B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung IV
D-4909/2012/mel
U r t e i l v o m 2 7 . S e p t e m b e r 2 0 1 2
Besetzung
Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richterin Nina Spälti Giannakitsas;
Gerichtsschreiber Linus Sonderegger.
Partei
A._______, geboren (…),
Afghanistan,
(…),
Gesuchsteller,
Gegenstand
Revision;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. September
2012 / D-4539/2012.
D-4909/2012
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Sachverhalt:
A.
Das BFM trat mit Verfügung vom 17. August 2012 (Eröffnung am 23. Au-
gust 2012) in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Gesuchstellers
vom 6. Juli 2012 nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Italien an und
forderte den Gesuchsteller auf, die Schweiz bis spätestens am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Der Kanton X._______ wurde
mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt.
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 29. August 2012
(Poststempel vom 30. August 2012) wurde mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-4539/2012 vom 5. September 2012 abgewiesen.
C.
Mit Schreiben vom 5. September 2012 reichte der Gesuchsteller beim
Bundesverwaltungsgericht das Original seiner Identitätskarte (Taskara)
ein, welche das Gericht am 10. September 2012 an das BFM weiterleite-
te.
D.
Mit Revisionsgesuch vom 15. September 2012 (Poststempel vom
18. September 2012) gelangte der Gesuchsteller erneut ans Bundesver-
waltungsgericht. Darin beantragte er die Aufhebung des Urteils
D-4539/2012 vom 5. September 2012 und die Gewährung von Asyl.
Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer
Hinsicht wurde ein sofortiger Vollzugsstopp sowie die Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsver-
fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) bean-
tragt.
Als Revisionsgrund wurde vorgebracht, dass die nun vorliegende Taskara
belegen würde, dass der Gesuchsteller erst 17-jährig und daher minder-
jährig sei.
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Seite 3
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen des BFM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Es ist
ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funk-
tion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242).
1.2 Gemäss Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) gelten für die Revision von Urteilen des Bundesver-
waltungsgerichts die Art. 121 – 128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.3 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-
änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-
scheides angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt
wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. PIERRE
TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl.,
Bern 2005, S. 269).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121 – 123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45
VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die
um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren
hätte geltend machen können (Art. 123 Abs. 2 Bst. a [2. Satzteil] BGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 Der Gesuchsteller macht den Revisionsgrund des nachträglichen ent-
scheidenden Beweismittels (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) geltend und
zeigt ausserdem die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens auf. Auf das
im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Revisionsgesuch ist des-
halb einzutreten.
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Seite 4
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich entscheidende Beweismittel auffindet, die sie
im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Be-
weismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind.
3.2 Bereits die Voraussetzung des unverschuldeten Nicht-Beibringens
des neuen Beweismittels im früheren Verfahren ist im vorliegenden Fall
zu verneinen. Aus den Vorbringen im Revisionsgesuch sowie aus den Ak-
ten ist nicht ersichtlich, wieso der Gesuchsteller das Original der Taskara
bei zumutbarer Sorgfalt nicht bereits im Verfahren D-4539/2012 hätte ein-
reichen können, zumal er damals in der Lage war, eine Kopie des ent-
sprechenden Dokuments ins Recht zu legen.
3.3 Darüber hinaus ist aber auch das Erfordernis der Erheblichkeit des
neuen Beweismittels zu verneinen. Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG
muss es sich beim im Revisionsbegehren geltend gemachten Beweismit-
tel um ein "entscheidendes Beweismittel" handeln. Diese Erheblichkeit ist
zu bejahen, wenn das neu angerufene Beweismittel zu einem anderen
Entscheid hätte führen können. Dies ist im vorliegenden Fall zu vernei-
nen. Bereits im Urteil D-4539/2012 wurde bezüglich der Taskara antizipie-
rend festgehalten, dass diesem Dokument – in Anbetracht der wider-
sprüchlichen Aussagen des Gesuchstellers betreffend sein Alter – nur ein
sehr geringer Beweiswert zukommt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts D-4539/2012 vom 5. September 2012 S. 7). Diese Einschätzung
ist nach wie vor zutreffend.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan-
ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bun-
desverwaltungsgerichts D-4539/2012 vom 5. September 2012 ist demzu-
folge abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'200.– dem
Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art 68 Abs. 2 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Das Revisionsgesuch wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.– werden dem Gesuchsteller aufer-
legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten
der Gerichtskasse zu überweisen.
3.
Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das BFM und die zuständige
kantonale Behörde.
Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:
Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger
Versand: