Abtei lung V
E-7898/2010
E-7975/2010
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 6 . N o v e m b e r 2 0 1 0
Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;
Gerichtsschreiber Christoph Berger.
A._______, geboren _______,
angeblich staatenlos/russischer Herkunft,
Beschwerdeführer,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung,
sowie
Haftüberprüfung;
Verfügung des BFM vom 3. November 2010 / N (...).
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass das BFM mit Verfügung vom 3. November 2010 – eröffnet am
4. November 2010 – erkannte, gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) sei auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers vom 28. September 2010 nicht einzu-
treten,
dass das BFM die Wegweisung aus der Schweiz nach Deutschland
sowie deren Vollzug anordnete und feststellte, einer allfälligen Be-
schwerde gegen diese Verfügung komme keine aufschiebende
Wirkung zu,
dass das BFM weiter verfügte, der Beschwerdeführer werde zur
Sicherstellung des Vollzuges während höchstens 20 Tagen in Aus-
schaffungshaft genommen,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. November 2010
gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
erhebt und beantragt, die Ziffern 1 bis 6 des Entscheides des BFM
vom 3. November 2010 seien aufzuheben, das BFM sei zu ver-
pflichten, den Antrag des Beschwerdeführers vom 30. September 2010
zu bearbeiten, die Ziffern 7 und 8 des Entscheides des BFM vom
3. November 2010 seien aufzuheben und das BFM habe die Gerichts-
kosten zu tragen,
dass der Beschwerdeführer zur Begründung im Wesentlichen vor-
bringt, er habe im Empfangszentrum keinen Asylantrag, sondern am
30. September 2010 einen Antrag auf Ausstellung eines Reiseaus-
weises für Staatenlose gestellt,
dass er mit der Rechtsmitteleingabe "Verletzungen gegen das
Übereinkommen über die Rechtsstellung der Staatenlosen vom
28.09.1954 und gegen die Freizügigkeit" rügt,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter Ver-
fügung vom 11. November 2010 den Vollzug der Wegweisung gestützt
auf Art. 56 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 [VwVG, SR 172.021]) per sofort aussetzte,
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dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls
entscheidet (Art. 105 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht
[Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundes-
gerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen
hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist, so
dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung
von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass die vorliegende Beschwerde - wie sich aus den nachstehenden
Erwägungen ergibt - offensichtlich begründet ist, weshalb auf einen
Schriftenwechsel verzichtet werden kann und der Beschwerdeent-
scheid lediglich summarisch zu begründen ist (Art. 111 Bst. e AsylG;
Art. 111a AsylG),
dass sich aus der Anhörung im Empfangs- und Verfahrenszentrum (...)
vom 6. Oktober 2010 ergibt, dass der Beschwerdeführer nicht
beabsichtigte, in der Schweiz um Asyl nachzusuchen und dies
wiederholt unmissverständlich zum Ausdruck brachte,
dass vor diesem Hintergrund der angefochtenen Verfügung des BFM
vom 3. November 2010 die sachliche und rechtliche Grundlage fehlt,
dass gestützt auf Art. 76 Abs. 1 Bst. b Ziff. 5 des Bundesgesetzes vom
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG,
SR 142.20) i.V.m. Art. 80 Abs. 1 zweiter Satz AuG das BFM eine
asylsuchende Person zur Sicherstellung des Vollzugs in Aus-
schaffungshaft nehmen kann, wenn ein erstinstanzlicher Weg-
weisungsentscheid im Zusammenhang mit einem Nichteintretens-
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entscheid nach den Art. 32 - 35a AsylG (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG) in
einer Empfangsstelle eröffnet wurde und der Vollzug der Wegweisung
absehbar ist,
dass es, wie soeben festgestellt, unter dem vom BFM heran-
gezogenen Titel an den Voraussetzungen der angeordneten Haft fehlt
und die Anordnung der Ausschaffungshaft bundesrechtswidrig ist,
dass der Antrag auf Aufhebung der Ziffern 7 und 8 der angefochtenen
Verfügung daher gutzuheissen ist,
dass der Beschwerdeführer unverzüglich aus der Haft zu entlassen ist,
dass die Verfügung des BFM vom 3. November 2010 in allen Dis-
positivpunkten aufzuheben ist,
dass demnach die Beschwerde gutzuheissen ist,
dass das BFM anzuweisen ist, vielmehr das Gesuch des Be-
schwerdeführers zur Anerkennung als Staatenloser im Rahmen der
rechtlichen Grundlagen zu prüfen,
dass bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens keine Kosten
aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.
2.
Die angefochtene Verfügung des BFM wird aufgehoben.
3.
Der Beschwerdeführer ist unverzüglich aus der Haft zu entlassen.
4.
Das BFM wird angewiesen, das Gesuch des Beschwerdeführers auf
Anerkennung der Staatenlosigkeit zu prüfen.
5.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
6.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Kurt Gysi Christoph Berger
Versand:
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