Abtei lung V
E-763/2010
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 7 . F e b r u a r 2 0 1 0
Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),
Richter Gérard Scherrer, Richter Bruno Huber,
Gerichtsschreiber Jan Feichtinger.
A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung,
(...),
Gesuchsteller,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens;
Abschreibungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts
vom 26. Januar 2010 (E-2437/2008) / N (...).
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
E-763/2010
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das BFM mit Verfügung vom 19. März 2008 das Wieder-
erwägungsgesuch des Gesuchstellers vom 27. Dezember 2007 abwies
und die Rechtskraft sowie die Vollstreckbarkeit des negativen Asyl-
entscheids vom 23. September 2004 feststellte,
dass der Gesuchsteller diese Verfügung mit Beschwerde vom
15. April 2008 beim Bundesverwaltungsgericht anfocht,
dass er gemäss Mitteilung der zuständigen kantonalen Behörde seit
dem 29. Dezember 2009 unbekannten Aufenthalts war,
dass seinem Rechtsvertreter mit Zwischenverfügung vom
8. Januar 2010 Frist zur Bekanntgabe des gegenwärtigen Aufent-
haltsortes des Gesuchstellers angesetzt wurde, verbunden mit der
Androhung, andernfalls werde das Verfahren mangels Rechtsschutz-
interesse als gegenstandslos geworden abgeschrieben,
dass das Beschwerdeverfahren mit Abschreibungsentscheid
E- 2437/2008 vom 26. Januar 2010 – mit der Begründung, der Rechts-
vertreter habe sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen lassen,
weshalb praxisgemäss vom Fehlen eines schutzwürdigen Interesses
an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung des BFM vom
19. März 2008 auszugehen sei – infolge Gegenstandslosigkeit ab-
geschrieben wurde (Art. 111 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni
1998 [AsylG, SR 142.31]),
dass der Rechtsvertreter des Gesuchstellers mit Eingabe vom
2. Februar 2010 sinngemäss um Wiederaufnahme des Beschwerde-
verfahrens ersuchte,
dass die Instruktionsrichterin mit prozessleitender Verfügung vom
2. Februar 2010 im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme gestützt
auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) den Vollzug der
Wegweisung vorsorglich aussetzte,
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom
15. April 2008 gegen die Verfügung des BFM vom 19. März 2008 mit
Abschreibungsentscheid vom 26. Januar 2010 als gegenstandslos ge-
worden abschrieb,
dass es daher für die Behandlung des vorliegenden Gesuchs um
Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens zuständig ist,
dass das Bundesverwaltungsgericht in der Regel in der Besetzung mit
drei Richtern oder Richterinnen entscheidet (Art. 21 Abs. 1 und Art. 23
VGG),
dass der Gesuchsteller durch den Abschreibungsentscheid vom
26. Januar 2010 besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse
an dessen Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur
Einreichung des Gesuchs legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass er mit Eingabe vom 2. Januar 2010 geltend machte, das Be-
schwerdeverfahren sei irrtümlicherweise abgeschrieben worden,
dass er zur Begründung anführte, er habe mit Schreiben vom
18. Januar 2010 rechtzeitig auf die Zwischenverfügung vom
8. Januar 2010 reagiert, wobei als Beweismittel zwei entsprechende
Schreiben, ein ärztliches Schreiben vom 4. Januar 2010 sowie eine
Bestätigung der Schweizerischen Post zu den Akten gereicht wurden,
dass sich aufgrund der Aktenlage ergibt, dass die Eingabe des
Rechtsvertreters vom 18. Januar 2010 infolge eines Versehens keine
Berücksichtigung fand, als der Abschreibungsentscheid erging,
dass der vorgenannten Eingabe die gegenwärtige Adresse des
Gesuchstellers zu entnehmen ist und demzufolge die Feststellung im
Abschreibungsentscheid E-2437/2008 vom 26. Januar 2010, wonach
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kein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der
Verfügung des BFM vom 19. März 2008 bestehe, zu Unrecht erfolgte,
dass demnach das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerde-
verfahrens gutzuheissen, der Abschreibungsentscheid E-2437/2008
vom 26. Januar 2010 mit vorliegendem Urteil E-763/2010 aufzuheben
und das Beschwerdeverfahren unter der Verfahrensnummer
E- 2437/2008 wieder aufzunehmen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen
sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass dem Gesuchsteller angesichts der Gutheissung des Gesuchs in
Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für ihm
erwachsene notwendige Vertretungskosten zuzusprechen ist (vgl.
Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]),
dass der Rechtsvertreter des Gesuchstellers keine Kostennote ein-
gereicht hat, sich aufgrund der Akten der Aufwand für das Gesuchs-
verfahren jedoch zuverlässig abschätzen lässt, weshalb auf die Ein-
holung einer Kostennote zu verzichten ist,
dass die Parteientschädigung unter Berücksichtigung der mass-
gebenden Berechnungsfaktoren (Art. 9-11 und 13 VGKE) auf pauschal
Fr. 400.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und dem
Gesuchsteller dieser Betrag als Parteientschädigung auszurichten ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens
E-2437/2008 wird gutgeheissen.
2.
Der Abschreibungsentscheid E-2437/2008 vom 26. Januar 2010 wird
aufgehoben. Das Beschwerdeverfahren wird unter dieser Verfahrens-
nummer wieder aufgenommen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Dem Gesuchsteller wird zu Lasten der Gerichtskasse eine Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 400.– ausgerichtet.
5.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Gesuchstellers, das
BFM und [kantonale Behörde].
Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:
Christa Luterbacher Jan Feichtinger
Versand:
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