Abtei lung IV
D-6295/2010/wif
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 9 . O k t o b e r 2 0 1 0
Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiber Patrick Weber.
A._______, geboren _______,
B._______, geboren _______,
C._______, geboren _______, Kosovo,
Beschwerdeführende,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und
Asylwiderruf;
Verfügung des BFM vom 4. August 2010 / N _______.
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
D-6295/2010
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 12. August 1993 in der Schweiz ein
Asylgesuch stellte,
dass er zu dessen Begründung im Wesentlichen geltend machte, seit
1985 Mitglied der Volksbewegung für die Republik Kosovo (LPRK) ge-
wesen zu sein,
dass er deswegen behördliche Verfolgung erlitten habe und schliess-
lich ausser Landes geflohen sei,
dass ihn die Vorinstanz mit Verfügung vom 23. März 1994 als Flücht-
ling anerkannte und ihm Asyl gewährte,
dass die nachgereiste Ehefrau des Beschwerdeführers am 7. April
2000 vom Bundesamt gestützt auf Art. 51 Abs. 1 des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) als Flüchtling anerkannt und ihr
Asyl gewährt wurde,
dass das BFM das der Ehefrau gewährte Asyl mit Verfügung vom
5. März 2007 in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG widerrief
und ihr die Flüchtlingseigenschaft aberkannte,
dass dieser Entscheid unangefochten in Rechtskraft erwuchs,
dass das BFM den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 21. Juli
2010 mitteilte, es beabsichtige, ihnen gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b
AsylG die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu wider-
rufen,
dass die Vorinstanz zur Begründung die neue politische Situation vor
Ort anführte,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 31. Juli 2010 dazu
Stellung nahmen,
dass das BFM das dem Beschwerdeführer und den beiden in der
Schweiz geborenen Kindern gewährte Asyl mit Verfügung vom 4. Au-
gust 2010 – eröffnet am 6. August 2010 – in Anwendung von Art. 63
Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 5 des internationalen Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
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(FK, SR 0.142.30) widerrief und ihnen die Flüchtlingseigenschaft aber-
kannte,
dass die Beschwerdeführenden diese Verfügung mit Eingabe vom
4. September 2010 (Datum des Postaufgabe) beim Bundesverwal-
tungsgericht anfochten,
dass die Beschwerdeinstanz sie mit Zwischenverfügung vom 10. Sep-
tember 2010 aufforderte, bis zum 24. September 2010 einen Kosten-
vorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu leisten,
dass die Beschwerdeführenden den Kostenvorschuss am 20. Septem-
ber 2010 in der verlangten Höhe leisteten,
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (vgl. Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundes-
gericht [BGG, SR 173.110]),
dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung
von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass die Beschwerdeführenden legitimiert sind und auf die frist- und
formgerechte Beschwerde einzutreten ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48
Abs. 1, Art. 50 und Art. 52 VwVG),
dass die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als
offensichtlich unbegründet erscheint, weshalb darüber in einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu ent-
scheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
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dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG),
dass das BFM unter anderem aus Gründen nach Art. 1 C Ziffn. 1 - 6
FK das Asyl widerruft und die Flüchtlingseigenschaft aberkennt (vgl.
Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass die so genannten Beendigungsklauseln (Art. 1 C Ziff. 1 - 6 FK)
offensichtlich auf der Überlegung beruhen, (subsidiärer) internationaler
Schutz solle nicht mehr gewährt werden, wenn er nicht mehr erforder -
lich sei (vgl. UNO-HOCHKOMMISSARIAT FÜR FLÜCHTLINGE [UNHCR], Handbuch
über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft, Genf 1979, Rz 111),
dass die Beendigungsgründe erschöpfend aufgezählt und daher re-
striktiv anzuwenden sind (vgl. UNHCR-Handbuch, a.a.O., Rz 116; zum
Ganzen auch Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 8 S. 61 f.),
dass im vorliegenden Fall das BFM zur Begründung der Aberkennung
der Flüchtlingseigenschaft die Bestimmung von Art. 1 C Ziff. 5 FK her-
angezogen hat,
dass eine die Bedingungen dieser Norm erfüllende Person nicht mehr
unter das Abkommen fällt, wenn sie nach Wegfall der Umstände, auf
Grund derer sie als Flüchtling anerkannt worden ist, es nicht mehr ab-
lehnen kann, den Schutz ihres Heimatstaates in Anspruch zu nehmen,
dass der Beschwerdeführer im Rekurs vorbringt, er sei mit dem vor in-
stanzlichen Entscheid einverstanden,
dass entsprechend schon aus diesem Grund davon auszugehen ist,
die von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung aufgelisteten
wesentlichen Veränderungen vor Ort verbunden mit der Unabhängig-
keitserklärung des Staates Kosovo stellten einen solchen "Wegfall der
Umstände" dar,
dass sich mithin auch nicht die Frage allfälliger zwingender Gründe
gemäss Art. 1 C Ziff. 5 FK stellt,
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dass das Beschwerdevorbringen, die Beschaffung kosovarischer Rei-
sepässe sei umständlich respektive zeitaufwändig, im Sinne der zutref-
fenden vorinstanzlichen Erwägung einer Anwendung von Art. 1 C
Ziff. 5 FK offensichtlich ebenfalls nicht entgegensteht,
dass vor diesem Hintergrund die in Art. 1 C Ziff. 5 FK respektive
Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG statuierten Voraussetzungen für die Aber-
kennung der Flüchtlingseigenschaft als erfüllt zu erachten sind,
dass das BFM demnach zu Recht den Beschwerdeführenden die
Flüchtlingseigenschaft aberkannte und das Asyl widerrief,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen und mit dem in gleicher Höhe ge-
leisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden
auferlegt. Dieser Betrag ist mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kos-
tenvorschuss zu verrechnen.
3.
Dieses Urteil geht an:
- die Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N _______
(per Kurier; in Kopie)
- _______
Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:
Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber
Versand:
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