B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung IV
D-3307/2012
U r t e i l v o m 2 9 . J u n i 2 0 1 2
Besetzung
Einzelrichter Bendicht Tellenbach,
Gerichtsschreiber Martin Scheyli
Parteien
A._______ B._______, geboren am [...],
B._______ B._______, geboren am [...],
C._______ B._______, geboren am [...],
D._______ B._______, geboren am [...],
Mazedonien (ehemalige jugoslawische Republik),
wohnhaft [...],
Beschwerdeführende,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz
Gegenstand
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 12. Juni 2012
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden, Angehörige der Volksgruppe der Ashkali
aus Mazedonien, erstmals am 7. März 2011 in die Schweiz einreisten, wo
sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel Asylgesu-
che stellten,
dass das Bundesamt für Migration (BFM) mit Verfügung vom 12. August
2011 feststellte, in Anwendung der einschlägigen Staatsverträge (Abkom-
men vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in ei-
nem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags [Dublin-As-
soziierungsabkommen, SR 0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003
des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags
zuständig ist [Dublin-II-VO]; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommis-
sion vom 2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Ver-
ordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]) sei Deutschland für
die Behandlung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden als zuständig
zu erachten, wobei die deutschen Behörden einem Ersuchen um Rück-
übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. e
Dublin-II-VO am 10. August 2011 zugestimmt hätten, und deshalb ge-
stützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998
[AsylG, SR 142.31] auf das Asylgesuch vom 7. März 2011 nicht eintrat,
dass eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil D-4593/2011 vom 25. August 2011 abgewie-
sen wurde,
dass die Beschwerdeführenden am 14. September 2011 nach Deutsch-
land überstellt wurden,
dass die Beschwerdeführenden am 12. Mai 2012 aus Deutschland erneut
in die Schweiz einreisten, nachdem gemäss ihren Angaben die deutschen
Behörden über ihre Asylgesuche negativ entschieden hätten,
dass das BFM dies als neues Asylgesuch betrachtete, die Beschwerde-
führenden am 23. Mai 2012 anhörte und ihnen dabei das rechtliche Ge-
hör zur mutmasslichen Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gewährte,
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dass die deutschen Behörden am 6. Juni 2012 einem erneuten auf Art. 16
Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO gestützten Ersuchen der Schweiz um Rück-
übernahme der Beschwerdeführenden zustimmten,
dass das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden mit Verfü-
gung vom 12. Juni 2012 (eröffnet am 18. Juni 2012) gestützt auf Art. 34
Abs. 2 Bst. d AsylG erneut nicht eintrat,
dass die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung mit Eingabe vom
20. Juni 2012 (Postaufgabe: 21. Juni 2012) beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erhoben,
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet,
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32],
dass das Bundesverwaltungsgericht – mit einer vorliegend nicht zutref-
fenden Ausnahme – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass die Beschwerde zwar rechtzeitig eingereicht wurde, indessen aus
nachfolgenden Gründen offensichtlich unzulässig ist,
dass bereits mit Verfügung vom 12. August 2011, welche durch das Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. August 2011 bestätigt wurde,
rechtskräftig entschieden worden ist, dass gemäss den Bestimmungen
des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems für die Behandlung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens bezüglich der Beschwerdeführenden
Deutschland zuständig ist,
dass gemäss dem Grundsatz der materiellen Rechtskraft (res iudicata)
über den gleichen Prozessgegenstand, der rechtskräftig entschieden ist,
kein neuerliches Verfahren angehoben werden darf, solange die Rechts-
kraft jenes Entscheides bestehen bleibt (vgl. bspw. KARIN SCHERRER, in:
Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 66, N 1),
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dass auch die Verfügung des BFM vom 12. Juni 2012 mit ihrer entspre-
chenden Rechtsmittelbelehrung keinen neuerlichen Beschwerdeweg ge-
gen die gemäss Dublin-II-VO rechtskräftig festgestellte Zuständigkeit
Deutschlands zu eröffnen vermag und weder Gründe aus den Akten er-
sichtlich sind noch von den Beschwerdeführenden vorgebracht werden,
welche geeignet wären, die Rechtskraft dieses Zuständigkeitsentscheides
zu beseitigen,
dass die Beschwerdeführenden in ihrer Eingabe überdies keinerlei auf
den Verfahrensgegenstand der angefochtenen Verfügung – also die Fra-
ge der Zuständigkeit nach Dublin-II-VO – gerichtete Gründe vorbringen,
sondern beantragen, es möge ihnen "die Flüchtlingseigenschaft aufgrund
von Art. 3 EMRK [sic] zugestanden" werden,
dass im Sinne einer Ergänzung festzustellen ist, dass der genannte An-
trag ohnehin unzulässig ist, indem bei Beschwerden gegen Nichteintre-
tensentscheide, bei denen es das BFM gestützt auf die entsprechenden
gesetzlichen Bestimmungen (vgl. Art. 32-35 AsylG) ablehnt, das Asylge-
such auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, die Beurteilungszustän-
digkeit der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist,
ob das Bundesamt zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl.
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1),
dass die Beschwerdeführenden nach dem Gesagten kein schutzwürdiges
Anfechtungsinteresse haben und die Beschwerde deshalb offensichtlich
unzulässig ist,
dass daher auf die Beschwerde im einzelrichterlichen Verfahren nicht ein-
zutreten ist (Art. 111 Bst. b AsylG),
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 200.–
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63
Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 200.-- werden den Beschwerdeführenden
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.
3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Bendicht Tellenbach Martin Scheyli
Versand: