Abtei lung V
E-7350/2008/ame
{T 0/2}
U r t e i l v o m 2 4 . N o v e m b e r 2 0 0 8
Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Daniel Schmid;
Gerichtsschreiber Nicholas Swain.
X._______, geboren (...),
Togo,
,
Beschwerdeführerin,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Kantonszuweisung; Verfügung des BFM vom 24. Oktober
2008 / N_______
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
E-7350/2008
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge am 8. Oktober
2008 in die Schweiz einreiste und gleichentags beim Empfangs- und
Verfahrenszentrum A._______ um Asyl nachsuchte,
dass die Beschwerdeführerin in der Folge ins Transitzentrum
B._______ überführt wurde und dort am 21. Oktober 2008 die
Kurzbefragung stattfand,
dass das BFM mit Verfügung vom 24. Oktober 2008 in Anwendung von
Art. 27 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und
Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah-
rensfragen (AsylV 1, SR 142.311) die Beschwerdeführerin dem Kanton
C._______ zuwies und dabei erwog, dass aus der Abklärung im
Empfangszentrum keine spezifisch schützenswerten Interessen der
Beschwerdeführerin ersichtlich seien, die für die Zuweisung in einen
bestimmten Kanton sprechen würden,
dass die Beschwerdeführerin mit an das BFM gerichteter und zustän-
digkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht überwiesener Einga-
be vom 30. Oktober 2008 sinngemäss gegen diese Verfügung
Beschwerde erhob und um Zuweisung in den Kanton D._______
ersuchte,
dass sie zur Begründung vorbrachte, ihre einzige Bezugsperson in der
Schweiz sei ihr „Schwager“ (der Cousins ihres Ehemannes)
E._______, welcher im Kanton D._______ wohnhaft sei,
dass sie ein sehr enges Verhältnis zu diesem Schwager habe und er
ihr seit ihrer Einreise in die Schweiz beigestanden sei,
dass sie auf dessen psychologische und emotionale Unterstützung
und seine Nähe angewiesen sei,
dass sie zur Stützung ihres Gesuches ein Bestätigungsschreiben von
E._______ vom 29. Oktober 2008 einreichte,
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und zieht in Erwägung
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden
gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM
entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG,
SR 142.31] i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass es sich beim Entscheid über die erstmalige Zuteilung an einen
Kanton (Art. 27 Abs. 3 AsylG) um eine selbständig beim Bundesver-
waltungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung handelt (Art. 107
Abs. 1 AsylG, Art. 32 VGG e contrario),
dass für die Behandlung von Beschwerden, welche sich gegen einen
Zuweisungsentscheid des BFM nach Art. 27 Abs. 3 AsylG richten, die
asylrechtlichen Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts zuständig
sind (Art. 23 Abs. 4 des Geschäftsreglements für das Bundesverwal-
tungsgericht vom 17. April 2008 [VGR, SR 173.320.1]),
dass der in casu selbständig anfechtbare Zuweisungsentscheid indes
nur mit der Begründung angefochten werden kann, er verletze den
Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 106 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 Abs. 3
AsylG),
dass die Beschwerdeführerin vorliegend den Zuweisungsentscheid im
Wesentlichen mit der Begründung angefochten hat, ihr Schwager, wel-
cher ein wichtige Bezugsperson sei, lebe im Kanton D._______ und
auf den Grundsatz der Einheit der Familie verwies, weshalb die einge-
reichte Beschwerde zulässig ist,
dass die Beschwerdeführerin durch die angefochtene Verfügung
berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde
legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG; Art. 6 AsylG
i.V.m. Art. 52 VwVG),
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dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,
dass das BFM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG bei der Zuweisung der
Asylsuchenden in die Kantone den schützenswerten Interessen der
Kantone und der Asylsuchenden Rechnung zu tragen hat,
dass sich jedoch aus dem vorliegend massgeblichen Art. 27 Abs. 3
AsylG kein Rechtsanspruch auf Zuteilung zu einem bestimmten Kan-
ton ableiten lässt und der Entscheid deshalb nur beschränkt auf den
Aspekt der Familieneinheit anfechtbar ist (vgl. die immer noch Gültig-
keit entfaltende Rechtsprechungspraxis der Schweizerischen Asylre-
kurskommission (ARK) in Entscheidungen und Mitteilungen der ARK
[EMARK] 2001 Nr. 7 S. 42 ff.),
dass es beim Zuweisungsentscheid des BFM im Übrigen einzig um die
Zuweisung an einen bestimmten Kanton - und nicht an einen bestimm-
ten Ort innerhalb eines Kantons - geht,
dass die Berufung auf den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne
von Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG entweder die Anwesenheit eines
Angehörigen der Kernfamilie der asylsuchenden Person oder – sofern
dies nicht der Fall ist – ein Abhängigkeitsverhältnis gemäss der
Rechtsprechung zu Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)
beziehungsweise Art. 51 Abs. 2 AsylG voraussetzt (vgl. BVGE
D-1020/2007 vom 10. November 2008),
dass der Schwager der Beschwerdeführerin klarerweise nicht zu ihrer
Kernfamilie gehört, welche gemäss Art. 1 Bst. e der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) in
der Regel Ehegatten und minderjährige Kinder umfasst, und keine
näheren Familienangehörigen in der Schweiz wohnhaft sind,
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dass demnach zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin in einer Weise
von ihrem im Kanton D._______ lebenden Schwager abhängig ist, die
eine Zuweisung in diesen Kanton bedingen würde,
dass die Beschwerdeführerin volljährig ist und keine erheblichen
gesundheitlichen Probleme oder körperliche oder geistige Gebrechen
aktenkundig sind,
dass vor diesem Hintergrund keine Anzeichen dafür bestehen, dass
sie auf besondere Hilfe und Unterstützung angewiesen ist,
dass zwar der Wunsch der Beschwerdeführerin nach persönlicher
Nähe zu ihrem Schwager verständlich ist, jedoch keine im Sinne oben
genannter Bestimmungen zu beachtende besondere Abhängigkeit zu
begründen vermag,
dass es im Übrigen der Beschwerdeführerin auch im Falle der Zuwei-
sung in den Kanton C._______ möglich ist, den Kontakt zu ihrem
Schwager zu pflegen und von diesem unterstützt zu werden,
dass aus diesen Erwägungen folgt, dass der Zuweisungsentscheid der
Vorinstanz den Grundsatz der Einheit der Familie nicht verletzt, da
kein im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG beachtliches besonderes
Abhängigkeitsverhältnis der Beschwerdeführerin zu ihrem Schwager
besteht,
dass sich nach dem Gesagten die angefochtene Zwischenverfügung
vom 24. Oktober 2008 als rechtmässig erweist und die Beschwerde
demnach abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m Art. 16 Abs. 1
Bst. a VGG i.V.m. Art. 1 bis 3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]),
dass jedoch gestützt auf Art. 6 Bst. b VGKE auf die Auferlegung von
Verfahrenskosten verzichtet wird.
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
3.
Dieses Urteil geht an:
- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den
Akten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- das (...), ad (...) (in Kopie)
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Kurt Gysi Nicholas Swain
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