Abtei lung V
E-8269/2008/ame
{T 0/2}
U r t e i l v o m 1 9 . J a n u a r 2 0 0 9
Einzelrichterin Christa Luterbacher,
mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;
Gerichtsschreiber Andreas Felder.
A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
Russland,
alle vertreten durch Christian Hoffs,
Beschwerdeführende,
gegen
Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008 / N (...).
B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l
T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e
T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Besetzung
Parteien
Gegenstand
E-8269/2008
Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
dass die Beschwerdeführer am 8. September 2008 in der Schweiz um
Asyl ersuchten,
dass das BFM mit Verfügung vom 12. Dezember 2008 – eröffnet am
16. Dezember 2008 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a des
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylge-
such nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug anordnete,
dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, dass die Be-
schwerdeführer nach Schweden zurückkehren könnten, wo sie sich
vor der Einreise in die Schweiz aufgehalten und ein Asylgesuch ge-
stellt hätten,
dass Schweden als sicherer Drittstaat gelte, in welchem auch effekti-
ver Schutz vor Rückschiebung bestehe,
dass die Beschwerdeführer aufgrund der Aktenlage keine begründete
Furcht vor asylrelevanter Verfolgung, die offensichtlich zutage trete,
geltend machen könnten,
dass in der Schweiz weder nahe Angehörige der Beschwerdeführer
noch sonstige Personen, zu denen sie eine enge Beziehung hätten,
lebten,
dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. Dezember 2008 ge-
gen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er-
hoben,
dass am 23. Dezember 2008 eine Beschwerdeergänzung nachgereicht
wurde,
dass die zuständige Instruktionsrichterin mit Telefax vom 24. Dezem-
ber 2008 im Sinne einer vorsorglichen Massnahme allfällige Vollzugs-
handlungen aussetzte,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 6. Januar 2009
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
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tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) guthiess und auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses verzichtete,
dass die Vorinstanz gleichzeitig zur Vernehmlassung eingeladen wur-
de,
dass die Vorinstanz mit Eingabe vom 9. Januar 2009 ihre Vernehmlas-
sung zu den Akten reichte,
dass diese Vernehmlassung den Beschwerdeführern mit dem vorlie-
genden Beschwerdeentscheid zur Kenntnis gebracht wird,
dass der Rechtsvertreter mit Telefax vom 15. Januar 2009 seine Kos-
tennote zu den Akten reichte,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG
i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
[VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass die Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde le-
gitimiert sind (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m.
Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1
AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu
überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
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dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt,
dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG)
und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche
handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b zu-
rückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben
(Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG),
dass diese Bestimmung keine Anwendung findet, wenn Personen, zu
denen die asylsuchende Person enge Beziehungen hat, oder nahe An-
gehörige in der Schweiz leben, oder die asylsuchende Person offen-
sichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt, oder Hin-
weise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effektiver Schutz vor
Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 34 Abs. 3
Bst. a-c AsylG),
dass die schwedischen Behörden der Rückübernahme der Beschwer-
deführer ursprünglich mit Telefax vom 17. November 2008 zustimmten,
dass die Vorinstanz mit Telefax vom 17. Dezember 2008 (datiert:
17. November 2008) die schwedischen Behörden um eine Fristerstre-
ckung für die Rückübernahme ersuchte,
dass die schwedischen Behörden mit Telefax vom 24. Dezember 2008
an die Vorinstanz (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 30. De-
zember 2008) das Gesuch um Fristverlängerung ablehnten und ge-
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stützt auf den Fristablauf den Fall als erledigt erachteten („we consider
the case as closed“),
dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2009 fest-
hielt, dass damit die Voraussetzungen für einen Nichteintretensent-
scheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG weggefallen seien,
dass sie zudem aufgrund der nachträglich veränderten Voraussetzun-
gen beantragte, das Beschwerdeverfahren abzuschliessen und die Ak-
ten zurückzuüberstellen, um nach Vornahme der erforderlichen Sach-
verhaltsabklärungen in der Angelegenheit neu zu entscheiden,
dass nach dem Gesagten die Beschwerde gutzuheissen und die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben ist,
dass die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben
sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass den obsiegenden Beschwerdeführern in Anwendung von Art. 64
Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2) zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-
gung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig
hohen Kosten zuzusprechen ist,
dass der Rechtsvertreter in seiner Kostennote vom 15. Januar 2009 ei-
nen Aufwand von 10 Stunden, zu einem Stundenansatz von Fr. 150.-,
und Auslagen in der Höhe von Fr. 100.-- ausweist,
dass der in Rechnung gestellte zeitliche Aufwand angesichts des nicht
übermässigen Aktenumfangs und der Tatsache, dass die eingereichten
Rechtsschriften 5 Seiten und 4 Seiten umfassen, nicht vollumfänglich
angemessen erscheint und auf insgesamt 5 Stunden zu reduzieren ist,
dass den Beschwerdeführern demnach unter Berücksichtigung der Be-
messungsgrundlagen nach Art. 7 ff. VGKE eine Parteientschädigung
von Fr. 850.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer), welche vom Bun-
desamt zu entrichten ist, zuzusprechen ist.
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.
2.
Die Verfügung vom 12. Dezember 2008 wird aufgehoben.
3.
Die Sache wird zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.
4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
5.
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführern eine Parteient-
schädigung von Fr. 850.- (inkl. Auslagen, ohne MwSt) auszurichten.
6.
Dieses Urteil geht an:
- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage:
Kopie der Vernehmlassung der Vorinstanz vom 9. Januar 2009 zur
Kenntnis)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- (kantonale Behörde) (in Kopie)
Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:
Christa Luterbacher Andreas Felder
Versand:
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