B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung V
E-7404/2015
Ur t e i l vom 2 5 . No vembe r 2 0 1 5
Besetzung
Einzelrichterin Gabriela Freihofer,
mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher;
Gerichtsschreiber Christoph Berger.
Parteien
A._______, geboren am (…),
Iran,
Beschwerdeführer,
gegen
Staatssekretariat für Migration (SEM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;
Verfügung des SEM vom 9. November 2015 / N (…).
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 29. Okto-
ber 2015 in die Schweiz einreiste und hier gleichentags um Asyl nach-
suchte,
dass der Beschwerdeführer am 5. November 2015 vom SEM zu seiner
Person befragt wurde (BzP, Akten SEM A4/10),
dass das SEM den Beschwerdeführer mit Zuweisungsentscheid vom
9. November 2015 (eröffnet am 11. November 2015) unter Hinweis auf
Art. 27 AsylG (SR 142.31) und Art. 22 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) dem Kanton B._______ zuwies, einer
allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog und ihn anwies,
sich bis zum 11. November 2015 um 14.00 Uhr bei der im Kanton
B._______ zuständigen Behörde zu melden,
dass das SEM ferner festhielt, der Zuweisungsentscheid könne nur mit der
Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit
der Familie,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. November 2015 (Post-
aufgabe 16. November 2015) gegen diesen Entscheid des SEM Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhob und sinngemäss die Auf-
hebung der Verfügung vom 9. November 2015 sowie die Zuweisung in den
Kanton C._______ beantragte,
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Per-
son an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selbständig
beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung handelt
(Art. 107 Abs. 1 AsylG),
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dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG),
dass vorliegend gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass das SEM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den Kan-
tonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und
der Asylsuchenden Rechnung trägt,
dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1 erfolgt,
wobei das SEM bei der Verteilung bereits in der Schweiz lebende Fami-
lienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsuchenden und beson-
ders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1),
dass ein Zuweisungsentscheid des Staatsekretariats gemäss Art. 27
Abs. 3 letzter Satz AsylG – der als lex specialis der allgemeinen Regel von
Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (vgl. Art. 106 Abs. 2 AsylG) – in materieller
Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden kann, er verletze den
Grundsatz der Einheit der Familie (vgl. BVGE 2009/54 E. 1.3.1),
dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG
grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne von
Art. 1a Bst. e AsylV 1 orientiert und mithin die Kernfamilie (Ehegatten und
minderjährige Kinder) umfasst,
dass über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bezie-
hungen demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie
fallen, sofern zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeits-
verhältnis besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1),
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dass gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts insbeson-
dere dann von einem derartigen Abhängigkeitsverhältnis unter Verwandten
auszugehen ist, wenn die Angehörigen behindert sind oder aus einem an-
deren Grund auf die Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, ange-
wiesen sind (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.2),
dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragung zur Person angab,
gesund zu sein, er jedoch stets Rückenschmerzen habe und dies "gerne
mal einem Arzt zeigen" würde (vgl. A4/10, Rz. 8.02),
dass er in der Rechtsmitteleingabe geltend machte, da sein älterer Bruder
mit seiner Familie im Kanton C._______ wohne, würde er viel Unterstüt-
zung erhalten, vor allem in Bezug auf Übersetzungen in jedem erforderli-
chen Bereich wie "Asylverfahren, Amt, Arzt …",
dass seine Verwandten auch alles versuchen würden, damit er bald mög-
lichst eine Arbeit finde und nicht mehr vom Staat finanziell unterstützt wer-
den müsste,
dass die vom Beschwerdeführer angeführten und von seinen Verwandten
zu erwartenden Unterstützungshilfen von ihrer Art und notwendigen Inten-
sität her die Voraussetzungen an ein eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis
im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts offenkundig
nicht zu erfüllen vermögen,
dass damit festzustellen ist, dass die Kantonszuweisung des Beschwerde-
führers den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3
AsylG nicht verletzt und die Beschwerde demnach abzuweisen ist,
dass die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]) bei diesem Ausgang des Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass gestützt auf Art. 6 Bst. b VGKE auf die Erhebung von Verfahrenskos-
ten zu verzichten ist.
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet.
3.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige
kantonale Behörde.
Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:
Gabriela Freihofer Christoph Berger