B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung V
E-3028/2014
U r t e i l v o m 2 6 . J u n i 2 0 1 4
Besetzung
Einzelrichterin Gabriela Freihofer,
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer.
Parteien
A._______,
Syrien,
vertreten durch B._______,
Beschwerdeführerin,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Kantonswechsel;
Verfügung des BFM vom 23. Mai 2014 / N (…).
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Sachverhalt:
A.
Am 3. Mai 2014 gelangte die Beschwerdeführerin in die Schweiz, wo sie
gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um
Asyl nachsuchte.
B.
Mit Entscheid vom 23. Mai 2014 wies das BFM die Beschwerdeführerin
für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._______ zu.
C.
Mit undatierter Eingabe an das BFM (Eingang beim BFM am 27. Mai
2014) und von diesem an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet
(Eingang: 4. Juni 2014) erhob der Bruder der Beschwerdeführerin sinn-
gemäss Beschwerde und ersuchte für seine Schwester um Wechsel in
den Kanton E._______. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus,
er könne seiner Schwester in verschiedener Hinsicht helfen. Sollte sie ei-
ne Arbeitsbewilligung erhalten, könne er sie bei sich beschäftigen, so
dass sie keiner finanziellen Unterstützung seitens des Staates bedürfe.
Zudem seien sie eine Familie und es wäre gut, wenn sie in seiner Nähe
leben könnte.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2014 forderte die Instruktionsrichterin
den Bruder der Beschwerdeführerin auf, innert Frist eine schriftliche Ver-
tretungsvollmacht einzureichen. Im Unterlassungsfall werde auf die Be-
schwerde nicht eingetreten.
E.
Mit Eingabe vom 14. Juni 2014 liess er eine solche zu den Akten legen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
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gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 Asylgesetz
[AsylG, SR 142.31]).
1.2 Beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an
einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG handelt es sich um eine beim
Bundesverwaltungsgericht selbstständig anfechtbare Zwischenverfügung
(Art. 107 Abs. 1 AsylG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwer-
deführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten. (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52
VwVG).
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG, welcher als lex specialis
der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (Art. 106 Abs. 2
AsylG), kann der Zuweisungsentscheid nur mit der Begründung ange-
fochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie.
4.2 Auf den Schutz von Art. 8 EMRK können sich neben den Mitgliedern
der Kernfamilie – Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder – auch weite-
re nahe Angehörige wie Onkel/Tante und Neffe/Nichte berufen, sofern ei-
ne nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung unter ihnen besteht.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung setzt eine über die eigentli-
che Kernfamilie hinausgehende schützenswerte verwandtschaftliche Be-
ziehung voraus, dass zwischen diesen Personen ein besonderes Abhän-
gigkeitsverhältnis besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1).
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5.
5.1 Die volljährige Beschwerdeführerin setzt sich mit der Begründung ih-
res Ersuchens um Kantonswechsel nicht stichhaltig auseinander und
zeigt auch nicht auf, inwiefern der Grundsatz der Einheit der Familie ver-
letzt sein soll. Solches ist auch nicht zu ersehen, da die Beziehung der
Beschwerdeführerin zu ihrem Bruder nicht unter den Begriff der Kernfami-
lie fällt und auch kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ih-
nen besteht. Der Wunsch, in der Nähe des Bruders zu wohnen und inso-
weit von dessen Hilfe und (psychischer) Unterstützung profitieren zu kön-
nen, ist zwar verständlich, stellt aber keinen Grund für einen Kantons-
wechsel dar. Angesichts der geographischen Nähe ist es der Beschwer-
deführerin auch ohne Kantonswechsel durchaus möglich, per Telefon
oder in Form von gelegentlichen Besuchen Kontakt mit ihrem Bruder zu
pflegen und nötigenfalls dessen Hilfe in Anspruch zu nehmen.
5.2 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Verweigerung des
Kantonswechsels der Beschwerdeführerin den Grundsatz der Einheit der
Familie im Sinne von Art. 8 EMRK nicht verletzt, das Kantonswechselge-
such vom BFM zu Recht abgewiesen wurde und die Beschwerde dem-
nach abzuweisen ist.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-
festzusetzen (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf-
erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-
ten der Gerichtskasse zu überweisen.
3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-
le Migrationsbehörde.
Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:
Gabriela Freihofer Chantal Schwizer
Versand: