19.2.87 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. C 41/5
II
(Vorbereitende Rechtsakte)
KOMMISSION
Vorschlag für einen Beschluß des Rates über eine Revision des von der Gemeinsamen For-
schungsstelle für die Europäische Atomgemeinschaft und für die Europäische Wirtschaftsge-
meinschaft durchzuführenden Forschungsprogramms 1984—1987
KOM(86) 416 endg.
(Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 1. August 1986)
(87/C 41/05)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Euro-
päischen Atomgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 7
und 8,
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Euro-
päischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Arti-
kel 235 0) ,
auf Vorschlag der Kommission, die den Ausschuß für
Wissenschaft und Technik zu den nuklearen Aktionen
angehört hat,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-
schusses,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Im Rahmen der gemeinsamen Wissenschafts- und Tech-
nologiepolitik ist das Mehrjahresforschungsprogramm
eines der wesentlichen Mittel der Europäischen Atom-
gemeinschaft, zur Sicherheit und zur Entwicklung der
Kernenergie sowie zur Erlangung und zur Verbreitung
von Kenntnissen auf dem Kernsektor beizutragen.
Nach Artikel 2 des Vertrages zur Gründung der Euro-
päischen Wirtschaftsgemeinschaft gehört es zu den Auf-
gaben der Gemeinschaft, eine harmonische Entwicklung
des Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft, eine
beständige und ausgewogene Wirtschafts aus weitung und
eine größere Stabilität zu fördern. Die Ziele der darauf
gerichteten Tätigkeit der Gemeinschaft werden in Artikel
3 des genannten Vertrages erläutert.
(') Mit Inkrafttreten der Einheitlichen Europäischen Akte ist
diese rechdiche Grundlage „Artikel 235" durch den neuen,
mit der genannten Akte eingeführten Artikel 130 Q Absatz 1
des EWG-Vertrags zu ersetzen.
Die in diesem Beschluß vorgesehenen nichtnuklearen
Aktionen erscheinen zur Erreichung der genannten Ziele
notwendig.
Der Rat hat am 14. Januar 1974 eine Entschließung über
die Koordinierung der einzelstaatlichen Politiken und
die Festlegung von gemeinschaftlichen Aktionen im Be-
reich der Wissenschaft und Technologie verabschie-
det (2).
Das Programm ist entsprechend der Entschließung des
Rates vom 17. Dezember 1970 über die Einzelheiten der
Annahme der Forschungs- und Ausbildungsprogramme
aufgestellt worden (3).
Es ist wichtig, daß die gemeinsame Strategie im Bereich
der Wissenschaft und der Technologie präzisiert und in
Mehrjahresprogramme einbezogen wird, in denen die
gesamten wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten
dargelegt sind, die auf der Grundlage der Verträge Eura-
tom und EWG durchgeführt werden oder durchgeführt
werden sollen. Der Rat hat die Bedeutung dessen in sei-
ner Entschließung vom 25. Juli 1983 über Rahmenpro-
gramme für die Tätigkeiten der Gemeinschaft im Bereich
Forschung, Entwicklung und Demonstration und über
das erste Rahmenprogramm 1984—1987, bekräftigt (4).
Die Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) soll fester
Bestandteil der Tätigkeiten dieses Rahmenprogramms
werden, innerhalb der Forschungsstrategie eine zentrale
Rolle spielen und Arbeiten von gemeinsamen Interesse
durchführen.
Artikel 3 der Ratsbeschlüsse 77/488/EWG, Euratom (5),
80/317/EWG, Euratom (6) und 84/1/EWG, Euratom (7)
sieht eine Überprüfung des Programms im Laufe des
dritten Jahres vor —
O ABl. Nr. C 7 vom 29. 1. 1974, S. 2.
(») ABl. Nr. L 16 vom 20. 1. 1971, S. 13.
(4) ABl. Nr. C 208 vom 4. 8. 1983, S. 1.
(5) ABl. Nr. L 200 vom 8. 8. 1977, S. 4.
(*) ABl. Nr. L 72 vom 18. 3. 1980, S. 11.
O ABl. Nr. L 3 vom 5. 1. 1984, S. 21.
Nr. C 41/6 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 19.2.87
BESCHLIESST:
Artikel 1
Das Forschungsprogramm 1984—1987, definiert in An-
hang A der Ratsentscheidung 84/1/EWG, Euratom vom
22. Dezember 1983 (') und ergänzt durch die Ratsent-
scheidung 85/373/Euratom vom 25. Juli 1985 (2) wird
für das Jahr 1987 durch ein in Anhang A enthaltenes
revidiertes Programm ersetzt.
Artikel 2
Unter Berücksichtigung der bereits vomx Rat anläßlich
des Haushaltsverfahrens verabschiedeten Beschlüsse wer-
den die für die Durchführung des revidierten Programms
erforderlichen Mittel für das Jahr 1987 um 33 Millionen
ECU für sonstige Ausgaben erhöht.
Die indikative Aufteilung dieser Mittel für das revidierte
Mehrjahresprogramm ist in Anhang B aufgeführt.
Artikel 3
Die Kommission unterbreitet dem Rat und dem Euro-
päischen Parlament vor Vorlage des Vorschlags des
nächsten Mehrjahresprogramms der GFS ein von einer
hochrangigen Expertengruppe erstelltes Gutachten über
die zukünftige Rolle der GFS.
(') ABl. Nr. L 3 vom 5. 1. 1984, S. 21.
(*) ABl. Nr. L 210 vom 7. 8. 1985, S. 28.
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ANHANG A
GEMEINSAME FORSCHUNGSSTELLE
FORSCHUNGSPROGRAMM FÜR DAS JAHR 1987
(Letztes Jahr des Vierjahresprogrammes 1984—1987, revidiert durch den vorliegende Beschluß)
Das durch die Beschlüsse 84/1/EWG, Euratom vom 22. Dezember 1983 und 85/373/Euratom vom 25. Juli 1985
angenommene Programm wird durch die folgenden Änderungen ergänzt:
FORSCHUNGSAKTIONSPROGRAMM INDUSTRIELLE TECHNOLOGIEN
Materialien und Strukturen: Zuverlässigkeit und Standards
(Erweiterung des Programms „Hochtemperaturmaterialien")
— Hochtemperaturstrukturlegierungen,
— moderne Keramikwerkstoffe,
— Datenbank für Hochtemperaturwerkstoffe und Informationszentrum,
— Methoden zur Zuverlässigkeitsbewertung von Werkstoffen und Strukturen.
FORSCHUNGSAKTIONSPROGRAMM KERNSPALTUNG
Reaktorsicherheit
— Zuverlässigkeit und Risikobewertung,
— Unversehrtheit der Komponenten und Systeme in Leichtwasserreaktoren,
— Untersuchung des anormalen Verhaltens der Reaktorkernkühlsysteme in Leichtwasserreaktoren,
— Sicherheitsbehälter,
— Quellterm,
— Modellerstellung für Störfälle in Schnellbrüterreaktoren.
FORSCHUNGSAKTIONSPROGRAMM NICHTNUKLEARE ENERGIEN
Referenzmethoden für nichtnukleare Energiesysteme
(Diese Programme ersetzen die Programme „Prüfverfahren für Solarsysteme" und „Energieeinsatz im
Wohnungswesen".)
— Photovoltaische Energiesysteme,
— umweltfreundliche Energiesysteme.
FORSCHUNGSAKTIONSPROGRAMM UMWELT
Umweltschutz
— Chemische Erzeugnisse in der Umwelt,
— Verschmutzung der Atmosphäre,
— Wasserqualität,
— chemische Abfälle.
Anwendung von Fernerkundungstechniken
— Landüberwachung und Bewirtschaftung,
— Meeresschutz,
— Landwirtschaft.
Bestrahlungsbewertung und Überwachung
Die anderen Programme bleiben unverändert.
Eine neue Aufteilung der Mittel für die einzelnen Programme befindet sich in Anhang B.
Nr. C 41/8 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 19. 2. 87
ANHANG B
REVIDIERTES PROGRAMM DER GFS 1984—1987
Indikative Aufteilung der Mittel
Bewilligung in Mill. ECU
Programme
Industrielle Technologien
— Kernmessungen und Referenzmaterialien
— Materialien und Strukturen: Zuverlässigkeit
und Standards (Hochtemperaturwerkstoffe)
Insgesamt
Kernfusion
— Fusionstechnologie und -Sicherheit
Insgesamt
Kernspaltung
— Reaktorsicherheit
— Bewirtschaftung der radioaktiven Abfälle
— Sicherheitsüberwachung und Bewirtschaf-
tung der spaltbaren Stoffe
— Kernbrennstoffe und Aktinidenforschung
Insgesamt
Nichtnukleare Energien
— Referenzmethoden für nichtnukleare Ener-
giesysteme
Insgesamt
Umwelt
—'• Umweltschutz
— Anwendung von Fernerkundungstechniken
— Industrielles Risiko
— Bestrahlungsbewertung und Überwachung
Insgesamt
Tätigkeiten der wissenschaftlichen Abteilungen
— Betrieb des Hochflußreaktors (ergänzendes
Programm)
Insgesamt
Gesamtprogramm 1984—1987
Angenommenes Programm
Beschlüsse
84/1/EWG,
Euratom —
85/373/Euratom
64
28
92
59
59
192
49
45
66
352
39
39
49
29
21
99
59
59
700
Einschließlich
Haushalts-
beschlüsse (')
71,8
35,0
106,8
65,3
65,3
203,2
53,5
49,3
69,8
375,8
41,0
41,0
56,8
33,8
22,1
1,7
114,4
62,1
62,1
765,4
/Zusätzliche
Kredite 1987
2,7
2,3
5,0
3,5
3,5
5,3
3,2
2,6
4,0
15,1
1,0
1,0
1,7
0,6
0,1
0,7
3,1
5,1
5,1
32,8
Revidiertes
Programm
74,5
37,3
111,8
68,8
68,8
208,5
56,7
51,9
73,8
390,9
42,0
42,0
58,5
34,4
22,2
2,4
117,5
67,2
67,2
798,2
(') Sowie die in der vorliegenden Programmrevision vorgeschlagene Personalumbesetzung.
19.2 . 8 7 ' Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr . C 4 1 / 9
ANHANG 1
DER TECHNISCHE INHALT DES ÜBERGANGSPROGRAMMS
In diesem Anhäng wid beschrieben, wie die Programme der Gemeinsamen Forschungsstelle an die Über-
gangssituation angepaßt werden. Dabei wird die im Beschluß des Rates vom Dezember 1983 festgelegte
Aufgliederung der Aktivitäten in fünf Forschungsaktionsprogramme (Research Action Programmes) und
das Programm über die Nutzung des Hochflußreaktors in Petten beibehalten.
1. Industrielle Technologien
Bei den Programmen über Nukleare Referenzmessungen und -materialien und über Werkstoffe und Struk-
turen werden durch Erweiterung der Tätigkeiten zur Unterstützung der Fusionsforschung neue Akzente
gesetzt, z. B. durch verstärkte Anstrengungen zur Vorbereitung und Förderung von Normierungen (prä-
normative Forschung).
Auf dem Gebiet der Material- und Strukturforschung werden die Laboratorien in Petten und Ispra enger
zusammenarbeiten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch Beiträge hierzu aus der Forschungsanstalt
Karlsruhe erwartet. Es ist vorgesehen, daß ursprünglich für die Nukleartechnologie entwickelte Methoden
der Werkstoffentwicklung und -Untersuchung auch für nichtnukleare Materialien eingesetzt werden.
Die enge Zusammenarbeit zwischen den Laboratorien in Geel und dem Referenzbüro der Gemeinschaft
wird fortgesetzt.
Hierbei folgt man weitgehend den Vorschlägen verschiedener beratender Gremien und bemüht sich durch
enge Kontakte mit der Industrie auf verschiedenen Ebenen um eine sachgerechte und anwendungsnahe
Durchführung der Programme.
1.1. Nukleare Referenzmaterialien und Referenzmessungen
Das revidierte Programm über Nukleare Referenzmessungen wird folgenden Arbeiten besondere Aufmerk-
samkeit schenken:
— Messungen von Standard-Neutronendaten,
— Bestimmung der Neutronen-Emissionsquerschnitte für Anwendungen in der Fusionstechnologie (NET),
— Ermittlung von Neutronendaten für die Kernspaltungstechnik, die in einer Prioritätenliste der NEA
(OECD) beschrieben wurden und deren Untersuchung von den beratenden Gremien (BVKAs, Bewer-
tungsausschuß) nachhaltig gefordert wird.
Ein wichtiges Vorhaben im Bereich der nuklearen Metrologie ist die Entwicklung eines Plastik-Kalorime-
ters zur Messung von Neutronendosen mit Absorptionseigenschaften, die denen des menschlichen Gewebes
ähneln.
Das Forschungsprojekt über Referenzmaterialien betreibt und fördert weiterhin ein Gemeinschaftsmeß-
und -Bewertungsprogramm für kernanalytische Daten auf europäischer Ebene. Außerdem konzentriert
man sich weiter auf die präzise Bestimmung des Atomgewichts von Silizium im Zusammenhang mit koope-
rativen Versuchen zur Neuermittlung der Loschmidtschen Zahl. Schließlich werden in verstärktem Umfang
die Aktivitäten des gemeinschaftlichen Referenzbüros unterstützt.
Das „LOLERM"-Projekt (Low-Level Radioactivity Reference Material) ist zweitweilig unterbrochen. Es
gibt jedoch Überlegungen, unter dem Eindruck des Tschernobyl-Zwischenfalls auch auf diesem Gebiet
einen neuen Anlauf zu machen.
1.2. Werkstoffe und Strukturen
In diesem Programm werden zum einen die in Petten begonnenen Arbeiten über Hochtemperaturlegierun-
gen und Hochleistungskeramiken fortgeführt, zum anderen sollen in Ispra Methoden entwickelt werden,
mit deren Hilfe die Eignung und Lebensdauer ausgewählter Werkstoffe für einen spezifischen technischen
Einsatz geprüft werden können.
Enge Kontakte zu nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und zur Industrie werden an-
gestrebt, um einen optimalen Einsatz der Mittel zu gewährleisten. Gleichzeitig sollen industrielle Technolo-
gien gefördert und ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie geleistet werden.
N r . C 41 / 1 0 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 19.2.87
Hochwarmfeste Strukturlegierungen unterliegen bei ihrem Einsatz der kombinierten Einwirkung von che-
mischer (korrosiver), mechanischer und thermischer Belastung. Die überwiegend in Petten durchgeführten
Studien sollen das Verständnis über das Verhalten dieser Legierungen und der Schädigungsmechanismen,
denen sie bei der industriellen Anwendung ausgesetzt sind, vertiefen. Mit verbesserten Kenntnissen und
unter Zuhilfenahme geeigneter analytischer Modelle kann ein Katalog von Eigenschaften erstellt werden,
der als Basis für die Materialauswahl beim Entwurf von Anlagenkomponenten dient und Voraussagen über
ihre Lebensdauer und ihre Zuverlässigkeit ermöglicht. Dieses Projekt leistet Beiträge insbesondere an die
petrochemische und die energieerzeugende Industrie.
Ähnlich ist die Zielrichtung des mit fortgeschrittenen Strukturkeramiken befaßten Projekts. Allerdings rich-
tet sich hier die Entwicklung auf neue Herstellungstechniken.
Für die Materialcharakterisierung und die Untersuchung von mechanischen, thermodynamischen und
Transporteigenschaften werden auch die in der GFS Karlsruhe für die Nuklearkeramik entwickelten Me-
thoden eingesetzt.
Beide Projekte, das über Hochtemperaturlegierungen und das über Hochleistungskeramiken, werden in
multilateraler, internationaler Zusammenarbeit in Aktionen wie COST (für Legierungen), IEA (für Kera-
miken) sowie BRITE, EURAM, VAMAS und EUREKA (für beide Gebiete) durchgeführt.
Ein drittes Vorhaben beschäftigt sich mit der Sammlung, Bewertung und Bereitstellung von Materialdaten
über Hochtemperaturwerkstoffe. Hierzu wird die Datenbank ihre Arbeit fortsetzen und sie wird für Inter-
essenten aus allen Mitgliedsländern der Gemeinschaft zugänglich gemacht. Die Dienste des Informations-
zentrums über Hochtemperaturwerkstoffe können ebenso europaweit für Auskünfte in Anspruch genom-
men werden.
Das Übergangsprogramm sieht vor:
— die Sammlung, Bewertung und Verteilung von Werkstoffdaten für den Ingenieurbedarf, für die Ent-
wicklung von Standards und für die Anwendung fortgeschrittener Materialien,
— die Einrichtung eines Forums für Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der
Hochtemperaturwerkstoffe in Europa und für die Förderung von Gemeinschaftsaktionen,
— eine Untersuchung der Bedürfnisse der Industrie für Normen und Standards im Bereich fortgeschritte-
ner und neu entwickelter Werkstoffe.
Der Beitrag der Forschungsanstalt Ispra zum Programm über Werkstoffe und Strukturen wird sich in der
augenblicklichen Programmsituation auf zwei Aktivitäten konzentrieren: die Entwicklung von Methoden
für die Bewertung der Zuverlässigkeit von Anlagenkomponenten und -materialien und den Entwurf einer
gemeinschaftlichen Anlage (Reaktionswand), um das Verhalten von großen und komplexen strukturellen
und mechanischen Systemen unter erheblichen statischen und dynamischen Belastungen zu testen und die
Entwurfskriterien und Bausysteme zu verbessern.
Die Zuverlässigkeitsuntersuchungen betreffen zunächst Stahlstrukturen, die in der chemischen, der petro-
chemischen und der energieerzeugenden Industrie Verwendung finden.
Hier werden
— zerstörungsfreie Prüfverfahren zur Fehlercharakterisierung entwickelt
und
— Rechenmodelle entworfen, mit denen Vorhersagen über die Lebenserwartung eines Maschinenteils oder
einer Anlagenkomponente unter vorgegebenen Belastungen möglich sind.
Vorschläge für Standardprozeduren werden erarbeitet einmal durch Vergleich der Eignung verschiedener
Verfahren (akustische Emission, Laser-Holographie, Ultraschall- und Wärmetechniken und moderne Me-
thoden für mikrostrukturelle Untersuchungen und zur Prüfung physikalischer Eigenschaften), zum anderen
durch einen Vergleich der Verfahren, die in den verschiedenen Laboratorien durchgeführt wurden und
durch einen Vergleich der Ergebnisse, die mit den gleichen Techniken erzielt wurden (Benchmark Exerci-
ses).
1987 wird eine Umfrageaktion abgeschlossen und ausgewertet, die, in Zusammenarbeit mit nationalen La-
boratorien und Industrien und Forschungsprogrammen wie BRITE, EURAM, VAMAS, den Bedarf an
Methoden zur Charakterisierung und Zuverlässigkeitsbewertung neuer Werkstoffe für avancierte Techno-
logien (z. B. die Luftfahrt) ermitteln sollte. Das Untersuchungsergebnis ermöglicht die Bereitstellung der
notwendigen metrologischen Apparaturen oder, wenn möglich, den Umbau vorhandener Anlagen.
19.2 . 87 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr . C 4 1 / 1 1
Die Planungsarbeiten für eine Reaktionswand werden begleitet von Arbeiten, die die Auswahl der For-
schungsprojekte und die Festlegung ihrer Prioritäten betreffen. Die weiteren Studien zu dieser Anlage wer-
den in enger Zusammenarbeit mit nationalen Experten durchgeführt, um eine echte gemeinschaftliche An-
lage zu entwerfen.
Die Beiträge der Forschungsanstalten Ispra und Petten zum Programm über Werkstoffe und Strukturen
betrifft vor allem den Einsatz wissenschaftlicher und technischer Methoden zur Unterstützung nationaler
und internationaler Institutionen bei der Erstellung von Vorschriften, Normen und der Definition von
Standards für die Bewertung der Einsatzmöglichkeiten und der Sicherheit von Industrieprodukten. Diese
vorbereitenden pränormativen Arbeiten werden heute als die geschwindigkeitsbestimmende Phase der Stan-
dardisierungsprozedur angesehen. So wird zum Beispiel im Rahmen der Forschung über das mechanische
Verhalten von Rohrelementen ein bedeutender Beitrag zu einem BRITE-Projekt geleistet, das der Verbes-
serung der B.S.-, der DIN-Normen und anderer entsprechender Normen gilt.
2. Thermonukleare Fusion
Die GFS Ispra wird wie bisher zum Europäischen Fusions-Forschungsprogramm beitragen, jedoch mit stär-
kerer Ausrichtung auf Sicherheitsprobleme, was durch die hohe Priorität demonstriert wird, die man in
Ispra dem Bau und der Einrichtung eines Laboratoriums für die Tritiumhandhabung einräumt.
Auf dem Gebiet der Studien zur Reaktorentwicklung werden die Forscher der GFS weiterhin das NET-
Team in Garching bei der Konzeption von mechanischen Bauteilen, den Fernbedienungseinrichtungen,
dem Brutmantel und den Komponenten, die dem Plasma ausgesetzt sind, unterstützen.
Die Experimente zur Brutmanteltechnologie werden sich wie in den vergangenen Jahren auf die Vervoll-
ständigung der Datenbank über 17Li83Pb konzentrieren, wobei der mit flüssigem Tritium betriebene Brü-
ter als Referenz für die NET-Studien angesehen wird. Probleme wie das der Kompatibilität des Brutmate-
rials mit Stahl und das der Tritiumrückgewinnung werden sowohl in Ispra als auch in Petten bearbeitet
(Laborexperimente und Bestrahlungsexperimente im Reaktor).
Studien an Strukturmaterialien werden sich vor allem mit der Messung der mechanischen Eigenschaften
von Mn-Cr-Stählen unter Bestrahlung beschäftigen, wobei die Bestrahlungen wie in den vergangenen Jah-
ren im Mc-40-Zyklotron in Ispra und im Hochflußreaktor in Petten durchgeführt werden. Eine spezielle
Anlage zur Untersuchung der thermischen Ermüdung von Paneelen, die für die erste Wand im NET vor-
gesehen sind, steht in Ispra kurz vor der Inbetriebnahme.
Risikostudien beschäftigen sich u. a. mit der Abschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit von Kühlmittel-
verlust-Störfällen an der ersten Wand und im Brutmantel, mit der Simulation von Plasma-Durchbrüchen
und mit der Untersuchung der Wechselwirkung von Brutstoff (17Li83Pb) mit Wasser. Für diese Experi-
mente wurden eine neue Elektronenkanone angeschafft und eine große Versuchsanlage eingerichtet, die
Ende 1986 in Betrieb genommen wird. Die Erforschung der Tritium-Diffusion in der Atmosphäre wird
fortgesetzt.
Die Arbeiten am Tritiumlaboratorium werden sich — in Zusammenarbeit mit Vertragsnehmern aus der
Europäischen Industrie — auf detaillierte Entwürfe konzentrieren. Weiterhin werden die Informationen
bereitgestellt, die den italienischen Sicherheitsbehörden zur Erwirkung der Betriebserlaubnis vorgelegt wer-
den müssen, damit noch vor Ende des Jahres 1987 mit dem Bau begonnen werden kann. Zur Vorbereitung
der in dem Laboratorium durchzuführenden Arbeiten werden Simulationsexperimente mit Wasserstoff und
Deuterium gemacht und Verfahren zur Tritium-Rückgewinnung getestet.
3. Sicherheit der Kernspaltung
Auf dem Gebiet der Reaktorsicherheitsforschung müssen unter Berücksichtigung des Unfalls von Tscher-
nobyl die Prioritäten überprüft und gegebenenfalls neu gesetzt werden, jedoch ohne den Ergebnissen einer
noch durchzuführenden detaillierten Analyse vorgreifen zu wollen. Es ist abzusehen, daß man der Proble-
matik der schweren Kernschmelzunfälle und der Begrenzung ihrer Folgen mehr Beachtung schenken wird.
Außerdem werden die Anstrengungen zur Entwicklung von Verfahren der probabilistischen Risikoabschät-
zung verstärkt. Die der GFS übertragene Aufgabe, Informationen über Reaktorstörfälle zu sammeln und
zu bewerten, gewinnt in diesem Zusammenhang an Bedeutung.
Andererseits werden Arbeiten auf dem Gebiet der Natrium-Thermohydraulik für Schnelle Brutreaktoren in
absehbarer Zeit abgeschlossen.
Die Forschungen zur Sicherheit des nuklearen Brennstoffzyklus werden in vollem, teilweise gar verstärk-
tem Umfang weitergeführt, mit Ausnahme von Studien zur nuklearen Abfallagerung unter dem Meeresbo-
den. Die Forschungen im Bereich der Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle werden sich auf die kürzlich
fertiggestellte PETRA-Versuchsanlage konzentrieren, die in Zusammenarbeit mit nationalen Laboratorien
genutzt werden soll. Für Arbeiten zur Verbesserung der Spaltstoffflußkontrolle wird in Ispra eine neue
Installation — PERLA — eingerichtet.
Nr. C 41/12 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 19.2.87
3.1. Reaktorsicherheit
Das Programm umfaßt die folgenden sechs Aktivitäten:
— Zuverlässigkeit und Risikobewertung,
— Unversehrtheit der Komponenten und Systeme in Leichtwasserreaktoren,
— Untersuchung des anormalen Verhaltens der Reaktorkernkühlsysteme in Leichtwasserreaktoren,
— Sicherheitsbehälter,
— Quellterm,
— Modellerstellung für Störfälle in Schnellen Brutreaktoren.
Einige wichtige Elemente des Übergangprogramms:
Bei den Studien zur Zuverlässigkeit und Risikobewertung wird das Schwergewicht auf einer systematischen
Analyse der bereits in der Datenbank AORS (ERDS) gespeicherten Informationen über Störfälle liegen. In
Zusammenarbeit mit internationalen Institutionen werden 1987 Richtlinien für die Anwendung der Verfah-
ren der probabilistischen Risikoanalyse auf europäische Kraftwerke erarbeitet. Zur Unterstützung dieser
Aktion werden mehrere Arbeitsgruppen in einem Gemeinschaftsexperiment (Benchmark Exercise) einen,
schweren Störfall analysieren.
Die Arbeiten zur Abschätzung der Lebensdauer von Komponenten des Primärsystems von Leichtwasser-
reaktoren werden fortgesetzt, nachdem die Bedeutung der Komponentensicherheit für die Unfallverhütung
klarer erkannt worden ist.
Die Ergebnisse des LOBI-Testprogramms zur Untersuchung der Folgen von Störungen im Kühlsystem von
Leichtwasserreaktoren werden mit den Voraussagen von Rechenmodellen verglichen, die für große
Systeme unter Kühlmittelverlustbedingungen und bei speziellen transienten Belastungen entwickelt wurden.
Neue Studien zum Quelltermproblem werden, von Ispra gesteuert, 1987 als Forschungsaktionen mit Ko-
stenteilung durchgeführt. Zur Auswertung der Ergebnisse soll das hierfür eingesetzte Personal in Ispra
verstärkt werden, als Vorbereitung für ein integrales Testprogramm, das von einem der Mitgliedstaaten
vorgeschlagen wurde.
Das Programm zur Untersuchung von austenitischem Strahl wird man 1987 abschließen und statt dessen
ein Programm über Beton als Material für Sicherheitsbehälter vorbereiten. Dies geschieht im Rahmen eines
Projekts über Sicherheitsbehälterforschung, das in enger Zusammenarbeit mit den Institutionen der Mit-
gliedstaaten durchgeführt werden soll.
Die Sicherheitsanalyse von schnellen Brutreaktoren konzentriert sich auf schwere Zwischenfälle, wobei
lokale wie auch vollständige Kernzerstörungen berücksichtigt werden.
Die Projekte FARO und P A H R (Bestrahlungsexperimente im Reaktor) werden 1987 wie ursprünglich ge-
plant fortgesetzt. Die Arbeiten zur Entwicklung des Europäischen Unfall-Codes (EAC) werden vollendet,
und der Analyse von lokalen (Sub-Assembly) Störfällen wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Das Testprogramm über Natrium als Kühlmittel wird ebenso wie die Arbeiten über die Materialeigenschaf-
ten des natriumgekühlten Schnellen Brutreaktors angeschlossen. Die Untersuchung zur Bewertung eines
Rütteltisches wurde bereits 1986 beendet. Im Übergangsjahr wird man konkrete Überlegungen anstellen,
wie man durch ein Zurückschrauben der Forschung über große Kühlmittelsystem-Codes die analytische
Arbeit in der GFS verstärken kann. Alle Arbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit nationalen For-
schungseinrichtungen, -anlagen und Normierungsgremien durchgeführt, für die die erzielten Ergebnisse
von Nutzen sind. Durch die Fortsetzung der 1985 begonnenen Kostenteilungsaktivitäten wird auch die
Zusammenarbeit mit der Industrie verstärkt.
3.2. Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle
Die bisherige Struktur des Projekts wird auch 1987 beibehalten: Zum Themenkreis Abfallbewirtschaftung
und Brennstoffkreislauf gehört neben radiochemischen Studien und Messungen an Aktiniden die Einrich-
tung der PETRA-Anlage. Sicherheitsaspekte bei der Einlagerung von radioaktivem Abfall in kontinentale
geologische Formationen werden geprüft.
1987 wird der Übergang zu einem neuen Programm vorbereitet, in dem Probleme der Charakterisierung
und der Qualitätskontrolle verstärkt bearbeitet werden sollen.
Die PETRA-Anlage wird ihren „kalten" Betrieb im Laufe des Jahres 1987 aufnehmen. Im Anschluß daran
wird, bis Jahresende, die nukleare Testphase ablaufen. Eine auf Anregung des zuständigen BVKA gebildete
Benutzergruppe wird die durchzuführenden Versuche planen und den Informationsaustausch zwischen den
19.2. 87 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. C 41/13
Interessenten fördern. Die GFS Karlsruhe wird verstärkt am Programm mitwirken und Beiträge zur Abfall-
charakterisierung und Qualitätskontrolle leisten.
Die Mitwirkung an dem von der NEA und OECD koordinierten Projekt über Abfallagerung in ozeani-
schen Sedimenten wird reduziert und im Jahr 1988 ganz eingestellt.
3.3. Sicherheitsüberwachung und Bewirtschaftung von Spaltstoffen
Das Programm wird weiterhin Verfahren und Einrichtungen über die Untersuchung von Spaltstoffen, ihren
Einschluß und ihre Überwachung in kerntechnischen Anlagen entwickeln, die die Verarbeitung, Übermitt-
lung und Auswertung von Daten zur Sicherheitsüberwachung verbessern und einheitliche Methoden für
eine Kontrolle des Spaltstoffflusses durch die verschiedenen Stationen des Brennstoffzyklus untersuchen.
Die Einrichtung des Eich- und Trainingslabors PERLA in Ispra, das Ende 1987 fertiggestellt sein soll, wird
mit Vorrang betrieben. Mit Nachdruck soll auch an der systematischen Entwicklung von integrierten Ein-
schluß- und Überwachungssystemen für Kernmateriallager gearbeitet werden. Schließlich wird der Ent-
wicklung von Datenbasen für Spaltstoffbuchhaltungen und deren Nutzung mit Hilfe intelligenter Entschei-
dungshilfen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
3.4. Kernbrennstoff- und Aktinidenforschung
Wesentliche Teile dieses in der GFS Karlsruhe bearbeiteten Programms, das Beiträge zur Brennstoffent-
wicklung, zur Sicherheit des Aktinidenzyklus und zur Aktinidengrundlagenforschung enthält, werden
weitergeführt, doch sind im Hinblick auf den Übergang zum nächsten Mehrjahresprogramm einige Ak-
zentverlagerungen geplant:
Bei den Untersuchungen zum Hochtemperaturverhalten von Reaktormaterialien wird der Problematik des
„post accident heat removal" (PAHR) verstärkt Beachtung geschenkt. Die bisher auf aktive Teilchen be-
schränkten Aerosol-Studien sollen auf andere nukleare und nichtnukleare Schwebstoffe ausgedehnt wer-
den, wie den Einsatz von Reinigungs-Aerosolen. Im Bereich der Brennstoffentwicklung empfehlen die Gut-
achtergremien, das Verhalten von Schnellbrüter-Brennstoffen in das Transientenprogramm einzubeziehen
und spezielle Brennstoffprobleme, die bei der Plutonium-Rückführung in Leichtwasserreaktoren auftau-
chen, näher zu untersuchen. Aufbauend auf langjährigen Erfahrungen, die bei Kernbrennstoffuntersuchun-
gen gewonnen wurden, sollen in prospektiven Studien Möglichkeiten des Einsatzes von Lasern zur Mate-
rialbearbeitung und zur Reindarstellung von Materialproben (Isotopen) als Eichsubstanzen, für die Aktini-
dengrundlagenforschung (und möglicherweise für die Nuklearmedizin) geprüft werden.
Wie oben unter 1.2 und unter 2.2 beschrieben, wird die GFS Karlsruhe in Zukunft stärker als bisher am
Materialforschungsprogramm und am Programm über Nukleare Abfallbeseitigung beteiligt sein.
4. Nichtnukleare Energien
Dieses Programm wird völlig umstrukturiert: An die Stelle der Projekte Energieeinsatz im Wohnungswesen
und Erprobung von Solarenergie-Systemen tritt ein Vorhaben zur Entwicklung und Erprobung von Refe-
renzmethoden für nichtnukleare Energien, womit dem Auftrag an die GFS, zur Entwicklung von Normen
und Standards beizutragen, Rechnung getragen wird.
Das neue Programm umfaßt zwei Aktivitäten:
Die erste befaßt sich weiterhin mit der Entwicklung und Erprobung von Testverfahren für photovoltaische
Konverter in der „European Solar Testing Station", wobei jetzt die Charakterisierung von fortgeschritte-
nen photovoltaischen Materialien (amorphes Silizium) in den Vordergrund rückt. Das zweite Projekt über
umweltschonende Wärmeenergiesysteme, das sich mit der Untersuchung von aktiven und passiven Solar-
systemen befaßt, wird mit nationalen Aktivitäten koordiniert.
5. Umweltforschung
Das Programm befaßt sich wie bisher mit Umweltschutz, der Entwicklung und dem Einsatz von Eern-
erkundungstechniken, mit der Erkennung industrieller Risiken und mit Problemen des Strahlenschutzes.
1987 soll die — öffentlich zugängliche — ECDIN-Datenbank über potentiell umweltgefährdende Chemi-
kalien den zuständigen Diensten der Kommission zum Betrieb übergeben werden, während die GFS wei-
terhin für die Pflege des wissenschaftlichen Datenbestandes verantwortlich bleibt.
5.1. Umweltschutz
Die wichtigsten Veränderungen für 1987 gegenüber dem ursprünglichen Programm sind die Einführung
einer Aktivität über chemische Abfälle und eine Verstärkung der Anstrengungen, die Wirkung von Um-
weltverschmutzungen auf den Menschen und das gesamte Ökosystem modellmäßig zu erfassen.
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Angesichts der Erfahungen während der ersten drei Programmjahre wird vorgeschlagen, die laufenden
Forschungsaktivitäten in vier Kategorien einzuteilen: „Umweltchemikalien", „Luftverschmutzung", „Was-
serqualität" und „chemische Abfälle". Das letztgenannte Projekt schließt sich an Tätigkeiten an, die vorher
innerhalb des Programms „Industrielle Risiken" durchgeführt wurden.
Umweltchemikalien und ihr Gefahrenpotential werden im ECDIN (dem Environmental Chemicals Data
Information Network) beschrieben und bewertet. Die Daten (') sind öffentlich zugänglich. Die Luftver-
schmutzung in geschlossenen Räumen und ihre Wirkung auf den Menschen gewinnt als Forschungsprojekt
an Bedeutung und wird im Rahmen einer COST-Aktion unter der Leitung der GSF untersucht. For-
schungsarbeiten über Spurenmetalle und ihre gesundheitlichen Folgen und auf die Biosphäre werden fort- .
gesetzt.
Unter den Schadstoffen in der Atmosphäre stehen die sauren Niederschläge als Forschungsgebiet im Vor-
dergrund, während man sich bei der Untersuchung photochemischer Effekte verstärkt mit der Wirkung
von Pflanzen beschäftigen wird. Mathematische Modelle sollen helfen, den Schadstofftransport in der
Atmosphäre und das Problem der Massenbilanz besser zu verstehen, wozu als Vorlagen die Felddaten von
Gemeinschafts-Meßaktionen dienen, die von der EG finanziert wurden. In diesem Zusammenhang sollen
wesentliche Beiträge zur COST 611-Aktion (physikalisch-chemisches Verhalten von Luftschadstoffen) und
zum EUREKA-Projekt EUROTRAC geleistet werden.
Im Zentrallabor für Luftverschmutzung wird weiter daran gearbeitet, durch Vorschläge für die Harmoni-
sierung von analytischen Techniken dem Ratsbeschluß über Grenzwerte für Schwefeldioxid und Schweb-
stoffe Substanz zu verleihen.
Untersuchungen zur Wasserqualität konzentrieren sich auf die Verteilung von Spurenmetallen und ihre
mögliche umweltschädliche Wirkung in wäßrigen Ökosystemen.
Ein anderes Forschungsvorhaben (das früher in dem Kontext „Industrielle Schadstoffe" bearbeitet wurde)
beschäftigt sich mit der Verteilung und den möglichen Umwandlungen von schädlichen chemischen Abfäl-
len, ihrer Bewirtschaftung und ihrer Wirkung auf die Umwelt, im Sinne der Ratsentscheidung
78/319/EWG über giftige Abfallprodukte.
5.2. Strahlungsmessung und Abschätzung von Strahlungsrisiken
Dies ist eine neue Aktion, die im Sinne des Euratom-Vertrags (Kapitel III) und unter den Auswirkungen
der Tschernobyl-Katastrophe darauf zielt, das wissenschaftliche Rüstzeug für künfige Aktionen der Kom-
mission auf dem Gebeit des Strahlenschutzes zu schaffen oder zu verbessern. Diese Aktion könnte zu
einem Programm im nächsten Mehrjahresprogramm führen.
Im einzelnen ist vorgesehen:
— die Prüfung der Möglichkeiten, in einer Datenbank alle Informationen über Umweltverhalten und bio-
logische Wirksamkeit von Radionukliden zu sammeln;
— die Untersuchung mathematischer Modelle auf ihre Fähigkeit, im europäischen Raum die Verteilung
von Radionukliden zu berechnen, die von einer kerntechnischen Anlage (im Normalbetrieb oder im
Schadensfall) freigesetzt werden und die resultierende kollektive Dosis für die Bevölkerung abzuschät-
zen;
r
— die Sammlung und Bewertung von Meßdaten aus der Umweltüberwachung in der Forschungsanstalt
Ispra in Ergänzung zum Kostenteilungsprogramm „Strahlenschutz". Das neue Prpgramm umfaßt Un-
tersuchungen zur Standardisierung von Meßmethoden für Luftproben sowie einen Vergleich der in den
Mitgliedstaaten erzielten Ergebnisse.
5.3. Fernerkundung
1987 ist für dieses Programm ein Übergang zu neuen Projektstrukturen und -zielen geplant, die im folgen-
den Mehrjahresprogramm vorgesehen sind.
Hierbei handelt es sich erstens um Vorstudien für den Einsatz von Radaranlagen mit (künstlich) vergrößer-
ter Apertur für die Fernerkundung. Der Auswertung und Anwendung der in der AGRISAR-Kampagne
1986 gewonnenen Daten wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Das laufende Projekt über den küstennahen Transport von Meerwasserverschmutzungen wird in einer
Weise fortgesetzt, die Ende 1987 eine wesentliche Umorientierung des Programms ermöglicht. Ein mathe-
matisches Diffusions- und Zirkulationsmodell, das aus der Meerwasserverschmutzung resultierende biophy-
sikalische Parameter darzustellen und ihre Verteilung vorherzusagen gestattet, soll erstellt werden. In der
zweiten Jahreshälfte 1987 wird der Prototyp eines Laser-Fluroeszenz-Detektors, der für die Entdeckung
und Untersuchungen von Ölspuren im Meer entwickelt wurde, für erste Feldversuche einsatzbereit sein.
Außerdem wird untersucht, ob diese Technik auch zur Entdeckung und Identifizierung von chemischen
Verschmutzungen geeignet ist, um das Programm eventuell in diese Richtung auszuweiten.
(') Einschließlich der über Substanzen der Listen I und II aus der Richtlinie 76/464/EWG.
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Innerhalb des Vorhabens zur Erforschung der Fischbestände werden die laufenden Untersuchungen, die
sich auf typische Auftriebszonen an der Atlantikküste von Marokko konzentrieren, im Hinblick auf die
Einrichtung eines speziellen Projekts im Programm 1988—1991 erweitert.
Schließlich wird 1987 der gemeinsam von der GD Landwirtschaft, des SAEG und der GFS erarbeitete
Aktionsplan zur Einbeziehung der Fernerkundung in ein Europäisches Informationssystem für die Land-
wirtschaft anlaufen. Erste Aktionen, die unter Vertrag ablaufen werden, betreffen die Entwicklung von
statistischen Methoden für die Erfassung der landwirtschaftlichen Bodennutzung und die Anwendungsmög-
lichkeiten von Ernteertragsvoraussagen, die auf Fernerkundungsdaten beruhen.
Das Projekt über Naturkatastrophen, das zur Zeit auf seine Durchführbarkeit untersucht wird, wird einge-
stellt.
Weiterhin wird die GFS zusammen mit den betreffenden Generaldirektionen bis in alle Einzelheiten die
Tätigkeiten festlegen, mit denen die Empfehlungen eines Expertengremiums besonders im Hinblick auf das
CORINE-Programm und den Bereich der Meeresverschmutzungen in die Tat umgesetzt werden sollen.
Dieses Gremium, das von der GD XII-GFS eingesetzt wurde, hat unter der Leitung von Herrn Roy Gib-
son die Entwicklung bei der Anwendung von Fernerkundungstechniken untersucht.
5.4. Industrielle Risiken
Aktionen der GFS auf diesem Gebiet werden in enger Zusammenarbeit mit der GD Umwelt, Verbraucher-
schutz und nukleare Sicherheit durchgeführt, wobei die Gemeinsame Forschungsstelle sich besonders auf
die Risikobewertung und die Risikobewältigung spezialisiert und dazu auf Kompetenzen zurückgreifen
kann, die für die Probleme der Reaktorsicherheit entwickelt wurden.
Nach gründlicher Vorarbeit während der Jahre 1984 und 1985 und aufgrund von Beratungen mit Vertre-
tern von Industrie und Sicherheitsbehörden wird das neue GFS-Programm zwei Aspekte der industriellen
Sicherheit bearbeiten: Unfallverhütung und Schadensbegrenzung.
Die Arbeiten zur Unfallverhütung beinhalten Modellversuche zur Risikoanalyse, die zum Teil mit anderen
Forschergruppen durchgeführt werden und dazu dienen sollen, die anzuwendenden Methoden zu harmo-
nisieren. Weiterhin sollen in diesem Zusammenhang Forschungsvorhaben anderer Institutionen
(EuReDatA (') und ESRA (2)) koordiniert und in verschiedenen Forschungsprogrammen gewonnene Daten
ausgetauscht werden. Zur gleichen Zeit werden diese Tätigkeiten mit denen der kostenteilenden Aktion
über große technologische Risiken koordiniert.
Die Arbeiten zur Schadensbegrenzung konzentrieren sich auf experimentelle und theoretische Studien von
sogenannten Runaway-Reaktionen, also Vorgängen, die, außer Kontrolle geraten, in ihrer Schadenswirk-
samkeit rapide zunehmen. Die vorgesehenen Studien umfassen kinetische und thermodynamische Aspekte,
die Durchführung von Modellversuchen und Untersuchungen über die Wirksamkeit von Entlastungs-
systemen.
Das bisher in Zusammenhang mit den industriellen Risiken behandelte Projekt über chemische Abfallstoffe
wird 1987 dem Umweltschutzprogramm zugeschlagen, die Entwicklung von Verfahren zur zerstörungs-
freien Werkstoffprüfung wird im Programm über Industrielle Technologien weitergeführt.
6. Betrieb des Hochflußreaktors
Dieses zu anderen komplementäre Programm wird entsprechend den mit den zuständigen Aufsichts- und
Beratergremien abgestimmten Plänen auch im Jahr 1987 weitergeführt.
Nach den in den Jahren 1984 bis 1986 vorgenommenen Umbauten steht jetzt eine leistungsfähige, moderne
Anlage zur Verfügung, die hervorragend für Zwecke der Materialprüfung und als intensive Neutronen-
quelle geeignet ist.
Die Haupteinsatzgebiete sind die gleichen wie bisher:
— technologisch orientierte Forschung auf dem Gebiet der Brennstoffentwicklung für Kernspaltungsreak-
toren und Untersuchung des Verhaltens von Strukturmaterialien unter Bestrahlung,
(*) EuReDatA: European Reliability Databank Association.
(2) ESRA: European Safety and Reliability Association.
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— Materialuntersuchungen für Fusionsreaktoren,
— kernphysikalische Experimente,
— Einsatz von Neutronenstrahlen zur Erforschung von Materialstrukturen,
— Herstellung von Radioisotopen für medizinische, industrielle und wissenschaftliche Anwendungen,
— Aktivierungs-Analysen.
ANHANG 2
Auswirkungen auf kleine und mittlere Betriebe (KMB)
1. Die Durchführung des geplanten Programms für 1987 wird auf unterschiedliche Weise direkte und
indirekte Auswirkungen auf kleine und mittlere Betriebe haben, wobei KMB als Unternehmen mit weni-
ger als 100 bzw. 500 Mitarbeiter anzusehen sind.
2. Direkte Auswirkungen gibt es in zweierlei Hinsicht:
i) einmal ziehen die KMB Nutzen aus der Programmdurchführung;
ii) zum zweiten kann die GFS Arbeiten bei den KMB in Auftrag geben.
Indirekt profitieren die KMB (neben anderen Unternehmen, nationalen Forschungsinstituten, Normie-
rungsgremien usw.) von den Forschungsergebnissen der GFS, die in der Fachliteratur, auf öffentlichen
Seminaren upd Konferenzen bekanntgegeben und den nationalen Behörden mitgeteilt werden, die diese
Informationen von den sektoralen beratenden Verwaltungs- und Koordinierungsausschüssen im Rah-
men der regelmäßigen Berichterstattung über die Arbeit und die Forschungsergebnisse der GFS enthal-
ten.
3. KMB, die direkten Nutzen aus der Arbeit der GFS ziehen, profitieren von den Aktivitäten der GFS über
Sammlung, Bewertung und Verbreitung von Wissen, wie z. B. in der Datenbank über Hochtemperatur-
werkstoffe in Petten und in Ispra in der Datenbank ECDIN über giftige chemische Substanzen (sie wird
nun von einem auswärtigen Unternehmen betrieben).
KMB nutzen die Versuchsanlagen der GFS, einschließlich der Solartestanlage in Ispra, was auch eine
Weiterentwicklung der angewandten Methoden zu Folge hat.
Wie schon in der Vergangenheit werden die KMB auch 1987 mit den Forschungsanstalten der GFS
zusammenarbeiten, um Instrumente, die in den unterschiedlichen Programmen benutzt werden, zu ent-
wickeln und neue Methodologien einschließlich Technologien zum Informationstransport und zur In-
formationshandhabung (Systeme zur Sicherheitsüberwachung, Fernerkundungstechniken) zu erarbeiten.
Neue wissenschaftliche Disziplinen zur Anwendung neuer Programme sind oft in Zusammenarbeit mit
KMB entstanden (z. B. künstliche Intelligenz), und viele Projekte zur Auswertung der Forschungsergeb-
nisse der GFS werden mit KBM durchgeführt. Dies wird auch 1987 fortgesetzt.
Nicht zuletzt haben die Forschungsergebnisse der GFS stimulierend auf die Gründung neuer KMB im
Bereich der Hochtechnologie geführt. Hierfür gibt es besonders aus der jüngsten Zeit Beispiele, die auf
das Programm der GFS über Fernerkundung aus dem Weltraum zurückgehen.
4. Im vorläufigen Vorschlag für den Haushalt 1987 wurden die „sonstigen" Ausgaben auf etwa 29 Millio-
nen ECU geschätzt, die für Maßnahmen in der allgemeinen Verwaltung und Infrastruktur verwendet
werden.
Diese Summe umfaßt alle Kosten, die beim Betrieb der vier Forschungsanstalten entstehen (Energiever-
sorgung, Transport, Instandhaltung von Gebäuden und technischen Anlagen, allgemeine Dienste). Rund
ein Drittel der Gelder wird schätzungsweise für Verträge mit KMB ausgegeben. Weitere 12 Millionen
ECU fließen in die wissenschaftlich-technische Unterstützung, von denen ein nicht unerheblicher Teil
auch für Verträge mit KMB aufgewendet wird. Das gleiche gilt für 36 Millionen ECU, die beiseite
gelegt wurden zur Ausführung des direkten Programms einschließlich des Betriebs des Hochflußreak-
tors in Petten. In diesem Zusammenhang werden die bei der Bestrahlung benutzten Einweg-Geräte zum
größten Teil von KMB hergestellt, und bei der Konstruktion von wissenschaftlichen Geräten, bei der
Vorbereitung von Proben usw. greifen die vier Forschungsanstalten in großem Maße auf örtliche Be-
triebe zurück.
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