B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung VI
F-3002/2016
U r t e i l v o m 1 0 . J u l i 2 0 1 7
Besetzung
Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz),
Richter Andreas Trommer, Richter Antonio Imoberdorf,
Gerichtsschreiber Daniel Brand.
Parteien
A._______,
vertreten durch B._______,
Beschwerdeführerin,
gegen
Staatssekretariat für Migration SEM,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Einreiseverbot.
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Sachverhalt:
A.
Anlässlich einer polizeilichen Kontrolle eines serbischen Reisecars am
26. April 2016 auf dem Rastplatz Kemptthal/ZH stellte sich heraus, dass
sich die aus der Republik Serbien stammende Beschwerdeführerin (geb.
1962) im Zeitraum der letzten 180 Tage während total 150 Tagen im Schen-
gen-Raum aufgehalten hatte. Anlässlich der polizeilichen Befragung gab
sie an, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz bei ihrem Partner
B._______ in Bülach/ZH gewohnt zu haben; diesen wolle sie im Juli heira-
ten. Sie und ihr Freund seien der Auffassung gewesen, dass sie sich inner-
halb eines Jahres während 6 Monaten im Schengen-Raum aufhalten dürfe.
Sie bedauere, sich diesbezüglich offenbar nicht genügend informiert zu ha-
ben. Anschliessend wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör
zu einer allfälligen Wegweisung aus dem Schengen-Raum sowie zu einer
allfälligen Fernhaltemassnahme gewährt.
B.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland des Kantons Zürich
vom 27. April 2016 wurde die Beschwerdeführerin des vorsätzlichen
rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. b AuG (SR
142.20) schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen
zu je Fr. 30.-, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu
einer Busse von Fr. 300.- verurteilt.
C.
Am 27. April 2016 wurde die Beschwerdeführerin aus der Polizeihaft ent-
lassen und dem Migrationsamt des Kantons Zürich zugeführt. Dieses ver-
fügte am 28. April 2016 die sofort vollstreckbare Wegweisung von
A._______ aus dem Schengen-Raum und ordnete die Ausschaffungshaft
an. Die Ausschaffung der Beschwerdeführerin nach Belgrad erfolgte zwei
Tage später.
D.
Gestützt auf diesen Sachverhalt verfügte die Vorinstanz am 28. April 2016
gegen die Beschwerdeführerin ein dreijähriges Einreiseverbot, welches zu
einer Ausschreibung zur Einreiseverweigerung im Schengener Informati-
onssystem (SIS II) führte. Zur Begründung der Massnahme verwies das
SEM auf die gegen sie ausgesprochene und für sofort vollstreckbar erklärte
Wegweisung sowie auf den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Ober-
land vom 27. April 2016. Die Anordnung einer Fernhaltemassnahme ge-
stützt auf Art. 67 AuG sei daher angezeigt. Auch unter Berücksichtigung
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der Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs erweise sich die
Fernhaltemassnahme als gerechtfertigt. Gleichzeitig wurde einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen.
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 12. Mai 2016 beantragt B._______ als Par-
teivertreter beim Bundesverwaltungsgericht, das dreijährige Einreiseverbot
seiner Lebenspartnerin auf ein Jahr zu reduzieren bzw. die zu annullieren-
den Jahre durch eine geldwerte Leistung oder durch einen einmonatigen
Gefängnisaufenthalt abzugelten. Zur Begründung führte er aus, sie hätten
Familienangehörige in Ungarn und Kroatien, welche die Beschwerdeführe-
rin nun während drei Jahren nicht mehr besuchen könne.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 13. Juli 2016 spricht sich die Vorinstanz für
die Abweisung der Beschwerde aus und hält ergänzend fest, gemäss kon-
stanter Praxis werde bei einem illegalen Aufenthalt von mehr als 30 Tagen
ein dreijähriges Einreiseverbot erlassen, welches zu einer Ausschreibung
im Schengener Informationssystem (SIS II) führe. Aus wichtigen Gründen
bestehe die Möglichkeit, die Fernhaltemassnahe auf begründetes Gesuch
hin für kurze Zeit zu suspendieren.
G.
In seiner als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Replik vom 17. Au-
gust 2016 weist der Parteivertreter darauf hin, dass die Beschwerdeführe-
rin vor ihrer Ausreise aus der Schweiz ein Dokument habe unterschreiben
müssen, dessen Inhalt ihr von keinem Übersetzer erklärt worden sei. Er
selber habe 2008 einen Unfall erlitten, sei seitdem gehbehindert und könne
höchstens Lasten von 5 kg heben. Aus diesem Grunde ersuche er aus hu-
manitären Gründen darum, das Einreiseverbot seiner Lebenspartnerin,
welche ihm im Haushalt geholfen und "Kommissionen" getätigt habe, auf
ein Jahr zu reduzieren.
Zur Bekräftigung seiner Vorbringen reichte B._______ u.a. ein Beiblatt zu
einem Unfallschein sowie zwei ihn betreffende SUVA-Berichte ein.
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und
daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme
nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts ande-
res bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit-
sache endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Das SEM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Auslän-
derinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachgekom-
men ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2
AuG Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die gegen
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die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland
verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG), Sozi-
alhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b AuG) oder in Vorbe-
reitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen worden sind
(Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG). Das Einreiseverbot wird grundsätzlich für eine
Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer
verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr
für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG).
Schliesslich kann die verfügende Behörde aus humanitären oder anderen
wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen
oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67
Abs. 5 AuG).
3.2 Das in Art. 67 AuG geregelte Einreiseverbot stellt keine Sanktion dar,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Bot-
schaft], BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne
von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der
polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objek-
tiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O.,
S. 3809). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung
vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung u.a. vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen
missachtet werden. Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts
fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können ein Ein-
reiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3813). Die Verhän-
gung eines Einreiseverbots knüpft an das Risiko einer künftigen Gefähr-
dung an. Gestützt auf sämtliche Umstände des Einzelfalls ist eine entspre-
chende Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss primär das vergan-
gene Verhalten der betroffenen Person zu berücksichtigen (vgl. Urteil des
BVGer C-5068/2015 vom 26. April 2016 E. 3.2 m.H.).
3.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten
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Generation, [SIS-II-Verordnung, Abl. L 381/4 vom 28. Dezember 2006];
Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]). Damit wird
der betroffenen Person grundsätzlich die Einreise in das Hoheitsgebiet al-
ler Schengen-Staaten verboten (vgl. Art. 6 Abs. 1 Bst. d sowie Art. 14 Abs. 1
der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Über-
schreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex] [kodifi-
zierte Fassung] ABl. L 77 vom 23. März 2016 [nachfolgend: SGK] sowie
Art. 32 Abs. 1 Bst. a Ziff. v und vi der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Vi-
sakodex der Gemeinschaft [Visakodex]). Die Mitgliedstaaten können ihr
aus wichtigen Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die
Einreise gestatten bzw. ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit aus-
stellen (vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK und Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex).
4.
4.1 Die Vorinstanz hat das gegen die Beschwerdeführerin verhängte Ein-
reiseverbot zum einen mit ihrer sofort vollstreckten Wegweisung begründet
(Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG); zum anderen stützte sie die Fernhaltemass-
nahme auf den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom
27. April 2016 wegen vorsätzlichen rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 115
Abs. 1 Bst. b AuG), in dem ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG) zu sehen ist. Darüber hinaus ist
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin infolge der angeordneten Weg-
weisung in Ausschaffungshaft genommen wurde, womit ein weiterer Grund
für das Einreiseverbot bestand (Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG).
4.2 Den Akten kann entnommen werden, dass sich die Beschwerdeführe-
rin innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen, der dem Datum ihrer polizei-
lichen Anhaltung vom 26. April 2016 unmittelbar voranging, insgesamt
während 150 Tagen in der Schweiz aufhielt (22. November 2015 bis
19. Dezember 2015 und 27. Dezember 2015 bis 26. April 2016). Der be-
willigungsfreie Aufenthalt von nichtvisumspflichtigen Ausländern im Schen-
gen-Raum beträgt jedoch höchstens 90 Tage je Zeitraum von 180 Tagen
(Art. 20 des Schengener Durchführungsübereinkommens vom 19. Juni
1990 [ABl. L 239/19 vom 22. September 2000] in der Fassung der Verord-
nung [EU] Nr. 610/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 [ABl. L 182/1 vom 29. Juni 2013]; vgl. auch Art. 9 Abs. 1
VZAE). Daraus folgt, dass sich die Beschwerdeführerin insgesamt 60 Tage
widerrechtlich in der Schweiz bzw. im Schengen-Raum aufhielt.
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Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, über den bewilligungsfreien Auf-
enthalt hinaus in der Schweiz geweilt zu haben, machte jedoch anlässlich
der polizeilichen Einvernahme vom 26. April 2016 geltend, sie sei davon
ausgegangen, während sechs Monaten im Jahr im Schengen-Raum blei-
ben zu dürfen und dass "mit dem neuen Jahr die Tage neu zählen würden".
In diesem Zusammenhang gilt es festzuhalten, dass für die Verhängung
eines Einreiseverbots kein vorsätzlicher Verstoss gegen ausländerrechtli-
che Bestimmungen erforderlich ist. Es genügt, wenn der ausländischen
Person eine Sorgfaltspflichtverletzung zugerechnet werden kann. Un-
kenntnis oder Fehlinterpretation der Einreise- oder Aufenthaltsvorschriften
– wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht – stellen normaler-
weise keinen hinreichenden Grund für ein Absehen von einer Fernhalte-
massnahme dar. Jeder Ausländerin und jedem Ausländer obliegt, sich über
bestehende Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit ausländerrechtli-
chen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle von Unklarheiten bei
den zuständigen Stellen zu informieren. Ein vorsätzlicher Verstoss gegen
ausländerrechtliche Bestimmungen, von dem allerdings der Strafrichter
ausging, ist mithin nicht erforderlich (vgl. Urteil des BVGer C-4395/2015
vom 23. Februar 2016 E. 4.4 m.H.). Soweit vom Parteivertreter in dessen
Replik vorgebracht wird, seine Lebenspartnerin habe vor ihrer Ausreise ein
Dokument unterschreiben müssen, dessen Inhalt ihr von keinem Überset-
zer erklärt worden sein, lässt sich mangels näherer Angaben nicht eruie-
ren, auf welche Unterlagen er sich bezieht. Bei ihrer Einvernahme zum
rechtswidrigen Aufenthalt bzw. anlässlich der Gewährung des rechtlichen
Gehörs zur Anordnung einer allfälligen Fernhaltemassnahme gab die Be-
schwerdeführerin jedenfalls zu Protokoll, den ihr zur Verfügung gestellten
Dolmetscher gut verstanden zu haben.
Nach dem Gesagten steht somit fest, dass die Beschwerdeführerin wegen
ihres rechtswidrigen Aufenthaltes fraglos gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG verstossen hat.
4.3 Aus den Akten ergibt sich im Weitern, dass die Beschwerdeführerin
vom Migrationsamt des Kantons Zürich mit unangefochten gebliebener
Verfügung vom 28. April 2016 aus dem Schengen-Raum weggewiesen und
zur Sicherstellung des Vollzuges der Wegweisung für einige Tage in Aus-
schaffungshaft versetzt wurde. Damit hat die Beschwerdeführerin weitere
Fernhaltegründe im Sinne von Art. 67 Abs. 1 Bst. a bzw. Art. 67 Abs. 2
Bst. c AuG gesetzt.
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Seite 8
4.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe-
rin hinreichenden Anlass für die Verhängung eines Einreiseverbots gege-
ben hat.
5.
5.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des Er-
messens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist
eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Inte-
resse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beein-
trächtigten privaten Interessen der Betroffenen andererseits. Die Stellung
der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ord-
nungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der Verfü-
gungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl.
statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff.).
5.2 Die Beschwerdeführerin musste – wie oben erwähnt – nicht nur zur
Sicherstellung ihrer Wegweisung in Ausschaffungshaft genommen wer-
den, sondern sie hat während ihres rechtswidrigen Aufenthalts von 60 Ta-
gen auch gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von
Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG verstossen. Dieses Fehlverhalten wiegt objektiv
nicht leicht, kommt doch den ausländerrechtlichen Normen im Interesse
einer funktionierenden Rechtsordnung grundsätzlich eine zentrale Bedeu-
tung zu. Namentlich das generalpräventiv motivierte Interesse, die auslän-
derrechtliche Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis zu
schützen, ist als gewichtig einzustufen (vgl. dazu Urteil des BGer
2C_948/2011 vom 11. Juli 2012 E. 3.4.2 in fine). Überdies liegt eine spezi-
alpräventive Zielsetzung der Massnahme darin, dass sie die Betroffene er-
mahnt, bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise in die Schweiz nach
Ablauf der Dauer des Einreiseverbots die für sie geltenden Regeln einzu-
halten (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-6993/2014 vom 30. März 2015
E. 5.2 m.H.). Vorliegend besteht somit ein gewichtiges öffentliches Inte-
resse an einer Fernhaltung der Beschwerdeführerin.
5.3 Dieses lässt sich mit den von der Beschwerdeführerin geltend gemach-
ten privaten Interessen (Lebenspartner wohnhaft in der Schweiz, Besuch
von Familienangehörigen in Ungarn und Kroatien) nicht ernsthaft in Frage
stellen. Zum einen ist die Fernhaltemassnahme nicht als absolutes Einrei-
severbot ausgestaltet. Sie stellt vielmehr ein Einreiseverbot mit Bewilli-
gungsvorbehalt dar. Der Beschwerdeführerin bleibt es freigestellt, aus
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Seite 9
wichtigen Gründen mittels Gesuch die zeitweilige Suspension der ange-
ordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG), wobei
diese aber praxisgemäss nur für eine kurze und klar begrenzte Zeit ge-
währt wird (vgl. Urteil des BVGer C-1712/2011 vom 12. September 2012
E. 6.3 m.H.). Im Weitern stünde – wie bereits unter E. 3.3 erwähnt – sämt-
lichen Schengen-Mitgliedstaaten die Möglichkeit offen, betroffenen Perso-
nen auf Gesuch hin die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten
bzw. ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit auszustellen (vgl. auch
Urteil des BVGer C-5038/2013 vom 12. Mai 2014 E. 5.3). Die mit dem Ein-
reiseverbot verbundenen Einschränkungen sind also in mehrfacher Hin-
sicht zu relativieren.
5.4 Eine Abwägung der gegenläufigen öffentlichen und privaten Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das Einreisever-
bot dem Grundsatz nach zu bestätigen ist. Gestützt auf vergleichbare Fälle
(vgl. bspw. Urteile des BVGer C-2438/2014 vom 14. November 2014,
C-5737/2012 vom 21. Mai 2013 E. 6.3 m.H, C-1712/2011 vom 12. Septem-
ber 2012 E. 6.4 m.H) gelangt das Gericht allerdings zur Auffassung, dass
die ausgesprochene Dauer von drei Jahren zu lang ist und dem öffentli-
chen Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin, welche von
allem Anfang an geständig war, mit einem Einreiseverbot von zwei Jahren
hinreichend Rechnung getragen wird. Dem Antrag des Parteivertreters, die
Fernhaltemassnahme seiner Lebenspartnerin auf ein Jahr zu reduzieren,
ist hingegen nicht stattzugeben. Die Möglichkeit, "…die zu annullierenden
Jahre durch eine geldwerte Leistung oder durch einen einmonatigen Ge-
fängnisaufenthalt zu kompensieren…" – wie vom Parteivertreter vorge-
schlagen – sehen die gesetzlichen Bestimmungen (vgl. Art. 67 AuG) nicht
vor.
5.5 Nicht zu beanstanden ist schliesslich, dass der Beschwerdeführerin die
Einreise in das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten
wurde (vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 SIS-II-Verordnung sowie BVGE 2014/20
E. 8.5 m.H.), geht es doch in casu um zentrale Bestimmungen der migrati-
onsrechtlichen Ordnung, gegen welche die Beschwerdeführerin verstos-
sen hat. Mit Blick auf die nunmehr auf zwei Jahre zu reduzierende Fern-
haltemassnahme erweist sich die SIS-Ausschreibung als verhältnismässig
(Art. 24 Ziff. 2 Bst. b und Ziff. 3 SIS-II-Verordnung).
6.
Nach dem bisher Gesagten verletzte die Vorinstanz mit dem auf drei Jahre
bemessenen Einreiseverbot Bundesrecht (vgl. Art. 49 VwVG). Die Be-
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Seite 10
schwerde ist teilweise gutzuheissen und das gegen die Beschwerdeführe-
rin verhängte Einreiseverbot auf zwei Jahre – bis zum 27. April 2018 – zu
befristen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die reduzierten Verfah-
renskosten von Fr. 600.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und der
Restbetrag des geleisteten Kostenvorschusses ist ihr zurückzuerstatten
(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Eine Parteientschädigung für das teilweise Obsiegen ist nicht zuzuspre-
chen, zumal der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin keine
notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten gemäss Art. 64 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 7 VGKE erwachsen sind.
(Dispositiv nächste Seite)
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und das Einreiseverbot bis
zum 27. April 2018 befristet.
2.
Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.- werden der Beschwerde-
führerin auferlegt. Sie werden dem am 23. Juni 2016 geleisteten Kosten-
vorschuss von Fr. 900.- entnommen. Der Restbetrag von Fr. 300.- wird zu-
rückerstattet.
3.
Eine Parteientschädigung wird nicht entrichtet.
4.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Formular "Zahl-
adresse")
– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] und N […] zurück)
– das Migrationsamt des Kantons Zürich (ad ZH […])
Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:
Marianne Teuscher Daniel Brand
Versand: