ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (85) 792
Vol. 1985/0264
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KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
K0PK85) 792 endg.
Brüssel, den 14. Januar 1986
Diskussionspapier
über eine
FORSTWIRTSCHAFTLICHE AKTION DER GEMEINSCHAFT
K0M(85) 792 endg.
' Diskussionspapier
. über eine
FORSTWIRTSCHAFTLICHE AKTION DER GEMEINSCHAFT
I . Einleitung
1. In ihrem dem Europäischen Parlament .im März 1985 vorgelegten Programm hat
sich die Europäische Kommission verpflichtet, Vorschläge für die
Forstwirtschaft auszuarbeiten. Später hat sie beschlossen, konkrete
Vorschläge erst nach umfassenden Konsultationen zu unterbreiten. Das
vorliegende Papier über eine forstwirtschaftliche Aktion soll als Basis
für Konsultationen dienen. Nachdem die betroffenen Kreise Gelegenheit
hatten, sich zu den darin enthaltenen Gedanken zu äußern, wird die
Kommission Vorschläge für ein forstwirtschaftliches Aktionsprogramm der
Gemeinschaft unterbreiten.
Zur Unterstützung dieser Konsultationen veröffentlicht die Kommission
zusätzlich zu diesem Dokument ein Papier, in dem die Forstwirtschaft der
Gemeinschaft ausführlicher geschildert wird. Ein Aktionsprogramm der
Gemeinschaft würde die einzelstaatlichen Politiken ergänzen. Dieses
forstwirtschaftliche Aktionsprogramm könnte eine Reihe von Maßnahmen
umfassen, die zur Ausdehnung der Forstflächen und zu èiner besseren
Nutzung der vorhandenen Wälder führen würden. Die Kommission schlägt zwar
nicht die Einführung einer gemeinschaftlichen Forstpolitik vor, doch
hätten viele der empfohlenen Aktionen einen größeren Effekt, wenn sie auf
Gemeinschaftsebene und nicht auf der Ebene einzelner Mitgliedstaaten
durchgeführt würden.
Die Kommission will nicht nur zu Diskussionen über die Forstwirtschaft in
der Gemeinschaft, anregen, sondern ist auch der Überzeugung, daß d^e
forstwirtschaftlichen Probleme in außereuropäischen Ländern, vor allem in
den Entwicklungsländern, ebenfalls untersucht werden sollten.
II. Rolle der Wälder der Gemeinschaft
2. Die Wälder decken einen bedeutenden Bedarf an Rohstoffen für die
Industrie, ermöglichen wirtschaftliche Tätigkeiten und Beschäftigung ir,
oft weniger wohlhabenden Regionen und unterstützen Wirtschaftstätigkeit
und Beschäftigung in holzverwendenden Industrien in anderen Gegenden der
Gemeinschaft. Außerdem spielen sie eine entscheidende Rolle bei. der
Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts und der Verbesserung der
Umweltqualität, bei der Verhütung von Erosion und l:sertifi kation srwie
für die Erholung und Freizeitgestaltung der Bürger der Gemeinschaft.
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3, Der Bedarf der zehn Mitgliedstaaten an forstwirtschaftlichen Erzeugnissen
(Schnittholz, Holzplatten, Papiermasse, Papier usw.) ist weit umfang
reicher als der Holzeinschlag aus den Wäldern der Gemeinschaft, und so
ist die EG heute der weltgrößte Nettoimporteur von Holzprodukten. Im
Jahre 1984 beliefen sich die Nettoeinfuhren auf nahezu 17 Milliarden ECU,
und an dieser Situation wird sich auch mit dem Beitritt Spaniens und
Portugals nichts ändern.
Dieses zunehmende Mißverhältnis zwischen dem Holzbedarf der Gemeinschaft
und ihrer eigenen Holzproduktion ist nur teilweise auf unzureichende
Waldflächen zurückzuführen - immerhin sind 20 % der Landfläche der
Gemeinschaft bewaldet. Eine weitere Ursache bildet die Unterauslastung
eines großen Teils der vorhandenen Wälder, von denen einige völlig
unproduktiv sind. Durch ordnungsgemäße Bewirtschaftung und entsprechende
Wa ld b a u t e c h n i k e n .ließen sich Gesundheit, Aussehen und Produktion solcher
Wälder verbessern.
Gleichzeitig könnte eine Steigerung des Holzangebots (da ja ein Teil der
Nachfrage nur durch Einfuhren gedeckt werden kann), zusammen mit einer
besseren Organisation, eine Ausweitung der Tätigkeit in der eigenen
holzbe- und -verarbeitenden Industrie der Gemeinschaft unterstützen.
Trotz ihres Gesamtdefizits exportiert die Gemeinschaft rund 2 Mio t
Papier und Pappe pro Jahr und ist ein Nettoexporteur von Möbeln. In der
Gemeinschaft sind somit eine entsprechende Nachfrage und ein
entsprechendes industrielles Potential vorhanden, die eine umfangreichere
Verwendung regenerierbarer Ressourcen ermöglichen und damit zusätzliche
Einkommen und Arbeitsplätze schaffen sollten.
4. Eine wichtige Umweltfunktion erfüllt der Wald beim Naturschutz und bei
der Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts, wozu auch Bodenschutz und
Schutz vor Austrocknung gehören, sowie als Erholungsraum. Ziele des
Umweltschutzes brauchen keineswegs mit dem Ziel einer stärkeren
forstwirtschaftlichen Entwicklung zu kollidieren. Von Umweltzwängen
können Impulse für Wirtschaftstätigkeiten wie das Altpapier-Recycling
ausg ehe nd Als Erholungsraum für die ländliche und städtische Bevölkerung
entsprechen die Wälder sozialen Erfordernissen und leisten einen Beitrag
zu Dienstleistungsbranchen und Freizeitindustrien, die neue Trends in der
Verb,auchernachfrage widerspiegeln.
5 , Die obengenannnten drei Hauptfunktionen der Wälder der Gemeinschaft - sie
liefern Rohstoffe, erhalten das ökologische Gleichgewicht und dienen als
Erholungsraum - sind von großer Bedeutung. Die Rohstoff- und
Dienstleistungsproduktion der Wälder der Gemeinschaft kann und sollte
gameinsam verbessert werden.
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6. Die Europäische Kommission hat bereits in der. Vergangenheit Vorschläge
für die Forst- und Holzwirtschaft unterbreitet. Mehrere dieser
Initiativen (im Bereich der Forschung, der Agrarstruktur usw.) sind in
die Tat umgesetzt worden. Ein Vorschlag über Maßnahmen zum Schutz der
Wälder gegen' Brände und saure Niederschläge wird von einer großen
Mehrheft der Delegationen unterstützt, und die diesbezüglichen
Diskussionen im Rat gehen weiter. Zwei andere Initiativen liegen noch
immer auf dem Tisch des Rates, ohne daß größere Fortschritte dabei
erzielt worden wären. Im Jahre 1979 hat die Kommission eine Entschließung
über eine Forstpolitik der Gemeinschaft und die Einsetzung /eines
Ständigen Forstausschusses vorgeschlagen» Mitte 1983 folgte ein Vorschlag
betreffend die Zielsetzung und Ausrichtung von Aktionen im Rahmen einer
Holzwirtschaftspelitik der Gemeinschaft. Zu diesen Vorschlägen ist bisher
kein Beschluß des Rates ergangen.
7. Warum sollte die Kommission also weitere Initiativen im forstwirtschaft
lichen Sektor ergreifen? Hierfür sprechen eine ganze Anzahl von Gründen.
. Der Rückgang der Agrarüberschüsse wird dazu führen, daß nach
alternativen Kulturen, einschließlich von Wäldern, gesucht wird.
. Das beträchtliche Handelsdefizit der Gemeinschaft bei Holz und
Holzerzeugnissep bietet einen Spielraum für eine Steigerung der
Holzproduktion der Gemeinschaft, wenn dies auf wirtschaftliche Weise zu
erreichen ist.
. Man muß die Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung, vor allem in
ländlichen Gegenden, erhalten und ausweiten.
. Die fortschreitende Zerstörung europäischer Wälder durch
Luftverschmutzung und Brände muß gestoppt werden. In Spanien und
Portugal ist die Waldfläche, die alljährlich Bränden zum Opfer fällt,
etwa genauso groß wie in den anderen zehn Mitgliedstaaten
zusammengenommen.
Diese Probleme werfen wichtige Fragen bezüglich der Gemeinschafts-
Solidarität auf und verlangen eine gemeinschaftliche Aktion.
8: Ein weiterer entscheidender Grund, warum die Kommission eine
forstwirtschaftliche Initiative ergreifen sollte, besteht darin, daß dis
Öffentlichkeit auf eine derartige Aktion, drängt. Im Europäischen
Parlament sind mehrere Entschließungen eingebracht worden, in denen
entsprechende Maßnahmen gefordert werden. Im Jahre 1983 hat das Parlament
eine Entschließung verabschiedet, die eine umfassende Forscpolitik der
Gemeinschaft verlangt. Viele der vom Parlament aufgeworfenen Punkte
werden im vorliegenden Diskussionspapier behandelt.
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9. Im Rahmen ihrer sonstigen Politiken hat die Gemeinschaft umfangreiche
Mittel für die Forstwirtschaft bereitgestellt. So wurden zwischen 1980
und 1984 rund 470 Mio ECU aus dem EAGFL, aus dem Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung, aus verschiedenen Forschungsprogrammen und aus dem
Europäischen Entwicklungsfonds (außerhalb der Gemeinschaft) gebunden.
Außerdem hat die Europäische Investitionsbank Darlehen für. forstwirt
schaftliche Vorhaben in Irland und Portugal sowie in Entwicklungsländern
gewährt.
Auch wenn derartige Gemeinschaftsmaßnahmen einen beträchtlichen Effekt
haben, handelt es sich dabei doch um isolierte Aktionen im Rahmen
verschiedener Politiken. Die Forstwirtschaft und die forstwirtschaft-
lichen Industrien sind jedoch miteinander verflochtene Wirtschaftzweige,
so daß - wenn Ineffizienz vermieden werden soll - eine klare,
eigenständige Strategie notwendig ist. So ist beispielsweise eine
Aufforstung von Grenzertragsland nur dann sinnvoll, wenn die
Infrastruktur zur Verwertung des Holzes entwickelt werden kann. Die
verschiedenen Funktionen, die die Wälder der Gemeinschaft erfüllen,
verlangen ein klar umrissenes forstwirtschaftliches Aktionsprogramm.
10. Die Vorschläge für eine Gemeinschaftsaktion, die die Kommission in diesem
Papier unterbreitet, gliedern sich in drei Gruppen: Ausdehnung der Forst
flächen, optimale Nutzung der vorhandenen Waldflächen und Schutz des
Waldes.
III. Ausdehnung der Forstflächen
11. Auf das große Handelsdefizit der Gemeinschaft bei Erzeugnissen der Wälder
gemäßigter Zonen wurde bereits hingewiesen. Dieses Defizit wird trotz der
Zunahme der Holzproduktion, mit der im kommenden Jahrzehnt aus den seit
1945 angepflanzten neuen Wäldern gerechnet wird, bestehen bleiben. Aus
dieser Situation ergibt sich ein breiter Spielraum für die Anlage neuer
Wälder, soweit dies in einer unter Umweltgesichtspunkten akzeptablen
Weise möglich ist.
Eine Ausdehnung der Forstflächen würde Beschäftigungsmögli.chke.iten bieten
und Arbeitskräfte veranlassen, in den vom Niedergang der Landwirtschaft
betroffenen Gegenden der Gemeinschaft zu bleiben. Wenn aus den Wäldern
eine größere Holzmenge zur Verfügung stünde, dann könnten auch die
holzbe- und -verarbeitenden Industrien expandieren. In einigen der
bereits dicht bewaldeten Gebiete mit gut organisierter Forstwirtschaft
ist eine große Anzahl von Arbeitsplätzen unmittelbar von der
Forstwirtschaft abhängig (im Bundesland Baden-Württemberg (BRD)
beispielsweise dürften 250.000 Arbeitskräfte in der
Forstwirtschaft beschäftigt sein).
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12. Aus dem Grünbuch der Kommission "Perspektiven· für die Gemeinsame
Agrarpolitik" (K0MC85) 333) geht hervor, daß eine Ausdehnung der
Forstwirtschaft eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der
Landwirtschaft der Gemeinschaft spielen könnte.
- Auf Flächen, die infolge der Überproduktionskrise nicht mehr
landwirtschaftlich genutzt werden, könnten Bäume angepflanzt werden.
- Eine forstwirtschaftliche Nutzung käme für die weniger produktiven
Teile landwirtschaftlicher Betriebe in Betracht, wie dies in den
zahlreichen Land- und forstwirtschaftlichen Mischbetrieben bereits der
Fall ist. Fördern sollte man deshalb die Entwicklung privater
Forstwirtschaft auf Bauernland.
Einige landwirtschaftliche Grenzertragsböden bieten ideale
Voraussetzungen für Baumkulturen. Derartige Areale eignen sich sowohl zur
Anpflanzung schnellwüchsiger Baumarten zwecks Herstellung von Preßpappe
oder Gewinnung von Biochemikalien als auch für herkömmliche Formen der
' -Holzproduktion, bei denen der Eigentümer erst nach 15 bis 20 Jahren einen
Ertrag aus seinen Investitionen erzielt.
13. Das Hauptproblem-bei der Ausdehnung der Waldflächen bilden die dazu
erforderlichen Anreize. Gegenwärtig werden in der Gemeinschaft hierbei
zwei Methoden angewandt, nämlich Steueranreize und forstwirtschaftliche
Zuschüsse.
14. Anreize, die über das Steuersystem gewährt werden, haben zu einer
forstwirtsch$ftliche Investitionen tätigen, konnten deshalb ein wichtiges
Element einer Politik zur Ausdehnung der W a ld fIschen sein.
15. Angesichts der Probleme der landwirtschaftlichen Uberschußproduktion in
der Gemeinschaft erwägt die Kommission bereits Maßnahmen zur Förderung
der Forstwirtschaft als einer Alternative zur Landwirtschaft. Hierbei muß
man die Kosten für die Unterstützung der forstwirtschaftlichen Produktion
im Verhältnis zu den Kosten sehen, die die Unterstützung der Landwirt
schaft verursacht, sowie zu den Kosten anderer Maßnahmen, mit denen
Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen werden.
Langfristig gesehen, muß eine agrai forstwirtschaftliche Aktion darauf
abzielen, eine Tätigkeit zu entwickeln, die sich selbst trägt und keine
wesentlichen Subventionen verlangt (eine Ausdehnung eines Preisstutzungs—
Systems oder weiteren Außenschutzes-auf die Forstwirtschaft ist nicht
geplant).
Es gibt bereits eine Reihe von Zuschußsystemen, die Landwirte dazu
veranlassen sollen, jährliche Kulturen durch Forstwirtschaft zu ersetzen.
Sie sollen dem Landwirt aus der Forstwirtschaft ein regelmäßiges
Einkommen verschaffen, das dem aus der Landwirtschaft erzielten
entspricht. In einigen fällen werden Zuschüsse zur Deckung der
Investitionskosten für die Anlage neuer Waldungen gewährt. Mit der
Verordnung zur Verbesserung der Effizienz der Agrarstruktur (797/85)
wurde in begrenztem Umfang eine Methode eingeführt, nach der Landwirte
durch Investi-tionsbeihi Ifen oder im Falle von Grenzert ragsgebieten durch
jährliche Zahlungen zur Aufforstung veranlaßt werden können. In
Frankreich und Italien wurden forstwirtschaftliche Maßnahmen mit dem Ziel
unterstützt (Verordnung 269/79), die Böden vor Erosion zu schützen und
überscHwemmunoen unter Kontrolle zu halten. Die Anlage von WaldTlachen in
landwirtschaftlichen Betrieben ist in Griechenland und Irland durch
spezifische Landwirtschaftliche Maßnahmen und in Frankreich und
Schottland durch integrierte Entwicklungsprogramme gefördert worden.
Diese beiden Ansätze könnten - vielleicht mit unterschiedlichen
Modalitäten --in größere^ Umfang in den Gegenden der Gemeinschaft
Anwendung finden, in denen landwirtschaftliche Überschußproduktion durch
Baumkulturen ersetzt wird.
16. Die Auffors ird in den Mitgliedstaaten durch Steueranreize oder
durch Zuschuss- unterstützt. Sie könnte auch durch gemeinschaftliche
Maßnahmen gefördert werden. Das Hauptanliegen sollte darin bestehen, das.
für bestimmte Gegenden oder Ziele jeweils am besten geeignete Instrument
auszuwählen.
Eine Finanzierung derartiger'Systeme wäre für die Gemeinschaft
von unmittelbarem Interesse, da auf diese Weise Haushaltsmittel
für die Unterstützung der Landwirtschaft eingespart werden
könnten. In Gegenden, wo aus wirtschaftlichen oder ökologischen
Gründen eine Förderung bestimmter Arten für wichtig gehalten wird,
könnte man die Zuschüsse so gestalten, dass sie gestaffelte Anreize
bieten.
17. Ein forstwirtschaftliches Aktionsprogramm der Gemeinschaft verlangt
zusätzliche Anstrengungen im Bereich der forstlichen Forschung, Statistik
(sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene) und Information.
Beträchtliche Forschungsarbeiten sind bereits im Rahmen des Programms
"Holz, ein erneuerbarer Rohstoff" durchgeführt worden, das gerade um
weitere fünf Jahre verlängert worden ist. Außerdem gibt es Energie-,
Landwirtschafts- und1 Umweltschutzprogramme, die auch die Forstwirtschaft
einschließen. Verstärkt werden könnten diese Arbeiten durch weitere
Forschungen über tropische Hölzer und alternative
Verwendungsmöglichkeiten für Holz.
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18. Im Zusammenhang mit einer Ausdehnung der Forstflächen erheben sich eine
Reihe von Fragen:
- Wie ist die Ausdehnung der ^orstflachen der Gemeinschaft am besten zu
organisieren?
- Unter welchen Voraussetzungen kann die Forstwirtschaft als Alternative
zu landwirtschaftlichen Kulturen mit Überschußproduktion dienen?
Welche budgetären Auswirkungen hätte eine Umstellung von
landwirtschaftliche auf forstwirtschaftliche Nutzung?
- Wie kann man Steuer- oder Zuschußregelungen so kombinieren, daß sie
wirksame Anreize zur Entwicklung der Forstwirtschaft bieten?
- Wie lassen sich die vorhandenen Gemeinschaftsfonds in diesem Bereich
kohärenter einsetzen?
IV. Optimale Nutzung der vorhandenen Wälder
19. Trotz der umfangreichen Nettoholzeinfuhren der Gemeinschaft wird nur ein
kleiner Teil der Holzerzeugung der EG produktiv genutzt. Eine
beträchtliche Produktionssteigerung ließe sich durch relativ geringe
zusätzliche Investitionen erreichen.
20. Die Produktivität der Wälder hängt teilweise von der Größe der Parzellen
und davon ab, inwieweit die Waldareale Zusammenhängen und leicht,
zugänglich sind. In Regionen, in denen'.sich der Wald vorwiegend im Besitz
des Staates oder im Besitz von halbstaatlichen Einrichtungen oder von
Unternehmen befindet, sind die Parzellen oft groß, und die Infrastruktur
erleichtert eine effiziente Bewirtschaftung.
I
Die 60 % der Wälder der Gemeinschaft, die sich in Privatbesitz befinden,
weisen oft Probleme auf, die mit der Kleinheit und Zersplitterung der
Parzellen Zusammenhängen. Die Privatwälder in der Gemeinschaft dürften
eine Durchschnittsgröße von etwa 8 ha haben, doch be,stehen große
strukturelle Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Im Vereinigten
Königreich, wo sich beträchtliche Waldareale im Besitz von
Finanzinstituten befinden, sind die Privatwälder im Durchschnitt viel
größer als in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland oder Italien, wo
ein großer Teil-des Waldes zu landwirtschaftlichen Betrieben gehört.
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21. Die Hauptschwierigkeiten,, die einer Verbesserung der Produktivität im
Wege stehen, sind die Kleinheit und Zersplitterung der Waldparzellen, der
Mangel an geeigneten Infrastrukturen und häufig das Fehlen von Märkten
für das Holz. In einer Region, wo diese Schwierigkeiten akut sind, könnte
es sein, daß der Preisanreiz zur Nutzung des verfügbaren Holzes nicht
ausreicht, um die hohen Kosten der. KoLzernte auszugleichen. Außerdem
dürften holzverarbeitende Industrien - selbst einfachster Art - kaum dort
errichtet werden, wo Holz nur in geringem Umfang zur Verfügung steht.
Wenn kein Markt vorhanden ist, besteht keinerlei Anreiz, die
Holzressourcen zu verwerten.
22. Verbessern ließe sich diese Situation durch Gründung forstwirtschaft
licher. Vereinigungen für Gruppen von Waldbesitzern. Derartige
Vereinigungen, die forstwirtschaftliche Dienstleistungen sowie
, Marketingunterstützung bieten, sind in einigen Gegenden der Gemeinschaft
bereits vorhanden und haben sich in Schweden und in Finnland bewährt. Sie
könnten zur Aufstellung von Bewirtscheftungsplänen für Privatwälder
herangezcgen werden. Die Bildung solcher Vereinigungen sollte gefördert
werden. Ergänzt werden könnte ihre Tätigkeit durch forstwirtschaftliche
Spezialunternehmen, die im Rahmen von Programmen zur Unterstützung
kleiner und mittlerer Betriebe in den Fällen gefördert werden könnten, wo
sich derartige Beihilfen nicht unmittelbar auf die Rreismechanismen der
holzbe- und -verarbeitenden Industrie auswirken.
23. In einigen Gegenden der Gemeinschaft wird eine bessere Nutzung der
vorhandenen Forstressourcen dadurch behindert, daß es an einem
angemessenen Straßen- und Wegenetz in den Waldarealen fehlt. In den
Mittelmeergebieten der Gemeinschaft wird die Anlage derartiger Netze von
der EG bereits unterstützt. Eine entsprechende Hilfe könnte auch in
anderen Teilen der Gemeinschaft notwendig sein.
24. Günstig gelegene und angemessen stabile Absatzmärkte spielen eine
wichtige Rolle bei der Steigerung der Produktivität der Wälder. Dies
wiederum setzt voraus, daß Vereinbarungen geschlossen werden können,
denen zufolge die Waldbesitzer die Industrie beliefern und die Industrie
ihrerseits Forsterzeugnisse abnimmt. Zur Errichtung großer Industrie
anlagen, beispielsweise zur Herstellung von Papiermasse, muß natürlich
die Versorgung aus einem großen Waldareal sichergestellt sein. Kleinere
Anlagen, wie Sägewerke und Spanplattenfabriken, bedürfen auch einer
kontinuierlichen Belieferung mit Rohstoffen. Derartige Lieferverträge
sollten deshalb gefördert werden.
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25. Um die Produktivität der Wälder zu erhöhen, muß man auch die Expansion
der holzbe- und verarbeitenden Industrien unterstützen. Auf
Gemeinschaftsebene wären beispielsweise Maßnahmen zur Verbesserung der
Normung von Forsterzeugnissen ein nützlicher Schritt zur Förderung des
Holzhandels. Die Gemeinschaft hat bereits eine Richtlinie zur Angleichung
der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Sortierung von
Rohholz erlassen^ . Dies sollte man, wo dies angezeigt ist, mit dem Ziel
weiterverfolgen, noch vorhandene technische Behinderungen des Handels mit
‘ Forsterzeugnissen zu beseitigen.
26. Diese Vorschläge würden zur Verbesserung der wirtschaftlichen Effizienz
der Forstwirtschaft beitragen. Außerdem gilt es, die vorhandenen Wälder
zu Zwecken des Umweltschutzes· und der Erholung besser zu nutzen.
Es könnte ein ökologischer Verhaltenskodex für die Waldbewirtschaftung
mit folgenden Zielén aufgestellt werden: Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
auf lange Sicht und Wahrung der Rolle des Waldes im Wasserzyklus,
Erhaltung der Waldflora und -fauna, Landschaftsschutz und Schaffung einer
angemessenen Artenvielfalt. Einige' dieser Aktionen.werden bereits von der
Gemeinschaft unterstützt, doch kommt es darauf an, daß ein vollständiger
Verhaltenskodex allgemein Anwendung findet.
So gibt es beispielsweise deutliche Anzeichen dafür, daß die
Öffentlichkeit in einigen Regionen über die große Ausdehnung der
Nadelwälder und den Rückgang der Laubwaldflächen besorgt ist. Denkbar
wären Beihilfensysteme, mit denen man - ohne große finanzielle
Aufwendungen - die Landbesitzer veranlassen könnte, Laubbäume
anzupflanzen. Derartige Systeme könnten teilweise im.Rahmen der
Gemeinsamen Agrarpolitik eingerichtet werden.
Die Anlage von Waldnaturschutzgebieten und Forstparks, wie sie in.vielen
Ländern üblich sind, würde den Freizeitwert der europäischen Wälder
erhöhen. Geringe finanzielle Beihilfen zur Schaffung der notwendigen
Infrastruktur könnten dazu beitragen, daß viele Waldareale zu
Naturschutzgebieten und Erholungsräumen würden.
(1) Richtlinie 68/89/EWG.
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27. Im Zusammenhang mit einer optimalen Nutzung der vorhandenen Wälder
erheben sich eine Reihe von Fragen.
“ Wie lassen sich die aus der Kleinheit und Zersplitterung der
Waldparzellen resultierenden Probleme überwinden?
- Was kann man tun, um die Marktchancen für Holz und andere
Forsterzeugnisse zu verbessern?
- Wie lassen sich die Ziele, die Produktivität der Wälder, die
Umweltqualität und die Artenvielfalt zu verbessern und Wälder zu
Erholungszwecken.zu nutzen, miteinander vereinbaren?
V. Schutz der Wälder der Gemeinschaft
28. Die Wälder in der Gemeinschaft sind von umfangreichen Schäden betroffen,
die durch Luftverschmutzung, Waldbrände, Krankheits- und Schädlingsbefall
sowie zeitweise durch Naturkatastrophen wie Stürme und Dürre verursacht
werden.
In Nordeuropa hat die Zerstörung der Wälder bereits beträchtliche Ausmaße
erreicht. Besonders weit verbreitet ist sie in der Bundesrepublik
Deutschland und in Ostfrankreich. Angesichts der Tatsache, daß 50 % der
deutschen Wälder und - jüngsten Berichten zufolge - 40 % der
Vogesenwälder (Lothringen und Elsaß) geschädigt sind, ist die künftige
wirtschaftliche Entwicklung von Regionen, die von Forstwirtschaft und
Fremdenverkehr abhängen, gefährdet. Die Gesundheit dieser Wälder hat sich
in bedenklichem Tempo verschlechtert, -über die Ursachen und Mechanismen
der Schädigung ist man sich noch nicht völlig klar; einig aber ist man
sich darüber, daß die Luftverschmutzung, vor allem die Emission von
Schwefeldioxid und Stickoxiden, eine wesentliche Rolle dabei spielt.
29. Die Kommission hat bereits Vorschläge zur Verminderung der
Schadstoffemission von Kraftfahrzeugen, Großfeuerungsanlagen und
Hauszentralheizungsanlagen unterbreitet. Weitere Vorschläge betreffend
ein Tempolimit sowie die Emissionen von Dieselkraftfahrzeugen und
Lastwagen wilL sie noch vor Ende dieses Jahres vorlegen; später sollen
- wie bereits in Dokument K0M(83) 721 angekündigt - Vorschläge betreffend
die Emissionen aus anderen bedeutenden Schadstoffquellen folgen. Nach
Ansicht der Kommission würde die Realisierung dieser Vorschläge die
Luftverschmutzung und die vermutlich damit zusammenhängende
Waldschädigung erheblich vermindern.
Ein Kommissionsvorschlag betreffend eine regelmäßige Bestandsaufnahme der
Waldschäden und die Einrichtung eines Netzes von Meßstationen kommt im
Rat nur langsam voran. -
- I l
so. Durch Waldbrände werden in der Zehnergemeinschaft alljährlich etwa
120.000 ha Waldland vernichtet, und mit der Erweiterung wird, sich dieser
Schaden mehr als verdoppeln. Im Jahre 1985 sind ihnen über 300.000 ha
Wald (mehr als die Fläche Luxemburgs), 50 Menschenleben und umfangreiche
Sachanlagen zum Opfer gefallen.
Die Kommission hat Maßnahmen vorgeschlagen, die darauf abzielen, das
Risiko von Waldbränden zu vermindern und die Mitgliedstaaten in die Lage
zu versetzen, Brände wirksamer zu bekämpfen. Sie Würden zur Errichtung
von Löschstationen beitragen und eine bessere Ausrüstung und AusbiIdung
von SpeziaIpersonäl fördern. Die Kommission hält es für äußerst wichtig,
daß diese Maßnahme, die gegenwärtig auf Widerstand im Rat-stößt,
vorankommt. Ferner ist sie der Meinung, daß die Gemeinschaft in diesem
Bereich einen größeren Aktionsspielraum erhalten sollte.
31. Eine weitere Gefahr für die Wälder der Gemeinschaft stellen biotische
Schäden durch Insekten- oder Krankheitsbefall dar, und die Gemeinschaft
sollte darauf vorbereitet sein, hier rasch einzugreifen. Der Ständige
Ausschuß für Pflanzenschutz, der regelmäßig Zusammentritt, wird jedesmal
konsultiert, wenn eine eventuelle biotische Gefahr festgestellt wird. Die
Gemeinschaft hat auch verschiedene Forschungsprojekte in diesem Bereich
in Angriff genommen. Man könnte neue Uberwachungssysteme entwickeln, um
das Risiko, daß neue Krankheiten eingeschleppt werden, zu vermindern, und
es könnten weitere spezifische Forschungsarbeiten über Waldkrankheiten
notwendig sein. Eine wichtige Maßnahme wäre die Verabschiedung-eines
Verhaltenskodex im Zusammenhang mit der genetischen Verarmung - ein
Faktor, der teilweise an der Schwächung der Widerstandskraft der
europäischen Wälder schuld ist.
32. Zu nennen ist schließlich noch das Problem der Auswirkungen
außergewöhnlicher Wetterverhältnisse, insbesondere der Stunnfolgen. In
diesen Fällen hat die Gemeinschaft in der Vergangenheit die Einfuhren
beschränkt, um den aus dem plötzlichen Anstieg des Angebots resultieren
den Druck auf den Markt zu vermindern. Um die Effizienz derartiger
Maßnahmen zu steigern, muß man eine engere Zusammenarbeit zwischen den
Mitgliedstaaten in Erwägung ziehen, damit die Marktspannungen in solchen
Situationen gemildert werden können.
33. Im Zusammenhang mit dem Schutz der Wälder der Gemeinschaft stellen sich
eine Reihe von Fragen:
- Wie kann man die Wälder vor einer Schädigung durch Luftverschmutzung
schützen?
- Welche Schritte müssen getan werden, damit weniger WaLdflachen durch
Brände vernichtet werden?
- wie läßt sich die Überwachung von Schäden durch Krcnkheits- oder
Insektenbefall verbessern?
UH/sie - 12 - K0MC85) 792 endg. - DE
’ Orig.: - EN
VI. Forstwirtschaft in Entwicklungsländern
34. Da die Gemeinschaft große Mengen von Holz, vor allem tropischen
Hölzern, aus Entwicklungsländern importiert, kann eine forstwirt
schaftliche Aktion nicht im Alleingang unternommen werden.
Im Rahmen des Lome-Abkommens bestehen bereits Vereinbarungen über
Zusammenarbeit zwischen der Gemeinschaft und einigen dieser Liefer
länder in Afrika, in der Karibik und im pazifischen Raum (AKP).
Hierbei handelt es sich nicht nur um Handelsvereinbarungen, sondern
auch um eine finanzielle und technische Zusammenarbeit mit dem Ziel,
die Wälder als einen we sentlichen Faktor der Umweltverbesserung und
des Kampfes gegen die Ausbreitung der Wüste zu schützen und auszudehnen.
Gegenwärtig werden die tropischen Wälder überbewirtschaftet, woraus sich
schwerwiegende Auswirkungen auf das Klima und die Landwirtschaftliche
Produktion sowie auf das Angebot an tropischen Hölzern ergeben.
Ein fo rstwirtschaftliches Aktionsprogramm der Gemeinschaft sollte so-
\
wohl diesen internationalen Vereinbarungen als auch den engen Bezi ehu n
gen zwischen der EG und vielen Entwicklungsländern Rechnung tragen.
35. Im Zusammenhang mit der Förderung der Forstwirtschaft in Entwicklungs
ländern erheben sich eine Reihe von Fragen:
- Wie kann die Gemeinschaft ihr. vorhandenes technisches und wissens ch aft
liches Potential einsetzen, um den Rückgang der Fläche der tropischen
Wälder zu stoppen und eine auf lange Sicht stabile Versorgung mit tr o
pischen Hölzern zu gewährleisten?
- Wie kann die Gemeinschaft ihre Anstrengungen mit dem Ziel, das Vordringen
der Wüste in den Entwicklungsländern einzudämmen und schließlich zu ve r
hüten, intensivieren und verbessern?
Schlußfolgerung
36. Die Kommission wünscht eine möglichst breit angelegte Konsultation zu den
in diesem Papier - das durch ein umfassenderes Dokument ergänzt wird -
enthaltenen Fragen und Gedanken.
Sie fordert die anderen Gemeinschaftsorgane und sonstige Organisationen
auf, ihre eigenen Überlegungen und Kommentare zu formulieren. Unter
Berücksichtigung der Auffassungen, die in der Debatte zum Ausdruck
gebracht werden, wird die Kommission noch vor dem Sommer 1986 ihre
Vorschläge unterbreiten.
Hervorheben möchte die Kommission, daß das vorliegende Dokument ihren
Schlußfolgerungen keineswegs vorgreifen soll und daß sie den im Laufe der
Konsultationen geäußerten Ansichten in vollem Umfang Rechnung tragen
w i rd. \
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