B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung V
E-3751/2012
U r t e i l v o m 2 0 . J u l i 2 0 1 2
Besetzung
Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.
Parteien
A._______, geboren (…),
Sri Lanka,
Beschwerdeführerin,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 4. Juli 2012 / N (…).
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Das Bundesverwaltungsgericht,
in Anwendung
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen
[AsylV 1, SR 142.311]),
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021),
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG,
SR 173.110),
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen
und Ausländer (AuG, SR 142.20),
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention
[EMRK, SR 0.101]),
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK, SR 0.105),
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]),
des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die
Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asyl-
antrags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]),
der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur
Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-
staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO),
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der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September
2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO (DVO Dublin),
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),
stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland
am 25. März 2012 verliess und über Italien am (…) in die Schweiz ge-
langte, wo sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
B._______ um Asyl nachsuchte,
dass sie am (…) summarisch zu ihrer Person befragt wurde,
dass das BFM der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 14. Juni 2012
die Gelegenheit gab, sich zu einer Wegweisung in das Vereinigte König-
reich zu äussern, was sie in der Folge wahrnahm,
dass das BFM mit Verfügung vom 4. Juli 2012 – eröffnet am 6. Juli 2012
– in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht
eintrat und die Beschwerdeführerin in das Vereinigte Königreich wegwies,
dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügung ausführte, ge-
stützt auf die einschlägigen staatsvertraglichen Bestimmungen (s. S. 2
vorstehend) sei das Vereinigte Königreich für die Durchführung des Asyl-
verfahrens zuständig,
dass die britischen Behörden dem Ersuchen des Bundesamtes um Über-
nahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Dublin-II-VO
zugestimmt hätten,
dass somit die Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-
sungsverfahren beim Vereinigten Königreich liege,
dass die Rückführung in das Vereinigte Königreich – vorbehältlich einer
allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 14. De-
zember 2012 zu erfolgen habe,
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dass die Stellungnahmen der Beschwerdeführerin anlässlich der Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs kein Hindernis für den Vollzug der Wegwei-
sung in das Vereinigte Königreich darstellten,
dass der Vollzug der Wegweisung in das Vereinigte Königreich zulässig,
zumutbar, technisch möglich und praktisch durchführbar sei,
dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. Juli 2012 an das BFM
sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt und
darum ersucht, dass sich die Schweiz für die Beurteilung ihres Asylge-
suchs für zuständig erklärt,
dass das BFM dieses Schreiben dem Bundesverwaltungsgericht zur wei-
teren Bearbeitung überwies,
dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungs-
gericht am 17. Juli 2012 vorlagen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),
und erwägt,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei-
det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist,
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten
ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die
Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 32-35a AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerde-
instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig
ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass sich die Schweiz mit der Umsetzung des Dublin-Assoziierungs-
abkommens verpflichtet hat, die Dublin-II-VO anzuwenden,
dass das Bundesamt die britischen Behörden am 14. Mai 2012 um Über-
nahme der Beschwerdeführerin ersuchte,
dass die britischen Behörden dem Ersuchen des Bundesamtes um Über-
nahme der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 14. Juni 2012 ent-
sprachen,
dass die Beschwerdeführerin somit – wie vom BFM in der angefochtenen
Verfügung zu Recht und mit zutreffender Begründung festgestellt – in ei-
nen Drittstaat (vorliegend das Vereinigte Königreich) ausreisen kann,
welcher für die Prüfung ihres Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist
(Art. 9 Abs. 2 Dublin-II-VO),
dass die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei im Vereinigten König-
reich nicht sicher, sie bekomme (…), in welchen man ihr mitteile, dass
man sie töten würde,
dass sie sich jedoch an die britischen Strafverfolgungsorgane wenden
kann, sollte sie sich bedroht fühlen,
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dass für das Bundesverwaltungsgericht insgesamt auch keine Gründe er-
sichtlich sind, welche das Bundesamt zur Ausübung des Selbsteintritts-
rechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) hätten veranlassen sollen,
dass das Vereinigte Königreich unter anderem Signatarstaat der FK, der
EMRK und der FoK ist, und keine Hinweise dafür bestehen, dieses Land
würde sich nicht an die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen,
insbesondere an das Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Nor-
men der EMRK, halten,
dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 34
Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht
eingetreten ist,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung
aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren
nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zulässigkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits Vorausset-
zung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides und
deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist,
dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in
Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von
Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG stellt, sondern allenfalls vor der Prüfung des
Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3
Abs. 2 Dublin-II-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV) oder gegebenenfalls
– falls sich Familienmitglieder in verschiedenen Dublin-Mitgliedstaaten
befinden und allenfalls zusammengeführt werden sollen – bei der Aus-
übung der so genannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin-II-VO),
dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der
Wegweisung zu bestätigen ist,
dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist darzutun, inwiefern
die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist
(Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.–
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE) der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf-
erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-
ten der Gerichtskasse zu überweisen.
3.
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, an das BFM und an das
C._______.
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Kurt Gysi Jonas Tschan
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