B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung VI
F-1470/2017
Ur t e i l vom 2 4 . Mä r z 2 0 1 7
Besetzung
Einzelrichter Antonio Imoberdorf,
mit Zustimmung von Richter Andreas Trommer;
Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn.
Parteien
A._______,
Beschwerdeführer,
gegen
Staatssekretariat für Migration SEM,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone.
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Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein 1977 geborener türkischer Staatsangehöriger,
reiste am 18. Februar 2017 in die Schweiz ein und reichte zwei Tage später
im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch ein (Ak-
ten der Vor-instanz [SEM-act.] B5/14 S. 8 Ziff. 5.03 und 5.05).
B.
Mit Zuweisungsentscheid vom 28. Februar 2017 wies das SEM den Be-
schwerdeführer in Anwendung von Art. 27 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und
Art. 21 sowie Art. 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311) für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Aargau zu und
entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Ferner
hielt es im Zuweisungsentscheid fest, dieser könne nur mit der Begründung
angefochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie
(SEM-act. B9/1).
C.
Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 9. März
2017 brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe in der
Schweiz nur seinen Bruder, dessen Ehefrau und deren zwei Töchter, wel-
che im Kanton Bern leben würden. Er beantragt deshalb, - unter Anrufung
der Familieneinheit - dem Kanton Bern zugeteilt zu werden (BVGer-act. 1).
D.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit nötig – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über die vorliegende Be-
schwerde gegen eine Verfügung nach Art. 5 VwVG des SEM endgültig (vgl.
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Als Verfü-
gungsadressat ist der Beschwerdeführer beschwerdelegitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG).
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2.
Im vorliegenden Verfahren kann gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG ausschliess-
lich die Verletzung der Einheit der Familie gerügt werden (vgl. BVGE
2009/54 E. 1.3.1).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit summarischer Begründung zu be-
handeln (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
In casu wurde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwech-
sel verzichtet.
5.
Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den Kan-
tonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und
der Asylsuchenden Rechnung, wobei es gemäss Art. 22 Abs. 1 AsylV 1 be-
reits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit
der Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-
tigt.
6.
Der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff der Familieneinheit entspricht
demjenigen von Art. 8 EMRK. Den Schutz des Familienlebens können
grundsätzlich nur die Mitglieder einer Kernfamilie, Ehegatten und ihre min-
derjährigen Kinder, anrufen. Über diesen engen Kern hinausgehende ver-
wandtschaftliche Bande fallen nur dann unter den Schutz der Einheit der
Familie, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwi-
schen den Angehörigen besteht. Gemäss Rechtsprechung setzt eine sol-
che verwandtschaftliche Beziehung zudem voraus, dass zwischen diesen
Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ein solches
wird beispielsweise angenommen, wenn Angehörige behindert sind oder
aus einem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, welche in der
Schweiz lebt, angewiesen sind (BVGE 2008/47, E. 4.1).
7.
7.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer und sein im Kanton
Bern wohnhafter Bruder und dessen Familie keine Kernfamilie bilden, wes-
halb zu prüfen ist, ob die geschilderten Voraussetzungen, die für eine
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schützenswerte verwandtschaftliche Beziehung ausserhalb der Kernfami-
lie sprechen würden, erfüllt sind.
7.2 Der Wunsch des Beschwerdeführers, in der Nähe seiner Verwandten
zu leben, ist zwar nachvollziehbar und es soll auch nicht verkannt werden,
dass hilfreiche Unterstützung auf diese Weise leichter organisierbar wäre.
Diese Umstände vermögen jedoch kein Abhängigkeitsverhältnis im vorlie-
gend entscheidenden Sinne zu begründen. Dafür spricht schon die mehr-
jährige Trennung. Der Bruder des Beschwerdeführers reiste gemäss dem
Zentralen Migrationssystem (ZEMIS) bereits im Juni 1999 in die Schweiz
ein. Der Beschwerdeführer macht denn auch keine Gründe im Sinne eines
Abhängigkeitsverhältnisses geltend.
7.3 Die Zuweisung des Beschwerdeführers in den Kanton Aargau hat den
Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht
verletzt.
8.
Demzufolge ist die angefochtene Zwischenverfügung bundesrechtskon-
form und auch sonst nicht zu beanstanden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die
Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.- (Art. 1-
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer-
legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten
der Gerichtskasse zu überweisen.
3.
Dieses Urteil geht an:
– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. N […])
– das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau
Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:
Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn
Versand: