BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS St bSt (R) 2/15 vom 28. September 2015 in de m berufsgerichtlichen Verfahren gegen den Steuerberater wegen Berufspflichtverletzung - 2 - Der Senat für Steuerberater - und Steuerbevollmächtigtensachen beim Bunde s- gerichtshof hat durch die Richter Prof. Dr. Jäger, Prof. Dr. König und Bellay s o- wie die ehrenamtlichen Richter Schulze und Dr. Große - Hokamp nach § 130 Abs. 3 Satz 1 StBerG, § 349 Abs. 2 StPO b eschlossen: Die Revision des Steuerberaters gegen das Urteil des 1. Senats für Steuerberater - und Steuerbevollmächtigtensachen beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg vom 18. Febr u- ar 2015 wird als unbegründet verworfen, weil die Nachprüfung des Urteils auf die Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Steu erberaters ergeben hat. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tr a- gen. Ergänzend zu den zutreffenden Ausführungen des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift bemerkt der Senat: 1. Zur Verfahrensrüge eines Verstoßes gegen § 109 Abs . 3 StBerG, § 261 StPO: Die Rüge ist unbegründet. Nach § 109 Abs. 3 Satz 1 StBerG sind für die En t- scheidung im berufsgerichtlichen Verfahren die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren bindend, auf denen die Entscheidung des Gerichts beruht. In dem berufsgerichtlichen Verfahren kann ein Gericht jedoch die nochmalige Pr ü- fung solcher Feststellungen beschließen, deren Richtigkeit seine Mitglieder mit - 3 - Stimmenmehrheit bezweifeln (§ 109 Abs. 3 Satz 2 StBerG). Dies war hier j e- doch nicht der Fall. Ausweisli ch der Gründe des angefochtenen Urteils sowie des Beschlusses vom 4. Februar 2015 (Anlage 14 zum Hauptverhandlungsprotokoll vom 4. Febr u- ar 2015, RB S. 16 ff.) hatte das Oberlandesgericht keine Zweifel an der Richti g- keit der strafgerichtlichen Feststellunge n und legte deswegen diese Festste l- lungen seiner Entscheidung als bindend zugrunde (UA S. 8). Soweit das Obe r- landesgericht auf Anregung der Verteidigung zunächst Beweise zu tragenden Gründen der strafgerichtlichen Entscheidungen erhoben hatte, beruhte dies auf einer später als unrichtig erkannten und noch vor der Entscheidung über die Berufung des Beschwerdeführers korrigierten Rechtsauffassung. Das Oberla n- desgericht hat deshalb die Ergebnisse dieser Beweisaufnahme auch nicht b e- rücksichtigt (Beschluss vom 4 . Februar 2015, aaO S. 2). Die Auffassung des Beschwerdeführers, aus den Grundsätzen des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 4. März 1985 (AnwSt (R) 22/84, BGHSt 33, 155) e r- gebe sich der Wegfall der Bindungswirkung und die Pflicht, die neu erhobenen Beweis e auch zu würdigen, trifft nicht zu. Denn im dortigen Verfahren hatten Zweifel zu weiteren Ermittlungen geführt, deren Ergebnisse im Verfahren auch verwertet wurden (BGH, Urteil vom 4. März 1985 AnwSt (R) 22/84, aaO S. 158 f.). Dies kommt insbesondere da rin zum Ausdruck, dass das Gericht im dortigen Verfahren erst aufgrund der erhobenen Beweise keinen Anlass sah, die Feststellungen des Strafurteils anzuzweifeln (BGH, Urteil vom 4. März 1985 AnwSt (R) 22/84, aaO). Demgegenüber hatte das Oberlandesgericht hier, wie sich aus Seite 2 des genannten Beschlusses dieses Gerichts ergibt, gerade keine Zweifel an der Richtigkeit der in den strafgerichtlichen Urteilen getroff e- nen Feststellungen. Es sah sich zunächst lediglich nicht gehindert, eine B e- - 4 - weisaufnahme zu weiteren Umständen durchzuführen, auf die sich die Verte i- digung im Rahmen ihrer gegen die Richtigkeit der strafgerichtlichen Festste l- lungen vorgetragenen Bedenken berief, um diese sich nicht aus den strafg e- richtlichen Urteilen ergebenden Gesichtspunkte näh er aufzuklären. Die vom Oberlandesgericht noch vor seiner Entscheidung korrigierte Auffassung war zwar unrichtig, weil nur die Beseitigung von Unklarheiten oder Widersprüchen in den Strafurteilen oder die Ermittlung zusätzlicher, ihnen nicht zugrunde li e- ge nder Tatsachen Gegenstand einer Beweisaufnahme sein durfte (BGH, Urteil vom 4. März 1985 AnwSt (R) 22/84, aaO). Sie offenbart aber nicht, dass das Oberlandesgericht Zweifel an der Richtigkeit der strafgerichtlichen Feststellu n- gen gehabt hätte. Die Bindun gswirkung bestand daher fort; rechtsfehlerfrei hat das Oberlandesgericht somit die unzulässig erhobenen Beweise auch nicht verwertet. 2. Zu den sachlich - rechtlichen Einwendungen gegen die Höhe des festgestel l- ten Vermögensschadens aus der von dem Revisions führer begangenen U n- treuetaten: Der eingetretene Vermögensschaden ist auch ausgehend von den Maßstäben des Bundesverfassungsgerichts hinreichend konkretisiert: Er wurde genau b e- ziffert (Vertrag 1: 224.000 Euro; Vertrag 2: 274.000 Euro; UA S. 25). Damit li egt ö- gensnachteil des § 266 StGB vor. Die Höhe der schadensgleichen Vermögen s- gefährdung ist auch mit (bindend festgestellten) Tatsachen belegt: Bei sachg e- rechter Verhandlungsführung hä tten Verträge abgeschlossen werden können, die zum Zeitpunkt ihres Abschlusses einen geldwerten Vorteil in der genannten Höhe aufgewiesen hätten (UA S. 25). Die hierzu im Strafurteil erfolgte Bewei s- - 5 - würdigung musste im Urteil des Oberlandesgerichts nicht wi edergegeben we r- den. 3. Zur Rüge eines Verstoßes gegen das sich aus Art. 103 Abs. 3 GG ergebe n- de Verbot der Doppelbestrafung: - gerichtliche Maßnahmen nicht aufgrund der allgemei nen Strafgesetze im Sinne des Art. 103 Abs. 3 GG verhängt werden (vgl. BVerfG, Beschluss vom 29. O k- tober 1969 2 BvR 545/68, BVerfGE 27, 180, 184 ff.). b) Soweit der Beschwerdeführer die vorliegend bestehende Besonderheit para l- leler berufsgerichtlicher Ve rfahren geltend macht, ist ein Rechtsfehler bei der Sanktionsbemessung nicht vorhanden. Das Oberlandesgericht hat die Wirku n- gen der von der Wirtschaftsprüferkammer des Landgerichts Berlin verhängten berufsgerichtlichen Maßnahme im Rahmen der Verhältnismäßi gkeitsprüfung ausdrücklich berücksichtigt (UA S. 27). Jäger König Bellay Schulze Große - Hok amp
Full & Egal Universal Law Academy