art. 64 Abs. 1 VwVG),
dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund des Gesagten für die
Beurteilung der geltend gemachten Revisionsgründe zuständig ist
(Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG,
SR 173.32] i.V.m. Art. 121 ff. BGG), weshalb das Verfahren als Revi-
sionsverfahren betreffend dessen Urteil vom 10. September 2008 neu
aufzunehmen ist (neue Verfahrensnummer).
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Verfügung des BFM vom 25. März 2009 wird infolge Unzuständig-
keit der Vorinstanz aufgehoben. Allfällig geleistete Verfahrenskosten
werden zurückerstattet.
2.
Das Beschwerdeverfahren wird als gegenstandslos geworden abge-
schrieben.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.
5.
Das Verfahren wird als Revisionsverfahren betreffend das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 10. September 2008 (...) neu
aufgenommen (neue Verfahrensnummer) und behandelt.
6.
Dieses Urteil geht an:
- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, zu den Akten Ref.-Nr. N (...) (in
Kopie)
- (...)
Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:
Martin Zoller Susanne Burgherr
Versand:
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