B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l
T r i b u n a l e am m in i s t r a t i vo f e d e r a l e
T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l
Abteilung VI
F-3199/2016
Ur t e i l vom 1 3 . J u l i 2 0 1 6
Besetzung
Einzelrichterin Marianne Teuscher,
mit Zustimmung von Richter Antonio Imoberdorf,
Gerichtsschreiber Rudolf Grun.
Parteien
1. A._______,
2. B._______,
3. C._______,
4. D._______,
5. E._______,
6. F._______,
Beschwerdeführer,
gegen
Staatssekretariat für Migration SEM,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.
Gegenstand
Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone.
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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführer (Ehepaar, geb. 1978 und 1985, mit Kindern,
geb. 2004, 2006, 2009 und 2013, irakische Staatsangehörige) am 29. Feb-
ruar 2016 in die Schweiz einreisten und gleichentags im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch stellten,
dass am 3. März 2016 im EVZ Kreuzlingen eine Befragung zur Person
(Ehemann und Ehefrau) stattfand, wobei diese angaben, vorher in
Deutschland gewesen zu sein, wo sie daktyloskopiert worden seien (Akten
der Vorinstanz [SEM act.] A5/12 und A6/13),
dass sie ferner angaben, in die Schweiz gekommen zu sein, weil die Ehe-
frau hier Geschwister bzw. einen Bruder habe (SEM act. A5/12 und A6/13),
dass der Bruder der Ehefrau (ein in G._______ lebender Schweizer Bür-
ger) mit einem am 13. März 2016 datierten Schreiben an die Vorinstanz
gelangte (Eingang beim SEM: 3. Mai 2016) und um Zuteilung der Be-
schwerdeführer in den Kanton G._______ ersuchte, damit er sie bei der
Integration unterstützen könne,
dass die Beschwerdeführer mit Zuweisungsentscheid des SEM vom
17. Mai 2016 dem Kanton H._______ zugeteilt wurden, wobei das SEM
einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog,
dass ferner im Zuweisungsentscheid festgehalten wurde, dieser könne nur
mit der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der
Einheit der Familie,
dass die Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 20. Mai 2016
beim Bundesverwaltungsgericht die Zuteilung in den Kanton G._______
beantragen und rügen, dass der Grundsatz der Einheit der Familie durch
die Zuweisung in den Kanton H._______ nicht gewährleistet sei,
dass die Unterstützung ihres in G._______ lebenden Schwagers bzw. Bru-
ders und Onkels für sie wichtig sei („wichtige Stütze in ihrer schwierigen
Situation“),
dass dieser zu 100 Prozent berufstätig sei und es für diesen durch die
räumliche Distanz nur bedingt möglich sei, sie zu unterstützen,
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dass die regelmässigen Kontakte des hier lebenden älteren Bruders zur
Ehefrau, welche psychische Probleme habe, ausgesprochen wichtig sei,
und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig ist und
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
entscheidet (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerdeführer als Verfügungsadressaten beschwerdelegiti-
miert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass es sich bei Entscheiden des SEM über die Zuweisung einer asylsu-
chenden Person an einen Kanton um beim Bundesverwaltungsgericht an-
fechtbare Zwischenverfügungen (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1
AsylG) handelt und die Frist zur Einreichung einer Beschwerde zehn Tage
beträgt (Art. 108 Abs. 1 AsylG),
dass die Einreichung der Beschwerde in casu rechtzeitig erfolgte, weshalb
auf das ansonsten formgerecht eingereichte Rechtsmittel einzutreten ist,
dass das SEM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den Kan-
tonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und
der Asylsuchenden Rechnung trägt,
dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) erfolgt, wobei das SEM
bei der Verteilung bereits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die
Staatsangehörigkeit der Asylsuchenden und besonders betreuungsinten-
sive Fälle berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1),
dass ein Zuweisungsentscheid des SEM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG, der
als lex specialis der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht
(Art. 106 Abs. 2 AsylG), in materieller Hinsicht nur mit der Begründung an-
gefochten werden kann, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie,
dass sich die Beschwerde – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – als
offensichtlich unbegründet erweist, weshalb das Urteil in Anwendung von
Art. 111 Bst. e AsylG in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters ergeht, und es gestützt auf Art. 111a Abs. 1 und 2
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AsylG ohne Schriftenwechsel zu fällen und nur summarisch zu begründen
ist,
dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG
grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne von
Art. 1 Bst. e AsylV 1 orientiert und mithin die Kernfamilie (Ehegatten und
minderjährige Kinder) umfasst,
dass über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande
– wie vorliegend die Beziehung zwischen den Beschwerdeführern und ih-
rem in der Schweiz lebenden Schwager bzw. Bruder und Onkel – demge-
genüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern
zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis be-
steht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1 m.H. und E. 4.1.4),
dass die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein derartiges
Abhängigkeitsverhältnis unter Verwandten z.B. angenommen hat, wenn
die Angehörigen behindert sind oder aus einem anderen Grund auf die
Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind,
dass die notwendige medizinische Versorgung der angeblich psychisch
kranken Ehefrau im Kanton H._______ sichergestellt ist und im Übrigen
nicht ersichtlich ist, inwiefern ihr Bruder sie diesbezüglich besser unterstüt-
zen könnte als ihr Ehemann, zumal sie seit mehreren Jahren von ihrem
Bruder getrennt lebt,
dass zwar der Schwager bzw. Bruder und Onkel die Beschwerdeführer bei
der Integration in der Schweiz und hinsichtlich einer allfälligen medizini-
schen Versorgung unterstützen kann, dies indes nicht einem Abhängig-
keitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung entspricht (vgl. Urteil des
BVGer C-6686/2015 vom 16. März 2016 S. 5 m.H.),
dass es den Beschwerdeführern im Übrigen auch ohne Kantonswechsel
möglich ist, mittels Besuchen oder via Kommunikationsmittel (Telefon usw.)
Kontakt zu ihrem Schwager bzw. Bruder und Onkel zu pflegen,
dass es den Beschwerdeführern unbenommen bleibt, gegebenenfalls über
die Migrationsämter der zuständigen Kantone einen Wechsel zu beantra-
gen,
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dass bei dieser Sachlage festgestellt wird, dass ein im Rahmen von Art. 27
Abs. 3 AsylG beachtliches Abhängigkeitsverhältnis der Beschwerdeführer
zu ihrem Schwager bzw. Bruder und Onkel nicht besteht,
dass die angefochtene Verfügung den Grundsatz der Einheit der Familie
nicht verletzt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten den Beschwerdefüh-
rern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- fest-
zusetzen sind (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 [VGKE,
SR 173.320.2]).
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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführern aufer-
legt. Sie sind durch den am 14. Juni 2016 geleisteten Kostenvorschuss
gedeckt.
3.
Dieses Urteil geht an:
– die Beschwerdeführer (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. N […] zurück)
– den Migrationsdienst des Kantons H._______
Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:
Marianne Teuscher Rudolf Grun
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